versellen,
verb.,
mhd. verseln, versellen,
übergeben, hingeben, verkaufen, verhandeln. mhd. wb. 2, 2, 34
a. Lexer
mhd. handwb. 3, 223.
vgl. Graff 6, 175. Kehrein
sammlung alt- u. mitteld. wörter 29
b. Schmeller
bair. wb. 2, 255.
mnd. vorsellen,
im kleinen verkaufen. Schiller - Lübben
mnd. wb. 5, 441
a.
schwed. försälja,
verkaufen; norweg. mit ungünstiger bedeutung des präfixes: forselja seg,
sœlge for billigt, eller til tab. Aasen 181
a. sellen,
dessen bedeutung in versellen
verstärkt erscheint, ist ein altes rechtswort; die rechtliche übergabe war ursprünglich, wie schon got. saljan,
θύειν zeigt, ein vorgang hoher feierlichkeit. versellen
wird, abgesehen vom eigentlichen gebrauch im älteren deutsch, in gehobener sprache gern in freierem und übertragnem sinne verwendet, die dichtersprache (
vgl. die mhd. wörterbücher)
liebt das wort und braucht es in mannigfaltigen verbindungen. souuerse sachun sînu thuruch sâlichêdi sêlu sîneru athe ce anderru êraftlîcheru stat athe gelegenemo sînemo athe seuuemo andremo versellan uuilit. Müllenhoff-Scherer
denkm. lxvi, 4; thiu kind therro uueroltî gihîuuent inti uuerdent furselit zi brûtlouftin (
nubent et traduntur ad nuptias).
Tatian 127, 3; ferselo ih mînen lîchamin,
si tradidero corpus meum. Notker
ps. 43, 22; do si do gote ire magetuom versalte, do erscein si same diu liehte maninne.
spec. eccl. 104; joh wio nan ouh irqualtun,zi tode nan firsaltun. Otfrid 5, 9, 29; umsar trohtîn hât farsaltsancte Pêtre giuualt, daʒ er mac ginerianze imo dingenten man. Müllenhoff-Scherer
denkmäler IX, 1; wem des chuniges gewalt nâch sînem lîbe wurde versalt. Lamprecht
Alexander 272 (
Vorauer handschr.); er wolte ir versellen manige huobe braite.
kaiserchronik 12116; der wirt dâ von geschendet und der helle verselt. Hartmann v. Aue
Gregorius 1353; daʒ herze ist rehter minne ein pfant, alsô versetzet unde verselt. Wolfram von Eschenbach
Parzival 365, 5; Gâwân gein kumber was verselt. 397 30; und wellet iuwer edeln kint, diu iu gelîche edele sint versellen unde versachen und ze eigenschalken machen. Gottfried v. Straszburg
Tristan 155, 31; mînes herzen küniginne, der ich bin versalt.
minnes. 1, 77
a Hagen; ich hân mich iu sô verselt, daʒ îch von iu niht komen wil.
Mai und Beaflor 79, 36; mîn fröude ist iemer verselt in den êwigen tôt. Stricker
Daniel 7294; und (
ich) ir hân sô gar verselt daʒ herze mîn und al den lîp. Ulrich v. Lichtenstein 150, 4; ze gote hât er sich versalt, sleht er dich an dem roube, Wernher
meier Helmbrecht 356;
nur selten ist das wort aus dem älteren nhd. zu belegen (
vielleicht liegt in der folgenden stelle das zweite versellen
vor): die in der jugend arge knaben, ... zum bauren auff dem dorff verselt, wurden darnach solch dapffre held, das sie bezwungen leut und land. Eyering
proverb. copia 1, 156 (1601).
die bedeutung des hingebens wird sehr leicht eingeschränkt auf das hingeben gegen bezahlung, das verkaufen (
vgl. engl. to sell);
in diesem sinne mnd. vorsellen
bei Schiller-Lübben
mnd. handwb. 5, 441
a; waʒ ob lîht etswer hât eineʒ (
ein pferd), daʒ iu gevellet; daʒ er mir versellet.
ges. abent. 1, 117, 442; und dâ al den koufinschat vorsellitin mit dem schiffe. Nicolaus von Jeroschin 18808.
besonders in dieser bedeutung hält sich das wort in niederd. und mitteld. mundarten, meist mit der weiteren einschränkung, dasz kleinhandel bezeichnet wird (
vgl. oben sellen
th. 10,
sp. 538.
niederd. korrespondenzbl. 1, 96. 2, 28. 59;
auch oben seller
th. 10,
sp. 539); allerley korn und küchen noturft, wolle und felle ... auffzukeuffen, zu versellen. Micrälius
altes Pommerland 4, 9; die kleinen fische auf dem markt versellen. Frisch 2, 263
a (
aus einer quelle des 16.
jh.); versellen, '
heiszt bei den kaufleuten an einigen örtern soviel, als im einzeln verkaufen'. Jacobsson
techn. wb. 4, 528
a; versellen, '
bey kleinigkeiten verkaufen'. Dähnert
plattd. wb. 526
b, versellen,
im einzelnen, in kleinen quantitäten, stückweise verkaufen, namentlich von bier und branntwein. Schambach
wb. der nd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 266
b. Frommanns
zeitschr. 2, 122 (
Hildesheim); fersellen,
verkaufen, verhandeln (
ohne einschränkung, auch übertragen in allgemeinerem sinne). ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 462
b; versellen,
verkaufen, kleinhandel treiben. Frischbier
preusz. wb. 2, 337
b; versölle,
verkaufen, besonders bier und branntwein ausschenken. Kleemann
beiträge zu einem nordthür. idiot. 25
a.
dann auch im sinne von verschleudern: sien geld versellen,
sein geld verthun, verschleudern; de junge versellet alle sine böker,
der knabe verliert alle seine bücher. brem. wb. 4, 750. nu kümt de königschuss ran, denn versellen de werre allens, üm flott to lêben.
nd. korrespondenzbl. 2, 29 (
aus Rostock).
vgl. verseller.