verwirken,
v. ,
got. frawaúrkjan;
ags. forwyrcan;
as. farwirkian;
ahd. firwurchen Graff 1, 972;
ahd. glossen 1, 285
b; 392
b;
mhd. verwirken, verwürken
mhd. wb. 3, 593; Lexer 3, 310;
nhd. Diefenbach 458
b;
voc. (1482) kk 1
b; Alberus (1540) 21
a; 63
a; 114
a; Frisius 583
b; 894
a; 899
a; 987
b; Schottel
haubtsprache 648; Kramer 2 (1702) 1363
a; Dentzler (1716) 316
b; Steinbach 2, 979; Adelung 4, 1181; Westenrieder 628.
in den neueren mundartwörterbüchern selten gebucht: Schmeller-Fr. 2, 987;
veraltet Fischer
schwäb. wb. 2, 1416.
über das verhältnis verwürken — verwirken
s. wirken.
die formen mit ü
halten sich bis ins 19.
jh. das prät. ahd. stets, mhd. gewöhnlich in der alten bindevokallosen form, mhd. verworhte,
part. verworht,
daneben auch schon jüngere bildungen, belege im mhd. wb.: verwurkte
Orendel, verwirket
Salman, verwürket
und verwirket Konrad v. Würzburg.
frühnhd. nur noch selten: verworcht Liliencron
hist. volkslieder 1, 565; Wackernell
altd. passionsspiele 124; (1463) Lori
bergrecht 62;
offenbarungen d. heil. Birgitte (1502) 4, 7; verworchter Füeterer
bayer. chron. 43; vorwurcht (1490)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 101.
eine analogische neubildung des präs. vom prät. her verworchen: Westenrieder 629;
veraltet Braun
orth.-gramm. wb. 287
b.
im 16.
u. 17.
jh. zuweilen verwürgen: gograven, das seind gehe richter, die ein verwürgte sach gleich am selbigen tag, daran sie geschehen, gericht habent S. Münster
cosmographey 365; vergib, wasz ich verwürgt! dein sohn hat sich verbürgt Rompler v. Löwenhalt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 283;
besonders oft bei Lohenstein: und verwürget derselbe den kopf, der sich der gartenmauer nähert
Ibrahim sultan (1680) 528; 13; allen, die das leben verwürgt hatten
Arminius 1, 689
a; 509
a; 2, 41
b; 172
b,
daneben auch verwürcket
ebda 1, 232
a; verwürckte 640
b; 2, 1295
b. II.
in neuerer zeit veraltete gebrauchsarten. I@11)
gemeingermanisch ist die bedeutung schlecht handeln, etwas böses tun, sich vergehen. I@1@aa)
intransitiv, schon got.: atta, frawaúrhta in himin jah in andwaírþja þeinamma
Lucas 15, 21; swaþþan frawaúrkjandans wiþra broþruns, slahandans ize gahugd siuka, du Xristau frawaúrkeiþ
1. Corinth. 8, 12;
ags. forwyrcan,
to miswork, do wrong, sin Bosworth-Toller 326;
as. farwerkon, farwirkjan,
sich versündigen; ahd. ih han ferworht Graff 1, 972.
später nur vereinzelt: verwirkt, mishandelt, frevelt
rechtsaltertümer4 1, 27; o süntliches verwürken Steinhöwel
de claris mulieribus 28
D.; die so wider die policey etwa verwirckt haben Xylander
Polybius (1574) 331. I@1@bb)
gleichbedeutend ist das reflexivum; got.: frawaúrhta mis in himin jah in andwaírþja þeinamma
Lucas 15, 18.
