vorgebirge,
n. ,
promontorium, mons in mare excurrens Stieler 160; vorgebirge,
promontorium Steinbach 1, 88; Adelung; Campe;
vgl. nld. voorgebergte Verwijs-Verdam 9, 983;
in dem sinne von cap
ist es dem lat. promontorium
nachgeschaffen, in der bedeutung des dem hauptgebirge vorgelagerten niederen theil eines gebirges zu gebirge
neu gebildet. II.
form. I@aa)
häufig apokopiert: ein vorgebirg des meers,
promontorium Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1170
a;
promontorio ... ein vorgebirg, das sich in das meer erstreckt Hulsius (1618) 2, 312
b; vorgebirg,
promontorium Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 336
b;vorgebirg, ... so viel wie vorberge Krünitz
öcon. encycl. 231, 384; das vorgebirg und der ort bei Malea Carbach
Livius (1551) 269
b; der letzte zufluchtsort war das vorgebirg Metafuz
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778
ff.) 5, 434; ehe wir noch um das vorgebirg des Posilippo herumschifften Jean Paul 15/18, 515; an einem vorgebirg der insel Mörike (1905) 3, 97; gebirg, welches ... mit dem vorgebirg von Terracina abschlieszt Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 33; (
er musz) auch das vorgebirg der guten hoffnung sehen Rachel
sat. ged. 65
ndr.; der Horns vorgebirg sah, ohne verzagt zu seyn Zachariä (1763) 3, 143; (
wo) auf Posilippos vorgebirg der schwan von Mantua, der grosze heldensänger im lorbeerschatten schläft Grabbe 2, 461
Bl. I@bb)
veraltet sind die formen mit gerundetem i: unter den hohen felsen und vorgebürgen, so übers meer beugen Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 329; nahe bei dem Rubeischen vorgebürge Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1025
a; wenn ich mit nach dem vorgebürge der guten hofnung reisen wolte Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 678; dasz man dieses vorgebürge niemals zu sehen bekomme Lessing 5, 302
M.; vorgebürge, inseln und halbinseln
Herder 13, 34
S.; Mylons hütte auf ihrem kleinen vorgebürge Geszner (1777) 1, 143; auf diesem schmalen vorgebürge Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 46. —
apokopierte form: vorgebürg,
n., capo, promontorio Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
a; es wolle hie der hochgeneygte leser zur nachricht wissen, dasz das grosz elsasische vorgebürg genant wird auff latein Vogesus Moscherosch
gesichte (1650) 2, 792; (
hat er) in wenig tagen die vorgebürg der persischen gräntzen erlangt Grimmelshausen 4, 873
Keller; kein wein vom vorgebürg wird in den flaschen glühen Wieland I 1, 269
akad. ausg.; dichter forschten lange nach dem namen, vorgebürg des wunsches nannten sies Schiller 1, 195
G. I@cc) fürgebirge
fehlt th. 4, 1, 1,
sp. 733: schiffungen ..., die do gangen seind bis zum fürgebirg Cory Münster
cosmogr. (1550) 35. I@dd)
eine art mischform zwischen vorgebirge
und vorberg: eineck oder vorbirg heiszt Pelorus Münster
a. a. o. 286;
als f.: (
das jonische meer) nimpt sein anfang von der fürpirg Malee Franck
weltb. (1434) 19
b. IIII. II@11)
felsige in das meer ragende landspitze: cap, das vorgebirge Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795); so fallen sie (
thunfische) mit groszer ungestümmigkeit nach dem v. auff Constantinopel hinan Heyden
Plinius (1565) 335; v., das man die Stubenkammer nennet Micraelius
altes Pommerland (1640) 26; erblickte ich von der Minerva v. her ein kleines schiff A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 304; auf dem v. Capua, wo sich in dem dreyszigjährigen kriege Hannibal so voll soff Lessing 2, 158
M.; die residenz, ein wunder der welt, war auf dem v. (
einer insel) angelegt Göthe 18, 377
W.; dasz die erde, dieser treffliche bau, mir nur ein kahles v. (
a sterile promontory) scheint
Shakespeare, Hamlet 2, 2 (
vgl. Herder 23, 187
S.); auf dem v. (
von Salamis) hab ich mir eine hütte gebaut Hölderlin 2, 103
Litzmann; niemals ohne mir die schönen landschaften, die inseln und vorgebirge zu vergegenwärtigen G. Keller (1889) 3, 26; (
das) v. setzt in einer reihe von klippen zum jenseitigen ufer hinüber, und der strom braust darüber hinweg Moltke
schr. u. denkw. (1892) 1, 122; ach wolt gott, wolt gott, dasz ich wer, da desz meeres flut schwemmet fein die felsen, so gelegen sein am vorgebirg in Attica
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 126; wo steile höhen stehn, wo um die vorgebirg erhitzte wellen gehn A. Gryphius
trauerspiele 580
Palm; wie am vorgebirge (
ἐπὶ προβόλω) mit langer rute der fischer laurend den kleinen fischen die ködertragende angel, an dem horne des stiers, hinab in die fluten des meeres wirft Voss
Odyssee 12, 251
Bernays; durchsucht das ufer scharf und schnell vom vorgebirge bis zum hain der göttin Göthe 10, 77
W.; wo schroff ein vorgebirg ins meer die stirne schiebt Rückert (1867) 8, 10.
