ursprünglich,
adj. ,
adv. zu ursprung,
wie urspringlich
zu urspring (
s. diese),
in mystischer literatur auftauchend und bis ins 18.
jh. nicht häufig, erst im 18.
jh. im zusammenhange mit der erneuerung des geistigen lebens (
vgl. sp. 2358
und unten bed. 4)
überaus häufig geworden und begrifflich vertieft. mhd. ursprunclich;
mnd. or(t)sprunklich;
mnl. orsprongelijc,
nl. oorspronkelijk;
schwed. ursprunglig
aus dem d.; vgl. dän. oprindelig.
betont kann úrsprünglich
wie ursprǘnglich (ur- A 3)
werden. der umlaut, der in ä. spr. öfter ausbleibt, ist in n. spr. fest geworden. die adverbialbildung auf -en
kommt noch im 17.
jh. vor (Moscherosch
insomnis cura 25
ndr.).
steigerungsformen (
bed. 3)
sind üblich, R. Wagner
steigert allerursprünglichst.
mit ausfall des n: ursprúcklich Österreicher
Columella 1, 17.
vgl. noch geursprunclich
myst. 2, 507, 27
Pf., unursprünglich
und dessen (
unerklärte)
bed. immensus. 11)
in sinnlicher grundanschauung, ursprung A
entsprechend. mnl. wb. 5, 2006.
selten eigentlich: wir vordessen die ursprüngliche quelle dieses flusses ... angetroffen S. v. Birken
Pegnitzschäferei (1645) 81; die groszen und herrlichen flüsse sammeln sich aus reinen ursprünglichen, fröhlichen quellen im gebirge Brentano 5, 381.
nach ursprung A 2: jegliche ursprüngliche blattform Holtei
erz. schr. 3, 182;
adv.: keim der wurzel und des blatts. sie sind miteinander u. vereint Göthe II 6, 307
W. vgl. noch exortivus u., das zuo aufgang der sonnen ist Frisius 511
b. 22)
im bilde, ursprung B
entsprechend. im heutigen sprachgefühl ist die grundvorstellung fast erloschen. 2@aa)
es wird noch an die sinnliche anschauung angeknüpft; vgl. ursprung B c: der ursprunglich usflusz alles guotes H. Seuse
d. schr. 14
B.; o du ursprúnglicher brunn aller wiszheit, wie bistu so gar versigen!
der ew. weisheit betb. (1518) 108
a; die anderen zwehn ursprüngklichen thail, darausz die erbarkait fleuszet Schwarzenberg
von gebüre und billicheit (1533) 86
b;
die gesetzestafeln, die ursprünckliche brunnquellen aller ehrlichen gesetze Rätel
Curäi chron. (1607) 571; J. Arndt
nachfolge Christi 56; ... dasz der grosze gott selbst der ursprüngliche quell ... aller vergnügung heiszet Chr. Weise
polit. redner (1677) 48.
adv.: gott ..., von welchem alles gut u. herfleuszet J. Arndt
nachf. Christi 18; Grimmelshausen
Simplic. 419
Kögel; weltbegebenheiten ... schlieszen sich an die glaubensverbesserung an, wo sie nicht u. daraus herflossen Schiller 8, 3
G. deutlicher ist die grundvorstellung in Göthes
gedicht ursprüngliches 2, 164
jub.-ausgabe: A. was widert dir der trank so schal? B. ich trinke gern aus dem frischen quall. A. daraus kam aber das bächlein her! B. der unterschied ist bedeutend sehr: 's wird immer mehr fremden schmack gewinnen; es mag nur immer weiter rinnen. 2@bb)
theologisch-philosophisch. zunächst im anschlusz an den mystischen begriff des ursprungs (ursprung B c)
etwa '
wesen dieses ursprungs habend',
dann mit allmählichem verlust der mystischen vorstellung in 3
übergehend: gotes wesen ist ... ein ursprunclich wesen
myst. 2, 514, 40
Pf.; der rivier ist ursprunclich, da einekeit inne weset 2, 516, 23
Pf.; ein ursprunclich licht 1, 129, 16
Pf.; 129, 21
Pf.; das ewige und ursprüngkliche liecht Mathesius
Sarepta (1571) 55
a; gott der recht ursprünglich ausspender der gaben Fischart
ehzuchtb. 121
H.; aus welchen als ersten principiis und ursprünglicher materi alle natürlichen geschöpf und werk zusammengefügt ... werden Dannhauer
catechismusmilch 1, 12; gott ist die ursprüngliche weiszheit Kramer 2 (1702) 891
c; habe ich ... nicht geruhet, bis ich zu den letzten ursprünglichen gründen kommen Leibnitz
d. schr. 1, 266; Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 146; ursprünglicher lebensgeist Bettine
Günderode 1, 393; ursprüngliches seyn Fichte 1, 500.
