urstände,
f. ,
auferstehung; wie urstand 1-4
zum v. ahd. irstantan
gebildet (
vgl. g. urrists);
ahd. erscheinen auch urstentida, -stendida
neben urstant, -stentê, -stende.
vgl.auferstand, -ständnis, -stehung.
mhd. urstente, -stende.
nhd. urstände,
sehr oft mit apokope des e urständ
neben urstand (
s. d. 4)
und seltenerem urstätt(e) (ursted Keisersberg
narrenschiff 97
b; eine fröhliche urstätt E. T. A. Hoffmann 1, 79
Gr.; fröhliche urstätte Rother
schles. sprichw. 121
b; Holtei 40
jahre 2, 317). urestend H. Sachs 15, 390, 14
G. (ur- A 2).
im wesentlichen oberd. wort (Stalder 2, 425; Schmidt
elsäss. wb. 386; Fischer 6, 305; Schmeller-Fr. 2, 767; Schöpf 699; Unger-Khull 612
b),
selten im md. (Askenasy 39; Rother
schles. sprichw. 121
b),
von alterthümelnder literaturspr. weitergetragen. resurrectio urstend, auferstehung, auferstentnus Schöpper (1550) h 5
a; Schönsleder (1647) L l l 8
a; Aler (1727) 2, 21, 32
b; Frisch (1741) 2, 410
b als veraltet; Gottsched
sprachkunst (1748) 90;
bei Adelung
unter auferstehung
als noch im oberd., bes. in Österreich gänge und gebe verzeichnet; ähnlich Heynatz
antibarb. 2, 545.
vereinzelt kommen ursteend Keisersberg
schiff der penitenz 112
a, urstehnd Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 77, urstuond S. Franck
sprichw. (1541) 2, 120
b vorr. seltsam ist die vermengung mit ostern: ich halt, ostern sey ein corruptum vocabulum, ein wort, in welchem die buchstaben vorsetzt und verkehret sind, als ostern für urstendt Luther
tischreden 272
b; ostern
id est resurrectio urstend B. Faber (1587) 593
b; Zesen, Prätorius
unter urstand 4. 11)
allgemein-sinnlich '
das aufstehen, hervorkommen, die wiedererneuerung'
und dgl.: zît, diu aller vreude urstende gît
passional 90, 32
K.; daz diu urstende volbrâht werde '
damit etwas entstehe'
mhd. wb. 2, 2, 591
b; wer hoch ist, der findt sein fall, wer nider, sein urstend Seb. Franck
chronica vorr. a 3
a; bleibt sie (
die leibesfrucht) aber bisz auf den achten monat, so sehnt sie sich natürlicher weis zur urständ
Albertus Magnus von den geheimnissen derer weiber (1678) 150; die natur beginnt alsogleich mit der urständ nach ihrer weise. der todte wirt verwandelt und betheiligt sich am leben in einer neuen form Rosegger III 5, 325.
da aber der begriff der u.
von anfang an auf die biblische auferstehung eingeengt scheint, wäre übertragung und verallgemeinerung von da aus nicht unmöglich. meist steht auch sonst der biblische begriff oder eine bibelstelle im hintergrund: gimmir urstende aller minir sundon Kraus
d. ged. 12, 44
im anschlusz an die vorher erwähnte auferstehung des Lazarus (
Joh. 11, 24
ff.); Rusticho mer dann ye in unkeusch enczündet ..., sein Alibech also schöne sechen sten, darumb sich begab die urstende des fleisches (
erection) Arigo
decamerone 235, 23
K. im witz nach 2 b; sich, diszer ist gesetzt zuo einem fall und zuo einer urstende viler menschen Keisersberg
postill 1, 13
a; ich werde meine freiheit, diese meine urständ aus dem kerkertode, gewisz so gebrauchen, dasz sich meine freunde des freuen sollen Schubart
an pfarrer Weysser 1787
Euphorion 2, 805; wer den kreuzgang im dom mit seinen alten malereien, die unter leitung des ... regens ... T. wieder eine fröhliche urstände erlebt, ... betrachtet Steub
drei sommer in Tirol 2, 146. 22)
von der biblischen auferstehung. 2@aa)
Christi: Notker
psalm 63, 10; 23, 1;
mhd. wb. 2, 2, 591
a; Schmeller-Fr. 2, 767; Fischer 6, 305; Schmidt
elsäss. 386; es ist ouch gewesen Centona, die usz den bchern Virgily Maronis so vil versz zu unsers herren Jhesu Christi lyden und urstende hǎt gezogen
N. v. Wyle
transl. 330, 13
K.; nach seiner urstend sprach er zu den frauwen Keisersberg
pred. 93
a; Luther 10, 2, 456
W.; der ewigen wiszheit betb. (1518) 96
b; H. Sachs 1, 316, 1
K.; Stumpf
Schweizerchron. 341
a; doch wer zu Jesus schimpf hier wacht um grab und stein, musz zu der juden hohn der urständ zeuge seyn A. Gryphius
ged. 392, 330
P.; Spee
tugendb. 107; nach der urständ Christi Abr. a
s. Clara
Judas 1, 63; in sehnsüchtigem hinblick auf dessen (
Christi) urstände Aurbacher
volksbüchlein 2, 3; am wenigsten sicher der urständ ist Thomas Rosegger II 2, 377.
