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urstoff

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

urstoff m.

Bd. 24, Sp. 2559
urstoff, m. , stoff II 2 b mit ur- C 4 c; zunächst von Harsdörffer für materia prima gebraucht und dann in der bed. stark erweitert. Adelung bezeichnete es noch als 'ein in den neueren zeiten gebildetes wort'. ein schw. gen. plur. bei Reimarus wahrheiten der natürlichen religion 114. jünger ist das syn. grundstoff (s. d.), das theils als gleichbedeutend (grundstoff 2, 3), theils als dem urstoff untergeordnet (Du Bois-Reymond unter grundstoff 1) erscheint. 11) im sinne naturphilosophischer anschauung die materia prima (vgl. grundstoff 2), die grundmaterie Krünitz 202, 366: ich halte an meinem orte für ungezweifelt, sie (d. weiber) kommen her von der materia prima oder der welt urstoff, weil sie sich so manichfaltig gestalten und verstellen Harsdörffer gesprächspiele 5, 198; er (d. unbeständige) ist von dem urstoff, materia prima, gemachet, welche aller formen fäig ist kennzeichen der tugenden u. laster 83; von der ersten weltmateri oder urstoffe gesprächspiele 5, 155; darinn rühre ich den ersten uhrstoff (materiam primam) an Er. Francisci lusthaus (1676) 39; Gottsched das neueste 1, 314; doch woher kömmt der stosz, der von der ersten richtung den urstoff weichen heiszt? Wieland I 1, 20 ak. ausg.; der u. aller weltkörper, dinge Kant 8, 229; 230 H.; der wesen u. J. A. Schlegel 1, 263; Giseke 38 Gärtner; der feurige leuchtende klumpen stand in der mittagsglut jetzt über dem meere des todes, erst entstellter als sonst, von schwarzen beulen des urstoffs aufgeschwollen Klopstock Messias 16, 394; M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 120; J. G. Forster 5, 227; Thales ... halte das wasser für den u. J. H. Voss krit. blätter 2, 135; jener u. (der urweltnebel der Kant-Laplaceschen hypothese) Schopenhauer 3, 58 Gr.; D. Fr. Strausz 6, 105; des urstoffs kampf G. Kinkel ged. 208; das zusammenwirken von urstoffen Roszmäszler der mensch im spiegel der natur 1, 115; Mommsen m. gesch. 2, 413; welche (mechanische anschauung) statt schalles und lichtes nur schwingungen eines eigenschaftslosen, dort zur wägbaren, hier zur unwägbaren materie gewordenen urstoffes kennt Du Bois-Reymond grenzen des naturerkennens 10. 22) insbesondere wurde die erde als u. angesehen; vgl. die schöpfungsgeschichte, aber auch erde als eins der 4 elemente: ruh, o verlaszner leichnam, ... in dem unstörbaren schoosz des urstofs Bodmer Noah 8, 76; Reichel Bodmerias x 3a; die ... erde sey der u. aller zusammensetzungen allg. d. bibl. 101, 451; die erde als niederschlag des urstoffs, aus dem alles lebendige wurde Vischer ästhetik 3, 2, 106; im witz (S. ist in den schlamm gefallen): er stand wie Hamlets geist, unbeweglich und stumm ..., in aller majestät des weichen urstoffs des ersten menschen Bode Tristram Schandi 2, 67. 33) im weiteren sinne wird das chaos, das nichts mit dem u. gleichgesetzt: dieser ... lehre zufolge soll der mensch bemühet seyn, dem leeren u. aller wesen, dem nichts ... gleichförmig zu werden Zimmermann einsamkeit 1, 371; der entwurf des ewigen reichs der schöpfung ward, zu gestalt urstoff Klopstock Messias 20, 50; denn wir hungern alle zwei, so dasz wir nächstens zum u. zurückkehren Fr. Pocci komödienbüchlein 213. 44) u. in atomistischer anschauung und urstoffe als chemische elemente (grundstoff 1). u. für element Campe verd. wb. (1813) 282a b; 133b; Voigt geschäftsführung 1, 360; Krünitz 200, 331; u., grundstoff, chemisches element Karmarsch-Heeren 103, 40; vgl. nl. hoofdstof: etliche ... wollen nicht gestehen, dasz alle sachen in diese drey anfangs- oder uhrstoffe entschlossen oder aufgelöset werden können Marperger kaufmannmagazin (1708) 1, 280; es haben sich vernünftige männer mühe gegeben, die ungereimtheit solcher ungefähren erzeugung der thierischen oder auch gröszeren weltkörper aus dem wilden zusammenlaufe der urstoffen auf mathematische weise zu berechnen Reimarus warheiten der natürl. religion (1766) 114; von elementen und urstoffen ... reden H. v. Kleist 4, 184 Schm.; Jung-Stilling 4, 105; Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 2, 72; aus der vermischung zweier feindlicher urstoffe, wassers und feuers, gehe das salz hervor br. Grimm d. sagen (1891) 2, 9; sie (d. exacten wissenschaften) lösen die einfachsten urstoffe auf und setzen sie neu zusammen Jac. Grimm kl. schr. 7, 564; die urstoffe oder elemente der körper Schwerz prakt. ackerbau (1882) 20; wie die chemische retorte u. auf u. entdeckt und diesen immer aufs neue zerlegt, so hat der ... verstand ... alles ... aufgelöst Gutzkow ritter vom geiste 7, 402; werke 8, 452; urstoffe als voraussetzung der elemente: vor ihren (Hekates) augen zerflossen die elemente in ihren u. Klinger 2, 190; ferner noch sind die körper zum theil elemente des urstoffs, theils zusammenverein von diesen urelementen Knebel Lukrez 21. zusammensetzungen: urstoffkörper Knebel 279, -lehre für atomistik Campe verd. wb. (1813) 133b; A. v. Humboldt kosmos 1, 70, -theilchen atom Campe a. a. o.; Holtei erz. schr. 21, 54. 