mhd. und frühnhd. gewöhnlich: jâ ist uns 〈von〉 ir daz geleren, daz si sich sô verre verworht hæte, daz si der luft inlieze ze Jerusalêm in daz munster niht
Vorauer sündenklage 664
Waag; das si allen menschen verbotten ... oder ir verwúrkent úch selber Tauler
predigten 160, 30
V.; so einer ausz ihnen sich hie verwirckt, wirdt er nach erkantnus eines probsts, burgermeisters und raths zu Weissenburg als mandatherren gestraft Quad
teutscher nation herligkeit (1609) 134. sich mit, durch etwas verwirken: Joab mit werken sich verworhte Hugo v. Trimberg 20469
E.; das sie doch durch haimlich ratt, gemyrmel und anschleg sich verwürktendt Eberlin v. Günzburg 3, 256
ndr. an
oder in etwas: als si sich vorwirkin an irme rechte
Neumarkter rechtsbuch 142; der selbs sich in der selben satzung verwürcket Niclas v. Wyle
translationen 164
K. an jemandem: daz sy sich an irem herren und bischoff verworckt hetten
summerteil d. heiligen leben (1472) 39
b; das er sich greulich beyde an gott und menschen verwirckt hat Luther 19, 216
W. gegen, wider jemanden: vorwirket sich imand gein uns (1294)
urk.-buch d. stadt Freiberg 1, 38; dass er sich gegen gott, auch den münchen und dem wirdigen gotteshauss verwircket hett
buch d. liebe (1587) 275
b; deinen richter ..., als widder den sich dein widdersacher verwirckt hat Luther 32, 331
W. I@1@cc)
dazu das verbaladjectivum mit aktiver bedeutung, bei Bosworth-Toller
zu unrecht als passivum zu transitivem forwyrcan,
zerstören, vernichten, verurteilen gestellt, vgl. Behaghel
syntax 2, 422;
got. frawaúrhts: weis witum, þatei sa manna frawaúrhts ist (
ein sünder ist)
Johannes 9, 24; niþþan qam laþon uswaúrhtans ak frawaúrhtans
Matth. 9, 13;
ags. forworht;
as. farwarht,
ahd. farworaht,
flagitiosus Graff 1, 972;
mhd. verworht,
ruchlos, verdammt mhd. wb. 3, 594; Lexer 3, 311;
belege nach dem 14.
jh. nur noch vereinzelt: du verworchter gleichsner Füetrer
bayer. chron. 43; ein verwürkte hex
V. Anselm
Berner chron. 4, 206
hist. ver. auch in den wörterbüchern noch zuweilen gebucht: verwürckt,
obnoxius Frisius, Maaler; verwirckt (
supinum ut adj.),
commentus Steinbach. I@22)
zuweilen '
vernichten, verderben',
ags. forwyrcan,
to do for, destroy, ruin Bosworth-Toller;
mhd.: enheten sîn zunge niht verworht, sone gwan der hof nie tiurern helt Hartmann v. Aue
Iwein 2568.
nhd. vereinzelt: dann lässest du es lenger ligen, so ist die artzney verwürckt Paracelsus
chir. bücher (1618) 6
a. I@33) etwas verwirken,
etwas böses tun, eine sünde, ein unrecht begehen, eine schuld auf sich laden, mhd. noch selten: was sie hett verwirckt an diszem mann, das ist im nitt allain gethan, sunder mir und min gebotten
minnereden 1, 387
M.; (
gott werde) umb die verwürckten ubeltat, die ir an mir begangen habet, strengelichen an euch gerechen
ackermann aus Böhmen 22
Burdach (
lesart).
nhd. bis gegen mitte des 18.
jhs.: wo ainer etwas verworcht, den umb gelt zu strafen Füetrer
bayer. chron. 260; David brach die ehe mit Bachsabe, Urias weyb, und liess dazu yhrn man todten, das er alle beyde laster verwirckt Luther 10, 2, 283
W.; ein demüthiges erkäntnüsz verwirckter ubelthat Chr. Weise
grün. jugend überfl. gedanken 232
ndr.; doch, hätt er nichts verwürkt, als dasz er mich vergessen, so hätt ich noch mein leyd in mich hinein gefressen König
ged. (1745) 364; ich habe nichts verwürket, das unserm geschlechte schande bringen oder den zorn meines vatters verdienen sollte v. Petrasch
lustspiele 2, 270. I@44)
spärlich entfaltet sind gebrauchsarten, denen der sinn einer bösen oder zerstörenden tätigkeit fehlt. I@4@aa)
am ältesten scheint verwirken in etwas. I@4@a@aα)
in etwas hineintun und darin verschlieszen oder verbergen: in jenem wîzen steine dâ ist verwirkt die kunigîn
Salman und Morolf 634, 3
V.; er verwürkte den roc vil hart in einen steinenen sarc
Orendel 79
B.; als nu der edl klagpar fürst tot, wart er in ein kupferen sarch verwirket
Wilwolt v. Schaumburg 195. I@4@a@bβ)
in etwas hineinfügen, hineinarbeiten, besonders von dem einfügen edler steine in eine fassung: swer in den kranken messinc verwurket edelen rubîn Wolfram
Parzival 3, 17; ein gürtel mit einem senkel, darein verwürkt warent edel gestain ausz India (
Nürnberg 1488)
chron. d. d. städte 3, 69; dran hieng ein gülden kleinodt fein, von edlem gstein, vorwirckt gantz rein in köstlich gold Thym
Thedel v. Wallmoden v. 1442
ndr. seltener von verarbeitung anderer art, durchweg bildlich: do ist in des augen apfel das gesichte ... meisterlich in spiegels weise verwurket
ackermann aus Böhmen 59
Burdach; (
gott hat) in dich getruckt und verwirkt aller siner anderen werck meisterlicheit Geiler v. Keisersberg
bilgerschaft (1512) 28
a.
