vorsaal,
m. ,
proaulium leube
vel vursall Diefenbach
gl. 460
b; vorsal,
atrium proprie dictum, vulgo anticamera Stieler 1672; vorsaal,
antisala Kramer
teutschital. dict. 2 (1702) 401
a; Adelung; Campe; Braun
dt. orthograph.-gramm. wb. (1793) 293
a tritt für die schreibung vorsal
ein, '
denn die sääle
schreibt wohl niemand'
; im mnld. unter französischem einflusz s. voresale Verwijs-Verdam 9, 1062. 11)
in der schriftsprache der gegenwart ist die mit saal
verbundene vorstellung durchaus maszgebend auch für den gebrauch von vorsaal,
das also einen gröszeren, baulich vornehmeren raum bezeichnet, der vor dem eigentlichen saal liegt: '
ein kleinerer saal vor einem gröszeren saale' Campe; vorsaal eines konzert-, ballsaals
u. ä. dieser sinn kann natürlich auch früher mit vorsaal
verbunden sein, wenn von vornehmen gebäuden, palästen die rede ist, oft auch für den warteraum vor dem audienzsaal eines fürsten oder dem empfangsraum eines ministers oder eines andern groszen herren. —
daneben hat das wort noch einen andern sinn, den schon Stieler (
s. oben) vermerkt und der landschaftlich bewahrt ist,
s. Kretschmer
wortgeographie 207: '
in Obersachsen der platz in einem stockwerke vor den zimmern, in welchen man, wenn das untere stockwerk bewohnt ist, aus der hausthür, in den übrigen stockwerken aber von der treppe tritt. er behält diesen namen, wenn er auch klein ist und eigentlich nicht den nahmen eines saales verdienet' Adelung.
auch in der schriftsprache wird das wort in diesem sinne bis in die neuzeit gebraucht, oft freilich bleibt die bedeutung unbestimmt. 1@aa)
in der gehobeneren bedeutung: in allen vier vorsälen des tempels Lohenstein
Armin. (1689) 2, 883
b; reine erzväter gottes; sucht sie nicht in vorsälen der höfe Herder 7, 183
S.; ein auf säulen ruhender vorsaal
theater der Deutschen (1768) 13, 64; (
adel) sich im vorsaale des fürsten wie gestirne drängend Schubart
leben u. gesinn. (1791) 1, 279; wohl kam ich, und muszt im vorsaal stehn, lang, lang Göthe 8, 71
W.; aus dem kabinet des königs in den vorsaal tretend Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 4, 296. bis er, zur vernunft herabgesunken, in den vorsaal seiner gönner kriecht Sturz (1779) 2, 290; (
die knechte) dasz sie deines (
Belsazars) winks gebote spähn, im volke fürsten zwar ..., doch deine niedern sklaven, harren herr, im vorsaal grafen zu Stolberg (1820) 4, 57; und in des vorsaals dicker luft hält mancher stolz sich für des staates treiber Seume
ged. (1804) 45; des vorsaals und des stalles edle stämme (
lakaien und pferdeknechte) Uhland
ged. (1898) 1, 349. 1@bb)
flur, korridor, doch auch vorzimmer, in kleineren verhältnissen; die erstere bedeutung wird deutlich durch auf: (
platten von porzellan,) womit das frauenzimmer die wände in ihren zimmern, kammern, vorsälen und küchen ... besetzen Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 550; sieh zu, dasz du ... die sache drauszen auf dem vorsaale (
i gangen) beylegst
Holberg dän. schaubühne (1743) 4, 301;
aber: ist dies nicht ein schöner vorsaal (
forstue)? 5, 148; (
wir) begaben uns auf den vorsaal
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 21; ein mit fenstern geschlossener vorsaal oder korridor Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 1, 212; auf einem dinge von vorsaal zwischen zwei groszen cartoffelbergen Hölty 225
Halm; wenn sich etwas auf dem vorsaale regt Göthe 20, 187
W.; auf unserem vorsaale Eichendorff (1864) 2, 52; die vorsäle der untern gemächer G. Keller (1889) 6, 118; tretet ab ihr leute. ... — auf den vorsaal drauszen H. v. Kleist 1, 397
E. Schm. 22)
in freiem, bildlichem und übertragenem gebrauch (
von Campe
angemerkt): deren lehrgebäude (
schule des Descartes) und methode er überhaupt nur für den vorsaal der wahren, groszen naturphilosophie hielt Herder 18, 324
S.; (
eine stube) der schwarz ausgeschlagene vorsaal des grabes Jean Paul 1, 385
H.; im vorsaal der ewigkeit, in der heiligen kirche auf erden Löhe
evangelienpostille (1848) 2, 144
b. 33)
in technischer sprache: vorsaal,
vestibulum osseum Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839) 5, 854; die vordere (
treppe im schneckengang des ohrs) aber öffnet sich in den vorsal und wird die
vorsaltreppe (
scala vestibuli) geheiszen Blancard
arzneiw. wb. (1788) 1, 588
a. 44)
diminuiert: was dem institut gehört, ... steht in dem
vorsäälchen Göthe IV 19, 229
W.