Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Vetternschaft
Vetternschaft
Vetter m. ‘Sohn des Onkels oder der Tante, Cousin’. Die westgerm. Verwandtschaftsbezeichnung ahd. fetiro ‘Vaterbruder’ (8. Jh.), mhd. veter(e) ‘Vaterbruder, Brudersohn’, asächs. fediro, mnd. vedder(e) ‘Vaterbruder, Brudersohn’, dann auch ‘Mutterbruder’ und allgemein ‘Verwandter’, mnl. vedder ‘Onkel, Neffe, Cousin’, aengl. fædera ‘Vaterbruder’ ist von dem unter Vater (s. d.) behandelten Substantiv abgeleitet und bedeutet ursprünglich ‘Bruder des Vaters’. Einen ähnlichen Zusammenhang mit dem entsprechenden Wort für ‘Vater’ zeigen griech. pátrōs (πάτρως), lat. patruus ‘Vaterbruder’. Schon früh wird der Anwendungsbereich von Vetter erweitert und auf den ‘Mutterbruder’, dann auf jeden männlichen Verwandten ausgedehnt. In neuerer Zeit vornehmlich im oben angeführten Sinne und durch Cousin (s. d.) in seiner Gebrauchshäufigkeit eingeschränkt. Vetternschaft f., (älter) Vetterschaft, ‘Verhältnis der Geschwisterkinder untereinander’, meist allgemein ‘Verwandtschaftsverhältnis, Gesamtheit der Verwandtschaft’ (15. Jh.). Vetternwirtschaft f. ‘Bevorzugung von Verwandten und Freunden bei der Besetzung von Stellen’, oft ohne Rücksicht auf die fachliche Qualifikation (Anfang 20. Jh.), vgl. schwäb. Vetterleswirtschaft, schweiz. Vetterliwirtschaft sowie Vettergunst (19. Jh., doch wohl älter).