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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ursprünglich adj.

Bd. 24, Sp. 2546
ursprünglich, adj. , adv. zu ursprung, wie urspringlich zu urspring (s. diese), in mystischer literatur auftauchend und bis ins 18. jh. nicht häufig, erst im 18. jh. im zusammenhange mit der erneuerung des geistigen lebens (vgl. sp. 2358 und unten bed. 4) überaus häufig geworden und begrifflich vertieft. mhd. ursprunclich; mnd. or(t)sprunklich; mnl. orsprongelijc, nl. oorspronkelijk; schwed. ursprunglig aus dem d.; vgl.n. oprindelig. betont kann úrsprünglich wie ursprǘnglich (ur- A 3) werden. der umlaut, der in ä. spr. öfter ausbleibt, ist in n. spr. fest geworden. die adverbialbildung auf -en kommt noch im 17. jh. vor (Moscherosch insomnis cura 25 ndr.). steigerungsformen (bed. 3) sind üblich, R. Wagner steigert allerursprünglichst. mit ausfall des n: ursprúcklich Österreicher Columella 1, 17. vgl. noch geursprunclich myst. 2, 507, 27 Pf., unursprünglich und dessen (unerklärte) bed. immensus. 11) in sinnlicher grundanschauung, ursprung A entsprechend. mnl. wb. 5, 2006. selten eigentlich: wir vordessen die ursprüngliche quelle dieses flusses ... angetroffen S. v. Birken Pegnitzschäferei (1645) 81; die groszen und herrlichen flüsse sammeln sich aus reinen ursprünglichen, fröhlichen quellen im gebirge Brentano 5, 381. nach ursprung A 2: jegliche ursprüngliche blattform Holtei erz. schr. 3, 182; adv.: keim der wurzel und des blatts. sie sind miteinander u. vereint Göthe II 6, 307 W. vgl. noch exortivus u., das zuo aufgang der sonnen ist Frisius 511b. 22) im bilde, ursprung B entsprechend. im heutigen sprachgefühl ist die grundvorstellung fast erloschen. 2@aa) es wird noch an die sinnliche anschauung angeknüpft; vgl. ursprung B c: der ursprunglich usflusz alles guotes H. Seuse d. schr. 14 B.; o du ursprúnglicher brunn aller wiszheit, wie bistu so gar versigen! der ew. weisheit betb. (1518) 108a; die anderen zwehn ursprüngklichen thail, darausz die erbarkait fleuszet Schwarzenberg von gebüre und billicheit (1533) 86b; die gesetzestafeln, die ursprünckliche brunnquellen aller ehrlichen gesetze Rätel Curäi chron. (1607) 571; J. Arndt nachfolge Christi 56; ... dasz der grosze gott selbst der ursprüngliche quell ... aller vergnügung heiszet Chr. Weise polit. redner (1677) 48. adv.: gott ..., von welchem alles gut u. herfleuszet J. Arndt nachf. Christi 18; Grimmelshausen Simplic. 419 Kögel; weltbegebenheiten ... schlieszen sich an die glaubensverbesserung an, wo sie nicht u. daraus herflossen Schiller 8, 3 G. deutlicher ist die grundvorstellung in Göthes gedicht ursprüngliches 2, 164 jub.-ausgabe: A. was widert dir der trank so schal? B. ich trinke gern aus dem frischen quall. A. daraus kam aber das bächlein her! B. der unterschied ist bedeutend sehr: 's wird immer mehr fremden schmack gewinnen; es mag nur immer weiter rinnen. 2@bb) theologisch-philosophisch. zunächst im anschlusz an den mystischen begriff des ursprungs (ursprung B c) etwa 'wesen dieses ursprungs habend', dann mit allmählichem verlust der mystischen vorstellung in 3 übergehend: gotes wesen ist ... ein ursprunclich wesen myst. 2, 514, 40 Pf.; der rivier ist ursprunclich, da einekeit inne weset 2, 516, 23 Pf.; ein ursprunclich licht 1, 129, 16 Pf.; 129, 21 Pf.; das ewige und ursprüngkliche liecht Mathesius Sarepta (1571) 55a; gott der recht ursprünglich ausspender der gaben Fischart ehzuchtb. 