verzagtheit,
f. ,
zu verzagt (
verzagen III)
für den gemütszustand des verzagenden.
charakteristisch für die bedeutung des verbs ist, dasz sich die substantivische bildung auf -heit
durchgesetzt hat (
vgl. die wenigen belege unter verzagung,
dagegen aber verzweiflung).
nl. versaagdheid Dale
groot woordenboek 2, 1877
b.
zum lexikalischen vorkommen vgl. verzagtheit,
f. pavidezza, timidità, infingardaggine, codardia, viltà, dapocaggine, poltroneria, bassezza Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1415
a; verzagtheit
cowardness ... timidity ..., despair Ludwig
teutschengl. (1716) 2197. 11)
zustand der hoffnungslosigkeit, mutlosigkeit, verzweiflung, seelischer ermüdung (
vgl. verzagen I A 1
u. III A 1): darnach zog er für die statt Rom, des erschracken die ROemer gar vast, vnd was solch forcht, vneynigkeyt vnd verzagtheyt inn Rom, von der vor nie mehr gehört worden war Carbach
Livius (1551) 34
b; er sich ... keiner ... trawrigkeit oder verzagtheit ... anneme Joh. Arndt
nachf. Christi (1631) 9
b; wenn schon der hülfe vorzug uns (
menschen) zur verzagtheit getrieben J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 27; im übermaasz der freude ob der günstigen veränderung seines eigenen zustandes, gedachte das volk nicht mehr der frühern gemeinsamen schwäche und verzagtheit Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 125; wie gegen die ununterbrochene ursachenreihe auch in der geschichte weder hoffen noch fürchten, weder jammern noch toben, weder übermut noch verzagtheit etwas hilft G. Keller
ges. w. (1889) 3, 27; ich stand mit mehr als fünfzig jahren wieder an einem anfang, war wieder student ..., einen schimmer von grau auf dem haar und ein leises dämmern von verzagtheit über der ermüdeten seele Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 444.
vgl. verzagen I A 2 b
u. III A 2 b: indessen wich meine verzagtheit doch einer rechten schaffensfreude L. Thoma
ges. w. 7, 211. 22)
furchtsamkeit, feigheit (
s. verzagen I A 2 a
u. III A 2 a, B 1);
vgl. verzagtheit
la timidité, manque de courage Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 946
a: deshalb ist keinem volck forcht vnd verzagtheit halber, übeler nach geredt worden denn den Asianesen Eppendorff
kriegsübung (1551) 42
a; für diesen beleidigenden hochmuth hOeren wir den Achilles viel lieber sagen, weinberauschter, der du ... im herzen die verzagtheit des hirsches trägest
allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 18; diese erfanden sich denn eine menge von gründen, um ihre verzagtheit zu bemänteln Häusser
dt. gesch. (1854) 3, 98.
hierher auch: unser volk lag damals tief danieder in philisterhafter verzagtheit Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 20. 33)
im sinne einer eigenschaft auch abgeschwächt '
scheu, schüchternheit, unentschlossenheit' (
s. verzagen III A 3; III B 2);
vgl. hierzu: blöd
ist der gegensatz von dreist,
die furchtsamkeit
stehet der kühnheit,
die zaghaftigkeit
und verzagtheit
der herzhaftigkeit
entgegen Stosch
gleichbed. wörter 1, 263;
der werth jener männlichen eigenschaften (entschlossen, dreist, mutig
etc.)
leuchtet noch mehr ein, wenn man an das gegentheil derselben denkt, an unentschlossenheit, schüchternheit, zaghaftigkeit, feigheit
und verzagtheit Delbrück
dt. sinnverw. wörter (1796) 10; die schwürigkeiten und gefahren, womit besonders diese reise begleitet war, muszten also seine natürliche verzagtheit und weichlichkeit um so mehr abschrecken Schiller 7, 302
G.; ohne geld in der tasche ..., arm an zuversicht und keckheit, reich an schüchterner mir anerzogener verzagtheit, war das keine leichte aufgabe (
persönliche bekanntschaften mit theaterleuten zu machen) Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 232; man sah seiner ... erscheinung an, dass verzagtheit und unschlüssigkeit ihm unbekannte dinge waren H. Schmid
ges. schr. 8 (1861) 164; als seine junge schwester jetzt vor ihn trat mit ihrer unbefangenen sicherheit, da kam es ihm vor, als sei das der anstosz, auf den er nur gewartet habe, um sich über seine eigene verzagtheit hinwegzusetzen Polenz
Büttnerbauer (1895) 2, 247.
in der richtung auf '
zögern, bedenken': wie es überbedächtige leute wohl thun, mag er wohl so zu sagen dem schicksal die entscheidung überlassen haben, bis dann der wiederholte und schwere misserfolg des kronprinzen die politik der verzagtheit abermals rechtfertigte Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 53.
mundartlich auch mit eigener färbung: verzadijheet,
f., '
scheu, kindische furcht, verzärteltes wesen' Rovenhagen
Aachen 156
b; '
kindische ausgelassenheit und unart' Müller-Weitz
Aachen 256. —