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vorüberflattern

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorüberflattern

Bd. 26, Sp. 1809
-flattern Campe. aa) im eigentlichen sinne, bewegung durch flügel: nur ein paar fledermäuse flatterten vorüber Hebel 1, 74 Behaghel; dann haschen sie nach einem vorüberflatternden schmetterlinge Stifter (1904) 3, 261; mit schwerem fittich flattert es vorüber A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 244. bb) freier, dann auch von anderer bewegung: bei solchem schnellen vorüberflattern desz sehr tuncklen gewölcks Er. Francisci d. eröffnete lusthaus (1676) 626; als ich diese possierlichen gespenster (englische studenten) an mir vorüberflattern sah G. Forster (1843) 3, 430; weil die lüftchen, eure buhler, scheu an euch vorüberflattern W. Müller ged. 73 Hatfield. cc) in übertragener anwendung; es kann dabei das flüchtige, unbeständige bezeichnet werden, ferner das vorübereilen, insofern es ein nichtbeachten ist. natürlich ist auch neutrale anwendung gebräuchlich: der ewige alte geiste der menschheit und der vorüberflatternde zeitgeist E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 4, 37; die tage flatterten oder krochen vorüber Laube (1875) 8, 138; ein märchen, das die wirklichkeit ... vorüberflatternd erheitert O. Ludwig (1891) 6, 86; die asche meiner hoffnungen, die kränze geliebter todten flattern mir vorüber Lenau 18 Barthel. von personen: hie solte der trotzige helt antworten, so fladdert er fur uber und alfenzt die weil ein anders Luther 26, 376 W.; das bewegen der menschen stellte ihm ihr vorüberflattern, ihr fliehen in die gräber dar Jean Paul 7/10, 413 H.; wo tausend blind vorüberflattern, weilet voll seele sein helles auge Heydenreich ged. 1 (1793) 118. vorüberfliegen, fürüberfliegen (teil 4, 1, 1, sp. 926 ohne beleg), pretervolare voruberfliegen Diefenbach gloss. 458b; praetervolo fürüberfliegen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1145b; volare oltra furuber fliegen Hulsius (1618) 2, 439a; vorüber fliegen, praeter vehi Reyher thesaurus (1686) o 3b; Campe. aa) mit dem dat. verbunden, wobei der dativ mit zur örtlichen vorstellung gehört, nicht ein dat. commodi ist (vgl. oben 2 a): mit dem aufgang der sonne ... flog ihm vorüber ein zug von zwölf geyern Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 154; soll der in ketten denen nachgehn, welchen er, kühner, vorüber flöge? Klopstock oden 1, 106 M.-P.; fliegen die tauben der saat in gleichem momento vorüber Göthe 1, 337 W.; aus den farbigen scheiben des fensters flog ein leuchtender strahl der abendsonn ihm vorüber Pyrker (1855) 1, 13. mit dem akkus., vgl. oben 2 b: und, wie ein vogel, der husar das haus vorüberflog grafen zu Stolberg (1820) 1, 43; ich fliege pracht und hof vorüber Schiller 3, 164 G.; so flog er vorüber den schimmernden prunk in die einsame halle Hölderlin 1, 85 Litzmann. bb) bewegung durch die luft, zunächst von vögeln, schmetterlingen u. s. w.: (schlangen) das gevögel, wie hoch und schnell es auch fürüber fleugt, an sich ziehen und verschlücken Heyden Plinius (1565) 105; vom jauchzen der versammelten Griechen waren die vorüber fliegenden vögel betäubt zur erden gefallen A. v. Haller Fabius u. Cato (1774) 157; ein anderes vorüberfliegendes (insekt) im gewandten fluge erhaschen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 355; eine mücke, die eben an ihm vorüber flog Storm (1899) 1, 76; vielleicht fliegt zu unserer unterhaltung eine fledermaus vorüber M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 379; indes thet es sich gantz begeben, das etlich krench füruber flogen, thet ein mörder zum andern sagen: das sind gewisz Ibici krench Eyering proverb. copia (1601) 2, 208; der vogel flog vorüber nur, und niemand ist, der seine spur hett irgends wargenommen Königsb. dichterkr. 