121 H.; aus welchen als ersten principiis und ursprünglicher materi alle natürlichen geschöpf und werk zusammengefügt ... werden Dannhauer catechismusmilch 1, 12; gott ist die ursprüngliche weiszheit Kramer 2 (1702) 891c; habe ich ... nicht geruhet, bis ich zu den letzten ursprünglichen gründen kommen Leibnitz d. schr. 1, 266; Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 146; ursprünglicher lebensgeist Bettine Günderode 1, 393; ursprüngliches seyn Fichte 1, 500. adv.: alle ding ..., die von got ursprungklich kummen Lanszpurg schöne underrichtung (1518) f 3b; Jac. Böhme 4, 169; und ist in ihm selbes ohne creatur, uhrsprünglich und wesentlich, aber nicht förmlich J. Arndt theologia 42. rein rationalistisch: ain ursprüngliche ursach Schwarzenberg Cicero (1535) 50b; Schottel haubtspr. 16; Kramer 2 (1702) 1221c; die ursprüngliche ursache eines dinges Adelung; im engsten sinne heiszt gott ein ursprüngliches wesen, sofern er den grund seines daseins in sich selbst hat Adelung. idea, ein ursprüngliche gestalt Alberus (1540) 74a; die erscheinung jener ursprünglichen idee Solger Erwin 1, 155; subst. das ursprüngliche Brentano 5, 382; im ganzen und ursprünglichen war ja das seyn eins und allgemein Solger nachgel. schr. 2, 246. 33) die vollausgebildete übertragung, ursprung C entsprechend, ist am reichsten entwickelt, die schattierungen dieser bed. sind hier nicht zu erschöpfen. 3@aa) nach ursprung C 1, dem ursprung anhaftend, von ihm bedingt, mit ihm gegeben, anfänglich, altes, früheres, erstes, eigentliches bezeichnend, dann bed. e sich nähernd. primigenius anfenklich, u. Frisius 1037a; primo Diefenbach gl. 459b: damit wyr die klöster widderumb bringen ynn yhr alt, erst, ursprunglich reformacion und wesen, das sie seyen christlich schulen Luther 10, 1, 1, 700 W.; was man ernüweret, musz ... widerum zuo siner ursprünglichen erste bracht werden Zwingli d. schr. 1, 61; ain ursprúnglicher anfang Österreicher Columella 2, 149; H. Sachs 16, 192, 6 G., tittel S. Franck chron. Germ. (Augsb. 1538) 74b, beschaffenheit Chr. Weise überfl. gedanken 8 ndr., harmonie J. B. Scheibe freimüthige gedanken (1732) 34, glanz Bodmer crit. poet. schr. 1, 35, bestimmung Cramer nord. aufseher 1, 277, verbindlichkeiten Th. Abbt 6, 2, 25, verfassung Herder 12, 88 S., fröhliche wissenschaft 18, 37 S., grundsätze Kant 3, 18 ak. ausg., stockung Göthe 7, 227 W., ihr (der religion) ursprüngliches reine IV 27, 237 W., gestalt Faust 7812, eindruck IV 42, 274 W., güte Wackenroder herzensergieszungen 232, verschiedenheit Schleiermacher Platon 6, 13, sinn Novalis 3, 45 M., absicht Holtei erz. schr. 18, 43, schlechtigkeit M. Meyr a. d. Ries 1, 71, namen Stifter 3, 239, zorn G. Keller 2, 247, vorschlag Ranke s. w. 4, 6, plan H. v. Barth Kalkalpen 293, zustand Scherer literaturgesch. 39, ort Lagarde d. schr. 4, gegensatz D. Fr. Strausz 6, 17 u. s. w.; der ganze zauberpalast mit all seiner herrlichkeit kehrte in sein ursprüngliches nichts zurück Musäus volksmärchen 1, 19 H.; ein kurzer seidner überwurf, dessen farbe in das ursprüngliche nichts zurückgekehrt E. T. A. Hoffmann 14, 151 Gr.; H. Heine 3, 383 E. dieses ursprüngliche ackermaasz Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 13, 248, wand Stifter 5, 1, 146, thürklopfer, platz, stammsitz G. Keller 2, 170; 4, 224; 3, 167, moorpflanzen Allmers marschenb. 1/2, 87, besitzer Moltke schr. u. denkwürdigkeiten 1, 173, gläubiger bürgerl. ges.-buch 369, 2. selten prädicativ: wenige altäre sind noch u. (in dem früheren, ersten zustande) Allmers marschenb. 