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verzagtheit

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verzagtheit f.

Bd. 25, Sp. 2429
verzagtheit, f. , zu verzagt (verzagen III) für den gemütszustand des verzagenden. charakteristisch für die bedeutung des verbs ist, dasz sich die substantivische bildung auf -heit durchgesetzt hat (vgl. die wenigen belege unter verzagung, dagegen aber verzweiflung). nl. versaagdheid Dale groot woordenboek 2, 1877b. zum lexikalischen vorkommen vgl. verzagtheit, f. pavidezza, timidità, infingardaggine, codardia, viltà, dapocaggine, poltroneria, bassezza Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1415a; verzagtheit cowardness ... timidity ..., despair Ludwig teutschengl. (1716) 2197. 11) zustand der hoffnungslosigkeit, mutlosigkeit, verzweiflung, seelischer ermüdung (vgl. verzagen I A 1 u. III A 1): darnach zog er für die statt Rom, des erschracken die ROemer gar vast, vnd was solch forcht, vneynigkeyt vnd verzagtheyt inn Rom, von der vor nie mehr gehört worden war Carbach Livius (1551) 34b; er sich ... keiner ... trawrigkeit oder verzagtheit ... anneme Joh. Arndt nachf. Christi (1631) 9b; wenn schon der hülfe vorzug uns (menschen) zur verzagtheit getrieben J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 27; im übermaasz der freude ob der günstigen veränderung seines eigenen zustandes, gedachte das volk nicht mehr der frühern gemeinsamen schwäche und verzagtheit Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 125; wie gegen die ununterbrochene ursachenreihe auch in der geschichte weder hoffen noch fürchten, weder jammern noch toben, weder übermut noch verzagtheit etwas hilft G. Keller ges. w. (1889) 3, 27; ich stand mit mehr als fünfzig jahren wieder an einem anfang, war wieder student ..., einen schimmer von grau auf dem haar und ein leises dämmern von verzagtheit über der ermüdeten seele Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 444. vgl. verzagen I A 2 b u. III A 2 b: indessen wich meine verzagtheit doch einer rechten schaffensfreude L. Thoma ges. w. 7, 211. 22) furchtsamkeit, feigheit (s. verzagen I A 2 a u. III A 2 a, B 1); vgl. verzagtheit la timidité, manque de courage Schwan nouv. dict. (1783) 2, 946a: deshalb ist keinem volck forcht vnd verzagtheit halber, übeler nach geredt worden denn den Asianesen Eppendorff kriegsübung (1551) 42a; für diesen beleidigenden hochmuth hOeren wir den Achilles viel lieber sagen, weinberauschter, der du ... im herzen die verzagtheit des hirsches trägest allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 18; diese erfanden sich denn eine menge von gründen, um ihre verzagtheit zu bemänteln Häusser dt. gesch. (1854) 3, 98. hierher auch: unser volk lag damals tief danieder in philisterhafter verzagtheit Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 20. 33) im sinne einer eigenschaft auch abgeschwächt 'scheu, schüchternheit, unentschlossenheit' (s. verzagen III A 3; III B 2); vgl. hierzu: blöd ist der gegensatz von dreist, die furchtsamkeit stehet der kühnheit, die zaghaftigkeit und verzagtheit der herzhaftigkeit entgegen Stosch gleichbed. wörter 1, 263; der werth jener männlichen eigenschaften (entschlossen, dreist, mutig etc.) leuchtet noch mehr ein, wenn man an das gegentheil derselben denkt, an unentschlossenheit, schüchternheit, zaghaftigkeit, feigheit und verzagtheit Delbrück dt. sinnverw. wörter (1796) 10; die schwürigkeiten und gefahren, womit besonders diese reise begleitet war, muszten also seine natürliche verzagtheit und weichlichkeit um so mehr abschrecken Schiller 7, 302 G.; ohne geld in der tasche ..., arm an zuversicht und keckheit, reich an schüchterner mir anerzogener verzagtheit, war das keine leichte aufgabe (persönliche bekanntschaften mit theaterleuten zu machen) Holtei vierzig jahre (1843) 1, 232; man sah seiner ... erscheinung an, dass verzagtheit und unschlüssigkeit ihm unbekannte dinge waren H. Schmid ges. schr. 8 (1861) 164; als seine junge schwester jetzt vor ihn trat mit ihrer unbefangenen sicherheit, da kam es ihm vor, als sei das der anstosz, auf den er nur gewartet habe, um sich über seine eigene verzagtheit hinwegzusetzen Polenz Büttnerbauer (1895) 2, 247. in der richtung auf 'zögern, bedenken': wie es überbedächtige leute wohl thun, mag er wohl so zu sagen dem schicksal die entscheidung überlassen haben, bis dann der wiederholte und schwere misserfolg des kronprinzen die politik der verzagtheit abermals rechtfertigte Mommsen m. gesch. (1894) 5, 53. mundartlich auch mit eigener färbung: verzadijheet, f., 'scheu, kindische furcht, verzärteltes wesen' Rovenhagen Aachen 156b; 'kindische ausgelassenheit und unart' Müller-Weitz Aachen 256. —
4473 Zeichen · 91 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    VerzagtheitDie

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Die Verzagtheit , o. Mz . der Zustand, da man verzagt ist.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Verzagtheit

    Goethe-Wörterbuch

    Verzagtheit [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    Verzagtheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ver|zagt|heit f. (-) 1 scorajamënt (-nc) m. 2 (Verzweiflung) desperaziun (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verzagtheit

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Ableitung von verzagtheit

verzagt + -heit

verzagtheit leitet sich vom Lemma verzagt ab mit Suffix -heit.

Keine Komposita gefunden — verzagtheit kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verzagtheit". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verzagtheit/dwb?formid=V06609
MLA
Cotta, Marcel. „verzagtheit". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verzagtheit/dwb?formid=V06609. Abgerufen 14. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verzagtheit". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verzagtheit/dwb?formid=V06609.
BibTeX
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