adv.: alle ding ..., die von got ursprungklich kummen Lanszpurg
schöne underrichtung (1518) f 3
b; Jac. Böhme 4, 169; und ist in ihm selbes ohne creatur, uhrsprünglich und wesentlich, aber nicht förmlich J. Arndt
theologia 42.
rein rationalistisch: ain ursprüngliche ursach Schwarzenberg
Cicero (1535) 50
b; Schottel
haubtspr. 16; Kramer 2 (1702) 1221
c; die ursprüngliche ursache eines dinges Adelung;
im engsten sinne heiszt gott ein ursprüngliches wesen,
sofern er den grund seines daseins in sich selbst hat Adelung.
idea, ein ursprüngliche gestalt Alberus (1540) 74
a; die erscheinung jener ursprünglichen idee Solger
Erwin 1, 155;
subst. das ursprüngliche Brentano 5, 382; im ganzen und ursprünglichen war ja das seyn eins und allgemein Solger
nachgel. schr. 2, 246. 33)
die vollausgebildete übertragung, ursprung C
entsprechend, ist am reichsten entwickelt, die schattierungen dieser bed. sind hier nicht zu erschöpfen. 3@aa)
nach ursprung C 1,
dem ursprung anhaftend, von ihm bedingt, mit ihm gegeben, anfänglich, altes, früheres, erstes, eigentliches bezeichnend, dann bed. e
sich nähernd. primigenius anfenklich, u. Frisius 1037
a;
primo Diefenbach
gl. 459
b: damit wyr die klöster widderumb bringen ynn yhr alt, erst, ursprunglich reformacion und wesen, das sie seyen christlich schulen Luther 10, 1, 1, 700
W.; was man ernüweret, musz ... widerum zuo siner ursprünglichen erste bracht werden Zwingli
d. schr. 1, 61; ain ursprúnglicher anfang Österreicher
Columella 2, 149; H. Sachs 16, 192, 6
G., tittel S. Franck
chron. Germ. (
Augsb. 1538) 74
b, beschaffenheit Chr. Weise
überfl. gedanken 8
ndr., harmonie J. B. Scheibe
freimüthige gedanken (1732) 34, glanz Bodmer
crit. poet. schr. 1, 35, bestimmung Cramer
nord. aufseher 1, 277, verbindlichkeiten Th. Abbt 6, 2, 25, verfassung Herder 12, 88
S., fröhliche wissenschaft 18, 37
S., grundsätze Kant 3, 18
ak. ausg., stockung Göthe 7, 227
W., ihr (
der religion) ursprüngliches reine IV 27, 237
W., gestalt
Faust 7812, eindruck IV 42, 274
W., güte Wackenroder
herzensergieszungen 232, verschiedenheit Schleiermacher
Platon 6, 13, sinn Novalis 3, 45
M., absicht Holtei
erz. schr. 18, 43, schlechtigkeit
M. Meyr
a. d. Ries 1, 71, namen Stifter 3, 239, zorn G. Keller 2, 247, vorschlag Ranke
s. w. 4, 6, plan H. v. Barth
Kalkalpen 293, zustand Scherer
literaturgesch. 39, ort Lagarde
d. schr. 4, gegensatz D. Fr. Strausz 6, 17
u. s. w.; der ganze zauberpalast mit all seiner herrlichkeit kehrte in sein ursprüngliches nichts zurück Musäus
volksmärchen 1, 19
H.; ein kurzer seidner überwurf, dessen farbe in das ursprüngliche nichts zurückgekehrt E. T. A. Hoffmann 14, 151
Gr.; H. Heine 3, 383
E. dieses ursprüngliche ackermaasz Eichhorn
staats- u. rechtsgesch. 1
3, 248, wand Stifter 5, 1, 146, thürklopfer, platz, stammsitz G. Keller 2, 170; 4, 224; 3, 167, moorpflanzen Allmers
marschenb. 1/2, 87, besitzer Moltke
schr. u. denkwürdigkeiten 1, 173, gläubiger
bürgerl. ges.-buch 369, 2.
