verkleistern,
verb. durch kleister verdecken, in andere form bringen, beseitigen, verdecken. zusammensetzung zu kleistern (
s. th. 5, 1135).
in der älteren sprache nicht nachgewiesen, ebenso in den verwandten german. dialecten und ältern nhd. wörterbüchern fehlend. erst bei Frisch 1, 522
a und Adelung 4, 1456. 11)
sinnlich, mit kleister zudecken: rimas vel oculos re viscida claudere, conglutinare Frisch 1, 522
a;
zukleistern Adelung 4, 1456.
mit kleisterartiger salbe, schmiere bedecken: mit faulen eyern die augen verkleistern.
ehe eines weibes 170; da ich doch mit den ewigen makkaronen mir den magen nicht verkleistern wollte. Seume
spazierg. n. Syrakus (1803) 212; ein loch, die fenster verkleistern; jemanden die augen verkleistern. Adelung 4, 1456; er verkleisterte mir alle locken. Bettine
tageb. 168.
bildlich: der eine taxire und grübele in die geheimnuss und staatssachen vornehmer fürsten und herren, dadurch sie dem gemeinen mann die augen verkleistern und verschmieren. Schuppius 420; Florindo fragte, ob die politici auch mit salben handelten? ja wohl, sagte der hoffmeister, sind salbenbüchsen genug, damit den leuten die augen verkleistert werden, aber es ist nicht von nöten, dasz man solches allen leuten weisz macht. Weise
erzn. 93
neudr.; das mag wohl nicht selten der fall bey unsern systematischen grillen seyn. wenn wir uns mit vieler mühe die augen verkleistert haben, öffnet sie uns ganz unerwartet das geschwätz eines kindes. Thümmel 5, 328; aber wer hilft uns, wenn sie die blätter im gesetzbuch verkleistern, und die rechtsverdreher wie die drachen gift speien? W. Alexis
Dorothe 2, 84. 22)
sehr gern in übertragener bedeutung gebraucht '
verdecken, unsichtbar, unkenntlich machen': sich beschönen und geübten .. frevel verkleistern und klein machen wolte. Kirchhof
milit. disc. 60; wenn die nachdrückliche art, mit welcher er sie (
die zweifel) vortrug, einigen christlichen philosophischen zärtlingen verdächtig scheinen konnte so wird eben diese nachdrückliche art, mit welcher er sie nicht blosz zu verkleistern, sondern aus dem grunde zu heben sucht, ihr gewissen mit einem manne wieder versöhnen können .. Lessing 5, 42; der schule hingegen, welche sich schon lange gewöhnt hatte an dieser lehre zu leimen, zu flicken und zu verkleistern, fehlte es nicht an wundärzten, welche den leichnam balsamirten .. Göthe 59, 220; was ihr empfindung nennt, ist verkleisterte wollust. Lenz 1, 103; liebesbriefchen, die, man verkleistere sie, wie man wolle, doch nur immer die herzen der weiblein haschen sollen. H. Merck 2, 34; wie sollte er das vertuschen und verkleistern? Oppermann
hundert jahre 5, 286; hier liesz der graf den schiffer, der seinen mangel durch bewunderung fremder kenntnisz verkleistern wollte .. stehen. J. Paul 26, 158; er (
der minister) hielt es unter seiner würde je seinen argwohn oder sein horchen nur mit einer silbe oder schamröthe zu verkleistern oder zu decken. 23, 61; vielleicht verkleistert zeit und neid auch seiner werke würdigkeit. J. E. Schlegel 4, 79.
durch verdecken und ankleben als etwas anderes erscheinen lassen: die abscheuliche bauwuth des 16. und 17. jahrhunderts .. hat alles alte weggeschafft und verkleistert. Niebuhr
leben 2, 250; das verkleisterte, gekünstelte gesuch des herrn (
durch ankleben fremden aufputzes aufgestutzt). Hippel
lebensl. 2, 316; dasz ihr euch verliest lange zeit auff sein verkleysterte frommheit. J. Ayrer
fastn. sp. 137
a.