vorredner,
m. ,
zur form s. redner th. 8,
sp. 484;
mhd. vorredenære
mhd. wb. 2, 607
a; vorreder
et vorredner,
prologus, it. intercessor, deprecator Stieler 1546. Adelung; Campe.
das wort tritt erst im 17.
jh. wieder häufiger auf, verdrängt aber dann vorreder
vollständig. 11)
die in der sprache der gegenwart herrschende bedeutung fehlt noch bei Adelung,
wird aber von Campe
verzeichnet; nach seiner bemerkung unter vorreder
scheint es, dasz er sie sich selbst konstruiert hat: 'vorredner,
bei welchem man nach dem engeren begriff, worin man redner gebraucht, nicht sowol an einen, der vorredet,
die vorrede
zu einem buche macht, als an einen redner, welcher vor einem andern d. h. früher als er eine rede hält, denken sollte'.
besonders durch den parlamentarismus hat dieser gebrauch des wortes sich festgesetzt: ich wollte mir nur erlauben, sofort einen irrthum meines herrn vorredners zu berichtigen Bismarck
polit. reden 3, 22
Kohl; es ist von dem herrn vorredner besonders gewicht auf die examina gelegt worden Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 31; in seiner bedachten redeweise bildete er einen starken gegensatz zu dem vorredner Polenz
Grabenhäger (1897) 2, 110. —
in kühner übertragung: auf dem sattel kriegerischer barone wurde das starke kind der englischen verfassung geboren und Pitts und Cannings vorredner im parlamente waren trompeten und wiehernde rosse Kürnberger
siegelringe (1874) 21. 22)
in älteren nhd. einleitender sprecher, besonders im schauspiel: prologus, is qui prologum recitat, der vorredener Faber
thesaurus (1587) 652
a; vorredner, der, so die vorrede in einer comödie thut Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 293
c; der vorredner sol einer von den personen in dem spiel seyn, der den inhalt kürtzlich erzehlen und um gedultige aufmerkung bitten musz Harsdörffer
poet. trichter (1647) 2, 80; Palamedes, der erfinder dieser gemüthsergetzung, trate als vorredner auff Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1643
a;
auch einige vorredner in den tragödien des Euripides werden dadurch erträglicher, indem man nicht voraussetzen darf, dasz sie zu den zuschauern sprechen J. E. Schlegel (1761) 1, 402; (
die worte) beziehen sich keinesweges auf das, was Terenz den vorredner in dem vorigen hat sagen lassen Lessing 10, 155
M.; in der folgenden stelle aber vom prolog selbst (
vgl. unten 4): ist aus dem vorredner des Amphitruo deutlich zu beweisen 4, 182. —
freier: und doch war alles bisherige eines groszen schauspiels vorredner nur Meissner
Alcibiades (1781) 3, 190. 33)
noch im 18.
jh. auszerordentlich häufig von dem, der eine vorrede zu einer schriftlichen darlegung verfaszt und ihr vorausschickt, der einleitend zu den lesern redet; es kann natürlich auch ein anderer als der verf. des werkes sein; nur diese bedeutung verzeichnet Adelung; der vorredner,
l'auteur d'une préface Schwan
nouveau dictionaire (1783) 2, 973
b; wie der vorredner im gereimten Eulenspigel an die schalksklügler schreibt Fischart 3, 17
H.; wer kann aber besser wissen, was hr.
d. Tr-ll-r im sinn hat, als sein vorredner Bodmer
samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 10; der vorredner der bremischen gedichte Schönaich
ästhetik in einer nusz (1754) 74; welches beydes einem jeden leser wohlmeynend anwünschet ... der vorredner
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 10; zu seinen (
Gleims) kriegsliedern war Lessing der vorredner Herder 18, 118
S.; solche hexameter meinet der vorredner zu der übersetzung des verlorenen paradieses nicht Nicolai
lit. br. 2, 297; was man mich als vorredner (
zu Rameaus neffe) sagen läszt Göthe IV 37, 280
W.; da mag der teufel vorredner sein Jean Paul 4, 197
akad. ausg.; seinen beurtheiler läszt der vorredner gesagt haben Voss
antisymbol. 2 (1826) 302; den juristen Holtzendorf, den herausgeber und vorredner der noch viel sogenannten protestantenbibel Nietzsche (1895) 1, 340; der vorredner (
verf. der praefatio zum Heliand) ist kein Sachse W. Scherer
kl. schr. 1, 571.
jetzt ungebräuchlich. 44)
von der vorrede selbst: diese stelle ist eine freie übersetzung einer stelle des herrn Pope in dem vorredner zu dem oben erwähnten trauerspiele des Addison Dusch
verm. w. (1754) 29; ich wollte den vorredner anfangs in Sichersreuth oder Alexandersbad verfertigen Jean Paul 2, 14
akad. ausg. 55)
wie vorreder (
s. dies unter 2)
erscheint auch vorredner
in älterer sprache im sinne von sprecher, wortführer, dann im engeren sinne von fürsprecher: orator vor-, wolredner Diefenbach
gl. 399
a;
s. auch oben Stieler
vor 1; weil ohne dis bey denen Deutschen in gerichten kein vorredner verstattet Lohenstein
Armin. (1689) 2, 530
a; mittlerweile kam das canot dicht heran, achtete aber im geringsten nicht auf unsern freund und vorredner (
einen Indianer, der für die Europäer zu den eingeborenen spricht) G. Forster (1843) 1, 192; die fürsten bâten alle den biscoph sante Johannen, daz er ze hove wære ir vorredenære
Rolandslied 1249.
freier: ihre tugend wären genungsame vorredner und zeugnüsse ihrer unschuld Lohenstein
Armin. (1689) 1, 1147
b. —
wortführer, mit dem beisinn, dasz die hörer es ihm nachthun: dagegen sasz jener auch keineswegs als ein buszprediger unter den sündern, sondern vielmehr als der vorredner und vortrinker der saubern bruderschaft W. H. Riehl
gesch. aus alter zeit (1863) 2, 131.