selten prädicativ: wenige altäre sind noch u. (
in dem früheren, ersten zustande) Allmers
marschenb. 1/2, 145. die unschuld die hat immer das ursprünglichste recht Bettine
dies buch geh. dem könig 2, 409. etwas ursprüngliches und anfangsmäsziges Stifter 3, 193. —
adv.: das orsprunclichen (
von anfang an, wie es entstanden, gekommen ist) uffs newe zu vorzelen nicht ist vonnoten (1476)
acten der ständetage Preuszens 5, 289; dieselben haben das u. von dem Yppocras gehebt Mynsinger
von d. falken 48
lit. ver.; Folz
meisterlieder 28, 31
M.; Salzpurg ist ein uralte stat, welche auch vor Christi gepuert ursprünklich angefangen wuert H. Sachs 22, 480, 17
G.; Luther 26, 196
W.; diese lehrjahre sind bei der kaufmannschaft u. (
von jeher) hergebracht Möser 1, 119; diese wesen sind theils u. schon verbunden, theils finden und vereinigen sie sich Göthe II 6, 10
W.; ich hegte u. die absicht ... H. Heine 1, 483
E.; seine sympathien waren u. mehr nach Berlin als nach Wien gerichtet Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 60
volksausg.; dies etablissement ... war u. ein bloszes fischerhaus gewesen Fontane I 5, 107; in Polynesien fehlen u. säugetiere (
später sind sie eingeführt) Ratzel
völkerk. 2, 115. '
eigentlich' (Weigand
syn. 1, 328)
sich nähernd: (
könige) welche u. den namen magog haben Luther 30, 2, 224
W.; sam kumt das unglück mit gefehr von diesen gar ursprünklich her H. Sachs 1, 420, 8
K.; dieses komt u. daher Wiederhold (1669) 403
b; diejenige, auf die es u. angesehen war Zendorius a Zendoriis
winternächte (1682) 126; Gellert, ... dessen stücke das meiste u. deutsche haben Lessing 9, 273
M.; in dem dritten versuche wird das hauptphänomen ... unrichtig als scale dargestellt, da es u. aus einem entgegengesetzten ... besteht Göthe II 2, 112
W.; es ist freilich u. für ein geistreiches publicum geschrieben I 40, 84
W.; später habe ich erfahren, dasz der name ... u. Gézimbal laute Holtei
erz. schr. 1, 47; die bezeichnung, die u. nur der dienstthuenden bürgerreiterei zukam Mommsen
röm. gesch. 2, 109; die idee der nationalsouveränität war auch dem parlament u. entgegengesetzt Ranke
s. w. 4, 6; u. hatte ich daran gedacht, zu ... H. v. Barth
Kalkalpen 248; eine ihnen (
Miltons bildern) u. fremde idee Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 35. —
selten attributives adj.: auch am Niemen ... ist Deutschland, aber hier ist das ursprüngliche Deutschland E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 54.
