ursacher, -sächer,
m.; ursächel Fischer
schwäb. wb. 6, 302. ursacher, -secher
aus quellen des 15. u. 16. jhs. Lexer 2, 2011. autor, ein ursprunklicher meister,
vel ursach,
vel ursecher
vocab. predicantium (1486) c 4
a. Diefenbach
gl. 59
c.
mnd. orsaker;
nl. oorzaker. Alberus
author ursächer, ursacher.
heute zu gunsten von verursacher, veranlasser
u. dgl. zurückgetreten, im 18.
jh. als oberdeutsch empfunden (Adelung, Heynatz
antibarb. 2, 544),
im 19.
jh. noch bei einigen autoren und rechtssprachlich vorkommend (Krünitz 202, 360),
von mundarten theilweise festgehalten (Staub-Tobler 7, 122; Martin - Lienhardt 2, 320; Fischer 6, 203
veraltet; Autenrieth 144; Crecelius 857).
eine rechtssprachliche entwicklung hat u.
eigentlich nicht erfahren (
vgl. Staub-Tobler
und Krünitz
a. a. o.; Carolina 61),
vielmehr folgt es überwiegend dem sinne des lat. autor. vgl. sacher, hauptsacher, hauptursächer Scheffel
Eckehard (1855) 408, verursacher. aa)
von personen. mit genitiv: die obersten lieszent in schenken, sam sie weren gantzer freiheit ursacher Meisterlin (1488,
Nürnberg)
städtechron. 3, 146; sollichs übels ain ursacher A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) a a 8
a; (
Christus) ist ... ain ursacher des menschlichen hails Keisersberg
penitenz 35
b; so müssen dannoch so vil böser thaten, der er aller anreitzer, zuoschürer und ursacher geweszt, bey ime ungestrafft billich nicht bleyben Luther 30, 3
W.; den ursacher oder erdichter aines sölchen geschreis Grünbeck
spiegel der natürl., himml. u. prophet. sehungen b 3
b; falscher lere u. Hedio
chron. Germ. a 1
a; der vater und u. aller freundschaft, Cupido S. Franck
moriae enc. 97, 6;
vgl. b. d. liebe 194
a; dieser fründtnisse fürnembste ursächer Falkner
franz. chron. (1572) 1, 9; eyn ursecher und stifter diser statt Carbach
Livius 5
a; der gemachten aufruhr ein fürnemster ursacher und redleinführer Waissel
chron. (1599) 189
b; ein ursacher ihres tods Grimmelshausen 4, 804
Keller; desz streits ursacher Lehman
florileg. (1662) 3, 26; gleich als ob solches verwegenen nachdrucks ich ein ursacher were
Königsberger dichterkr. 256
ndr.; wir wollen nicht gerne ursacher einiger ungelegenheit seyn
pedant. irrthum (1673) 237; er erzurnete sich über den jäger als einen ursacher seines heftigen schreckens Scriver
andachten (1721) 5; den ursacher ihres verderbens J. J. Schwabe
belustigungen 3, 190; dasz ihr gott zum u. eurer sünden macht J.
M. Miller
predigten fürs landvolk 1, 67; ich bin ein ursächer eurer bekümmernisz Musäus
volksmährchen 1, 91
H.; Fouqué
zauberring 3, 25; zertritt ... deines hohns ursacher Tieck (1828) 1, 216; Zschokke 37, 148; Scheffel
Ekkehard (1889) 85; denn er erscheint als der moralische ursächer des sündenfalls D. Fr. Strausz 5, 331.
bes. von gott: himmlischer und irdischer ding ein anfänger und ursacher Paracelsus (1616) 2, 519
H.; theatr. diabol. (1569) 11
a.
mit präpositionsbestimmungen: got ist kain u. zuo pOesem B. v. Chiemsee 173
R.; der u. zu der böhmischen unruhe Prätorius
saturnalia 53. daran war mein wirth ursacher Grimmelshausen
Simplic. 282
Kögel; A. Volk
entdecktes geheimnis (1750) 1, 409. zu einem manne, den wir ... als den geschlagenen ursächer von Friedrichs zweiter zuchthausstrafe kennen Herm. Kurz
der sonnenwirth (
d. bibliothek 4) 263.
mit dasz-
satz: ist das der ursacher, dasz die Samii mynen gebotten nit wöllend gehörig syn? Steinhöwel
Äsop 66
Ö. ohne nähere bestimmungen: das sie ursacher, stifter und anreger sind Melanchthon
corp. doctr. christ. 233; die ursacher straffen S. Franck
chron. Germ. (1538) 71
b; H. Sachs 16, 288
G.; wer der ding ursachen bringen will ans licht, der verhüllt nur des ursachers angesicht Rückert
tageb. 87 (
vgl. oben). bb)
von nichtpersönlichem: er nent hie die ougen, dann die sind ursecher aller meist aller lieb
Terenz (1499) 115
a; einen morbum ..., den ursächer oder thäter Paracelsus (1616) 1, 367 c
H.; 1, 6 c
H.; gnediger herr, (
ich bin) ein prillenmacher; das ist meins laufens ein ursacher H. Sachs 9, 257, 21
K.; (
das geld) ein uhrsacher der sorgen Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. (1682) 1, 7; indem ... der viele regen und der schwämmigte bodem die ursacher gewest Lohenstein
Arm. 1, 373
a; der leib ... ist ein u. aller laster Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 117.
dazu ursacherin, -sächerin, f.; vgl. hauptsächerin: die ursecherin alles übels Steinhöwel
ber. frauen 128
Dr.; desz ein ursächerin Paracelsus
op. (1616) 2, 518
H.; nun, weil die recht ursacherin im feuer ist gerichtet hin H. Sachs 8, 129, 2
K.; Kirchhof
wendunmuth 1, 26
Ö.; Feyerabendt
ungar. chron. 135
b;
Amadis 1, 228
K.; die kirche ... ist ein ursächerin, dasz ... Fischart
bienenkorb 27
b; Fr. v. Dachsdorf
wintertages schäfferei (1676) c 4
b; Harsdörfer
gesprächspiele 3, 95; Lehman
florileg. 3, 206; weil ich an solcher that ein ursächerin gewesen Grimmelshausen 3, 71
Keller; wie viel sie aber selbsten ursacherinnen solcher plagen weren, wissen sie leicht zu erachten Gorgias
jungferl. zeitvertreiber (1671) 108; vorzuwenden, dasz die schwachheit der füsze dieses unglücks ursächerin seye Abele
gerichtshändel 1, 455; unvorschreiblichste ursächerin (
als schwäbisch)
allg. d. bibl. 3, 2, 304; Pfeffel
pros. vers. 2, 4; dieses unglücks eine grosze ursächerin ist die mode E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 157. —