1/2, 145. die unschuld die hat immer das ursprünglichste recht Bettine dies buch geh. dem könig 2, 409. etwas ursprüngliches und anfangsmäsziges Stifter 3, 193. — adv.: das orsprunclichen (von anfang an, wie es entstanden, gekommen ist) uffs newe zu vorzelen nicht ist vonnoten (1476) acten der ständetage Preuszens 5, 289; dieselben haben das u. von dem Yppocras gehebt Mynsinger von d. falken 48 lit. ver.; Folz meisterlieder 28, 31 M.; Salzpurg ist ein uralte stat, welche auch vor Christi gepuert ursprünklich angefangen wuert H. Sachs 22, 480, 17 G.; Luther 26, 196 W.; diese lehrjahre sind bei der kaufmannschaft u. (von jeher) hergebracht Möser 1, 119; diese wesen sind theils u. schon verbunden, theils finden und vereinigen sie sich Göthe II 6, 10 W.; ich hegte u. die absicht ... H. Heine 1, 483 E.; seine sympathien waren u. mehr nach Berlin als nach Wien gerichtet Bismarck gedanken u. erinn. 1, 60 volksausg.; dies etablissement ... war u. ein bloszes fischerhaus gewesen Fontane I 5, 107; in Polynesien fehlen u. säugetiere (später sind sie eingeführt) Ratzel völkerk. 2, 115. 'eigentlich' (Weigand syn. 1, 328) sich nähernd: (könige) welche u. den namen magog haben Luther 30, 2, 224 W.; sam kumt das unglück mit gefehr von diesen gar ursprünklich her H. Sachs 1, 420, 8 K.; dieses komt u. daher Wiederhold (1669) 403b; diejenige, auf die es u. angesehen war Zendorius a Zendoriis winternächte (1682) 126; Gellert, ... dessen stücke das meiste u. deutsche haben Lessing 9, 273 M.; in dem dritten versuche wird das hauptphänomen ... unrichtig als scale dargestellt, da es u. aus einem entgegengesetzten ... besteht Göthe II 2, 112 W.; es ist freilich u. für ein geistreiches publicum geschrieben I 40, 84 W.; später habe ich erfahren, dasz der name ... u. Gézimbal laute Holtei erz. schr. 1, 47; die bezeichnung, die u. nur der dienstthuenden bürgerreiterei zukam Mommsen m. gesch. 2, 109; die idee der nationalsouveränität war auch dem parlament u. entgegengesetzt Ranke s. w. 4, 6; u. hatte ich daran gedacht, zu ... H. v. Barth Kalkalpen 248; eine ihnen (Miltons bildern) u. fremde idee Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 35. — selten attributives adj.: auch am Niemen ... ist Deutschland, aber hier ist das ursprüngliche Deutschland E. M. Arndt (1845 ff.) 2, 54. substantiviert: ich fing nun an, diese verwickelung aufzulösen und ins ursprüngliche umzusetzen Steffens was ich erlebte 1, 221. 3@bb) ursprung 2 entsprechend: von den teutschen Franken, die die rechten und ursprünglichen Franken sind S. Münster cosmographey 92; das fünfte geschlecht ... behelt allein ... sin ursprungkliches herkommen Heyden Plinius 405; wiewol ... sölche ursprüngliche sachen ... in vergess kommen und verblichen Stumpf Schweizerchron. 294a; natürliche erbursprüngliche Teutsche Opitz (1690) 2, 265; er hält sie (die Abyssinier) für ursprüngliche Afrikaner Ritter erdk. 1, 194. adv.: die bischöff sind allezammen u. von den leut härkummen Keisersberg predigen 2, 112a; etlich ... personen (sind) ... ausz dem solmischen gräflichen stamm u. herkommen Kirchhof milit. disciplina x 2b; sünde ..., welche ursprünglig den nachkommen Adams ist angeboren Fischart bienenkorb 109a; du fragst, woher ich sey geboren und führ ursprünklich mein geschlecht Spreng Ilias 74b; Moscherosch insomnis cura 112 ndr.; wir vermuten nicht, dasz eine so falsche ansicht ... vom grafen C. selbst u. herrühre Göthe 46, 72 W.; auch dieser umstand berief den abgelegeneren dreifelderbauer zum bewahrer unseres ursprünglichsten nationalen herkommens W. H. Riehl d. d. arbeit 82. 3@cc) ursprung C 3 entsprechend, oft von b nicht zu unterscheiden; bes. von sprachlichen, literarischen, künstlerischen kulturellen erzeugnissen u. dgl.; vgl. ursprung C 2 d: dem ursprünglichen hebräischen text H. Röslin prodromus (1612) 39; das ursprüngliche wort primitivum Leser fachw. 70; uhrsprüngliche teutsche wörter Morhof unterricht (1682) 47, buchstaben Gottsched sprachkunst 17, bedeutungen der endungen Gerstenberg recens. 331 lit. denkm., sprache Niebuhr m. gesch. 