substantiviert: ich fing nun an, diese verwickelung aufzulösen und ins ursprüngliche umzusetzen Steffens
was ich erlebte 1, 221. 3@bb) ursprung 2
entsprechend: von den teutschen Franken, die die rechten und ursprünglichen Franken sind S. Münster
cosmographey 92; das fünfte geschlecht ... behelt allein ... sin ursprungkliches herkommen Heyden
Plinius 405; wiewol ... sölche ursprüngliche sachen ... in vergess kommen und verblichen Stumpf
Schweizerchron. 294
a; natürliche erbursprüngliche Teutsche Opitz (1690) 2, 265; er hält sie (
die Abyssinier) für ursprüngliche Afrikaner Ritter
erdk. 1, 194.
adv.: die bischöff sind allezammen u. von den leut härkummen Keisersberg
predigen 2, 112
a; etlich ... personen (
sind) ... ausz dem solmischen gräflichen stamm u. herkommen Kirchhof
milit. disciplina x 2
b; sünde ..., welche ursprünglig den nachkommen Adams ist angeboren Fischart
bienenkorb 109
a; du fragst, woher ich sey geboren und führ ursprünklich mein geschlecht Spreng
Ilias 74
b; Moscherosch
insomnis cura 112
ndr.; wir vermuten nicht, dasz eine so falsche ansicht ... vom grafen C. selbst u. herrühre Göthe 46, 72
W.; auch dieser umstand berief den abgelegeneren dreifelderbauer zum bewahrer unseres ursprünglichsten nationalen herkommens W. H. Riehl
d. d. arbeit 82. 3@cc) ursprung C 3
entsprechend, oft von b
nicht zu unterscheiden; bes. von sprachlichen, literarischen, künstlerischen kulturellen erzeugnissen u. dgl.; vgl. ursprung C 2 d: dem ursprünglichen hebräischen text H. Röslin
prodromus (1612) 39; das ursprüngliche wort
primitivum Leser
fachw. 70; uhrsprüngliche teutsche wörter Morhof
unterricht (1682) 47, buchstaben Gottsched
sprachkunst 17, bedeutungen der endungen Gerstenberg
recens. 331
lit. denkm., sprache Niebuhr
röm. gesch. 1, 15, fassung dieser scene R. Wagner 6, 25
u. s. w. die (
hebräische spr.) als die älteste und ursprünglichste aufzustellen Fr. Schlegel 1, 127; einen formloseren und ursprünglicheren zustand (
der sprachen) W. v. Humboldt
ges. schr. 7, 3;
ungewöhnlich: die erklärung ist dem wortgebrauch am ursprünglichsten Herder
bei Campe
unter wortgebrauch; je lebendiger nun eine sprache ist ..., je ursprünglicher sie zum vollen, unausgesonderten laute der natur hinaufsteigt, desto minder ist sie auch schreibbar Herder 5, 11
S.; längst hatte jeder gebrauch den geist,
d. i. seine ursprünglichprägnante bedeutung ..., verloren 20, 77
S. adv.: es ist aber nit billich, dasz die sprüche werden zuogelassen, die da u. gend (
verfaszt sind) von denen, die von der kirchen sint verworfen und verdampnet
N. v. Wyle
transl. 192
K.; die zungen, darvon ursprünglich werden auf erden alle ketzerey H. Sachs 17, 297, 35
G.; 1, 53, 9
K.; Bastel v.
d. Sohle
don Kichotte (1648) 7; Gueintz
rechtschreibung 7;
ungebräuchlich: einen autorem, die schrift u. lesen und sich nicht mit der anziehung oder übersetzung vergnügen wollen Kramer 2 (1702), 1221
c; 891
c;
vgl. nl. wb. 11, 183; J. G. Forster 9, 318; ... man bedeutet, dasz die statue u. eine Venus seyn sollte Herder 15, 400
S.; was waren sie (
d. bardiete) u.? Kretschmann 1, 5; der abdruck ist u. (
in seiner alten gestalt) kostbar, nur verbräunt Göthe IV 42, 127
W.; das zweite rondo ... ist ... u. für ein walzwerk geschrieben O. Jahn
Mozart 4, 19; sprüche, die u. nicht volkssprüche sind W. H. Riehl
d. d. arbeit 174; die Nibelungensage enthielt u. eine menge mythologischer wunder Scherer
literaturgesch. 104. W. Grimm
heldensage (1829) 395
erklärt, was er unter u.
