versingen,
verb. ,
als ungebräuchlich bei Frisch 2, 278
c bezeichnet: ein versungenes lied,
cantio quam nemo amplius canit. Frisch 2, 278
c;
bei Adelung:
mit singen vertreiben: die sorgen versingen.
über das singen versäumen: die mahlzeit versingen.
mit singen zubringen: die nächtlichen stunden versingen. 11)
im singen verfehlen, so besonders in der schulsprache der meistersinger: item so aim klingen reim das n hinten abgebrochen würd das er von natur haben sol, versingt ein silben. H. Sachs
oben th. 5,
sp. 1187 (klingen II, 5).
die fehler werden nach silben gerechnet: wann sich findet, dasz es einige gleich gut gemacht, und keiner mehr sylben versungen als der ander. Wagenseil
von der meistersinger holdseligen kunst 544 (1697); und gibt man ihm in singen 7. sylben bevor; so er darüber versingt, kan er nicht aufgenommen werden. 547. R. Wagner
hat den schulausdruck wieder belebt, er braucht ihn im sinne völligen verfehlens, das die aufnahme in die zunft ausschlieszt: sieben fehler giebt er euch vor, die merkt er mit kreide dort an: — wenn er über sieben fehler verlor, dann versang der herr rittersmann.
meistersinger 1.
act. 22)
zu ende kommen mit dem singen, zu singen aufhören, besonders in dem sinne, dasz man sich ausgesungen hat, nicht mehr singen kann, nichts mehr zu leisten vermag: vögel die frü anfahen zu singen, haben bald versungen. Schottel 1141
a; versungen,
was man nicht mehr singt: versungenes lied
bei Frisch
oben vor 1. schon lang versungene herrlichkeit alter weise kalt nachmessen zu wollen. J. Grimm
über den altd. meistergesang 183.
activisch: versungen sein,
nicht mehr singen können: do ich mein erstes weib nam, die alte trumben, ich kunt ir nie genieszen, sie was versungen. Uhland
volksl.2 585 (292, 1). 33)
mit abhängigem accus., durch singen aufbrauchen: vortmer scun ze thve marc vorzinghen laten thu den broderen on vilghen unde an zelmissen.
beleg bei Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 445
b;
zeit singend hinbringen, überwinden: nachdem sie den wärmern theil des tages verschlafen und den abend vertanzt, versungen und verscherzt haben. Wieland 19, 115 (
Abderiten 1, 10); wie ich als knabe so oft die weilenden tage versungen. Overbeck
ged. 190;
trübe stunden: die du in heiligen hainen, und grünen umschatteten thälern, oft mir trübe stunden versungen. Zachariä
tageszeiten 63 (1757).
in diesem sinne oft in allgemeiner anwendung, etwas leidvolles durch singen (
gewöhnlich das eigne singen)
wegschaffen: bey dessen rande dann die feldheuschrecken springen, und mit dem langen lied' ihr winterleyd versingen. Opitz 1, 115 (1690); so sehr, Horaz, es dir vergnügen bringt, wenn Phyllis dir den schwarzen gram versingt. Hagedorn 1, 78 (1771); ein zeisig, der sein nest nur eben angelegt, versang an einem heitern morgen den schlaf, die bau- und nahrungssorgen. 2, 123; da indessen der muthige mann, mit festem vertrauen auf die englischen wachen, in seinem berufe dahingeht; einsam durch die finsternisz wandelt; und über die haide, oder im dicken gehölze mit einem ermunternden liede sich den langen weg versinget. Zachariä
tageszeiten 119 (1757); meiner liebe lange leiden, meiner augen folterschmerz, konnt ich mir versingen. Göckingk
ged. 3, 187 (1782);
das lied selbst: das lied ist unschuldig und süsz; es versingt ihr die zeit der einsamkeit und der entfernung, die lange schwüle tagesstunde mit dem andenken ihres lieben. Herder 8, 500
Suphan. 44)
aus älterer sprache sind besondere gebrauchsweisen zu erwähnen; etwa wie '
singend ausmachen, durchführen, zu ende bringen': sonst ist auch bekant, das Eunomus, als er mit Aristone eine wette versingen wollen
u. s. w. Butschky
Pathmos 165; versingen,
im sinne von öffentlich ausrufen (
vgl. verschreien): conclamatum est 'es ist schon versungen, verrochen, ist schon verclagt'. Aventinus
werke 1, 490, 23.