vertuschen1,
v. ,
seit dem 13.
jahrh. (Gottfried v. Straszburg) belegt,
in den nhd. wörterbüchern allgemein, auch mundartlich weit verbreitet. form. es begegnen die mannigfaltigsten formen: vertuschen
mhd. wb. 3, 156; Lexer 3, 279;
nhd. allgemein, mundartlich Klein
prov. wb. 2, 219,
schweiz. id. 1, 906,
els. Martin-Lienhart 2, 724,
lothr. Follmann 155;
schwäb. Fischer 2, 1393,
bair. Schmeller-Fr. 1, 629,
öst. Castelli 122,
tirol. Schöpf 778,
kärnt. Lexer 79,
thür. Hertel 249,
henneberg. Reinwald 1, 184,
obersächs. Müller-Fraureuth 1, 269,
schles. Weinhold
hs. t 149,
luxemb. ma, 468,
westerwäld. Schmidt 313,
köln. Hönig 195,
osnabr. Strodtmann 262,
berlin. Meyer 128,
altmärk. Danneil 240
b,
neumärk. zeitschr. f. d. ma. 4, 75,
meckl. Mi 103,
pomm. Dähnert 528,
preusz. Frischbier 2, 443.
vereinzelt ist starkes part. prät. verduschen Sachs 8, 413
K. neben verduschet 6, 366
u. ö. häufig ist umgelauteter vocal, auch entrundet: vertuschet: gemischet Johann v. Würzburg 2508; Burkard Waldis
psalm 140, 2; vertischet Valerius Anshelm
Berner chronik 3, 94
hist. ver.; verdüschen: erwischen Fischart 2, 131
H.; vertuschen
und vertüschen
bei Frisius 274
a, 277
b, 318
b u. ö. im 17.
jahrh. wird der umlaut selten (vertüschen Schottel
haubtspr. 647, verdüschet Moscherosch
Philander 1, 379
neben vertuschen 2, 94),
im 18.
vereinzelt (vertüschen Dentzler).
mundartlich belegen ihn schweiz. id., Hönig, Mi.
anlautend d
neben t
mundartlich und in älterer zeit häufig, noch im 18.
jahrh. verduscht Chr.
F. Weisze
lustspiele 3, 349.
daneben vertuscheln
und vertüscheln Frisius 852
b, Maaler 436
b,
schwäb. Fischer,
niederhess. Hofmann 252,
westerwäld. Schmidt 313,
thür. Hertel 249,
wald. Bauer-Collitz 32
a,
mansfeld. Jecht 115
a,
preusz. Frischbier 2, 443, verdütscheln Kehrein 1, 422, vertütscheln Reinwald 1, 183, vertutscheln Estor 3, 1421, Askenasy 225.
ferner vertutschen, vertütschen: Scherz, Maaler 436
b; vertütscht Rüte
fastnachtsspiel l 1, vertutscht Rompler von Löwenhalt
erstes gebüsch 53;
schweiz. Stalder 1, 332;
appenzell. Tobler 190
a,
els. Martin - Lienhart 2, 724, 733,
nürnb. Sartorius 131,
auch vertötscha Tobler, verdötsche Hönig 191.
auszerdem konkurrieren mundartlich und in älterer zeit formen mit ss, st, s,
zuweilen neben sch
beim selben autor: vertüsset, vertüssen (
hs. vertüschet, vertüschen,
aber reimworte geküsset, küssen) Johann v. Würzburg 9950, 18788
neben vertuschet: gemischet 2508; vertuscht Franck
chron. zeytbuch 493
a, vertüstet 60
b, 103
b; vertust: wust Waldis
Esopus 2, 36, mit gift vertüst
und vertüscht Stumpf
Schweytzerchronik 217
a, 486
b.
zwischen ss
und st
ist in den am häufigsten belegten formen auf -t
mit synkopiertem mittelvocal nicht zu unterscheiden, sonst begegnen vertuset Frauenlob
lieder 2, 7; verdussen : kussen
Rosengarten c 202, 251
v. d. Hagen u. Primisser; mnd. vortussen;
niedersächs. vertussen
brem. wb. 5, 134;
schwäb. Fischer; vertuse Martin-Lienhart 2, 724; votuschen
im reim auf nussen
volksschausp. in Bayern u. Öst. 193
Hartmann; vertüste (
präsens) Fischart 3, 105
H., schwäb. verdüsten, verdusten Fischer,
rotwelsch verthusten Kluge 165,
s. o. unter vertusch.
