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verurtheilen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verurtheilen v.

Bd. 25, Sp. 2051
verurtheilen, v. , mhd. wb. 3, 24, Lexer 3, 282, in den frühnhd. wörterbb. allgemein. mundartlich selten gebucht. bis in die neuzeit hält sich eine form mit abschwächung des zweiten bestandtheiles: virurtelen, virortelen Diefenbach 454b; verurtelt Teuerdank 275 Gödeke; Logau 208 lit. v.; verördelt Rotmann restitution 64 ndr.; veroirdelt pilgerfahrt des ritters v. Harff 16; verurthlet Abraham a s. Clara Judas der ertzschelm 1, 120; verurtheln Raupach dram. w. ernster gattung 7, 278; verurtelt Anzengruber 9, 81; verûrtelen luxemb. mundart 468. 11) mhd. vereinzelt durch gerichtsbeschlusz bestimmen: dô daz verurteilet wart Rudolf v. Ems d. gute Gerhart 5815. 22) allgemein, über einen ein urtheil fällen, adiudicare, prejudicare Diefenbach glossar.; proscribere nov. gl.; adiudicare, sententiare, condemnare voc. inc. teut.; adiudicare, verrechten oder mit recht verurtheylen gemma gemmarum a 4b; addico, aestimo, anteverto, carpo, circumvenio, damno, condemno Frisius, damnare, condemnare Stieler 2273. der sinn ist stets, dasz das urtheil ungünstig ausfällt. 2@aa) gerichtlich; mhd.: den armen, di vororteilt waren an gerichte Köditz leben d. heil. Ludwig 17 R.; fröwly, war sind komen dise man, die dich wolten verurteilt han, und die dich har hand presentiert, oder hand sy dich hie condempniert? schausp. d. mittelalters 2, 220 Monc; zu orkunde wesche ich die hende min, dasz ich nicht vororteil sin blut Alsfelder passionsspiel 4478; das der Husz und Jeronimus mit recht urtail verurtailt wären Richental chronik d. Constanzer concils 94 lit. v. nhd.: da er hochverrahts wegen verurtheilet war Heilmann peloponn. krieg 159; sie wurden vor die commission gewiesen, die den könig verurtheilt hatte Ranke s. w. 17, 12. von gott als dem höchsten richter: so der gestreng richter wirt kommen ..., der wirt nit verurtailen die menschen A. v. Eyb spiegel der sitten 4b; da er das streng gerichte scheucht, vor dem kein mensch rechtfertig wirdt, sonder verurteilt und damnirt H. Sachs 18, 516 G. häufig ist das substantivierte participium präteriti: daz zaichen des gecreützigten Christi dem armen verurthailten fürtragen Nas antipapistisch eins u. hundert 1, 220b; der achtzettel, durch welchen man den verurtheilten 'aus dem frieden in den unfrieden setzte' Ranke s. w. 1, 80. an näheren bestimmungen begegnen: 2@a@aα) bezeichnung der strafe durch präpositionale wendungen. am häufigsten ist zu: dô er verurteilet wart zuo dem tôde Germania 3, 416 Pfeiffer (predigtmärlein); den marschall zum tode zu verurtheilen Ranke s. w. 9, 66; von deszwegen ... zuletzt etlich zum für verurteilt und verbrennt sind worden Zwingli deutsche schr. 1, 131; zum strang Moscherosch Philander 2, 294; zu sechswöchentlicher gefängniszstrafe Göthe IV 34, 122 W.; zu den galeeren L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 209; auch zu den unkosten v. Kramer 2, 1222c; die kosten zu bezahlen, zu denen sie da verurtheilt worden Ranke s. w. 1, 293. ungewöhnlich: die dem tod zuo verurteylet warend Züricher bibel (1531) 2, 42. in älterer zeit begegnen auch andre präpositionen: wer das verdächt, der möcht wol an im selber sein verurteilt in des kaisers ächt Oswald v. Wolkenstein 62, 25 Schatz; er wart verurteilt in den tot Hätzlerin 305; die frau klägerin ... in die straf ... groszgünstig verurtheilen Harsdörfer frauenzimmergesprechspiele 1, m 8a; Auctrat ... verurtheilt herrn Tristranten auf ein rad buch der liebe 90b; einen auf die galeen v. Hulsius (1618) 2, 238. 2@a@bβ) vereinzelt durch den genitiv: seinen stiefbruder verurtheilte er des todes br. Grimm deutsche sagen 2, 62. 2@a@gγ) durch den infinitiv: der verklagt und verurteylt was ze sterben Arigo decamerone 204 K.; und ward verurteilt zu verbrennen Tschudi chron. helvet. 