vorlängst,
adv. ,
schon vor langer zeit, vgl. vorlang,
älter fürlängst
th. 4, 1, 1,
sp. 763. 11)
das adv. erscheint im älteren nhd. in verschiedenen formen; vor
ist unbetont, manchmal getrennt geschrieben, der vokal kann daher geschwächt werden. 1@aa)
aus vorlang wird ein genitivisches adv. gebildet, vorlangen, vorlangs: vorlanges her
Jes. 60, 9; wie du unsern vetern vor langs geschworen hast
Micha 7, 20; welchs vorlangs der prophet ... im geist gesehen hat S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 321
b; vorlangs vergrabene und verbrante secten Agricola
ketzerbrunn (1583) 679;
vgl. Schiller-Lübben 5, 385
a. —
mit umlaut und geschwächter vorsilbe: verlängs Müller-Fraureuth 2, 628
b. 1@bb)
an vorlanges, vorlangs
tritt ein dentaler sproszlaut: vorlangst Schöpper
synonyma 46
a ndr.; vorlangest, es ist vast eine lange zeyt Maaler 476
a; vorlangst,
e gia gran tempo Hulsius (1618) 271
a;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1660;
die form ist im 16.
jh. sehr häufig, im 17.
seltener: so wölti vorlangest ain botten by dijr gehöpt hän Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 394 (
von 1489); die vorlangst gestorben sind Luther 17, 1, 303
W.; ich hat vorlangest gehört Boltz
Terenz (1539) 47
a; gantz Rom würde vorlangst zu boden gangen seyn
schausp. engl. comöd. 27
Cr.; das habe ich vorlangst gethan S. v. Birken
ostl. lorbeerhäyn (1657) 165; ach weh mir! angst, angst uber angst! es hat mein hertz geant vorlangst H. Sachs 8, 46
K.; die sachen soltest du vorlangst, ehe kommen wär desz todes angst bey dir betrachtet haben recht Spreng
Äneis (1610) 77
b. 1@cc)
die im entwickelten nhd. herrschende form zeigt dann umlaut, der in älterer sprache meist durch e
bezeichnet wird; vorlängst
wird wie längst
als superl. aufgefaszt: vorlängst,
dudum Reyher
thesaurus (1686) o 3
a; Stieler 1066; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1217
a; Steinbach 1, 972; Frisch 2, 407
a; Adelung; Campe;
getrennt: so er vor längst, und zwar blosz von der faust auffgesetzet A. Gryphius
Horrib. 3
ndr. —
ältere schreibung: vorlengst,
jamdudum Er. Alberus
dict. (1540) b b 2
b; als sie vorlengest schon Hierusalem behaust und erobert hetten S. Franck
chron. u. beschreib. d. Turckey (1530) b 2
b; so hette ich vorlengst weder schemmel noch stuel Barth
weiberspiegel (1565) c 6
a; dann wann das sauffen edel macht, so hat vorlengst zu wegen bracht ein ochs den adel und ein kuh Er. Alberus
fabeln 61 (13, 94)
ndr. getrennt: so ist das beichtgelt gar verdorben, und ist der bann vor lengst gestorben H. Sachs 9, 4
K. 1@dd) vorlangst
oder vorlängst
wird dann mit der adverbialen dat.-plur.-endung versehen: was ich vorlangsten gewünschet Grimmelshausen
Simpl. 1, 332
Kurz; der last hat seinen grund vorlangsten überwogen S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 71. (
leutseligkeit,) welche mich vorlängsten schon meinen groszgeneigten herrn zu allen möglichen diensten verbunden Rachel
sat. ged. 4
ndr.; preiszwürdig-graues haupt, dem ... vorlängsten schon amt, stand, verstand und kunst ... gunst erworben haben Wieland I 1, 1
akad. ausg.; dort, wo die Spree der stolzen Tyber den preis vorlängsten abgejagt
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 3, 263.
getrennt: gefahr, die uns neulich und vor längsten oft besucht mit tausent ängsten P. Fleming
dt. ged. 389
L. ältere schreibung: ich solt vorlengsten nun anfahen, was ich bgehr zu thun W. Spangenberg
griech. dramen 2, 104
Dähnhardt; das mandat, das wir vorlengsten publicirt Ayrer 3, 1495
K. 1@ee)
schlieszlich kann an vorlängsten
noch ein genitivisches s
angesetzt werden: dessen unverwelckliches ruhmgedächtnisz der ewigkeit schon vorlängstens einverleibet worden Hahn
einl. zu d. t. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1,
vorr.; (
lieder,) welche man vorlängstens auswendig gelernet hat
d. vern. tadlerinnen (1725) 1, 23. 22)
alle diese formen sind jetzt veraltet, auch vorlängst,
das im 18.
jh. noch auszerordentlich häufig gebraucht, im 19.