vereinzelt auch noch in neuerer zeit: die dichtung vom gral und seinen hütern griff jedoch noch viel weiter in Europa um sich, und überhaupt sind wol in keine einzige alte so vielerlei fäden verwirkt gewesen J. Grimm
kl. schr. 6, 134. I@4@bb)
selten ist mit etwas verwirken,
vermischen: ein klein pflaster mache von fleisch und eim süssen apffel, ... verwircket mit gärstenmäl Sebiz
feldbau (1579) 75.
ebenso zusammen verwirken,
verbinden: gleichsam mit einem ... unauflöslichen knopfe zusammen verwürckte brüder Butschky
Pathmos 61. I@4@cc)
vereinzelt zuwirken, durch ein gewirke versperren: wenn die spinnen den weg verwirkt haben Hippel
lebensläufe n. aufst. linie 2, 48. I@4@dd)
einen stoff, ein material verarbeiten: was silbers die goltsmide kouffent, das sü verwurcken wellent, das söllent sü verzollen (
Straszburg 1442)
bei Eheberg
verfassungs-, verwaltungs- u. wirtschaftsgeschichte 1, 115; des ersten so sol niemant (
von den webern) bi sinem aid kainen unzúg verwúrken, weder triemwoll, karthar, schinthar noch schnappwoll (
um 1495)
urkundenbuch d. stadt Stuttgart 561; und wie man in der haushaltung pflegt, hat sie viel flachs gesponnen und das garn zu einem leinweber ... zu verwircken gesendet Bütner
epitome historiarum (1596) 157
a; ein könig doch erwölen die stoltze bürgerschaft (
die bienen); wie der dan thut befehlen, verwirckens ihren saft Spee
trutznachtigall 134
ndr.; sole ... verwürcken, das ist saltz daraus machen Hondorf
saltzwerk zu Halle 81; der bäcker kann den teig zum brote ... verwirken Krünitz 219, 351; verwirken,
vom mehle, wenn es in teig verwandelt wird Voigtel
wb. (1793) 3, 547. I@4@ee)
vereinzelt im sinn von zerwirken, zerlegen: defaire et despouiller le cerf, den hirsch abthun und verwircken Duez
nomenclator (1652) 191. I@4@ff)
bewirken, ausüben, verüben: wand si an im virworhten bruoderliche trúwe Rudolf v. Ems
weltchronik 8354; dasz die erlösung in dem lyden und blutvergiessen verwúrkt und gevollkummnet ist Zwingli
deutsche schr. 1, 247.
erwirken: (
im jahre 1577,) wo ihm die freiherrn von R. das stadtrecht verwirkten
reise in d. Riesengebirge (1799) 270. I@4@gg)
mit persönlichem objekt, auf einen bestimmend einwirken, ihn zu etwas veranlassen: auch spricht Ptolemeus, dasz die menschen in sitten und tugenden werden durch die stern verwirckt
propheceien und weissagungen (
practica meister J. Lichtenbergers) 22
b; er (
Mars) ist ein toller kopff, wo er hebt an zu stutzen, so lest er sich von mir, ja von niemanden trutzen; verwürcken möcht ich ihn, dasz er mich gantz verliesz, ob ich ihn für den kopff so unbesonnen stiesz v. Hohberg
Proserpina 21
b. IIII.
in neuerer zeit sind zwei bedeutungen lebendig. II@11) etwas verwirken,
durch eigene schuld des rechts auf einen besitz oder einen anspruch verlustig gehen. II@1@aa) das leben verwirken,
schon ahd.: meistar, wizist thaz thiz wibfirworaht habet ira lib Otfrid 3, 17, 9;
mhd.: er hat verboden uber al, daz nieman dem keyser sal vorbaz sine sture geben, dar umbe hat er verwirket sin leben
schausp. d. mittelalters 1, 109
Mone; nhd.: welcher völlerey halber feindesnoth versäumet, der soll das leben verwürckt haben v. Fleming
teutsche soldat (1726) 97; sie seien alle meineidig und ehrlos geworden, ihr leben sei verwirkt Ranke 2, 155; er aber fleht zu deiner hohen gnade, dasz du ihm schenkest sein verwirktes leben Immermann 16, 174
B. mit persönl. dativ: man wird den namen ihres retters ihnen nennen, und hier im staube sollen sie das leben dir, das mir verwirkt war, danken H. v. Kleist 2, 377
Schm. (
Hermannsschl. 3, 5); wenn ein eingeborener ein mitglied eines anderen stammes ... ermordet, so ist sein leben diesem stamme verwirkt Ratzel
völkerkde 2, 79.