1, 15, fassung dieser scene R. Wagner 6, 25 u. s. w. die (hebräische spr.) als die älteste und ursprünglichste aufzustellen Fr. Schlegel 1, 127; einen formloseren und ursprünglicheren zustand (der sprachen) W. v. Humboldt ges. schr. 7, 3; ungewöhnlich: die erklärung ist dem wortgebrauch am ursprünglichsten Herder bei Campe unter wortgebrauch; je lebendiger nun eine sprache ist ..., je ursprünglicher sie zum vollen, unausgesonderten laute der natur hinaufsteigt, desto minder ist sie auch schreibbar Herder 5, 11 S.; längst hatte jeder gebrauch den geist, d. i. seine ursprünglichprägnante bedeutung ..., verloren 20, 77 S. adv.: es ist aber nit billich, dasz die sprüche werden zuogelassen, die da u. gend (verfaszt sind) von denen, die von der kirchen sint verworfen und verdampnet N. v. Wyle transl. 192 K.; die zungen, darvon ursprünglich werden auf erden alle ketzerey H. Sachs 17, 297, 35 G.; 1, 53, 9 K.; Bastel v. d. Sohle don Kichotte (1648) 7; Gueintz rechtschreibung 7; ungebräuchlich: einen autorem, die schrift u. lesen und sich nicht mit der anziehung oder übersetzung vergnügen wollen Kramer 2 (1702), 1221c; 891c; vgl. nl. wb. 11, 183; J. G. Forster 9, 318; ... man bedeutet, dasz die statue u. eine Venus seyn sollte Herder 15, 400 S.; was waren sie (d. bardiete) u.? Kretschmann 1, 5; der abdruck ist u. (in seiner alten gestalt) kostbar, nur verbräunt Göthe IV 42, 127 W.; das zweite rondo ... ist ... u. für ein walzwerk geschrieben O. Jahn Mozart 4, 19; sprüche, die u. nicht volkssprüche sind W. H. Riehl d. d. arbeit 174; die Nibelungensage enthielt u. eine menge mythologischer wunder Scherer literaturgesch. 104. W. Grimm heldensage (1829) 395 erklärt, was er unter u. in beziehung auf die sage versteht: ich verstehe darunter diejenige gestaltung, welche sich ... der betrachtung als die vollkommenste ergibt ... das ursprüngliche bezeichnet also nur die grenze, bis zu welcher wir von unserm standpunkte aus sehen können. 3@dd) schwach und undeutlich entwickelt sind ursprung C 4 entsprechende causale beziehungen: dieses eines geizigen aus einer falschen einbildung ursprüngliches (herrührendes und darin begründetes) wünschen ist ... unersättlich Leipziger avanturieur (1766) 1, 171; ein ursprüngliches (maladie essentielle) leiden Sachs-Villatte. öfter adverbial: u. kumbt des menschen gesund von got, darnach würcklich von der artzeney, ordenlich vom wolhalten, speislich aus der püxen oder apoteken B. v. Chiemsee 31 R.; dergleichen magnetische kraft u. herlangt von einer ubernatürlichen ursach theatrum amoris (1626) 1, 51; solche krankheiten kommen u. daher, dasz ... Harsdörffer gesprächsp. 1, b 4b; Butschky Pathmos 462; J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 9. wie die letzten beispiele zeigen, geht der eigentliche bedeutungsgehalt verloren, so dasz d an a angeglichen wird. 3@ee) ur- C 1 wird seit der 2. hälfte des 18. jhs. etwas in ur- C 4 c umgedeutet; vgl. ursprung 5. 'da ein ding in seinem ursprunge am meisten das ist, was es sein soll, unverändert, unvermischt von und mit anderem, so ist mit u. auch zuweilen der begriff der reinheit, unverdorbenheit, vorzüglichkeit verbunden' Campe. der wandel der bed. vollzieht sich fast unmerklich, theilweise unter einwirkung fremder wörter (s. 4): das zweite stück ... handelt von dem alten, ursprünglichen styl der ägyptischen kunst Winckelmann 3, 163; allenthalben sehe ich die natur in höchster zusammenstimmung zum wohlseyn des geschöpfs, in ursprünglicher, jeder region angemessener schönheit Herder 22, 83 S.; das edle geschöpf erbebt vor seinem wahren ursprünglichen bilde Klinger 4, 78; die ganze schöpfung in ihrem ursprünglichen, stillen und erhabenen schmucke 7, 236; ursprünglich eignen sinn lasz dir nicht rauben! Göthe 3, 359 W.; ich wandle auf weiter bunter flur ursprünglicher natur 2, 215 W.; ursprünglich-bieder (1834) 52, 102; das romantische ist kein natürliches, ursprüngliches, sondern ein gemachtes, ein gesuchtes, gesteigertes gespr. 