urstoff,
m. ,
stoff II 2 b
mit ur- C 4 c;
zunächst von Harsdörffer
für materia prima gebraucht und dann in der bed. stark erweitert. Adelung
bezeichnete es noch als '
ein in den neueren zeiten gebildetes wort'.
ein schw. gen. plur. bei Reimarus
wahrheiten der natürlichen religion 114.
jünger ist das syn. grundstoff (
s. d.),
das theils als gleichbedeutend (grundstoff 2, 3),
theils als dem urstoff
untergeordnet (Du Bois-Reymond
unter grundstoff 1)
erscheint. 11)
im sinne naturphilosophischer anschauung die materia prima (
vgl. grundstoff 2),
die grundmaterie Krünitz 202, 366: ich halte an meinem orte für ungezweifelt, sie (
d. weiber) kommen her von der materia prima oder der welt urstoff, weil sie sich so manichfaltig gestalten und verstellen Harsdörffer
gesprächspiele 5, 198; er (
d. unbeständige) ist von dem urstoff, materia prima, gemachet, welche aller formen fäig ist
kennzeichen der tugenden u. laster 83; von der ersten weltmateri oder urstoffe
gesprächspiele 5, 155; darinn rühre ich den ersten uhrstoff (materiam primam) an Er. Francisci
lusthaus (1676) 39; Gottsched
das neueste 1, 314; doch woher kömmt der stosz, der von der ersten richtung den urstoff weichen heiszt? Wieland I 1, 20
ak. ausg.; der u. aller weltkörper, dinge Kant 8, 229; 230
H.; der wesen u. J. A. Schlegel 1, 263; Giseke 38
Gärtner; der feurige leuchtende klumpen stand in der mittagsglut jetzt über dem meere des todes, erst entstellter als sonst, von schwarzen beulen des urstoffs aufgeschwollen Klopstock
Messias 16, 394;
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 120; J. G. Forster 5, 227; Thales ... halte das wasser für den u. J. H. Voss
krit. blätter 2, 135; jener u. (
der urweltnebel der Kant-Laplaceschen hypothese) Schopenhauer 3, 58
Gr.; D. Fr. Strausz 6, 105; des urstoffs kampf G. Kinkel
ged. 208; das zusammenwirken von urstoffen Roszmäszler
der mensch im spiegel der natur 1, 115; Mommsen
röm. gesch. 2, 413; welche (
mechanische anschauung) statt schalles und lichtes nur schwingungen eines eigenschaftslosen, dort zur wägbaren, hier zur unwägbaren materie gewordenen urstoffes kennt Du Bois-Reymond
grenzen des naturerkennens 10. 22)
insbesondere wurde die erde als u.
angesehen; vgl. die schöpfungsgeschichte, aber auch erde als eins der 4
elemente: ruh, o verlaszner leichnam, ... in dem unstörbaren schoosz des urstofs Bodmer
Noah 8, 76; Reichel
Bodmerias x 3
a; die ... erde sey der u. aller zusammensetzungen
allg. d. bibl. 101, 451; die erde als niederschlag des urstoffs, aus dem alles lebendige wurde Vischer
ästhetik 3, 2, 106;
im witz (
S. ist in den schlamm gefallen): er stand wie Hamlets geist, unbeweglich und stumm ..., in aller majestät des weichen urstoffs des ersten menschen Bode
Tristram Schandi 2, 67. 33)
im weiteren sinne wird das chaos, das nichts mit dem u.
gleichgesetzt: dieser ... lehre zufolge soll der mensch bemühet seyn, dem leeren u. aller wesen, dem nichts ... gleichförmig zu werden Zimmermann
einsamkeit 1, 371; der entwurf des ewigen reichs der schöpfung ward, zu gestalt urstoff Klopstock
Messias 20, 50; denn wir hungern alle zwei, so dasz wir nächstens zum u. zurückkehren Fr. Pocci
komödienbüchlein 213. 44) u.
in atomistischer anschauung und urstoffe
als chemische elemente (grundstoff 1). u.
für element Campe
verd. wb. (1813) 282
a b; 133
b; Voigt
geschäftsführung 1, 360; Krünitz 200, 331; u., grundstoff,
chemisches element Karmarsch-Heeren 10
3, 40;
vgl. nl. hoofdstof: etliche ... wollen nicht gestehen, dasz alle sachen in diese drey anfangs- oder uhrstoffe entschlossen oder aufgelöset werden können Marperger
kaufmannmagazin (1708) 1, 280; es haben sich vernünftige männer mühe gegeben, die ungereimtheit solcher ungefähren erzeugung der thierischen oder auch gröszeren weltkörper aus dem wilden zusammenlaufe der urstoffen auf mathematische weise zu berechnen Reimarus
warheiten der natürl. religion (1766) 114; von elementen und urstoffen ... reden H. v. Kleist 4, 184
Schm.; Jung-Stilling 4, 105; Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht 2, 72; aus der vermischung zweier feindlicher urstoffe, wassers und feuers, gehe das salz hervor br. Grimm
d. sagen (1891) 2, 9; sie (
d. exacten wissenschaften) lösen die einfachsten urstoffe auf und setzen sie neu zusammen Jac. Grimm
kl. schr. 7, 564; die urstoffe oder elemente der körper Schwerz
prakt. ackerbau (1882) 20; wie die chemische retorte u. auf u. entdeckt und diesen immer aufs neue zerlegt, so hat der ... verstand ... alles ... aufgelöst Gutzkow
ritter vom geiste 7, 402;
werke 8, 452; urstoffe
als voraussetzung der elemente: vor ihren (
Hekates) augen zerflossen die elemente in ihren u. Klinger 2, 190; ferner noch sind die körper zum theil elemente des urstoffs, theils zusammenverein von diesen urelementen Knebel
Lukrez 21.
