verwunderlich,
adj. ,
bewunderungswürdig, erstaunlich; seit dem 16.
jh. belegt, seit dem 17.
zuweilen gebucht: miracoloso wunderlich, verwunderlich Hulsius
dict. (1618) 2, 251
a;
admirable Stieler
zeitungslust u. -nutz (1697) 387; eine verwunderliche sache
cosa maravigliosa, admirabile Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1403
c;
mundartlich selten: varwundarli Bühler
Davos 1, 196; verwunderli
ebda 330; dein vowunaligs fragn Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 1, 61; verwunnerlich Mensing
schlesw.-holst. 5, 447. 11)
besonders in älterer zeit vorwiegend im sinne von '
bewunderungswürdig': um verwunderlicher kOenstlichkait ... willen (
von einem gemälde) Fischart
s. dicht. 2, 281
Kurz; mit verwunderlicher schönheit begabet Grimmelshausen 4, 713
Keller; mit verwunderlicher curachi Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 64; er ist grosz und hoch von geist, seine auszbildung ist verwunderlich, seine beschreibungen sein meisterstücke Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 197; einer verwunderlichen scharfsichtigkeit Drollinger
ged. (1743) 58; die vor allem verwunderlichen französischen und englischen prachtbände Fontane
ges. w. (1905) I 5, 20.
adverbial: weil dieselbe (
sc. Maria) ... die warheit und gerechtigkeit selbsten ... zu ihrem heyl verwunderlich gebohrn Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610)
dedic. a 2
b; dasz die natur verwunderlich und sehr weislich handle in hervorbringung ihrer werken Scheuchzer
physica (1711) 1, 37.
als steigerungsadverbium bei adjektiven: so fürtrefflich vnd verwunderlich schön waren sie (
die blumen)
theatrum amoris (1626) 10; einen verwunderlich-lieblichen geruch Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 662. 22)
mehr im sinne von '
erstaunlich, seltsam, fremdartig': erneuwerte beschreibung der wol gedenckwürdigen alten vnd warhafften verwunderlichen geschicht Fischart
w. 1, 265
Hauffen; meine kleidung und geberden waren ... seltzam, verwunderlich und widerwertig Grimmelshausen
Simpl. 53
Sch.; unter allerlei verwunderlichen curiositäten Holtei
erz. schr. (1861) 13, 107; die verwunderlichen sitten und gebräuche der Römer Gaudy
s. w. (1844) 2, 102; nach meiner beobachtung ist es eine wahre geschichte, obgleich sie verwunderlich ist
qu. a. d. j. 1926.
substantiviert: itzt folget was verwunderlichers von erdfischen Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 70; welch seltsam ding fürwahr, was musz ich sehn? verwunderliches ist allhier geschehn H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 184. 33)
die bei 1
noch deutliche bezogenheit des wortsinns auf das objekt ('
wunderbar, bewunderungswürdig')
tritt in dem masze zurück, in dem in neuerer sprache eindruck und empfindung des subjekts stärker betont erscheint; vgl. verwunderung 2.
besonders in adverbieller und prädikativer verwendung '
merkwürdig, erstaunlich, überraschend': wie das schicksal seine gaben ungleich und verwunderlich austheilt Tieck
schr. (1828) 5, 19; der geist rettet diese teure stadt, ... rief Flacius Illyricus, dessen jünglingsaugen verwunderlich zu flammen anfingen (1861) W. Raabe
s. w. I 4, 38; es ist verwunderlich
u. ä., meist mit infinitiv oder abhängigem satz: es war sehr verwunderlich anzusehen Chr. Weise
erznarren 146
ndr.; am verwunderlichsten ist es, dasz die gewinnschtigen apotheker dergleichen recepte zurichten Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 273; mein herr, mir ist verwunderlich, dasz sie hier ihre zeit verschwenden Göthe I 16, 153
W.; wann? fragte Krottmayr zurück, als sei das ganz selbstverständlich und keineswegs verwunderlich A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 459.
substantivisch: wenn auch das ergebnis meiner untersuchung ... von der bisher gültigen auffassung abweicht, so liegt darin doch nichts eigentlich verwunderliches Dehio
kunsthist. aufsätze (1914) 97.