frühnhd. auch vertutzen (
vgl. oben sp. 263): vertutzend Thüring Frickart (
s. u. 3 a), vorthutzt Amnicola (
s. u. 3 b); ist vertuckt und vertütst Frisius 1054
a;
dazu mnd. vordutten Schiller-Lübben 5, 347; vortutten Nic. v. Jeroschin (
s. u. 1).
diese mannigfaltigkeit gleichbedeutender formen läszt es unmöglich erscheinen, zu einer gesicherten etymologie zu gelangen. es ist durchaus zweifelhaft, ob es sich ursprünglich um eín wort handelt mit secundärer lautlicher differenzierung oder um verschiedene ableitungen von einem stamm oder um mehrere von hause aus verschiedene wörter, die sich mehrfach gegenseitig beeinfluszt haben müszten; vgl. mhd. wb. 3, 155;
oben th. XI,
sp. 208,
th. XII
sp. 263; Paul, Kluge, Andresen
5 342;
abzulehnen ist die erklärung von Hirt
etymologie (1921) 344: '
aus der malerei stammen kaschieren und vertuschen'
; höchstens die möglichkeit secundärer bedeutungsbeeinflussung (Andresen, Seiler
lehnwort 3, 310)
kommt in betracht. bedeutung und gebrauch: 11)
selten intrans., verderben, zu grunde gehn (
schwerlich '
auszer fassung geraten, verdutzt werden'
mhd. wb. 3, 155
oder '
betäubt werden, vor schrecken verstummen, auszer fassung kommen' Lexer 3, 279,
was zwar zu dem mhd. und mnd. belege, aber nicht zu den nhd. passen würde): vernunft volgt mir unraine und all mein sinn vertust, daz ich nicht wil verschrenken den giftikleichen wurm, der mir die sel maint krenken schärfleich mit hertem sturm Oswald von Wolkenstein 91, 44
Schatz; (
eine wunde) dâvon im daz geweide sich ûz dem lîbe schutte. idoch dô nicht vortutte sîn mût von dem getwange Nicolaus v. Jeroschin 22 283.
nhd.: wie ein butz oder füncklin feuwer gegen dem meer, dareyn geworffen, in einem augenblick vertust Seb. Franck
bei Fischer 2, 1394; in wenigen tagen trübte der rüsselkäfer die schönen hoffnungen des baumzüchters, so dasz die apfelblüte schnell vertuschte
schwäb. Merkur 21.
mai 1859. 22)
trans. vernichten, zerstören, mhd. nur in der form vertusen, vertussen
und lediglich auf geistiges und seelisches bezogen: nu sehet, daz ich tumber mir selbe sus vertuset han mine sinne Frauenlob
lieder 2, 7; so wär mein laid vertust Oswald v. Wolkenstein 19, 6
Schatz; ir baider lust wart pald vertust, da ez gieng an ain schaiden Hätzlerin 1, 27, 350; zuo úch hat sy ein grossen lust, ir hand ir dick grosz leid vertust
schausp. d. ma. 2, 188
Mone. frühnhd. nicht häufig, aber mannigfaltiger in form und bedeutung: 2@aa)
allgemein: vertütschen
extinguere Maaler 436
b; daz er ire götzen, die sy mit grossen kosten in ein ordnung gestelt het, täglich sahe ausz gemustert und vertuscht werden S. Franck
chron. zeytb. 493
a.
