vorhaus,
n. ,
vgl.fürhaus (
ohne nhd. belege)
th. 4, 1, 1,
sp. 744;
ahd. furihûs,
vestibulum Graff 4, 1054;
mhd. vorhûs Lexer 3, 472; fur-, vorhous Jelinek 885;
porticus vorhuesz Diefenbach
gl. 448
c;
procenium vorhusz, -haws 461
b;
atrium fürhaws
nov. gl. 40
b; vorhausz,
anticasa Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
a; vorhaus,
atrium, vestibulum, propylaeum Steinbach 1, 717; Frisch 2, 407
a; Adelung; Campe; Fischer
schwäb. wb. 2, 1658;
schweiz. idiot. 2, 1707; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 472; ten Doornkaat-Koolman 1, 541
a;
mnld. vorehuus Verwijs-Verdam 9, 1002. 11)
in eigentlicher bedeutung ein vor einem hauptgebäude liegendes, mit ihm verbundenes, aber doch irgendwie als selbständiges bauglied gekennzeichnetes gebäude, vgl. vorhalle.
in diesem sinne kann das wort für grosze oder kleine verhältnisse anwendung finden: praestega ein schopffen, vorhausz Corvinus
fons lat. (1646) 871;
bedeckter vorbau vor der thür, auch schuppen vor dem hauseingang schweiz. idiot. 2, 1707; zum gröszten theil liegen sie (
die wohnungen walachischer bauern) unter der erde ... eine schräge rampe, in einem aus zweigen geflochtenen vorhause, führt hinab Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 137. —
an tempeln, kirchen, palästen, schlössern u. ä.: (
Salomon) macht ein fürhaus und seulen
d. erste dt. bibel 5, 265
K. (er bawet auch eine halle von seulen
1. kön. 7, 6); richte keine thürme auff, baue keine vorhäuser (
hier zur befestigung einer stadt gehörig) Zanach
erquickstunde (1613) 1, 123; disz hausz ist das vorhausz zum edelsten gemach, da der könig selbst wohnet Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 102; ein v. mit zwey kleinen thürmchen Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 2, 632; es giebt fälle, wo es erlaubt seyn kann, dem hauptgebäude ... ein v. zu geben Wieland
Lucian (1788) 4, 136; die schenke oder der krug war zugleich das schulzenhaus, ehedem war es das weichhaus oder v. vor dem herrenhause gewesen W. Alexis
Isegrim (1854) 1, 49; er fand das schlosz in eigenthümlicher bewegung ... im vorhause hörte er aufs lebhafteste sprechen Gutzkow
zauberer von Rom (1858) 6, 267; der ägyptische tempel (
hatte) sein vielsäuliges v. Fr. Th. Vischer
ästhetik (1846) 3, 2, 298; sein dach ist nicht vergoldt, ihm hat Numidien den marmor nicht gezollt und kein Silanion das vorhaus ausgezieret Wieland I 1, 266
ak. ausg.; Odysseus räucherte rings im saal, im vorhaus und in dem hofe (
μέγαρον καὶ δῶμα καὶ αὐλήν) Voss
Od. 22, 494
Bernays; vorbau an einer kirche: (
tragbare beichtstühle,) welche sonst im v. der kirche stehen Steub
wand. im bayr. gebirge (1862) 131;
an einer zelle: sîner cellen vorhûs liez er wesen sîne clûs
väterbuch 32291
Reissenberger; in älterer sprache wie vorburg Jelinek 885; verterbete beidirsît di vorhûsir zu Ragnit und zum Schalowschen hûse Nic. v. Jeroschin 20513.
freier, v.
der hölle: dieweil aber der starck gewaffent Luciper sein vorhawsz verhüet, bleibt sein reich in frid Berthold v. Chiemsee
t. theologey 165
R. 22)
anderseits kann v.
einen integrierenden theil des hauses bezeichnen, den zunächst der eingangstür gelegenen theil, wobei zu beachten ist, dasz in der schriftsprache das wort oft in unbestimmter oder in einer bedeutung gebraucht wird, die sich der unter 1
behandelten nähert, während landschaftlich ein ganz bestimmter sinn damit verbunden wird; in verschiedenen gegenden bezeichnet v.
den vorplatz im hause, den hausflur, die diele, doch kommen auch andere anwendungen vor, s. Kretschmer
wortgeographie 205; 208; Fischer
schwäb. wb. 2, 1658;
schweiz. idiot. 2, 1707; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 472; Hupel
idiot. d. dt. spr. in Lief- u. Ehstland (1795) 253: zum behuff dessen liesze ich etliche ... häute hin und wieder in dem vorhause aufhängen Zend. a Zendoriis
t. winternächte (1682) 710; (
er habe bier) aus dem vorhause auf den tisch in der stube getragen
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 112; das innere v. der pachterwohnung Weisze
kom. opern (1770) 3, 298; sie wohnte im fünften stockwerk; ihr v. pflegte verschlossen zu sein
dt. erzähler d. 18.
jh. 62
dt. lit. denkm.; die lampen des vorhauses und der treppe Göthe 25, 204
W.; als sie zur hausthür hereintraten, so kam der alte Hans das v. herab, um in die scheuer zu gehen Jung-Stilling (1835) 6, 75; schellt es nicht im v.? O. Ludwig (1891) 3, 262; er geleitete mich stets durch ein geräumiges v. in ein kleines stüblein Stifter (1901) 5, 1, 75; auch befindet sich im vorhause die stiege auf den dachboden Rosegger I 4, 17. 33)
bergmännisch: vorhausz, ist das gebäude am göpel über treibeschacht Herttwig
neues u. vollk. bergb. 409
a. 44)
dim. vorhäuschen, n., in der bedeutung 1: ein gefängnisz nebst einem vorhäusgen Ziegler
d. asiat. Banise (1698) 857;
vorbau vor der haustür zum schutz gegen das wetter Müller-Fraureuth 2, 628
a. —