2, 216 B.; das schöne hat mit allem ursprünglichen das gemein, dasz es ohne merkmal erkannt wird F. H. Jacobi 6, 162; die freiheit der ursprünglichen einwohner (ureinwohner) J. G. Forster 4, 18; tätigkeit ist die ursprüngliche eigenschaft der wesen Novalis 3, 130 M.; sehnsucht nach der ursprünglichen form des christenthums J. H. Voss antisymb. 2, 72; so ist denn des geistes sclaverei dran schuld, dasz seine ursprüngliche regungen unterdrückt und er sich selber fremd wird Bettine dies buch geh. dem könig 1, 120; den ursprünglichen kinderglauben Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 37; ursprüngliche einfalt ..., unschuld und tugend Raabe Horacker 184; die orientalische poesie als den mittelpunkt aller ursprünglichen volksdichtung Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, x; so schöner ursprünglicher (urwüchsiger) wald Stifter 2, 183; die ursprünglichsten rechte der menschen Gutzkow 11, 155 (vgl.a); Lotze mikrokosmus 1, 4; ... weil in A. ... die katzen ... ein ... ursprüngliches gepräge zeigen Brehm tierl. (1890) 1, 389; der geburt ursprüngliche reinheit geht ihr verloren Geibel 2, 213. selten prädicativ: eine feste burg ist unser gott aus g-dur und a-moll. letzteres u. und höchst bedeutend Göthe III 6, 260 W.; o, das (ein schlachtlied) ist grosz, das ist u.! Brentano 4, 237; wie schön und u. ... ist die bestimmung des landmannes, wenn er sie versteht und veredelt! Stifter 3, 216. 44) u. als übersetzung fremder wörter, oft terminologisch. 4@aa) originalis u. Diefenbach gl. 400c. um die mitte des 18. jhs. wird u. unter einflusz des franz. original gebräuchlich (neben dem fremdwort original). Schulz-Basler 2, 269. th. 7, 1347: er (W.) gestand damals Heyne, dasz er in Mengs 'mehr ... den geometrischen, metaphysischen, ursprünglichen kopf ... schätze' Justi Winckelmann 2, 1, 29; unsre ursprünglichen dichter Lessing 2, 4 L.; spottend mit dem in originell (Schulz-Basler 2, 273, 2) entwickelten nebensinn des komischen: so mancher 'ursprüngliche' Hebbel briefe 6, 111 W.; ein wurf mit dem prügel unter das heer der 'ursprünglichen' 6, 300; einem ursprünglichen werke 6, 350 W.; Bileams esel, du muster naiv-ursprünglicher dichter! während der herr aus dir sprach, sahst du nach disteln dich um w. 8, 60 W. ursprüngliche charaktere Lessing 10, 148 M.; einen so ursprünglichen geist Sartorius v. Waltershausen Gausz 19; kein ursprüngliches dichtwerk Brentano 5, 429; Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 4; einem akteur von ursprünglicher empfindung Lessing 9, 194 M.; ursprüngliches talent Göthe gespr. 6, 262 B., darstellungsweise Mörike 3, 36, originalität Pocci komödienbüchlein 194; des mädchens ursprüngliche schöne natur Mörike 9, 65; sie war ... jene ursprüngliche natur Gutzkow 3, 254; warm-ursprüngliche natur Scherer literaturgesch. 171; Treitschke d. gesch. 4, 27. ein ganz ursprüngliches (originelles) mädchen (Kosegarten) wird von Campe verd. wb. (1813) 451b getadelt; doch vgl.: einen so ursprünglichen menschen Brentano 5, 201; diese unruhe war geweckt worden durch den ... satz, dasz es heutzutage keine ursprünglichen menschen, keine originale mehr gebe, sondern nur noch dutzendleute und gleichmäszig abgedrehte tausendspersonen G. Keller 6, 7. im prädicat: ein buch, worin es im geist der verkanten Griechen sich regt, von sich selber, die gestalten nicht nachahmend, die auch ursprünglich, lächelnd auf ähnlichung sehn Klopstock oden 2, 33 M.