mit dem namen des vorgebirges der guten hoffnung
wird gespielt: das schifflein trieb um das v. unserer guten hoffnung, die schiffer nannten es die spitze des heiligen Vigilio Laube (1875) 8, 267. —
freier: so musz man (
bei der ehe) an dem v. der hoffnung dicht vorbey in die bucht der beschwerden einlenken Meisl
theatr. quodlibet (1820) 3, 79; der guten hofnung vorgebürge kann wol gelehrte tugend sehn; doch in den hafen zu gelangen, wo schätze der vergnügung prangen, musz klugheit mit am ruder stehn
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 82. II@22)
das dem hauptzug vorgelagerte niedrigere gebirge: die vorgebirg der Alpen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 288
b; vorgebürge ist das nächste gebürge, so sich alsbald nach dem oberen lande anfähet Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 697; eine herrliche aussicht eröffnet sich dem auge ... über ein reichbebautes v. Göthe 48, 158
W.; immer rauher und immer wilder werden hinter dieser szene die ... v. des Harzes Novalis 2, 65
Minor; wie die schaffende natur selbst von urgebirg durch v. allmählich ins flache land herabsteigt Schelling (1856) 2, 2, 354; vor ihnen (
den Karwendelketten) wogt dunkel bewaldet das bayerische v. H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 284. —
als name für einen höhenzug zwischen Bonn und Köln. II@33)
in der sprache der anatomie als übersetzung von promontorium in zwiefacher bedeutung: die wichtigsten stellen an ihr (
der innern wand der paukenhöhle) sind das eiförmige und runde fenster und das v. Sömmerring
vom baue des menschl. körpers (1839) 5, 828; der winkel, den der unterste lendenwirbel mit dem kreuzbein macht, oder das vorgebürge, ist spitziger 2, 29. —
eine porzellanschnecke (
cypraea mappa)
wird v. der guten hoffnung
genannt Nemnich
lex. d. naturg. (1796) 618. II@44)
übertragen auf theile des menschlichen körpers: noch heute sehe ich das alte ehrliche, etwas päonienrothe gesicht und die stattliche kupferige nase als sein vorgebirg darin E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Dtschen (1845) 3, 489; blasz, wie der nix, erschien die dirne: ihr augenpaar war grün, ein vorgebürg die stirne und fahl ihr haar Pfeffel
poet. versuche (1812) 2, 131.
prägnant vom weiblichen busen, vgl. ztschr. f. dt. wf. 12, 293
a (
quelle von 1709); sie hat ein v. der guten hoffnung (
mädchen mit vollem busen) Wander
dt. sprichw.-lex. 4, 1691;
so auch in folgender stelle: ja, mein geliebtes land bist du, lasz mich das vorgebürge küssen H. v. Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 378. II@55)
in der folgenden stelle seltsam für vorburg (
vgl. vorgebürge): hin fuor insz vorgebirg der hell den vättern zuo die edel sel
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 96
b. II@66)
hierzu vorgebirgig, adj.: so werd ich mir ... dafür einen schlechten und schmutzigen meierhof jener vorgebirgigen insel Albion verschaffen (
in that nook-shotten isle of Albion könig Heinrich V. 3, 5) Eschenburg
Shakespeareübers. 7, 220. —