154 ndr.; wie oft am abend sahn wir kleine vögel vorüberfliegen, hörten ihren sang Rückert (1867) 10, 406. von dem geflügelten Amor: Amor hatt ihn, da er einmal vorüberflog ... verwundet Geszner schr. (1777) 1, 170; vgl.: und schonend fliege dir stets Cytherens vogel vorüber Matthisson (1825) 1, 72. cc) in mannigfaltigster anwendung zur bezeichnung einer sehr schnellen bewegung, in der luft und auf der erde, von menschen, z. b. gehenden oder reitenden, in wagen, schlitten, schiffen, im eisenbahnzuge fahrenden, natürlich auch von tieren, ferner von gefährten aller art; von allen gegenständen, die in der luft sich schnell vorüber bewegen (z. b. ball, speer, kugel) u. s. w.: vorüberfliegend (im schiffe) befreundete man sich mit der schönen reihe merkwürdig hingelagerter ... ansichten Göthe 24, 362 W.; er erblickte mich, als er (zu rosz) vorüberflog Schiller Fiesko 2, 11; er wird eine grosze freude haben, dich im vorüberfliegen zu sehen br. von u. an Herwegh (1896) 79; zuerst flogs vorüber auf schwarzem rosz und dann auf dem braunen pferde E. M. Arndt w. 6, 237 R.-M.; müszige kutscher, vorüberfliegend Rückert (1867) 2, 399. tanz: ein paar nach dem andern flog an dem fenster vorüber Eichendorff (1864) 2, 68. — in gewagter wendung vom auge eines mit der bahn reisenden: rechts und links hat man die bahn mit bäumen bepflanzt, wodurch für das vorüberfliegende auge ein wahrhaft krankhafter reiz entsteht Gutzkow (1872) 11, 103. — dagegen oft von dem, was der reisende oder sich schnell bewegende erblickt, an sich vorbeiziehen läszt: schlösser und wälder flogen bey unsern nasen vorüber Babo schauspiele (1793) 3; die aussichten, die in entgegengesetzter richtung vor unserm auge vorüber flogen G. Forster (1843) 3, 353; zuweilen blitzte der mond oder das vorüberfliegende licht eines bauernhauses durch den wagen Eichendorff (1864) 2, 578; oft schleudert ein orkan sie (die skiläufer), als in schwindel vor sich her, am vorüberfliegenden felsengestad hinab Klopstock oden 1, 218 M.-P. von den gefährten ausgesagt: eine fremde gondel ... rauschte hastig heran und flog eben so schnell vorüber Gaudy (1844) 13, 121; wagen, die wie der blitz an uns vorüberflogen Rank erinn. (1896) 160 bibl. dt. schriftst. aus Böhmen; die insassen mit einbezogen: zwei, drei schlitten flogen vorüber, grüszten und sangen Fontane I 1, 7. dd) freier dann von wahrnehmbarer bewegung, auch im bilde: vorm vorüberfliegenden wölkchen Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 3; in seiner jugend, wo seine lebenshimmel nur noch vorüberfliegende wolken trugen Grabbe 4, 216 Bl.; drauszen flogen schwarze wolkentrümmer ... an einem fieberblassen mond vorüber Holtei erz. schr. (1861) 6, 198. — es war nur ein vorüberfliegender schatten Caroline 2, 171 Waitz; Helios, wenn er am scheitel mir vorüberfleucht H. v. Kleist 2, 83 E. Schm.; vorüber fliegt des baches welle, zweimal berührt sie keine hand Tiedge (1823) 3, 144. in kühnen bildern: alles, was ich noch auftreiben konnte, um womöglich einen runden kreis so vorüberfliegender deutscher poesien (volkslieder) aufstellen zu können Brentano in: schr. d. Götheges. 