urtheiler,
m.; ahd. irteilâre
judex; mhd. urteilære, -teiler,
daneben urteildære;
mnl. ordelaar, ordeelre;
nl. ordeelaar.
wie bei urtheil, -theilen
sind gekürzte formen gebraucht: urtler Jac. Ayrer
processus juris (1600) 477; Eyering
proverb. copia 2, 5; Raupach
dram. werke ernster gattung 3, 147.
vereinzelt ist ein gen. plur. urteileren Zwingli
d. schr. 1, 77. a)
im sinne der alten gerichtsverfassung (urtheil A I 1 a, urtheilen A I).
arbiter Diefenbach
gl. 44
c,
judex richter, schultheisz, urtheilsprecher, urtheiler Schöpper 91
a.
veraltet, '
ehedem üblich, nicht sowohl den richter, als vielmehr die beysitzer eines gerichtes, welche das urtheil abfassen, zu bezeichnen, wofür jetzt in einzeln fällen der ausdruck urtheilsverfasser
üblich ist' Adelung. Heynatz
antibarbarus 2, 545.
in historischer darstellung nicht selten: die zwen u. (
schiedsrichter) sprachen ...
heiligenleben winterteil (1471) 149
b; es zimpt keinem u., das recht urteil verkaufen Keisersberg
narrenschiff 24
d; wie der richter und schepfen oder u. ... die urteil fassen und wie auch nachmals die schepfen oder u. durch den richter gefragt werden sollen
Carolina 92
u. ö.; also hat der landrichter die weil ain gesprech mit den urthailern Knebel
chron. v. Kaisheim 232
lit. ver.; so die u. in bestimter erkantnüsz zweifelich würden, so sollen sie deszhalben raths bey der obrigkeit suchen Nigrinus
von zäuberern 406; Jac. Ayrer
hist. proc. juris (1600) 556; zu beysitzern, oder, wie es die alten Teutschen genant, zu urteilern, keine andere als gleiches standes ... getzogen werden sollen Hipp. A. Lapide (Chemnitz)
dissertatio de ratione status in imperio Romano-Germanico 179; ... vorschlag, dasz ... ein kaiserliches gericht dergestalt bestellt werden (
sollte), dasz es aus 24 urtheilern bestünde
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 270; Ranke
s. w. 1, 62; befugnis ..., als u., zeuge und vorsprecher zu handeln Eichhorn
staats- u. rechtsgesch. 1
3, 138; (
es ist) durchgehends vorausgesetzet worden, dasz die u. keine rechtsgelehrten sein würden Möser 1, 416; Savigny
gesch. d. röm. rechts 1, 157; die u. verweseten amt und dienst der rechte Jac. Grimm
kl. schr. 6, 154;
rechtsalterth. 1
4, 296. b)
wie urtheilen A II 1, 2: herre, ain gerechter u. der gantzen welt Melissus
psalmen 195
ndr.; allein den bapst lasz ich bleiben in seinem werdt, sein selbs u. S. Franck
chronica (1531) 249
b. c) urtheilen A II 3
entsprechend: der liebe und schöne eyn gerechter richter und u. Arigo
decam. 312, 22
K.; der (
sohn) ein erschrockenlicher u. ist vätterlicher wollust
Terenz (1499) 144
a; wer nun das gesecz und reich gottes in im hat, der ist aller anderer gesecz ein u. und herre Luther 10, 3, 373
W.; in veralteter verb. mit zwischen: hielte ihnen für, wie unbilliche u. sie wären zwischen des königs gutthaten und des keisers unfuge Hertzog
chron. Alsatiae 2, 174; H. Sachs
bei Campe; das urtheil ist in dem u. und nicht in dem dinge, das da geurtheilet wird
V. Weigel
kurzer bericht c 4
b; ein urtheil, ... das den u. als einen heuchler und den verurtheilten als einen bösewicht zeigt Lavater
verm. schr. 2, 40; als ein klügling und u. des weges Claudius 7, 141; Jean Paul ... war in religiösen dingen ... ein nüchterner u. Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 268; in den augen unbefangener u. Mommsen
röm. gesch. 2, 154; ich berufe mich auf das zeugnisz eines hier besonders unbefangenen urtheilers Nitzsch
d. studien 111 (beurtheiler,
das ja immerhin häufiger ist, hätte einen engeren begriffsumfang). d) urtheilen A II 4
entsprechend; existimator Reyher (1686) o 3
b;
nl. oordeelaar 2 b,
wb. 11, 94
criticus: disse urteyler, die unartigen nachkomlingen (
Pariser theologen) Luther 8, 295
W.; und du Nicolae als ein richter und u. aller unser ding, lise den newen Ciceronem Schwarzenberg
Cicero 1
b; die auf der hohen schul u. sein, unbehobelt creirt, gradiert, unversucht und unerfahren Paracelsus (1616) 1, 371 a
H.; ein frommer u. Xylander
Polybius 329; dasz das ohr des zeitmaszes ... bester u. sei Zesen
Helikon (1656) 10; hett irgends eine profession einfältige u., so ist es gewiszlich die liebe musica
Königsberger dichterkr. 68
ndr.; der eine aus zehntausend urtheilern über geist und geistesprodukte Herder 9, 473
S.; möchte doch ein jeder von den herren urtheilern sich allein auf den thron setzen Göthe IV 17, 129
W.; die allzeit fertigen urtheiler Schiller
an Göthe briefw. 584; zornmüthige kritiker, denen nichts gut genug, urtheiler! Herbart 7, 633
H.; einige mündliche urtheiler Schopenhauer
briefe 144
Gr.; nun, zuschauer, urteilt über die urteiler und ihr urteil O. Ludwig 5, 268; Scherer
kl. schr. 1, 158. e)
feuer und der Tmolus als u.: derhalben musz in dieser transmutation auch das fewr richter und u. sein Paracelsus (1616) 2, 294 c
H.; Tmolus der berg sampt allen bäumen werden zu urtheylern gesetzt Wickram 8, 92
B. f) urtheilen A II 6
entsprechend: sie (
die diener Jehovas) waren das höchste gericht im lande, auszerdem ... urtheiler über ansteckende krankheiten Herder 12, 91
S. philosophischer bed. (urtheilen C 1)
nahe: sonst müsten wir alle von natur ebenso nothwendig und beständig logici oder vernünftige urtheiler sein Edelmann
göttlichkeit der vernunft 278; ohne philosophie unvollkommner denker, u. Novalis 3, 31
M. —