aber seltener wird und einen altmodischen beiklang bekommt. 2@aa)
in eigentlicher bedeutung bezeichnet vorlängst
einen weit in der vergangenheit zurückliegenden zeitpunkt, doch wird es in diesem sinne, der eben blosz einen zeitpunkt in der vergangenheit bestimmt, etwa wie '
vor langer zeit einmal',
verhältnismäszig selten gebraucht: vorlangest, als sie noch ein jungfraw war (
olim heeyra 383) Boltz
Terenz (1539) 120
b; v. geschehene dinge Grimmelshausen
Simpl. 29
ndr.; als v. die welt in dem ewigen grabe des nichts schlief Sturz (1779) 2, 50; irrthum, der sich v. zutrug Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 6, 135; wie v. in seinen grünen und lustigen tagen Immermann 1, 69
B.; getrocknete blumen, die man v. als zeugen glückseliger stunden eingelegt Mörike 3, 53
Göschen; (
göttin,) welche das tuchmachen erfandt vor lengst inn Affrica dem landt H. Sachs 2, 182
K.; es ist nicht gestern erst, es ist vor längst gemacht Opitz (1690) 1, 177; da alle dinge noch vorlängst in ihrem wesen schliefen Günther 2, 277; lasz sie dir geschichten von bedrängten leuten sagen vorlängst (
long ago) begegnet
Shakespeare Richard II. 4, 2; ich gestehe dir dabey, dasz ich auf meinen pilgerzügen an der entfernten Wolga strand vorlängst ein weiszes eichhorn fand Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 177; kam sie vorlängst an deines vaters hof? Fouqué
Sigurd d. schlangentödter (1808) 60.
in jetziger sprache ungebräuchlich, negiert, so viel als kürzlich: (
silva exemplorum,) wölche mir nicht vorlengst ... zuogeschickt worden Nas
d. antipap. ains u. hundert (1567) 1, 91
b; wie war ich newlich, nicht vorlangst, in höchster not und todes angst? Hayneccius
Hans Pfriem 2170
ndr. 2@bb)
häufiger, wie jetzt gewöhnlich längst,
nicht blosz von einem einmaligen geschehen in der vergangenheit, sondern zugleich mit beziehung auf die darauf folgenden verhältnisse, haltung, zustände, unter umständen bis zur gegenwart des sprechenden reichend: ich habe diese meinung v. vertreten, ich habe es v. gewuszt,
und weisz es noch heute; er ist v. gestorben
u. ä.: alle hoffnung ist vorlengst bei mir erloschen Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 4
b; wir zweifeln nicht an deiner tapferkeit, weil wir derselben v. gesichert seyn Montanus
schwankb. 481
B.; solches habe ich v. bey mir bedacht
engl. kom. u. trag. (1624) r 2
a; weiln auch diese exemplaria v. vergriffen Schottel
t. haubtspr. (1663) 2; den alten oder v. eingewurzelten siechtag bewältiget diese arznei Tabernaemontanus (1687)
kräuterb. 1018; ich hätte ihnen nehmlich v. melden können, dasz
u. s. w. Lessing 18, 199
L.-M.; tanzen, hatte ich freylich schon v. gelernet Kästner (1755) 2, 105; da ich nun schon v. aller einwirkung auf das hiesige theater entsagt Göthe IV 32, 250
W.; des studirens und tag und nacht über den büchern zu hocken bin ich schon v. müd geworden Eichendorff (1864) 2, 431; man kannte die bibel; v. gab es übersetzungen Ranke (1867) 2, 57; die alte ordnung der gesellschaft ... war in Preuszen v. zerstört Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. 4, 179; (
ich) wer vorlangst gern gewesen ein paursman
fastnachtsp. 1, 349
K.; auff den hab ich gesorgt vorlangst, wenn wir für den rath möchten finden H. Sachs 8, 207
K.; euch, euch sol widerfahren das heyl vorlängst gesucht Spee
trutznacht. (1649) 198; wir haben ja begehret vorlängst schon eur gesicht A. Gryphius
trauersp. 165
P.; ach nein, ich habe diesen pracht der heuchlerey vor längst veracht Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 83
ndr.; weil die welt sonst von dem meer schon vorlängst verschlungen wär Brockes
ird. vergn. in gott (1721) 2, 195; ein jambus heiszt vorlängst in unsrer kunst ein fusz, da eine sylbe kurz, die andre lang seyn musz Gottsched
crit. dichtk. (1751) 39; schon vorlängst vergaben wir Evchens apfelessen dir (
der schlange) Voss
ged. (1802) 5, 221; denn zu grund ging ich vorlängst schon Göthe 50, 336. 2@cc)
auch mit abschwächung des sinnes, so dasz der zeitpunct unbestimmt gelassen oder auch der gegenwart des sprechenden näher gerückt wird, also in der bedeutung von vor einiger zeit: ew. wohlgeboren haben hoffentlich das kleine paket ... erhalten, das ich v. abschickte Göthe IV 19, 272; hat mir der junge ritter, der v. in dieser gegend unter räuber fiel, nicht geplaudert? Klinger (1809) 1, 201. 33)
mnd. vorlanges
wird als präpos. im sinne von längst hin gebraucht Schiller-Lübben 5, 985
a;
vgl. mnld. vorlanges Verwijs-Verdam 9, 1012; (
ein fisch) hatte zwei grauschwartze striemen vorlängst dem rücken Curicke
d. stadt Dantzig hist. beschr. (1688) 293
b. vörlangs
als adv., längst hin, der länge nach Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 474. —
von dieser räumlichen vorstellung her übertragen: vorlangs, vorlängst,
nebenbei Frischbier
preusz. wb. 2, 449
a.