verschicken,
verb. 11) fortsenden, an einen andern ort senden,
mhd. verschicken:
mhd. iʒ wart ein junges wibesname geworfen an sin bette dâr. sâ des der furste wart gewar, er dâchte ime ungemuode. dâ bî was ouch der guode her Walter von Pharila. zû deme sprach der herre iesâ: Walter, in den drûwen din, verschicke mir diʒ frouwelîn, die man durg gamen hie verbarg.
Elisabeth 3360.
nhd. ohne nähere bezeichnung des ortes wohin man etwas verschickt: und als es sich dann oft begibt, wenn man gemustert und die knecht geschworn haben, dasz man die fenlin verschicket. Wickram
rollwagenb. 14, 27
Kurz; landt- und wegkündige knechte .. hin und wider .. zu verschicken. Kirchhof
milit. disc. 101; gab er dreyen andern hauptleuten, die er vor bey sich gehabt, befehl, dasz sie künfftigen morgen zu einer stund und zugleich umbschlagen lieszen, auffzuseyn als auff sonderlichen bescheid sie zu verschicken. 4, 96; eine mutter musz bey sich bedencken, ob sie einen frommen sohn so weit verschicken kann. Weise
comödienpr. 202; ich habe es ja wohl gewuszt, dasz wir jetzt nicht zusammen taugen, ich erschrack auch gleich, ich bekenne es, als sie meinen vater verschickten. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 496 (
kab. u. liebe 5, 7); sie ist schon so bekannt mit mir, als wenn sie meine tochter wäre. sie ruft, verschickt, befiehlt meinem Johann, wie es ihr einfällt. Thümmel 2, 142; .. wie schön sein lob gegrünet, wen ihn die Hamonsburg verschikket weit und breit, das weis die gantze statt. Rist
Parn. 792. verschicken,
als gesandten abschicken: und lsolan?
T. den hast du ja verschickt. Schiller 377; ists wahr, dasz du den alten (
Octavio) willst verschicken?
hist.-krit. ausg. 12, 245 (
Wallenst. tod 2, 3); sie spricht von einem diener ihres gatten, zur zeit des mords verschickt gewesen sey er, er sey, unangesehen seiner jugend, ein musterbild der frömmigkeit und tugend. Uhland
Fortunat 492 (1834); aus dem lande verschicken: und verlieszen allda 2 mann, die zum tode verurtheylt waren, und ausz gnad ausz dem land verschickt wurden. Frank
weltb. 218
b; ich verschick usz dem vatterland,
relego Dasyp. 113
a.
mit angabe '
wohin'
etwas verschickt wird: denn man helt es dafür, das man in hohen schulen alle göttliche und menschliche künste lerne und darum meinet jederman, niemand könne seinen son besser verschicken denn dahin. Luther 2, 47
b; so verschicken sie jhre jungen in frembder fürsten höff. Fronsperger
kriegsb. 3, 143
b; solche gesellen (
Spanier) wolt ich zu dem Bodin in Franckreich verschicken, der wird sie fressen lehren oder nur gen Mittelburg inn Seeland, da sie ölkuchen fressen lernten, aber wegen unschmacksamkeit es bald auffgaben.
Garg. 77; sie haben doch hin und wieder auff dem felde noch viel getraid unabgewendet gesamlet ... und wolgeschmackt brodt darvon gebacken und nicht allein zu ihrer täglichen nohtturfft und erhaltung gebraucht, sondern zu einem fürnemlichen wunder an andere ort verschickt. Kirchhof
wendunm. 4, 207
Österley; sie .. versicherte ihn .. sie werd' ihn dahin verschicken (
in ein aprilnarrenhaus).