übertragen: ich sich, du und Fridbert all beid kein andre freüd begeren mer dann zu studieren und der ler. das ist bey meinem son verdust, dann er hat zu der schul kein lust Wickram 6, 297
B. 2@bb)
mit gift ums leben bringen: diser Constantinus ward von Martina seiner stiefmuoter ... mit gift vertüst Stumpf
Schweytzerchr. 217
a; als Fridericus der keyser in Apulia durch Manfredum seinen bastard mit gift vertüscht ward 486
b. 2@cc)
verstoszen, verdammen: die gottlosen werdind ze schanden und in die hell vertüscht
Züricher bibel (1531) 2, 23;
dazu elsäss. vertusch mich! '
verdamm mich',
von Martin-Lienhart
zu vertauschen
gestellt. in neueren mundarten schwäb. '
vernichten, zerstören' Fischer,
kärnt. '
verderben' Lexer,
schweiz. vertötscha, vertütscha, '
durch stosz zu grunde richten und verderben' Tobler
appenzell. sprachsch. 190
a (
s. u. 13). 33)
unterdrücken: 3@aa)
mit persönl. object nur frühnhd.: si (
die reisigen und der adel von Bern) rümend, wie sy inen die spysz erhalten, den fyenden verhalten, alle ding erkundiget, ..., grosse ding die sy inen zugebend und uns ander all vertutzend Thüring Frickart
quellen z. schweiz. gesch. 1, 138; diser Cyrus, der den groszmechtigen künic Babilonie vertüstet S. Franck
chron. zeytb. 60
b; so gott ein gotgelerten etwa erweckt hat, so ist er, als bald er auf hat geragt, von disen kuttenbuben verdruckt und vertust worden 354
a; in dem wolt der lantpfleger in Gallia keiser sein, warff sich auff, aber er ward bald vertüschte
Germania (1539) 55
a. 3@bb)
mit sächl. object: der bapst vertütscht alle bücher Rüte
fasznachtsspiel L 1; (
Luther) stewerth sich alleyne an den glauben, vorwirft, vorthutzt und vorlesteret gottes dinste, messen und alle gutte werck Amnicola
zu errettung den schwachen ordenpersonen c 4
b; die reysigen hielten vor dem tempel, ob sich wider ein lerme von den Römern wolt erheben, das sie den vertusten S. Franck
Germ. chron. (1538) 156
b; wann ides frevel und arg list gedult würd und nicht bald vertüst Fischart 1, 79
H.; das ich ... dis eingewurzelte ubel ... vertüste und beinah gar austreibe 3, 105; das feuer vertüschen Frisius 922
b;
sprichwörtlich: lieb, feur, husten kan man nicht vertuschen Guarinonius
greuel d. verwüstung 284; die klag ist vertüscht und undergeschlagen Maaler 436
b; da sie (
die Griechen und Römer) ... allweg ir eigen lob bisz an den himel erhebt, der Teutschen rum aber vertüst haben Stumpf
Schweytzerchr. 58
a; etliche worte im lesen vertuschen Kramer 2, 1164
a; die katholischen sachen (
schriften) soviel wie möglich zu vertuschen und vom allgemeinen verkehre auszuschlieszen Görres
briefe 3, 150.
lebendig geblieben ist die wendung einen streit v.,
beilegen, beschwichtigen: daruss folgt grosser span (
spannung) ... und ward kümmerlich one krieg zerlegt und vertüscht Tschudi
chron. helv. 2, 213; so fand ich oft genug gelegenheit zu vermitteln, zu vertuschen, den wetterstrahl abzuleiten Göthe 27, 113
W.; die wackere frau, mit dem ersten probestück des ausgleichens und vertuschens wohl zufrieden 28, 92
W.; der streit des menschen mit dem individuum in sich ...., wenn er sich nicht ... vertuschen, nicht kompensieren läszt O. Ludwig
ges. schr. 5, 173. 44)
sowohl mit der bedeutung unterdrücken, als auch mit zum schweigen bringen (
s. u. 5)
und verbergen, geheimhalten (
s. u. 6)
berühren sich wendungen wie ein gerücht, ein gerede vertuschen:
famam premere, reprimere, supprimere Frisius, Maaler; vertussen '
machen, dasz etwas nicht unter die leute kommt'
brem.-nieders. wb. 5, 134; vertütschen '
unterdrücken, was ruchbar, offenbar werden will' Stalder
schweiz. id. 1, 332. 55)
zum schweigen bringen: ein schreiendes kind verdüsten Fischer; papirs natur ist rauschen und rauschen wil es vil, man kans nit wol vertuschen, denn es stäts rauschen wil
volkslieder nr. 263
Uhland. 66)
am häufigsten verbergen, verheimlichen: contegere, obruere Frisius, verdecken und heimlich halten,
obsigillare, contegere Maaler 436
b,
tegere, abscondere, ..., dissimulare Stieler 2266.