-P.; adv.: in denjenigen rollen, die er (d. schauspieler) nicht u., sondern nach irgend einem guten vorbilde spielet Lessing 3, 19 Kurz; originaliter oder ursprünglicher weise Ph. Hafner lustsp. (1812) 2, 223. subst.: etwas ursprüngliches Göthe 49, 278 W.; fürst Pückler 1, 304. 4@bb) für originarius: generatio originaria die ursprüngliche erzeugung Bischoff wb. d. beschr. botanik 137. 4@cc) für originär im sinne der phänomenologie Husserls. der ursprüngliche kläger demandeur originaire Sachs-Villatte. 4@dd) für primitivus: primitivum ursprenglich wort Wolffstirn (1649) bei Leser fachwörter 70; urspringliche sind, die von keinem andern herkommen Gueintz ebda; Kramer 2 (1702), 1221c; 891c; eine ursprüngliche sprache Gottsched das neueste 8, 797; beobachtungen (1758) 197; A. W. Schlegel Athenäum 1, 65; was Deutschland ist? es ist zuerst ein land, das seine sprache aus sich erzeugt und seinem geist, ursprünglich; und wie die sprache, ist das volk: ein urvolk! Bauernfeld 5, 144. für primitiv, urzuständlich, unentwickelt: im zustande eines noch ... ursprünglichen ackerbaues E. M. Arndt 1, 11 R.-M.; ursprüngliche hirtenpoesie Herder 23, 301 S. Rückert 2, 471; Scherer literaturgesch. 4; das ursprüngliche und natürliche Nietzsche 1, 57. in abfälliger bed.: wir hatten uns unterdes auf eine sehr ursprüngliche bank gesetzt Seidel Leberecht Hühnchen 239. 4@ee) für primordial Kinderling (1795) 317; ursprüngliches recht droit primordial Sachs-Villatte. 4@ff) für primär: primäre bilder, erstlich als ursprüngliche Göthe II 1, 91 W.; ursprüngliche farben I 40, 193 W. 4@gg) für authenticus, authentisch: ursprüngklich brieff Riederer rhetoric (1493) r 6b; hier ist die ursprüngliche beglaubigung Tieck (1828 ff.) 10, 120. vgl. autor ein ursprunklicher meister vocab. predicantium (1486) c 4a; der anfenglich und ursprünklich author H. Sachs 6, 9, 8 K. vgl. nl. wb. 11, 184. 55) durch gegensatz ergeben sich specialisierungen; z. b.: alles aber ... soll u. deutsch seyn, und man schlieszt also alle übersetzungen ... aus J. J. Schwabe belustigungen 1, 14; das einfältig ursprüngliche im gegensatz zum gekünstelt nachgeahmten Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 89. abgeleitete und ursprüngliche begriffe allg. d. bibl. 2, 2, 139, farbe Göthe II 5, 1, 110 W.; IV 33, 99 W.; IV 20, 89 W.; das schlimmste, was der physik sowie mancher andern wissenschaft widerfahren kann, ist, dasz man das abgeleitete für das ursprüngliche hält, und da man das ursprüngliche aus abgeleitetem nicht ableiten kann, das ursprüngliche aus dem abgeleiteten zu erklären sucht II 1, 286 W.; Europa 2, 26 Schlegel; das gemischte und das ursprüngliche Göthe II 2, 223 W.; ursprüngliche theile im gs. zu den restaurierten I 47, 26 W.; ursprüngliches gestein im gs. zu todtliegendem 30, 9 W. ursprüngliche sammlung im gs. zu neu hinzugekommenen Ranke s. w. 37, vi. das ursprüngliche, waare stuck, gs. ebenbild Harsdörffer gesprächsp. 1, b 8a. die ursprünglichen worte (der composition), gs. die neu untergelegten O. Jahn Mozart 2, 402. das ursprüngliche vermögen, gs. das durch zinsgewinn vergröszerte Schleiermacher Platon 6, 422 u. s. f. 66) zusammensetzungen, wie sie Sanders 2, 1159b bietet (grund-, tief-, waldursprünglich), sind nicht lebendig. oben begegneten die zss. prägnantu., warmu. anderseits ursprünglicheinheimisch K. O. Müller Dorier 1, 201; ursprünglich-inneres Heinse 4, 198 Sch.
21792 Zeichen · 637 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ursprünglich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ursprünglich , adj. et adv. 1. Von der ersten Bedeutung des vorigen Wortes, das erste in seiner Art, den Anfang eines Di…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ursprünglich

