vaterstadt,
f. 11)
stadt, worin der vater lebte und ich selbst geboren bin; oft nur die stadt, in der ich die frühe kindheit verlebte, während der wohnort des vaters unbeachtet bleibt. das wort fehlt in den älteren wörterbüchern und wird erst bei Adelung (1780)
und Campe
aufgeführt; im westlichen Mitteldeutschland gebrauchte man bis zur zweiten hälfte des vorigen jahrh. stets vaterland
für vaterstadt,
vgl. die bemerkung bei Kriegk
brüder Senkenberg 80,
daselbst heiszt es von der stadt Frankfurt (1752): die alten sind kinder, die jungen sind rinder .. die syndici sind ohn verstand: so wird regiert unser vatterland;
beleg aus älterer zeit für vaterland
gleich vaterstadt: muest sein lebenlang in unsicherhait bleiben, das er nit wider geen Horb in sein vatterlandt dorft.
Zimmer. chr. 1, 266. — ich kann dir es unmöglich zumuthen, eine geliebte vaterstadt ... mit einem ganz unbekannten orte zu vertauschen. Lessing 1, 356; meine gedanken über das, was in den dermahligen umständen zum besten unsrer vaterstadt gethan werden könnte. Wieland 33, 148; sie war ungefähr sieben jahr alt, als sie das unglück hatte ... bei eroberung und zerstörung ihrer vaterstadt ... in die sklaverei zu gerathen. 33, 172; auch hat er grosze lust .. die siegeskränze, womit schon mehrere Cyrener unsre vaterstadt unter den Griechen verherrlicht haben, wo möglich mit einem frischen zu vermehren. 35, 38; um diese zeit war es eigentlich, dasz ich meine vaterstadt zuerst gewahr wurde. Göthe 24, 21; wie oft habe ich mich gefreut ... zu hören, wie sich dieser vorzügliche mann seiner vaterstadt nützlich erwiesen. 25, 187; personen, die mir den neuen aufenthalt in meiner vaterstadt angenehm und fruchtbar machten. 26, 93; seine vaterstadt gränzte an eine landesherrliche waldung, er wurde wilddieb. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 65; wenn das nicht, so beschränke ich mich hier und suche arbeit und beschäftigung in meiner vaterstadt. Tieck 17, 16; ich bemerke dieses ausdrücklich für den fall, dasz etwa nach meinem tode sieben städte ... sich um die ehre streiten, meine vaterstadt zu sein. H. Heine 1, 274; ihre schreibübungen sind confiscirt und in ihrer vaterstadt unter den händen der polizei. Freytag
verl. handschr. 2, 425; 'gott', seufzt der redliche Faustin, als ihm die vaterstadt in dunkler fern erschien, 'gott strafe mich nicht meiner sünden.' Lessing 1, 107. 22)
in freierer verwendung, stadt als entstehung, ort eines dinges: Göttingen ist die vaterstadt des buches. Hugo
civil. bücherkenntn. (1830) 527; Königsberg, die vaterstadt der kritischen philosophie.