nicht ganz sicher ist die zugehörigkeit der belege im Rosengarten des Dresdner heldenbuchs (
v. d. Hagen) ein halsen und ein kussen gab im die kongein, des kunt sie nit verduschen, gab im ein krentzlein 202; 251; 6@aa)
reflexiv: dâ mite treib er in umbe manege engestlîche krumbe von boumen ze buschen, dâ muose er sich vertuschen Gottfried v. Straszburg 9032; gar bald ich mich vertust hinder ainem hagendorn
liedersaal 2, 294
Laszberg; nhd. selten: damit wenn er (
gott) kompt, wir ... nicht ... uns zu verkriechen und zu vertuschen unterstehn mögen Schaller
theolog. heroldt 224. 6@bb)
selten transitiv auf personen bezogen: iedoch sô wurdens in daz her vertüschet und gemischet, daz si von den gewischet dâ wâren, die si triben dar Konrad v. Würzburg
troj. kr. 35 315; dasz Cäsar, welcher alle tage nur buhlschaften suchte und mit dem ersten anblicke sich in die gefangene Eunoë verliebt hatte, sie in Italien vertuschte (
statt sie den friedensbedingungen entsprechend auszuliefern) Lohenstein
Arminius 1, 1000
a; unter eines andern namen vertuscht Kramer 2, 1164
b. 6@cc)
in älterer zeit häufiger auf concrete gegenstände: ohn gfehr hat da ein fuchsz sein wesen in einem loch mit dorn verdüscht Waldis
Esopus 2, 226
Kurz; sein geld vertuschen Kramer 2, 1164
a; Steinbach 2, 883; (
die kahlheit) mit einer barocka v. Abr. a
s. Clara
reimb dich (1691) 26; wer weisz, wie viel buhlerbriefe du unter ihnen vertuscht hast? Günther
ged. (1735) 1002; sündfluthen, die die erde vertuschen Schönaich
ästhetik in einer nusz 73
lit. denkm. 6@dd)
meist auf ereignisse, thaten, zustände, die geheimgehalten werden sollen: wer sich in grosser leute heuser helt, der musz viel leiden, verschweigen, vertuschen und ihm gefallen lassen Mathesius
Syrach 3, 57
a;
daher auch: die wahrheit v.
allgem. haushaltungslex. 1, 54
b.
verbindung mit dem dativ der person: wie werdet ihr dem herrn Jesu so gar nichts vertuschen können! Dilherr
heilige sonn- und festtagsarbeit 5
a; einem etwas v. Kramer 2, 1164
a; ihm musz ich das unheil vertuschen Langbein
sämtl. schr. 31, 136.
in neuerer zeit häufig das absolute part. präs.: ihr vertuschendes stillschweigen Voss
antisymbolik 2, 68; mit versöhnlicher, aber auch vertuschender tendenz D. Fr. Strausz 6, 36.
gegenstand des vertuschens ist: 6@d@aα)
ein unangenehmes ereignis, unglück, eine that, ein verbrechen, vergehen, eine schlechte eigenschaft; mhd. Lexer 3, 280; er gedahte dik, wie verdúschet wurd dirr mort
der sælden hort 2022;
nhd.: auf das verdust der diebstal blieb Fischart 1, 168
Kurz; etliche vertheidigen, beschönen, vermenteln, decken und vertuschen den alten unflat und vertünchen ire lügen und schandflecken Mathesius
Sarepta (1571) 122
b; (
diejenigen), so dem könige aufgewartet und sich dabey befunden, auch dessen todt nicht allein nicht vertuschet, sondern vielmehr uberall ausgebreitet hatten Chemnitz
schwed. krieg 1, 466; seine schwangerschaft vertuschen Kramer 2, 1164
a; dasz wir seine streiche nur noch vertuschen möchten Lessing 3, 343
M.; unsre poeten sind seicht, doch das unglück liesz sich vertuschen, hätten die kritiker nicht, ach! so entsetzlich viel geist Göthe 5, 250
W.; um eine begangene sünde zu vertuschen G. Keller 4, 171; dies elend zu vertuschen 8, 196. 6@d@bβ)
seltener eine gute eigenschaft: dann einmahl last sich alte teutsche redlichkeit und auffrichtigkeit nicht bergen noch vertuschen Moscherosch
