verzimmern,
vb. ,
im got. nicht bezeugt; ahd. farzimbaran
obstruere (
ahd. gl. 1, 354, 3)
neben gleichbedeutendem furizimbaran (
ahd. gl. 1, 317, 1);
mhd. verzimbern, verzimmern Lexer 3, 321.
mundartl.: Schmeller
bair. 2, 1125; Fischer
schwäb. 2, 1431;
stark verbreitet im nd. und fries.; mnd. vortimmern Schiller-Lübben 5, 474
b; vertimmeren Verdam
mnl. hdwb. 640
b;
dän. fortömre;
schwed. förtimra. 11) '
mit zimmerwerk versehen'. 1@aa)
höchstes alter (
schon ahd. und mhd.)
hat die bedeutung '
obstruere, durch zimmern versperren, verbauen, zubauen': wer die (
strasze) verzeint, verzimmert oder verlegt, so mag der ambtman ... ungeverlichen dasselb beschaugen und der herrschaft die puess vordern (1653)
österr. weist. 3, 359, 3; die kirche, alles zubehörs beraubt, zimmer und säle ohne das mindeste hausgeräth, die zellenwände eingeschlagen, die thüren nach den gängen mit riegeln verzimmert Göthe I 34, 50
W.; ist die tür verzimmert, spring ich aus dem fenster E. v. Handel-Mazzetti
St. Schwertner (
in: dt. rundsch. 154, 24).
mit verschiebung des objekts jemandem sein licht verzimmern: er sol ez (
das haus) in der hoehi rihten, daz sin licht nüt verzimberot werde
Schwabenspiegel landrecht 371
Laszberg; unnd wil sein nachbauwr ein hausz an jn zimmeren, er soll es in die höhen richten, dasz er jm sein liecht nicht verzimmer Meichszner
land- u. lehenrecht (1566) 52
a. jemanden verzimmern, überzimmern
ihn durch (
zu)
bauen beeinträchtigen Schmeller
bair. 2, 1125.
in der bergmannssprache mit dem nebensinn des verheimlichens; (
gänge)
mit zimmerwerk verschlieszen, um sie zu verbergen; spätmhd. und nhd.; vgl. die belege bei Veith
dt. bergwb. 543; 537: es soll
auch kainer weder kluft noch genng oder genz in der grueben mit perg nicht versetzen oder verzimmern (1463)
bei Lori
slg. d. bair. bergrechts (1764) 60
b;
nur '
verschlieszen'
ebda 168
a; auch werde vielfältig erfahren, wie seltzam und betrüglich mit bergwercken umbgangen werde, mit unfleisziger arbeit in der gruben, verschmieren und verzimmern, der ertzt vertuschen Span
speculum juris metallici (1698) b 1
b; verzimmern ...
durch zimmerung etwas unbemerkbar machen Gätzschmann
slg. bergm. ausdrücke (1881) 111. 1@bb)
als wort des bergmanns; verzimmern
das gebirge mit holz verwahren, damit nichts hereingehen (
überfallen)
möge, und die bergleute sicher arbeiten können Frisch 2, 478
a;
häufig belegt seit dem beginn des 17.
jhs., vermutlich aber älter (
vgl. 1 a
am ende und zimmern
teil 15,
sp. 1343): an einem alten verzimmerten tagschacht
qu. v. j. 1636
bei Veith
dt. bergwb. 543 (
mit weiteren belegen); (
von abfangen spricht man), wenn man das gestein, so sich ... abgelöset, mit holtze fasset und verzimmert Schönberg
berginformation (1693) 2, 3; dabei man denn ... auch der so beständig à part verbaueten und verzimmerten wasserseige und der gar bergmännisch getriebene stolle gar füglich sehen kan
Breslauer slg. v. natur- u. medic. gesch. (1717) 3, 455; der schacht ist inwendig ganz mit holzwerk verzimmert Wackenroder
reisebeschr. (1793) 2, 225;
s. auch Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 1, 814. 1@cc)
in der seemannssprache '(
ein schiff)
mit zimmerwerk ausbessern',
vgl. zimmern
teil 15,
sp. 1342
f.; fortlaufend belegt seit dem ausgang des 18.
jhs.; vereinzelt früher: sein schiff Brederode, welches nur verzimmert ware, wäre so gut als fünff oder sechs andere (
wohl angeglichen an ein vertimmeren
der ndl. übersetzungsvorlage)
M. Kramer
leben u. tapffere thaten (1681) 671; Adelung 4 (1780) 1578; ein schiff verzimmern
oder ausbessern Röding
wb. d. marine (1796) 2, 844; Bobrik
seewb. 709
b; Möller
Sylt 90
a. 22) '
durch zimmern befestigen, festzimmern': und wart die gross büxs ... in denselben floss verzimbret undnen, und ein ander jagbüxs obnen Fründ
chronik 230
Kind; bei Tschudi: ... uff den nüwen flotz verzimmert unden darin
chron. Helvet. (1734) 2, 449
a. 33) '
zum zimmern verwenden, durch zimmern verbrauchen'
; insb. holz verzimmern;
s. auch weisth. 1, 213
und Fischer
schwäb. 2, 1431: dasz das gut steent holtz nit so liderlich hingeben und verkauft werd zu verzimmern, zu verkoln oder sunst zu verprennen
qu. z. alten gesch. d. fürstenthums Bayreuth 1, 122; es ist auch solches (
altes) holtz wol auffzuheben vnd in ander weg zu verzimmern Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) Y 5
b; obs aber schon nicht wäldig noch holtzreich ist, so wirdt gleichwols in diesem lande mehr holtz verzimmert und verbawet als weiten unnd seiten herumb in einigem andern lande
M. Quad
teutscher nation herligkeit (1609) 344; der soll dann solliches zimerholz haimfüern und arbaiten, wo aber ainer solliches holz nit verzimert und das verprennet, der soll zwaifach darumb gestrafft werden (17.
jh.)
österr. weist. 3, 157, 15; Campe 5 (1811) 408
a.
uneigentlich: (
ich glaube), dass in keinem bauhofe der welt mehr krummes holz verzimmert werde, als in den gerichtshöfen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 213.
mnd. auch von anderen materialien Schiller-Lübben 5, 474
b;
mit verschiebung des objekts: geld verzimmern '
geld (
zum ankauf von zimmermaterialien, zur durchführung von zimmerarbeiten)
verbrauchen',
vgl. nl. veel geld vertimmeren Sicherer-Akveld 1193
c; Dijkstra
fries. 1, 422
b.