attribute: in angesicht seiner frölichen urstendt
manuale curatorum (1516) 60
b; die fröliche urstendt Christi H. Sachs 18, 47, 15
G.; gewaltige, löbliche, heilige, wahre, klare, scheinbarliche, glorreiche
u. s. w. u. H. Sachs 18, 75
G.; hüpsch argument ains curtisanen (
o. o. und j.) f b; Thieb. Gart
Joseph (1540) c
a; Frisius 969
b; Franciscus Suares (1573) 347; Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2, 146.
das bild, das den erstandenen heiland mit dem siegesfähnlein darstellt: charsamstag abend wird die urstend ausgestellt Schmeller-Fr. 2, 767.
zusammensetzungen: urständabend Keszler
sabbata 53, -fahne Unger-Khull 612
b, -feier Rosegger III 1, 33, -fest Keszler 47, -morgen 53, -nacht
ebda, -tag J. v. Watt 2, 408. 2@bb) u. des fleisches: des fleisches urstente Müllenhoff-Scherer
denkm. 31, 20, 9; do sy hortend, das der herr prediget von der urstende des fleisches Keisersberg
postill 3, 88
a; B. v. Chiemsee 14
R.; was ist denn des fleisch urestend? H. Sachs 1, 75, 26
K.; vgl.urstende des leibs Keisersberg
brosamlin 2, 23
d. 2@cc) u. der menschen, toten: die da guote werk gethan haben, die geen in die urstend des lebens, die aber ubels gethan haben, in die urstend des gerichts
erste d. bibel 1, 353
var.; die saducei halten und sprechen, es sei kein urstende der todten Keisersberg
sünden d. munds 47
a; in der urstende der gerechtigkeit
predigen 2, 28
b; seelen ..., wartende der urstend der ewigen verdambnus
offenbarungen der h. Birgitte (1502) 1, 59; in der urstendt am jüngsten tag H. Sachs 11, 248, 1
K. - G.; 18, 527
G.; ostern, in der sy die gedechtnus und urstend ir verstorbnen begehn S. Franck
weltb. 117
b;
moriae enc. 101; allein die urstend von den todten will mir in glauben nit gerothen B. Waldis
Esopus 2, 112
K.; Eyering
prov. 1, 142; wie er (
d. pastor) ... von der urständ sprach Rosegger III 7, 299.
attribute (
vgl.a): heilige, gemeine, selige, ewige, glückliche, frohe u.
heiligenleben (1472) 111
a; H. Sachs 6, 207, 10
K.; Schubart
leben 1, 8; Weber
Dreizehnlinden138 355; gott gebe euch selige urständ! C.
F. Meyer
versuchung 192; W. Alexis
Woldemar 3, 29; Auerbach 2, 188;
Z. Werner
Luther 118;
besonders fröhliche u.: ein frOelich, ungezweyflete urstend verhoffend Frisius 238
a; o verleih auch uns eine fröhliche urständ! Schubart
ged. 1, 260;
briefe 2, 139
Str.; Veit Weber
holzschnitte (1739) 363; Waiblinger 2, 61
Frey; da war graf A., gott verleih ihm eine fröhliche urstend! ganz ein andrer mann Kotzebue 11, 203; ich schwöre es, so mir gott eine fröhliche urständ gebe Hauff (1890) 1, 227; E. T. A. Hoffmann 6, 106
Gr.; gott geb ihm eine fröhliche urständ Steub
wanderungen im bayr. gebirge 64; da meinte aber die schelmische magd, dasz die eier zwischen solchen polstern unversehrt hätten liegen können, bis zu unserer fröhlichen urständ E. T. A. Hoffmann 14, 192
Gr.; wir ... tranken ... tapfer auf seine fröhliche urständ Storm 6, 240. 2@dd)
als begriff des geistig-religiösen lebens, das ewige leben und die wiedergeburt, bekehrung: ich bin die urstende und das leben Mone
schauspiele des ma. 2, 235, 1275;
Joh. 11, 25; Keisersberg
postill. passion a 3
a; ich bin die urstend und bin der, des urstend würt sein ein ursach der urstend
postill 2, 94
a; nun sol unser eer und rmen sein in dem kreutz unsers herren Jesu Christi, in dem ist unszer ... leben und urstende A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) a 8
a; dem gleubigen geyst ist Christus zur urstuond und leben gesatzt Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 120
b;
mystische wiedergeburt, bekehrung: hat der mensch neiswie nút me ze tnne, ja in wúrkender wise, als er hatte vor siner urstendi H. Seuse
d. schr. 348, 26
B.; es ist ein arm ding und nit ein zeichen einer warhaftigen urstend, da ein mensch das schweisztuch entschuldigung der sünden nit hinder im will lassen Keisersberg
seelenparadies 92
b. —