1, 483; der gute P. ... verurtheilte mich, vier masz mehl als almosen in ein kloster zu geben Göthe 43, 47 W.; der student wurde vom senat der universität verurtheilt, hier nicht weiter studiren zu dürfen Varnhagen v. Ense tagebücher 1, 21. 2@a@dδ) durch abhängigen satz: sie sagten, er wäre ein dieb und führten ihn vor gericht, da ward er verurtheilt, dasz er in einem kasten sollte aufs wasser gesetzt werden kinder u. hausmärchen 2, 109. 2@a@eε) bezeichnung der eigenschaft, in der jemand verurtheilt wird: der ward nun durch den official von L. ... offentlich verurteilt für ein ketzer Tschudi chron. helv. 1, 483; wirstu ... als eyn falscher verräter und eyn treuloser man verurtheylt hertzog Aymont C 1b; die angeklagten wurden unschuldig verurteilt als verwilderte, bösartige junge leute G. Keller 1, 86. 2@bb) in der anwendung auf gott als den höchsten richter ist v. gleichbedeutend mit verdammen, verwerfen und wird so auch ohne directe beziehung auf das gericht gebraucht: welicher aber zwyflet und darüber die spysz isset, von deren er zwyfel hat, der ist verurteilt Zwingli von freiheit d. speisen 25 ndr.; (gott) hat von der sünd wegen die sünd verurteilet oder getödet im fleisch deutsche schr. 1, 212. 2@cc) über einen eine abfällige, miszbilligende, geringschätzige meinung haben oder aussprechen. mhd.: er mste sich selber wol v. und in als gros bekenntnisse siner kleinheit komen Tauler predigten 387 Vetter; dazu das part. prät. verurtheilt, verurtheilenswürdig, verwerflich, schlecht: owê dir, verurteilter zage, swâ man der milten gedenket, man êret sie, man vliuhet dich, dîn laster sælde krenket, man spît dich an, dîn schande wirt gemêret minnesinger 3, 102 v. d. Hagen. nhd.: die kunstrichter bedenken nicht, wie unrecht sie verfahren, wenn sie ihm (Cramer) ihre ideale unterschieben, und ihn nach diesen v. briefe über merkwürdigkeiten der litt. 104 lit.-denkm.; sie müssen den fürsten nicht v. Laroche gesch. d. fräul. v. Sternheim 1, 122; so strenge richtet und schlieszet nur der, den sein eigenes herz verurtheilt Klinger 3, 97; soll man nun Mirabeaus ganzes treiben ... v. als das zeugnisz einer gesinnung voll inneren unlauteren widerspruches? Dahlmann französ. revol. 349; jetzt verurtheilten alle höfe mitleidslos sein schwankendes, zweideutiges verhalten Treitschke deutsche geschichte 3, 184. — dazu verurtheilenswürdig Thomas Mann Buddenbrooks (1904) 12. 2@dd) bildlich zu einem lose, einem schicksal, einer bestimmung v.: diese schönen augen, die geschienen haben verurtheilt zu seyn, sich die beste zeit des tages auf einen spitzenpult zu kehren discourse der mahlern 2, 136; ein seltsamer miszverstand der natur hat mich in meinem geburtsort zum dichter verurtheilt Schiller 3, 528 G.; des besten willens ... sich bewuszt, war er dazu verurtheilt, den ruin seines vaterlandes vor seinen augen sich vollziehen zu sehen Mommsen römische geschichte 2, 191; einige allenfalls zum cölibat verurtheilte schwägerinnen Ebner-Eschenbach 4, 16. auch reflexiv: das hiesz sich selbst zur ohnmacht verurtheilen Dahlmann französ. revol. 390; denn wer sich willig knechten läszt, verurtheilt selber sich zum knecht Geibel 1, 209. verurtheiler, m., damnans, damnator Stieler; seine eigene verurtheiler Lohenstein Arminius 1, 708b; dasz er seinen blinden verurtheilern gern verzeihe Becker weltgeschichte 2, 243. —
7138 Zeichen · 150 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verurtheilen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verurtheilen , verb. reg. act. durch ein Urtheil einer verwirkten Strafe schuldig erkennen, für das veraltete verdammen.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verurtheilen

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Ableitung von verurtheilen

ver- + urtheilen

verurtheilen leitet sich vom Lemma urtheilen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verurtheilen 3 Komponenten

ver+(urt+heilen)

verurtheilen setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verurtheilen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.