in beziehung auf die sage versteht: ich verstehe darunter diejenige gestaltung, welche sich ... der betrachtung als die vollkommenste ergibt ... das ursprüngliche bezeichnet also nur die grenze, bis zu welcher wir von unserm standpunkte aus sehen können. 3@dd)
schwach und undeutlich entwickelt sind ursprung C 4
entsprechende causale beziehungen: dieses eines geizigen aus einer falschen einbildung ursprüngliches (
herrührendes und darin begründetes) wünschen ist ... unersättlich
Leipziger avanturieur (1766) 1, 171; ein ursprüngliches (
maladie essentielle) leiden Sachs-Villatte.
öfter adverbial: u. kumbt des menschen gesund von got, darnach würcklich von der artzeney, ordenlich vom wolhalten, speislich aus der püxen oder apoteken B. v. Chiemsee 31
R.; dergleichen magnetische kraft u. herlangt von einer ubernatürlichen ursach
theatrum amoris (1626) 1, 51; solche krankheiten kommen u. daher, dasz ... Harsdörffer
gesprächsp. 1, b 4
b; Butschky
Pathmos 462; J. G. Schmidt
rockenphilosophia 1, 9.
wie die letzten beispiele zeigen, geht der eigentliche bedeutungsgehalt verloren, so dasz d
an a
angeglichen wird. 3@ee) ur- C 1
wird seit der 2.
hälfte des 18.
jhs. etwas in ur- C 4 c
umgedeutet; vgl. ursprung 5. '
da ein ding in seinem ursprunge am meisten das ist, was es sein soll, unverändert, unvermischt von und mit anderem, so ist mit u.
auch zuweilen der begriff der reinheit, unverdorbenheit, vorzüglichkeit verbunden' Campe.
der wandel der bed. vollzieht sich fast unmerklich, theilweise unter einwirkung fremder wörter (
s. 4): das zweite stück ... handelt von dem alten, ursprünglichen styl der ägyptischen kunst Winckelmann 3, 163; allenthalben sehe ich die natur in höchster zusammenstimmung zum wohlseyn des geschöpfs, in ursprünglicher, jeder region angemessener schönheit Herder 22, 83
S.; das edle geschöpf erbebt vor seinem wahren ursprünglichen bilde Klinger 4, 78; die ganze schöpfung in ihrem ursprünglichen, stillen und erhabenen schmucke 7, 236; ursprünglich eignen sinn lasz dir nicht rauben! Göthe 3, 359
W.; ich wandle auf weiter bunter flur ursprünglicher natur 2, 215
W.; ursprünglich-bieder (1834) 52, 102; das romantische ist kein natürliches, ursprüngliches, sondern ein gemachtes, ein gesuchtes, gesteigertes
gespr. 2, 216
B.; das schöne hat mit allem ursprünglichen das gemein, dasz es ohne merkmal erkannt wird
F. H. Jacobi 6, 162; die freiheit der ursprünglichen einwohner (
ureinwohner) J. G. Forster 4, 18; tätigkeit ist die ursprüngliche eigenschaft der wesen Novalis 3, 130
M.; sehnsucht nach der ursprünglichen form des christenthums J. H. Voss
antisymb. 2, 72; so ist denn des geistes sclaverei dran schuld, dasz seine ursprüngliche regungen unterdrückt und er sich selber fremd wird Bettine
dies buch geh. dem könig 1, 120; den ursprünglichen kinderglauben Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 37; ursprüngliche einfalt ..., unschuld und tugend Raabe
Horacker 184; die orientalische poesie als den mittelpunkt aller ursprünglichen volksdichtung Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, x; so schöner ursprünglicher (
urwüchsiger) wald Stifter 2, 183; die ursprünglichsten rechte der menschen Gutzkow 11, 155 (
vgl.a); Lotze
mikrokosmus 1, 4; ... weil in A. ... die katzen ... ein ... ursprüngliches gepräge zeigen Brehm
tierl. (1890) 1, 389; der geburt ursprüngliche reinheit geht ihr verloren Geibel 2, 213.
