verschlinden,
verb. verschlingen, mhd. verslinden,
mnd. vorslinden,
ahd. farslindan,
ardalio, farslintanti, farslindandi Steinmeyer - Sievers
gloss. 1, 38, 1;
geht zurück auf das einfache schlinden,
devorare, absorbere, das noch heute in süddeutschen mundarten vorkömmlich (Schm. 2, 526
Frommann),
auch in ableitungen und zusammensetzungen (schlund),
s. theil 9, 736.
die zusammensetzung mit ver
hat die bedeutung des einfachen wortes nicht geändert, nur verstärkt. starkes zeitwort. in der übergangszeit zum nhd. häufig in glossarien: verslinden
absorbere Dief. 5
b,
deglutire 170
c,
glutire 266
b,
devorare 178
b,
gurgitare 271
b;
wird im laufe des 17.
jh. durch die form verschlingen (
s. d.)
verdrängt. 11)
sinnlich: ich Gundelswein von Tribetant, ich sach, das ein frosch ein storch verschlant.
fastnachtssp. 93, 19
Keller; ei, ei, das dich verslint die erden! wolst du dann auch zu Gaim werden? 30, 25; ir vater was ein konig reich, so was mein vater im geleich. die gaben uns zu der ee gar schan (
schon), so wil sie mich fur gut nit han, darumb so wil ich sie verschlinden und solt ir baide sant erplinden. 550, 6; do kam sie und verschland prinnende kolen, bisz ir der geist engieng. Albr. v. Eyb 3
a; ein wolff verschland ein bein, an dem er grosze pyn erlaide, wann es im über zwerch in dem schlund was gestecket. Steinhöwel
Aesop 89
Österley; der denselben tag ein lüge getan hat, der kompt lebent nit herausz, sunder verschlint in daʒ wasser. (1487) 64; das heyszt die schrifft ein camel verschlunden und ein schnacken gefangen.
kriegsbuch des fried. 99; die knecht werden alsbald von demselben see verzückt und verschlunden. Micyllus
Tacitus 450
a; du bist mein fels, darauff ich stehe, das sie mich nicht erseuffen und verschlinden. Luther 1, 24
b; da Sodom lange hatte gar schwer gesündigt und gott erzürnet .. da ward sie allererst erger und so sicher, das sie auch gott trotzte .. flugs desselben morgens war sie dahin in abgrund verschlunden. 3, 532
b; darnach wieder auffgestanden, den tod verschlunden und gefressen und endlich gen himel gefaren. 4, 411
b; der (
teufel) sich dawider machet mit alle seiner macht und tücke, schleichet an allen orten umbher, wie ein brüllender lew .. und suchet, wen er verschlinde. 4, 452
a; daher auch ein gemein sprichwort aus solcher teglicher erfarung komen ist: .. male partum male disperit, ubel gewunnen, ubel verschlunden. 4, 528
a; wenn er uns nu gleich uber bezalt solt haben, hetten wir allesampt verdienet, das uns das erdreich für den altarn und auff den cantzeln verschlunden hette. 5, 317
b; darumb feiret er (
der teufel) nicht, sondern gehet umb uns her wie ein brüllender lewe und suchet, wie er uns verschlinde. 6, 336
b; aber Aarons stab verschland jre stäb.
Züricher bibel 1535 (
2 Mos. 7, 12
bei Luther: verschlang); dasz sie von dem römischen rachen nit verschlunden wurden.
briefe 1, 510; ein hecht verschlindt die kleinen fischlin. Agricola
sprichwörter 341
a; und dich (
das schaf) dar gebest den wolffen zu verschlinden. Cyrill 33; die esel solten billich nit dragen, sonder sich aufthuon und uns verschlinden.
Aimon bog. h 4; Sathan und seine engel gehen umbher und suchen welchen sie verschlinden. Reiszner
Jerus. 2, 147
a; hat sich auch der berg Vesuvius auffgethan und hat menschen und vich verschlunden. 2, 158
b; verzehre mich und verschlinde mich in dich. Spee
güld. tugendb. 271; inn der ehe blind, und dasz man dem grind kratz gar lind, und wo man nicht schaben kan, das man daselb schind, und wo man nicht acht das bannen, dasz man bind, und was man nicht kauen kan, dasz mans verschlind.
Garg. (1590) 276; du hast dir gewünscht ein groszen bauch, ein weites maul, ein groszen schlauch, ein gantze kuchen zu verschlinden. H. Sachs 1, 222 (3, 25, 18
Keller); herr gott, werst mir nit gstanden bey mit dein genaden gsterket frey, so hett mich dieser trach verschlunden. 2, 3, 63 (8, 237, 26); ... diese zwen man ... die theten die löwen verschlinden, und fraszen nit ir fleisch allein, zermalmeten auch ir gebein. 3, 1, 153 (11, 64, 9); den wurffeus in das meer zu stundt, alda in ein walfisch verschlundt, darin er lag drey tag und nacht. 3, 1, 157 (11, 80, 20); ein walfisch zu den stunden hat den mensch lebendig verschlunden. 3, 1, 158 (11, 85, 26); Jonam ein groszer fisch verschlandt. Schwartzenberg 156, 2; heist da die schefflin nicht geschunden? ja heist mit haut und haar verschlunden. Fischart
ged. 1, 162, 1145
Kurz; o ich wolt ihm wol verzeihen, wann bey diesen lappereyen die gepächte, krumme hand ferner sich hätt abgewandt! aber doch es wird nicht funden, was die wölffe vor verschlunden. Logau 2, 40, 50 (258
Eitner). 22)
bildlich und übertragen: sie sind erschrocken und wancken, wie die truncken, wissen nicht wohin alle jre weisheit ist gleich verschlunden, so gar wissen sie nichts mehr. Luther 1, 82
b; (
damit) seine benedeiung gros gehalten wird, aber doch darunter die welt mit seinem geitz verschlindet und lestert gott. 2, 60
b; mich deucht aber, es kome (
Gehenna) von dem wort Ihana, welches verschlinden und schinden heiszt, wie die gewaltigen herrn und wucherer das volck verschlinden, schinden und aussaugen, also das Gehinnan so viel ist als der schinder tal. 2, 48
a; dasz wir mit dem lamm stritten (
bestritten) dies vielhörnig thier, welches jetzt mit groszer macht die wahrheit bekrieget, die frummen leut beschwert, die freien in gefängnusz geführt, unsere güter und reichthum ausgeschöpft, die hab verschlindt, der christenheit sitten verderbt. Hutten 5, 13
Münch; wenn du meinest, das du verschlunden seiest, so wirstu ervürbrechen wie der morgenstern. Luther 3, 2
a; also senkt er sich gar ins leben, das der tod im leben verschlunden wird und gantz verschwindet. 5, 62
a; wenn diese soviel beschwerung, so Teutschland verzehren, alle ding verschlünden. Hutten 5, 21
Münch; der tod ist verschlunden im triumph. Reiszner
Jerus. 2, 193
b; darnach wird der geist wunderlich verschlunden, von disem höhesten gemüt, als das in vil weg gewältiger ist. Franck
Erasmus lob d. thorh. 70
b.