verwettern,
v. 11)
seit dem 16.
jh. als ableitung von wetter:
dem wetter ausgesetzt sein. 1@aa)
selten mit erwünschten oder angenehmen folgen: dasz sie solch geräthe (
das an der pest gestorbenen gehört hat) in ihren heusern oben unter dem dache aufhencken und verwettern lassen Bökel
pestordnung d. st. Hamburg (1597) 23
a.
von der tonbereitung: man pflegt ... den zur verarbeitung zu bringenden thon zum zwecke solcher auswinterung (verwittern oder verwettern) auf halden aufzufahren Karmarsch-Heeren
techn. wb.3 9, 260.
vereinzelt reflexiv: (
der seehund legt sich) in die sonne und verwettert sich Micrälius
altes Pommerland 6, 389. 1@bb)
mit schädlichen folgen: verwettern,
durch wetter, namentlich unwetter zerstört werden, ... vorzugsweise von feldfrüchten Krünitz 219, 348;
unter dem einflusz des wetters leiden Hofmann
niederhess. wb. 253.
gewöhnlich im 19.
jh. das part. prät.: verwettert,
vom getreide, heu u. ä., durch wetter, regen, hagel verderbt Fischer
schwäb. wb. 2, 1413;
allgemeiner, durch wetter mitgenommen: verwettert,
verwittert Martin-Lienhart
elsäss. 2, 882; Seiler
Basler ma. 114
b.
von menschen: ihre haut war ... in wind und wetter ... rauh und verwettert Gotthelf
ges. schr. 7, 303; in dem verwetterten gesicht Raabe
hungerpastor (1864) 3, 87; die schlicht gekleideten, verwetterten bergführer von Zermatt Stratz
der weisze tod 92.
von bäumen: an den ästen dieser alten, verwetterten, aber immer noch kräftigen fichten G. Keller
ges. w. 2, 266.
von unbelebtem: ein verwettertes riff H. v. Barth
Kalkalpen 62; (
die fensterläden) sind alt und verwettert Zahn
helden des alltags 110. 22)
andere gebrauchsarten kommen in der 2.
hälfte des 18.
jhs auf. 2@aa)
nur beschränkt üblich ist: heftig schlagen, stoszen Sallmann
lexical. beiträge 73; stärker noch die tiefe aufzuwiegeln, verwettern Leviathan und sein ungeschlachtes gefolge in fürchterlichem zeitvertreib die losgebundene salzgewässer
Thomsons vier jahreszeiten (1781) 341;
zerschmettern, zerbrechen Mozin-Biber-Hölder
wb. d. franz. sprache 3, 125;
mit lautem getöse zerschmettern, z. b. ein glas, ein töpfergeschirr Fischer
schwäb. wb. 2, 1413; der kukuk (
die kuckucksuhr) ist zerschlagen, in grundsboden zerschlagen — die alte Susel hat ihn verwettert, wie sie die stube fegte Schiller 2, 142
G. (
räuber 4, 3). 2@bb)
zu wettern,
schelten, fluchen: ausschelten Sallmann
a. a. o. 73.
verfluchen, nur ganz vereinzelt verbal: das hab ich denn doch, liebster freund, eurer feile zu danken, wiewohl ich sie oft in meinem herzen verwünscht und verwettert habe Bürger
briefe 1, 274.
gewöhnlich ist das part. prät.: verwettert,
welches so wie verhenkert, verdonnert, verteufelt
u. s. f. nur in den niedrigen sprecharten üblich ist, einen hohen grad der bösen beschaffenheit eines dinges zu bezeichnen Adelung 4, 1179; ein verwetterter kerl,
un diable d'homme Schwan
nouv. dict. 2, 944;
mundartlich: verwettert,
verwünscht Müller-Fraureuth 2, 619; Albrecht
Leipziger ma. 231; Anton
Oberlausitz 14, 14; Bernd
Posen 339;
verteufelt, gefährlich, ein verwetterter kerl Bauer-Collitz 139; verwedertes wedder,
ein abscheuliches wetter Mi 103
b; kann ich den herrn von der verwetterten heirath nicht abhalten Iffland
theatr. werke 7, 201; ihn will ich auf alle fälle noch lieber bedienen als seine verwetterte frau Kretschmann
s. w. 4, 2, 100; ein mordkerl! sag ich, ein verfluchter, verwetterter galgenstrick H. v. Kleist 4, 189
Schm.; die verwetterte geschichte von Custozza ist ein rechtes unwesen A. Ruge
briefwechsel 2, 275
N.; halts maul! dein verwettert maul halt, sag ich Anzengruber
ges. w. 1, 253.
oft auch wie verteufelt
u. ä. in mehr gutmütig polterndem ton: er läszt nicht mit sich spielen und hat einen verwetterten kopf Chr.
F. Weisze
lustspiele 2, 173; die verwetterten mägdchen kommen ja noch nicht!
theater d. Deutschen (1768) 18, 338; der verwetterten dirn will ich den kopf zurecht setzen — und alles wird noch gut werden Gaudy
s. w. 17, 159.
adverbial: unsere generalität ist verwettert zäher natur J. G. Müller
herren v. Waldheim (1787) 1, 166; die ... rosen lieszen ihr verwettert gut zu ihrem feinen, unverschämten stumpfnäschen Storm
w. 3, 97.
als ausruf: verwettert! hab ich mich doch noch nicht tief genug gebückt Meiszner
Alcibiades 2, 169.