selten prädicativ: eine feste burg ist unser gott aus g-dur und a-moll. letzteres u. und höchst bedeutend Göthe III 6, 260
W.; o, das (
ein schlachtlied) ist grosz, das ist u.! Brentano 4, 237; wie schön und u. ... ist die bestimmung des landmannes, wenn er sie versteht und veredelt! Stifter 3, 216. 44) u.
als übersetzung fremder wörter, oft terminologisch. 4@aa)
originalis u. Diefenbach
gl. 400
c.
um die mitte des 18.
jhs. wird u.
unter einflusz des franz. original
gebräuchlich (
neben dem fremdwort original). Schulz-Basler 2, 269.
th. 7, 1347: er (
W.) gestand damals Heyne, dasz er in Mengs 'mehr ... den geometrischen, metaphysischen, ursprünglichen kopf ... schätze' Justi
Winckelmann 2, 1, 29; unsre ursprünglichen dichter Lessing 2, 4
L.; spottend mit dem in originell (Schulz-Basler 2, 273, 2)
entwickelten nebensinn des komischen: so mancher 'ursprüngliche' Hebbel
briefe 6, 111
W.; ein wurf mit dem prügel unter das heer der 'ursprünglichen' 6, 300; einem ursprünglichen
werke 6, 350
W.; Bileams esel, du muster naiv-ursprünglicher dichter! während der herr aus dir sprach, sahst du nach disteln dich um
w. 8, 60
W. ursprüngliche charaktere Lessing 10, 148
M.; einen so ursprünglichen geist Sartorius v. Waltershausen
Gausz 19; kein ursprüngliches dichtwerk Brentano 5, 429; Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 4; einem akteur von ursprünglicher empfindung Lessing 9, 194
M.; ursprüngliches talent Göthe
gespr. 6, 262
B., darstellungsweise Mörike 3, 36, originalität Pocci
komödienbüchlein 194; des mädchens ursprüngliche schöne natur Mörike 9, 65; sie war ... jene ursprüngliche natur Gutzkow 3, 254; warm-ursprüngliche natur Scherer
literaturgesch. 171; Treitschke
d. gesch. 4, 27. ein ganz ursprüngliches (
originelles) mädchen (Kosegarten)
wird von Campe
verd. wb. (1813) 451
b getadelt; doch vgl.: einen so ursprünglichen menschen Brentano 5, 201; diese unruhe war geweckt worden durch den ... satz, dasz es heutzutage keine ursprünglichen menschen, keine originale mehr gebe, sondern nur noch dutzendleute und gleichmäszig abgedrehte tausendspersonen G. Keller 6, 7.
im prädicat: ein buch, worin es im geist der verkanten Griechen sich regt, von sich selber, die gestalten nicht nachahmend, die auch ursprünglich, lächelnd auf ähnlichung sehn Klopstock
oden 2, 33
M.-P.; adv.: in denjenigen rollen, die er (
d. schauspieler) nicht u., sondern nach irgend einem guten vorbilde spielet Lessing 3, 19
Kurz; originaliter oder ursprünglicher weise Ph. Hafner
lustsp. (1812) 2, 223.
