urthat,
f. , that
mit ur- C 4 c. 11)
veralteter ausdruck der rechtssprache in der verbindung zu u., urthâte, zu rechter, ewiger u.
mhd. urtât, ze urtâte Lexer 2, 2013
f.; Fischer 6, 306
f.; Schmeller-Fr. 1, 630; Scherz-Oberlin 1911
f.; Vilmar 427; Frisch (1741) 2, 410
b; Haltaus 2009
f. u.
ist '
volle verwirklichung', '
negotii consummatio, negotium ita transactum, ut ad eius perfectionem nihil desit' Haltaus 2009.
vgl. ahd. zi gitâti Graff 5, 329; gatât
efficientia, perfectio 5, 328; 329; tât
effectus 326. 'recht und redlich zu uhrtaht verkaufen
id est pleno jure vendere, ita ut quis de facto libere circa eam disponere possit ... alias dicitur zu rechtem todkauf, das ist, ohne widerlösung, ein rechter erbkauf' Schottel
haubtspr. 254
nach Speidel
und Besold.
frühnhd. belege bei Scherz-Oberlin, Schmeller-Fr., Fischer
a. a. o. s. das rechtswb.: gleich als sei die schuld bezalt, die doch zuo rechter urtat mit gezeltem gelt nit entricht sein Tengler
n. laienspiegel (1518) 79
a.
vgl. zu tot, zu totem kauf Schmeller-Fr. 1, 630.
üblichste verbindungen: zu u. bezahlen
persolvere summam effectualiter Scherz-Oberlin 1911, veräuszern, kaufen, verkaufen, verschenken Haltaus 2009, übergeben L. Fries
würzb. chr. 133, verpfänden Schrader
d. franz. wb. 2, 1475.
dazu urthätig, -keit, -thätlich, -keit
s. u. 22)
in n., meist philosophischer, spr. seit ende des 18.
jhs. '
die erste, ursprüngliche, wichtigste, innerste, grundlegende, einmalige und dgl. that'
exploit célèbre Sachs-Villatte.
noch Gottsched
beyträge (1732) 2, 245
lehnt u.
ab: so wunderlich es klingen würde, wenn jemand vor die erste that die u. sagen ... wollte, so übel scheint mir auch das urbild beschaffen zu seyn.
etwa 40
jahre später gebraucht es Herder 8, 291
S.: wie aber? auch in dieser innern kraft, im ausgedruckten bilde der göttlichen u. ist die seele selbstmächtig, unabhängig, absolut, sich selbst nährend?; jene u. eine durch nichts erreichbare wurzel der realität Schelling 8, 314; alles wollen der individuen enthalte in sich die u. des absoluten Herbart 1, 412
H.; so ist es gewisz, dasz der gedanke als solcher in jeder menschenseele eine u. gottes ist Alex. Jung 1, 164; der glaube an sich selbst und an das grosze, der selbst eine that, die innerste that ist, die u., mit der alles äuszere thun anheben musz R. Hildebrand
sprachunterricht 177; wie die erschaffung des menschen keine einmalige u. der vergangenheit ist, sondern ein sich noch täglich vollziehendes schöpfungswerk G. Treu
hellenische stimmungen (1910) 49.
wortspielend: (
die marseillaise ist) nur ein lied, aber ein lied, das eine u. gewesen, weil thaten schaffend Scherr
Blücher 1, 340. —