55) individuelle verwendung liegt vor, wenn Göthe II 9, 189 W. mit urstoffen pflanzen- und thierformen als grundlagen im gestein bezeichnet oder u. als eigenschaft gottes erscheint: er (der unendliche) umarmt und durchdringt die welt, die welt ist gott, in einem u. steht er in millionen formen vor uns, wir selbst sind theile seines wesens Tieck (1828 ff.) 8, 15. 66) übertragen. 6@aa) in ziemlicher unbestimmtheit; vgl. grundstoff 2: ich stelle mir vor, alle thätigkeiten körperlicher dinge können aus solchen kräften des urstoffes entspringen, die ihnen ganz unähnlich sind (vgl. 1) M. Mendelssohn 2, 155; o schädel! ... aus welchem urstof bist du geformt? Lavater physiognom. fragm. 2, 171; der grund- und urstof von gegenständen und sprache Herder 6, 357 S.; 331 S.; die natur hat in alle körper ein salz gelegt, ... und die vorsehung ... in alle widerwärtigkeiten einen moralischen u., den wir aufzulösen und abzusondern haben (vgl. 4) Hamann 1, 52 R.; die Holländer sind es ..., welche das römische recht aus seinem urstoff aufbauen allg. d. bibl. anh. 1/12, 65; was wird uns denn als grund, als u. von den vier letzten büchern Mosis übrig bleiben? Göthe 7, 157 W.; ich der u. ihrer begierden und freiheit, ihre sättigung, ewig ich Lenz 3, 278 Tieck; wer über die groszen weltbegebenheiten spekulirt, findet immer den u. der wichtigsten weltveränderungen in einem schwärmerischen kopf liegen Musäus physiogn. reisen 2, 118; eigensinn ist der u. des ganzen geschlechts (vgl. 1) Fr. L. Schröder dram. w. 3, 333; hierauf unterschied sich Athen durch die erhaltung eines urstoffs von eingebohrnen und von vaterländischen sitten J. v. Müller 1, 43; ich glaube, dasz in unsrer seele alle karaktere nach ihren urstoffen schlafen (vgl. 1) Schiller briefe 1, 113 J.; den u. alles gedeihens ..., das heilige Nilwasser C. A. Böttiger kl. schr. 2, 218; wonne, wo kein nebelschleyer ihres (der Psyche) urstoffs reine trübt Matthisson 1, 66; der u. seines (des menschen) ganzen geistigen lebens ist die erkenntnisz Fichte 4, 344; harmonie ... ist das wesen, der u. des glücks, die erste bewegende kraft Tieck 1, 42; die tugend ist ... die ahnung des geistigen urstoffs Eichendorff 2, 482; sie (die logische idee Hegels) ist ... der metaphysische u., aus welchem sich die dinge als die ideen darüber entwicklen Gutzkow 12, 109; ritter vom geiste 6, 210. 6@bb) grundstoff 3 entsprechend: ich rathe ..., die Favartsche ausführung mit dem Marmontelschen urstoffe zusammenzuhalten Lessing 9, 322 M.; der u. (der Lenore) Cramer an Bürger bei Strodtmann 1, 167; Sulzer theorie der sch. künste 3, 96; der sechste (versuch) ... behandelt das gedicht als mythologischen u. Göthe IV 39, 222 W.; das ist der ur- und grundstoff ... zum mann im mond Hauff (1890) 3, 225; Spengler untergang des abendlandes 1, 202. den urstof unsrer thierfabel Jac. Grimm Reinhart fuchs ccliii, der sage Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 216; denn nichts geringeres haben wir daran (an Göthes werken) als einen reichen und tiefen schacht nationalen volksmäszigen ur- und grundstoffs, wie er dem menschengeschlechte angeboren und nicht angeschustert ist G. Keller nachl. 159. —
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Urstoff

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Urstoff , des -es, plur. die -e, ein in den neuern Zeiten gebildetes Wort, den ersten ursprünglichen Stoff, die erst…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Urstoff

    Goethe-Wörterbuch

    Urstoff [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Urstoff

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Urstoff , s. Chemie , S. 912; Urstoffe , soviel wie Elemente (s. d.).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit urstoff

4 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von urstoff

ur- + stoff

urstoff leitet sich vom Lemma stoff ab mit Präfix ur-.

urstoff‑ als Erstglied (3 von 3)

Urstofflehre

Campe

urstoff·lehre

◎ Die Urstofflehre , und das Urstofflehrgebäude, — s, Mz . u. die Lehre von den Urstoffen und von der Zusammensetzung der Körper aus untheil…

urstofflich

DWB

urstoff·lich

-stofflich , -keit Campe ; élementaire Mozin , Sachs-Villatte : urstoffliches dasein Spengler untergang des abendlandes 1, 275 .

Ableitungen von urstoff (1 von 1)

Urstoffe

Herder

Urstoffe , soviel als Elemente.