Philander 2, 94. 6@d@gγ)
umstände, art und weise, ursache eines vorgangs: 'und warumb, lumpenhund', sprach einer von den teuflen, 'sagst du nicht die gründtliche wahre ursachen, welche ihr je und allwegen verdüschet und verhälet' Moscherosch
Philander 1, 379; dasz die rechten und wahrhaftigen umstände dieses kriegs vertuschet worden Thomasius
ernsth. ged. u. er. 2, 179; das 'wie' seines todes wurde vertuscht Fontane I 4, 409. 6@d@dδ)
inneres erleben und seine äuszerungen, mhd.: swie michel was diu huote, diu minnecliche guote im dicke dar diu augen schoz, dar uz ir riwik wazzer vloz durch dünniu vel gemischet. iedoch ez wart vertuschet, daz sin nieman inne wart Joh. v. Würzburg 2508; lait v. 9950; die lieb vertüssen 18 788;
nhd.: seine zuneigungen kann er auf eine lange zeit bergen und vertuschen Butschky
Pathmos 317; gemüthsregungen, die sie aber vertuscheten
irrgarten der liebe 391. 77) '
heimlich auf die seite schaffen' Schöpf
tirol. id. 778,
unterschlagen: ir testament verduschen was H. Sachs 8, 413
K.; auf das im nichts werd abgetragen, heimlich verduschet und verschlagen 6, 366;
depositum reddendum est, non abnegandum, nec supprimendum die beylage soll man liefern, nicht verleugnen noch underschlagen oder vertuschen Comenius
janua (1640) 276. '
heimlich verkaufen' Fischer: weder zu verkaufen noch zu vertuschen (1535); ob sie nichts von ihres mannes seeligen hinterlassenschaft vertuscht oder aber durch andere zu vertuschen gestattet v. Lilienberg
metamorphosis telae judicariae 131.
vereinzelt ganz allgemein, in fremden besitz gelangen lassen: wie dann deszhalben ain yedes wäschwerk besonderbar von uns begnadt und gefreyt wirdet, ..., und wider dieselb unser freyhait ... nyemands anderm verkauft, gegeben noch in ander weg vertuscht ... werden Lori
bair. bergrecht (1532) 235. 88)
unklar darstellen: aber die alten poeten haben ir historien so vertuschen und vermenteln wöllen, damit die leser desto fleissiger den historien und iren geheimnussen nachdechten Mathesius
Sarepta (1571) 161
a.
in neuerer zeit in anlehnung an tuschen,
farbe auftragen: er vertuschte und verpinselte die verhältnisse Gutzkow
ges. w. 10, 262. 99)
beschönigen, mildern: dasz man das, was allenfalls noch zu direct gegen die decenz geht, mildere und vertusche Göthe IV 17, 242
W.; alles vertuschen und verzierlichen zu wollen Dahlmann im
briefw. zw. Jac. u. W. Grimm, D. u. Gervinus 1, 154. 1010)
wieder gut machen, eine ungünstige wirkung aufheben: ob die unglückliche schlacht vertüst sei durch die glückliche Carbach
Livius 249
b; daz ende krönt ein werck, vertuscht ein schlimmes leben Lohenstein
Arminius 1, 81
b; ob du auch sie (
die beleidigung) mit liebkosungen vertuschen willst Grabbe 3, 594
Blumenthal. 1111)
verfälschen: das die ungelerten, unbeständigen lerer heylige schrift, wo sy hart ze versteen ist, daselbs vertuschen und zuo irem vortail, auch zuo irem aigen verderben brauchen Berthold von Chiemsee
tewtsche theologey 96. 1212)
gaunersprachlichen gebrauch s. vertusch. 1313)
nur mundartlich mit der grundbedeutung stoszen, schlagen: berlin. H. Meyer 128,
schwäb. Fischer,
appenzell. vertötscha, vertütscha '
durch einen stosz zu grunde richten oder verderben' Tobler 190 (
vgl. o. 2); vertütschen,
aufquetschen, verquetschen Stalder 1, 332 (
vgl. mhd. tuzzen Lexer 2, 1592).