ungewöhnlich, wenn von einem unfreiwilligen, erzwungenen tun die rede ist: wie das alterthum von stolzen bauten erzählt, bei denen die arbeiter ihr leben verwirkten Gutzkow
ges. w. 10, 100.
formelhaft: als einsmahl viel seiner unterthanen leib und leben verwirckt Lehman
floril. polit. (1662) 2, 750; wenn dieser arme mann auch leib und leben verwirkt durch seine leichte schuld Schiller 14, 359
G. (
Tell 3, 3); dasz die erklärten Caesarianer sammt und sonders leben und gut verwirkt hatten Mommsen
röm. gesch.4 3, 394.
dazu lebensverwirkt,
s. teil 6, 456. leib und seele verwirken
s. u. II@1@bb)
gleichbedeutend den hals, den kopf verwirken: ein unfertigen mann oder frauen, die den hals verwirkt hetten
weistümer 6, 13; und auszerdem so bricht der undank allenfalls der frechen Neuberin schon den verwirkten hals Rost
verm. ged. (1769) 28; er ist ein böhmischer rebell und flüchtling, sein hals ist ihm verwirkt Schiller 12, 212
G. (
Wallensteins tod 1, 3). tem theten aber die unterthanen hoch oder niderstants mit freventlicher handt wider solche freyheit, so müssen dieselben one gnad den kopf verwircken Fronsperger
kriegsbuch 2, i 1
a; wie weit war Ludwig XVI. schuldig, dasz er sein haupt verwirkte, wie weit Robespierre, der es ihm abschlagen liesz? Gutzkow
ges. w. 12, 185. II@1@cc)
von materiellen und geistigen werten aller art. mhd.: swer des niht entæte, daz er sîn lêhen hæte verwürket unde ez solte lân Konrad v. Würzburg
kl. dicht. 1, 56
Sch.; wie Herzeloyden kint den grâl erwarp, als im daz gordent was, dô in verworhte Anfortas Wolfram
Parzival 827, 8; nymant mag eines andirn gût vorwirken
d. alte kulmische recht 5, 49
L. nhd.: dasz die sön und sons söne der verdampten und proscribierten aller ehren beraubt sein solten, auch alles ir gut verwirckt und verloren haben Xylander
Plutarch (1584) 230
b; (
die frau) behält ihr leibgeding, wenn der mann sein gut verwürkt Eichhorn
staats- u. rechtsgesch.3 2, 592; wenn jemand einen mann tödtet, so hat er sein land und seine fahrende habe verwirkt Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 113; land und krone — wie hätte ich sie denn verwirkt? Gaudy
s. w. 13, 100.
durch eine niederlage an jemanden verlieren: (
Fortinbras,) der laut dem untersiegelten vertrag, bekräftiget durch recht und rittersitte, mit seinem leben alle ländereyen, so er besasz, verwirkte an den sieger
Shakespeare 3, 145 (
Hamlet 1, 1). geld verwirken,
sich eine geldstrafe zuziehen: swer der ist, der dem rate oder den scheppfen an ir ait schimphet ..., der hat da mit verworcht fünf pfunt haller
Nürnberger polizeiordnungen 63
B.; der cassier herr L. hat sowohl die schon vormals der dem.
M. inne behaltne halbe gage als die von mad. B. neuerlich verwirkte ganze gage sogleich gegen quittung an die hofwittwencasse ... auszuzahlen Göthe IV 11, 51
W. eine soziale stellung, ein amt verwirken: (
sind die adligen nicht tugendhaft,) so ist der adel wider verwürkt Äg. Tschudi
chron. helv. 1, 103; verwirkt sein adelthum ein edelmann, so wird und ist er bürgerlich fortan Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 4, 212; dasz alle cardinäl, bischoff und päpst ihre ämpter und pfrunden mit der that selbs ipso facto verwirckt haben Fischart
binenkorb (1580) 50
a. ein recht, einen anspruch verwirken: dardurch sy alle ir freyheit und privilegien, was sy der gehabt, verwurckt
urk. z. gesch. Maximilians I. 50; todtsverschulte lüt, die eer und recht verwürckt Äg. Tschudi
chron. helv. 1, 250; doch eben weil er jenem dienst sich weihte, hat er bei uns das bürgerrecht verwirkt Göthe 9, 377
W. (
Tancred 368); nach meinem gefühle haben sie allerdings das recht verwirkt, die in diesem geheimnisz enthaltenen blätter zu lesen Gutzkow
ritter v. geiste 3, 401; er glaubte, durch eine frühere empörung dieser linie seien ihre ansprüche verwirkt worden Ranke 2, 204.