14, 79. — vom blick: sein blick flog scheu an der schlanken gestalt vorüber O. Ludwig (1891) 1, 232. — an den ohren vorüber, nicht haftend: (musik) schwebt auf den lüften und fliegt auch mit den lüften vorüber Herder 12, 248 S.; (worte,) die an den ohren ... ohne wirkung vorüberflogen Klinger (1809) 8, 319; es kribbelt von namen, welche als wesenlose schemen vor den ohren der schüler vorüberfliegen Lagarde dt. schr. (1886) 241. ee) von zeitlichen vorstellungen: jahre des glücks und der ruhe flogen schnell ... vorüber Klinger (1809) 8, 235; eine viertelstunde, die wie eine minute vorüberflog Heinse 5, 7 Sch.; im vorüberfliegen eines tages K. A. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 57; und äonen mögen nur über mir vorüber fliegen Schubart ged. (1825) 1, 206; jahrhunderte sind vorüber geflogen Schiller 11, 358 G. ff) innere vorgänge: vorüberfliegende gedanken Herder 28, 293 S.; die vorüberfliegende empfindung Thümmel reise (1791) 10, 63; nach vorüberfliegender friedenshoffnung Göthe 35, 53 W.; herr über ihre vielleicht nur zuweilen vorüberfliegenden leidenschaften Heinse 5, 275 Sch.; bilder der phantasie, die blitzschnell an uns vorüberfliegen Schopenhauer 1, 77 Gr. vorüberfliehen: fürüberfliehen (fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926), wüschen, praetervolare Decimator thes. (1608); vorüberfliehen Campe. aa) mit dem dat. (s. oben 2 a): heiter wie frühlingstag schwand ihm das leben, floh ihm vorüber im hesperusglanz Schiller 1, 107 G. mit dem akkus. (s. oben 2 b): lasz den anfang mit dem ende sich in eins zusammenziehn! schneller als die gegenstände selber dich vorüberfliehn Göthe 3, 80 W. bb) von der eigentlichen bedeutung der flucht besiegter aus nimmt das wort die bedeutung des schnellen vorübereilens an und wird in mannigfaltigster weise im sinnlichen und übertragenen sinne gebraucht: ein träger spiegel der vorüberfliehenden gestalten Fichte (1845) 2, 196; sie flieht jugendlich leicht, mit schlüpfendem fusze, vorüber Klopstock oden 1, 36 M.-P.; sah mann und rosz vorüberfliehn Hölty ged. 15 Halm; der wald nur grüszt, wo sie vorüberflohen, kein wort die feierliche stille brach Eichendorff (1864) 3, 553. cc) gegenstände: (ich sehe) durch die stürmenden, vorüberfliehenden wolken einzelne sterne Göthe 19, 187 W.; sonnenstrahl, der im vorüberfliehen auf seine luke leuchtet Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 103; o welt voll schande! schaudernd erblickten dich die andern sterne, wenn du vorüberflohst Kretschmann (1784) 2, 79; (mond) eile nicht vorüberfliehend mit der sichel scharf und blank Brentano (1852) 3, 92. dd) scheinbare bewegung: das reiche gelände flieht vorüber (den schiffenden) Göthe 25, 234 W.; lachend fliehen an mir die reichen ufer vorüber Schiller 11, 77 G ee) zeitlich vorgestellt, wobei auch flüchtigkeit, vergänglichkeit betont werden kann: nur eine rasche kühne hand ergreift die vorüberfliehende gelegenheit J. J. Engel (1801) 4, 21; die tage des hierseins dieses ... fürsten flohen schnell vorüber Göthe IV 22, 193 W.; (sie) liesz in dieser verblendung den zeitpunkt vorüberfliehen Holtei erz. schr. (1861) 5, 77; in den vorüberfliehenden ereignissen des tages das dauernde ... zu erfassen Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 212; (sieht er) ewig jung die erde blühen, indesz vom menschen bis zum wurm die lebenden vorüberfliehen Gotter (1787) 1, 463; alles ist vorüberfliehend Tiedge (1823) 2, 83. ff) innerer