verstammen,
verb. ,
niederdeutsches wort. II.
zu stamm II 1 (
th. 10, 2, 635)
in eigentlichem sinne. intrans. gebildet wie versteinen, verstocken.
so in Osnabrück verstammen:
wenn bei dürrer zeit das getreide kurz bleibt, so ist es verstammet,
weil nämlich alsdann der stamm
oder der unterste schusz zu dick wird und das getreide nicht in die höhe schieszt. wenn kinder nicht gut fortwachsen, braucht man dies wort ebenfalls Strodtmann 261.
in der umgegend von Osnabrück sagt man noch heute verstamen (
mit langem vocal)
von pflanzen und thieren, die aus irgend einer ursache im wachsthum zurückgeblieben sind; auf menschen wird der ausdruck kaum angewendet. IIII.
zu der bildlichen verwendung von stamm II 3 (
sp. 638
ff.)
und stammen 3 (
sp. 653)
gehört das in der älteren nhd. rechtsprache übliche verstammen '
vererben, sich vererben'
in trans. und intrans. verwendung. mit stamm
wird der eigentliche inhaber eines lehn- oder erbgutes bezeichnet, welcher für die dieses besitzes mitgenieszenden den zins oder die erbpacht an den lehnsherrn auszahlt (
sp. 638). verstammen Schottel 647
b; Frisch 2, 317
a; Haltaus 1898; Campe. II@11)
trans. auf seinen stamm fortpflanzen, übertragen Campe;
transferre iure sanguinis et naturali successione; die lehne werden von dem vater auff die söhne .. verstammet
mecklenburg. lehnsrecht bei Haltaus 1898; der hohe stat, durch list und practiken aufgeführt, .. wird selten .. auf den andern, geschweige dritten erben verstammet Butschky
Pathmos (1677) 211. II@22)
intrans.: redire, transferri; das erb ist wieder auf des testatoris sohn verstammet und gefallen Frisch 2, 317
a; das dorf Albersroda, so sein seel. vater .. an sich gebracht, und durch dessen (absterben) solches ohnlängst an ihn verstammet und verfället, zum rechten mann-lehen gnädiglich gereichet
anhalt. quelle v. 1702
bei Haltaus 1898; dasz .. der verstorbenen antheil auf die nächsten .. lehensträger .. verstammen soll
mecklenburg. erbvergleich (
Rostock 1755)
beilage 28; das, so einer unter ihnen ohne erben abgehn würde, des verstorbenen land an den anderen verstammete Micrälius
Pommerland 3, 373; hernachmahls .. sind ihnen von sothanes reichs löblichen königen bisz auff gegenwärtige stunde all solche mit der faust erworbene, ererbete und verstammete privilegia bekräfftiget und sie darbey gelassen Olearius
pers. reisebeschreib. (1696) 52
b. II@33)
auf andere objecte übertragen, trans.: gerade so verfuhr der Deutsche mit den von seinen vorfahren auf ihn verstammten germanischen eigennamen Wiarda
bei Campe; auf welche (
majestät) von dero herrn vatern, nebenst so viel königreich- und landen, auch der teutsche krieg, und die väterliche tugenden, glückseligkeit und glori, eintzig und allein verstammet seynd Chemnitz
schwed. krieg. (1648)
widmung 5. II@44)
daneben scheint das part. verstammt
in demselben sinne wie verschwestert,
ein alter ausdruck der rechtsprache (
sp. 1213),
gebraucht worden zu sein, '
ein erbgut, in dem der stamm erloschen ist': demnach die verstammete fürstliche grafschaft an das .. hausz Sachszen kommen
weimar. quelle v. 1661
bei Diefenbach-Wülcker 567. —