von ideellem, mhd.: daz sint die mænige sunde, mit den wir vil dicke verworht haben die hulde unseres herren
speculum ecclesiae 21
K.; jâ wiltu allez dîn heil an uns verwürken wider got Hartmann v. Aue
arm. Heinrich 639
G. nhd.: wer sich nach der pfafheyt stelt und darnach zu ritterschafft kert, der verwürckt sel und leyb
winterteil d. heiligen leben (1471) 100
a; weyl sie aber disen gehorsam brechen mutwilliglich und mit frevel und dazu sich widder yhre herren setzen, haben sie da mit verwirckt leyb und seel Luther 18, 357
W.; darumb hat er verschult die hell, wanne er hat verworcht das reich der himel
offenbarung d. heil. witwe Birgitte (1502) 47; wenn nun alles verbrechen ... strafbar ist,
d. i. glückseligkeit ... verwirkt Kant 5, 37
ak.-ausg.; ohngeachtet er damit die gnade des gesandten und seines hofes verwirkt hätte S. v. Laroche
fräul. v. Sternheim (1771) 2, 20; das lob der unpartheylichkeit nicht zu verwirken Gerstenberg
rezensionen i. d. Hamb. n. zeitg. 61
lit.-dkm.; P. Claudius aber verwürkte seine ehre völlig aus vermessenheit Niebuhr
röm. gesch. 3, 712; solche achtung scheine ich nun durch meine letzte schrift auf einmal verwirkt zu haben D. Fr. Strausz
schr. 6, 260. ein verdienst verwirken: der sieg bei S.
Quentin war längst verwürkt Schiller 5, 195
G. (
dom Karlos 3, 8); alles, was Berlin that und Köln, ists nicht auf eins verwirkt, da sie meinem vater das thor vor der nase zuschlugen? Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 185. II@22) etwas verwirken,
sich ein übel durch eigene handlung zuziehen, verdienen; ahd.: fragetun tho thananathie sine holdun thegana, oba thiu selba blintifon sunton sinen wurti, odo iz firworahtin ouh erfater inti muater Otfrid 3, 20, 5; ni sint theso ummahti,thaz er iz firworahti, ni datun ouh giwaroiz werk thero fordorono 3, 20, 9.
nhd.: also sind alle marterer getodt, nit als hetten sie ettwas zeytlicher schand vorwirckt, sondern als weren sie gottis feynd und lesterer gewesen Luther 10, 1, 1, 300
W.; dieweil ich doch mit schulden solchen undanck nit verwürcket noch verdienet hab Wickram 1, 192
B.; die theaterintendanz darf künftig keine schuld auf sich nehmen, die sie nicht selbst verwirkt hat Göthe IV 27, 359
W.; als habe ich die rache der Franzosen verwirkt Gaudy
s. w. 4, 104.
besonders eine strafe verwirken: dem oder denselben will ein rath sein verwürckte puss und straff begeben und nachlassen
Nürnberger polizeiordnungen 47
B.; wer in meinem gantzen königreich eine straffe verwirckt hat und fliehet in den tempel, der sol da sicher sein mit leib und mit gut 1.
Macc. 10, 43; die furcht vor der verwirkten strafe Ranke 4, 32; dass ich eine busse verwürket S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 68; wie auch feur, rat, strick und galgen, schadet im selbs nicht, sondern dieben und schelcken, die es verwirckt haben Luther 34, 2, 464
W.; dasz beklagter den staupenschlag verwircket Chr. Weise
erznarren 200
ndr.; der zuerst den herold angetastet, hat das beil verwirkt H. v. Kleist 1, 110
Schm.; der mort oder ander ubelthat gethon, und do mit er den dot vorwirkt hett
weistümer 6, 66; fast einmütig fiel der beschlusz dahin aus, dasz die angeklagten den tod verwirkt hätten Ranke 40/41, 281.