subst.: etwas ursprüngliches Göthe 49, 278
W.; fürst Pückler 1, 304. 4@bb)
für originarius:
generatio originaria die ursprüngliche erzeugung Bischoff
wb. d. beschr. botanik 137. 4@cc)
für originär
im sinne der phänomenologie Husserls. der ursprüngliche kläger
demandeur originaire Sachs-Villatte. 4@dd)
für primitivus:
primitivum ursprenglich wort Wolffstirn (1649)
bei Leser
fachwörter 70; urspringliche sind, die von keinem andern herkommen Gueintz
ebda; Kramer 2 (1702), 1221
c; 891
c; eine ursprüngliche sprache Gottsched
das neueste 8, 797;
beobachtungen (1758) 197; A. W. Schlegel
Athenäum 1, 65; was Deutschland ist? es ist zuerst ein land, das seine sprache aus sich erzeugt und seinem geist, ursprünglich; und wie die sprache, ist das volk: ein urvolk! Bauernfeld 5, 144.
für primitiv,
urzuständlich, unentwickelt: im zustande eines noch ... ursprünglichen ackerbaues E.
M. Arndt 1, 11
R.-M.; ursprüngliche hirtenpoesie Herder 23, 301
S. Rückert 2, 471; Scherer
literaturgesch. 4; das ursprüngliche und natürliche Nietzsche 1, 57.
in abfälliger bed.: wir hatten uns unterdes auf eine sehr ursprüngliche bank gesetzt Seidel
Leberecht Hühnchen 239. 4@ee)
für primordial Kinderling (1795) 317; ursprüngliches recht
droit primordial Sachs-Villatte. 4@ff)
für primär: primäre bilder, erstlich als ursprüngliche Göthe II 1, 91
W.; ursprüngliche farben I 40, 193
W. 4@gg)
für authenticus, authentisch: ursprüngklich brieff Riederer
rhetoric (1493) r 6
b; hier ist die ursprüngliche beglaubigung Tieck (1828
ff.) 10, 120.
vgl. autor ein ursprunklicher meister
vocab. predicantium (1486) c 4
a; der anfenglich und ursprünklich author H. Sachs 6, 9, 8
K. vgl. nl. wb. 11, 184. 55)
durch gegensatz ergeben sich specialisierungen; z. b.: alles aber ... soll u. deutsch seyn, und man schlieszt also alle übersetzungen ... aus J. J. Schwabe
belustigungen 1, 14; das einfältig ursprüngliche im gegensatz zum gekünstelt nachgeahmten Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 89. abgeleitete und ursprüngliche begriffe
allg. d. bibl. 2, 2, 139, farbe Göthe II 5, 1, 110
W.; IV 33, 99
W.; IV 20, 89
W.; das schlimmste, was der physik sowie mancher andern wissenschaft widerfahren kann, ist, dasz man das abgeleitete für das ursprüngliche hält, und da man das ursprüngliche aus abgeleitetem nicht ableiten kann, das ursprüngliche aus dem abgeleiteten zu erklären sucht II 1, 286
W.; Europa 2, 26
Schlegel; das gemischte und das ursprüngliche Göthe II 2, 223
W.; ursprüngliche theile
im gs. zu den restaurierten I 47, 26
W.; ursprüngliches gestein
im gs. zu todtliegendem 30, 9
W. ursprüngliche sammlung
im gs. zu neu hinzugekommenen Ranke
s. w. 37, vi. das ursprüngliche, waare stuck,
gs. ebenbild Harsdörffer
gesprächsp. 1, b 8
a. die ursprünglichen worte (
der composition),
gs. die neu untergelegten O. Jahn
Mozart 2, 402. das ursprüngliche vermögen,
gs. das durch zinsgewinn vergröszerte Schleiermacher
Platon 6, 422
u. s. f. 66)
zusammensetzungen, wie sie Sanders 2, 1159
b bietet (grund-, tief-, waldursprünglich),
sind nicht lebendig. oben begegneten die zss. prägnantu., warmu.
anderseits ursprünglicheinheimisch K. O. Müller
Dorier 1, 201; ursprünglich-inneres Heinse 4, 198
Sch.