vorgang: mehr braucht es nicht, um ohnmächtige nerven zu einem schnell vorüberfliehenden entzücken zu kitzeln G. Forster (1843) 3, 496; ohne sich festhalten zu lassen, flohen tausend gestalten seiner seele mit blitzesschnelle vorüber Tieck (1828) 8, 15,; vorüberfliehend wie in einem fiebertraum O. Ludwig (1891) 1, 307; vergönne, dasz wir frey und kühn dir unsers zweifels grund bekennen, und uns von herzen glücklich nennen, da wir ihn sehn vorüber fliehn Gottsched ged. (1751) 1, 156. vorüberflieszen; fürüberflieszen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexikalisch belegt; praeterfluo, praeterlabor ich flies für über Er. Alberus (1540) gg 1a; scorrere vicino füruber flieszen Hulsius (1618) 2, 360b; fürüber- oder vorüberflieszen Stieler 514; ebenso Steinbach 1, 470; vorüberflieszen Campe. aa) in eigentlichem sinne von flüssigem: die Oder fliszt bey Breszlau vorüber Steinbach a. a. o.; meine brüder gehen verechtlich fur mir uber, wie eine bach, wie die wasserströme furuberflieszen Hiob 6, 15; der flusz macht ein angenehmes geräusch im vorüberflieszen Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 5, 324; als wenn er die vorüberflieszenden wassertropfen (eines stromes) selbst zählte F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 4, 255; die nördlich der groszen Antillen vorübergeflossenen äquatorialen wasser v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 598; wo die Lauter hell und lauter meinem zaun vorüberflieszt Rückert (1867) 2, 530. bb) übertragen, zeitlich vergehen: alles, was zeitlich ist, fleuszt augenblicklich vorüber Stieler 515; es sind nunmehr fast 19. jahr vorübergeflossen Chr. Weise d. polit. redner (1677) 986; die hohe minute ist vorübergeflossen Jean Paul 1, 346 H.; so liesz ich denn die zeit vorüberflieszen Tieck (1828) 2, 269; (ein feststehendes,) an welchem die zeit mit ihrem inhalt vorüberflösse Schopenhauer 4, 120 Gr.; (tag,) der mir, weil ich allein war, öd und traurig vorüber flosz Klopstock oden 1, 56 M.-P.; fünf und zwanzig lenze, o du lieber, flossen mir an deiner seite süsz, wie ein krystallbach vorüber Schubart ged. (1825) 2, 208. wie schnell flieszt nicht unser leben vorüber Adelung umst. lehrgebäude d. dt. spr. 2, 593; (die) das dasein als ein unaufhaltsames vorüberflieszen erkannten W. v. Scholz erz. (1924) 48; gespielin meiner jugend, die in Augustens schoos in weisheit und gesängen mir halb vorüberflosz Dusch verm. w. (1754) 11. cc) innerer vorgang: weil sie (böse gedanken) so gar leicht und fürüber flieszen Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 446; der ganze gleitende widerschein des jugendmorgens flosz an ihm glimmend vorüber Jean Paul (1826) 10, 47. vorüberflirren, im eigentlichen sinne und übertragen: vergangene nacht im palais ist es auch mir wie ein blitz vor den augen vorübergeflirrt Laube (1875) 15, 219; lasz nur den tollen spuk der zeit vorüberflirren Rückert (1867) 8, 98. mit dem akkus., s. oben 2 b: denn wie ein blitzstrahl flirrte michs vorüber Grillparzer Sappho 5, 6. —
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorüberflatternv., intrs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Vorüberflattern , v. intrs . mit sein , flatternd vorüberfliegen. D. Vorüberflattern .

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Komposita & Ableitungen mit vorueberflattern

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(vor+ueber)+(flat+tern)

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