zusammensetzungen: urstoffkörper Knebel 279, -lehre
für atomistik Campe
verd. wb. (1813) 133
b; A. v. Humboldt
kosmos 1, 70, -theilchen
atom Campe
a. a. o.; Holtei
erz. schr. 21, 54. 55)
individuelle verwendung liegt vor, wenn Göthe II 9, 189
W. mit urstoffen
pflanzen- und thierformen als grundlagen im gestein bezeichnet oder u.
als eigenschaft gottes erscheint: er (
der unendliche) umarmt und durchdringt die welt, die welt ist gott, in einem u. steht er in millionen formen vor uns, wir selbst sind theile seines wesens Tieck (1828
ff.) 8, 15. 66)
übertragen. 6@aa)
in ziemlicher unbestimmtheit; vgl. grundstoff 2: ich stelle mir vor, alle thätigkeiten körperlicher dinge können aus solchen kräften des urstoffes entspringen, die ihnen ganz unähnlich sind (
vgl. 1)
M. Mendelssohn 2, 155; o schädel! ... aus welchem urstof bist du geformt? Lavater
physiognom. fragm. 2, 171; der grund- und urstof von gegenständen und sprache Herder 6, 357
S.; 331
S.; die natur hat in alle körper ein salz gelegt, ... und die vorsehung ... in alle widerwärtigkeiten einen moralischen u., den wir aufzulösen und abzusondern haben (
vgl. 4) Hamann 1, 52
R.; die Holländer sind es ..., welche das römische recht aus seinem urstoff aufbauen
allg. d. bibl. anh. 1/12, 65; was wird uns denn als grund, als u. von den vier letzten büchern Mosis übrig bleiben? Göthe 7, 157
W.; ich der u. ihrer begierden und freiheit, ihre sättigung, ewig ich Lenz 3, 278
Tieck; wer über die groszen weltbegebenheiten spekulirt, findet immer den u. der wichtigsten weltveränderungen in einem schwärmerischen kopf liegen Musäus
physiogn. reisen 2, 118; eigensinn ist der u. des ganzen geschlechts (
vgl. 1) Fr. L. Schröder
dram. w. 3, 333; hierauf unterschied sich Athen durch die erhaltung eines urstoffs von eingebohrnen und von vaterländischen sitten J. v. Müller 1, 43; ich glaube, dasz in unsrer seele alle karaktere nach ihren urstoffen schlafen (
vgl. 1) Schiller
briefe 1, 113
J.; den u. alles gedeihens ..., das heilige Nilwasser C. A. Böttiger
kl. schr. 2, 218; wonne, wo kein nebelschleyer ihres (
der Psyche) urstoffs reine trübt Matthisson 1, 66; der u. seines (
des menschen) ganzen geistigen lebens ist die erkenntnisz Fichte 4, 344; harmonie ... ist das wesen, der u. des glücks, die erste bewegende kraft Tieck 1, 42; die tugend ist ... die ahnung des geistigen urstoffs Eichendorff 2, 482; sie (
die logische idee Hegels) ist ... der metaphysische u., aus welchem sich die dinge als die ideen darüber entwicklen Gutzkow 12, 109;
ritter vom geiste 6, 210. 6@bb) grundstoff 3
entsprechend: ich rathe ..., die Favartsche ausführung mit dem Marmontelschen urstoffe zusammenzuhalten Lessing 9, 322
M.; der u. (
der Lenore) Cramer
an Bürger
bei Strodtmann 1, 167; Sulzer
theorie der sch. künste 3, 96; der sechste (
versuch) ... behandelt das gedicht als mythologischen u. Göthe IV 39, 222
W.; das ist der ur- und grundstoff ... zum mann im mond Hauff (1890) 3, 225; Spengler
untergang des abendlandes 1, 202. den urstof unsrer thierfabel Jac. Grimm
Reinhart fuchs ccliii, der sage Gervinus
gesch. d. d. dicht. 2, 216; denn nichts geringeres haben wir daran (
an Göthes werken) als einen reichen und tiefen schacht nationalen volksmäszigen ur- und grundstoffs, wie er dem menschengeschlechte angeboren und nicht angeschustert ist G. Keller
nachl. 159. —