vertauben,
vertäuben,
verb. ,
vom adj. taub
gebildet. wie taub
mit toben
verwandt ist (
th. 11
1, 162; Kluge
etym. wb. 455
b),
so ist auch vertauben
von vertoben in form und bedeutung nicht durchweg zu scheiden (
s. d.). AA.
intrans. verwendung ohne umlaut. A@11)
mhd. vertouben '
taub werden' Lexer 3, 272;
surdescere, vertauben, virdauwin Diefenbach
gloss. 568
c; vortaubin
schles. voc. d. 15.
jhs. aus Rauden 108
v a;
mnd. sine oren sint om so verdovet, dat he der warheyd nicht hoiren kan
quelle bei Schiller-Lübben 5, 431
a;
nl. verdoouen,
obsurdescere, surdum fieri Kilian 585
a; du salt nit lenger hangen an dem unglauben, vorblinden mustu und vortauben
Alsfelder pass. 5177.
in technischer sprache von taubem
gestein und lagerstätten, die keine nutzbaren mineralien enthalten (
th. 11
1, 165), '
erschöpft werden'
; vgl. Veith
bergwb. 540.
in der neueren literatur erst um 1800: und dabei schreien sie! meine ohren vertauben Varnhagen
Rahel 1, 135; da kann die zunge nicht wieder verstummen, das ohr nicht mehr vertauben
F. L. Jahn 2, 598. A@22)
in übertragenem sinne das part. prät.: einen igelichen suondere dem sine liedemaʒe und sin vuomf sinnen alle vortuobit und vorlamit sin zu guotin werkin
Leipz. predigten 138, 7
Schönbach; den dichter, der .. sich gedrungen fühlt, den vertaubten nerven des mitleids für hundert elende in seinen mitbürgern wieder aufzureizen Lenz
schriften 3, 145; das hirn der zeit ist ehern, es ist verstockt, vertaubt, es hat entflammten sehern noch immer nicht geglaubt Strachwitz
ged. 31.
ostfries. ferdofen
von feuer und kohlen, die erlöschen Doornkaat 1, 443
b.
auch nl. Sicherer-Akveld 1164
a. A@33)
wie taub '
närrisch, tobend, zornig' (
th. 11
1, 164)
bedeutet schweiz. vertauba (ertauba) '
zornig werden, in harnisch gerathen' Tobler
Appenzell 189
a.
nach Stalder
perfectiv vertauben '
aufhören zu rasen' 1, 272 (
vgl. vertoben); ferdeupele Seiler
Basel 106.
dem entspricht elsäss. vertäübele
n '
austoben' Martin-Lienhart 2, 642
b.
obd. '
taub'
wird durch thörisch
wiedergegeben Kluge;
vgl. verthören, verthörlen. BB.
in trans. verwendung erscheint das wort theils mit, theils ohne umlaut. B@11) '
taub machen, von sinnen bringen, betäuben'. sîn houbet was sô gar vertoubet, zerstochen mit den dornen Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 3301; etliche werdent verdobet mit iren eigenen ufsetzen und iren annemheiten in sinlich wúrklicheit Tauler 192, 9
Vetter (
ausg. Augsburg 1508 vertaubt); vielleicht hat diesen könig die alte frau, wie auch jenen ungerechten richter .., weil sie ihm so viel mühe machet, und kam in zu verteuben, vermocht, sie zu retten Kirchhof
wendunmuth 2, 31; verstummt und vertäubt und verzaubert und verblüfft liegt es (
das geknechtete volk) in ohnmacht
F. L. Jahn 1, 390.
elsäss. vertaube
n, vertäuwe
n '
betäuben, verwirren' Martin-Lienhart;
schweiz. ferdeube Seiler.
auch nd.: mnd. vordoven '
betäuben, übertäuben, bethören' Schiller-Lübben;
mnl. verdoven,
part. verdovet, verdooft Verdam;
exsurdare, surdum reddere Kilian 585
a;
osnabrück. verdäuwen '
zum schweigen bzingen, betäuben' Strodtmann 257;
neumärk. fardeeft '
betäubt'
zeitschr. f. d. mundarten 4, 74. B@22)
nur in der älteren periode erscheint die bedeutung '
töten, vernichten'
mhd. wb. 3, 62
b; sîet man sî mit starkir hant vortilgin und vortoubin (
var. betoubin) di vînde des geloubin Nic. v. Jeroschin
preusz. chron. 841. '
dämpfen, niederschlagen': die hütten tuon ich loben im isen und im loch (
gefängnis), tut mancher in (
den räuber) vertoben daʒ im gelit sin boch (
stolz)
volkslieder 1, 371
Uhland. B@33)
ein trans. seitenstück zu A 3
bildet schweiz. vertäuben (fətöübə) '
erzürnen' Vetsch
Appenzell 81; vertöub mi nit, oder i gibe kei milch, seit d' geisz Wander
sprichw. 4, 1612. CC.
selten ist ein reflex. sich vertauben '
enden, aufhören'
mhd. wb.: sîn leben sich vertoubete in dem jare, als er starb
passional 570, 90
Köpke. in technischer sprache wie A 1: als sich die wenigen vorhandenen mittel plötzlich vertaubten Veith
bergwb. 540. DD.
eine trans. weiterbildung desselben stammes stellt vertöbern (
aus vertäubern)
dar; schles. '
betäuben' (
zu B 1): im blitzen hat der donner einen solchen gräulichen und erschrecklichen schlag in die kirche gethan, dadurch zwo personen ... so sehr vertöbert worden, dasz sie auf der stelle todt blieben sind
quelle v. 1535
bei Nic. Pol
jahrbücher der stadt Breslau 3, 80.
elsäss. vertöbere
n '
ausschelten' (
zu B 3) Martin - Lienhart 2, 643
b. —
vertäubung, f., ungebräuchliches subst. zu vertauben A 1—2, '
das taubwerden, der zustand des taubseins': für das blöd gehör, oder die vertäubung, musz man (
folgendes thun) Sebiz
feldbau 76; wenn die gänzliche vertäubung unsers innern nerven uns mit einer furchtbaren armuth an wonnegefühl für unser ganzes leben bedroht Lenz
vertheidigung des herrn W. 41.
nl. verdooving '
betäubung'.