    Goethe-Wörterbuch

    ursprünglich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ursprünglichAdj.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ur-sprünglich Adj. : ' anfänglich ', uʳspringlich [KU-Schmittw/O, Lambert Penns 159].

  4. Spezial
    ursprünglich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ur|sprüng|lich I adj. 1 (am Anfang befindlich) originar (-s, -a) 2 (original) original (-ai, -a) 3 oriund (-ng, -a), d’o…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit urspruenglich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von urspruenglich 3 Analysen

ur- + spruenglich

urspruenglich leitet sich vom Lemma spruenglich ab mit Präfix ur-.

Alternativen: ur-+sprung+-lich ursprung+-lich

urspruenglich‑ als Erstglied (1 von 1)

ursprünglichkeit

DWB

urspruenglich·keit

ursprünglichkeit , f. , zum adj. ursprünglich in dessen verschiedenen bedeutungen, bildung der mystik ( s. unten 1), erst seit mitte des 18.…

Ableitungen von urspruenglich (1 von 1)

unursprünglich

DWB

unursprünglich , adj. , gs. zu ursprünglich: offenbar sind die identischen formen ... als verengte, unursprüngliche anzuerkennen Jac. Grimm …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „urspruenglich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/urspruenglich/dwb?formid=U14740
MLA
Cotta, Marcel. „urspruenglich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/urspruenglich/dwb?formid=U14740. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „urspruenglich". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/urspruenglich/dwb?formid=U14740.
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@misc{lautwandel_urspruenglich_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„urspruenglich"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/urspruenglich/dwb?formid=U14740},
  urldate      = {2026-05-12},
}