heiml. klagel. 5; nach dem von meinen elteren ich zeits meiner jugend in dem christentumb einfältig underwiesen, bald im eylfften jahr auff die nechstgelegene hohe schul zwo stunden wegs von Sittewald an der Ill .. verschicket worden. Philander 1, 6; wie offt schickt ein hauszvater den sohn auff die hohe schul und entziecht ihme was er diesem verschwenderischen sohn in die academie schickt? und der neue hochschüler redt nichts als dasjenige hoffärtige plus ultra mehr über das .. also wird das geld auff die academie verschickt und ein esel kompt wider mit einem leeren sack ins vaterland. Schuppius 727; .. wurd ich auf die universität W. verschickt. Butschky
hochd. kanzelley 647; allein des königs tochter zart, in ir selber bedencken wardt, wie unmenschlich gehandelt wer wenn sie iren leibling vater erwürgen solt mit eygner hendt, und dem vater die ding bekent und verschickt iren vater frum zu nacht in die ynsel Chium. H. Sachs 2, 3, 173 (8, 678
Keller); die niedlicher als ein ei ... welch eine herrliche frucht! doch leider! eine von denen die man zum unglück für dich, nicht leicht ins ausland verschickt. Thümmel 5, 197;
mit folgendem genitiv: hertzog Heinrich von Beiern der hochfertig genant ... ward des landes verschickt aus erkantnisz des fürsten. Frank
chron. 184
a.
besonders beliebt in älterer zeit, verschicken ins elend,
in die verbannung schicken: Cornutus ... ward auch von Nerone in das ellend verschickt. 131
b; es soll yhm all sein gut genummen und er in das ellend verschickt werden.
weltb. 54
a; doch nach viel groszer bitt am endt, verschickt er sie in das elendt mit yren beyden jungen kindern. H. Sachs 2, 3, 43 (8, 162, 9
Keller); do verschicket er an dem endt Desiderium in das elendt, gen Lüttich, alda er verdarb. 2, 3, 148 (8, 581, 33
Keller). 22) verschicken
hat auch oft, ohne dasz eine nähere bestimmung dabei steht, eine prägnantere bedeutung angenommen. so heiszt 2@aa) verschicken
ohne nähere bezeichnung '
zur universität schicken': o thöricht ist der raht der leute, welche die noch ungeschliffne jugend verschikken gar zu früh, zu lernen kunst und tugend. am grund ermangelts doch, das kunstgebäu zerbricht. Rist
Parn. 624. 2@bb)
aussetzen: wie Cirus von ainem hund, Romulus und Remus, die auffbawer und anfänger der stat Rom, als sie waren auszgelegt und verschickt, von ainer wölffin erneert und aufferzogen sind. Frank
Erasmus lob d. thorh. 84. 2@cc)
verbannen, proscribo Dasyp. 219
a;
exilio afficere, in exilium agere, relegare, civitatem alicui adimere, redigere ad vel in peregrinitatem, mittere in exilium etc. Maaler 428
d;
später, im 18.
und 19.
jahrh., ist diese bedeutung nicht mehr nachzuweisen; ach last mich gnad bey euch erwerben, der köngin, die ausz groszer not zu mir enttrane von dem todt, wann sie solt sein ermordet worn! .. ist doch unschuldig an der that darumb man sie verschicket hat. H. Sachs 2, 3, 20 (8, 75, 30
Keller);
a. er (
Papin) ist des Antonius und nicht des Geten schwager.
b. ja! wenn Plautilla nicht verschickt von unserm lager. A. Gryphius 1, 427 (1698); verschickter,
proscriptus, relegatus, exul, extorris Maaler 428
d. 33)
selten in übertragener bedeutung: doch bessers weisz er (
der mensch) nichts darmit er zeigen kan, dasz er die kleine welt, zum herren sey gesetzet der groszen, die ihn nehrt, als wann er sich ergetzet mit seiner sinnen krafft, beschaut disz weite hausz vom höchsten gibel an, zu allen seiten ausz mit augen der vernunfft, verschicket das gemühte in seines schöpffers werck, da alles reich an güte und voller weiszheit ist .. Opitz 1, 23.