urkraft,
f. ,
kraft mit ur- C 4 c,
bildung des 18.
jhs., seit Brockes
belegt; '
die erste ursprüngliche kraft eines dinges' Adelung.
nl. oorkracht
germanismus (
nl. wb. 11, 56).
über das ausweichen der bedd. s. kraft II 11.
vgl. grundkraft. 11) kraft II 1
entsprechend, von physischer kraft, oft ins geistig-seelische übergehend (kraft II 2): milde, schonung und nachsicht lag schon in der u. unserer väter Pestalozzi 6, 101; Alpensöhne in echter urkraft, schlichter schöne A. Grün 4, 194; Rosegger
sündergl. 239; Mercur ... zerprügelt ihn wiederholt mit göttlicher u. Treitschke
hist. und polit. aufs. 1, 91; kriegerische u. v. Alten
hdb. f. heer u. flotte 1, 282.
personifiziert: Phtas und die Neith,
d. i. die männliche und weibliche u. Creuzer
symb. 1, 311; Immermann 20, 79
B. von thieren: im felsenneste fühlt sich der adler schon voll seiner urkraft! grafen Stolberg 1, 12.
von zeugungskraft: entsprechend seiner ... u. hatte unser bock ... eine zahlreiche nachkommenschaft erzeugt Brehm
thierl. 3, 184
P.-L.; welschen ist fälschen, entmannen der u. Fr. L. Jahn 2, 11
E. 22)
wie bei kraft II 2
drängt das geistig-seelische vor: der löwe gottes ..., daher ist er das bild der u. Jung-Stilling 3, 107
Gr. 33)
von geistes-, gemüts-, seelenkraft (kraft II 3): und wenn sich nun doch ein genie durcharbeitet, so ist es gewisz in seiner u. um desto gröszer und bewunderungswürdiger Lose
schattenrisse 3, 30; das neue, erste, ganz verschiedene zeigt die u. seines (
Shakespeares) berufs Herder 5, 218
S.; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 32; D. Fr. Strausz
Schubarts leben in s. br. 1, 30; O. Ludwig 4, 3; seine (
meines geistes) u. ist noch ungeschwächt Bürger
br. 3, 92
Str.; die entschlummerte u. unseres geistes Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 466; Ayrenhoff 5, 77; der wille ist die dunkelste, einfachste, zeitloseste u. der seele, der geistige abgrund der natur Jean Paul 44, 31
H.; J. H. Vosz
s. ged. 4, 144; 5, 73; die u. der menschheit
F. Schlegel 5, 168, des denkens Pestalozzi 13, 99; urkräfte des menschen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 249; dämonische, geniale, strotzende u. Gutzkow (1872
ff.) 9, 339; Scherer
kl. schr. 1, 118; W. Kirchbach
bei Arent-Conradi-Henckell
dichterchar. 266; dort hat auch der geist bewahret seine krone, seinen scepter, seine urkraft frisch und hell Uhland
ged. 2, 318
Schm. auch von erzeugnissen dieser kraft: die u. der teutschen sprache Kretschmann 1, 33; einen gedanken in seiner u. Bettine
dies buch geh. d. könig 1, 127; die u. des volksliedes Auerbach 10, 106.
an original streifend: wenn sie (
die Grasmannschen stücke) schon nicht leben und weben eigner u., nicht originalschöpfungen sind, so haben sie doch einen ... vorsprung Trierweiler
tageb. der Mannheimer schaubühne (1787) 234; von diesen sind die sprüche der propheten eigentlich nicht anders als wie das schwächere vom stärkern, das spätere, oft nachgeahmte von der alten u. verschieden Herder 12, 19
S. 44)
ursprüngliche keimkraft, von naturkräften und philosophischen begriffen (kraft II 4): geliebte blum, er (
Heidenreich) fand dein fremdes wesen schön und wehrt, dasz dein geschlechte von andern völkern auch gesehen werden mögte. drum nahm er, da es nicht dein zartes wesen litt, dich selbst in deinem flor mit sich zu nehmen, die urkraft in dem saamen mit Brockes 5 (1736) 97; langsam des keims urkraft entfaltend, stieg sie (
die Bragoreiche) empor J. H. Vosz
s. ged. 3, 12; auch mit ausgang der Karolingerzeit war die u. des waldes noch längst nicht gebrochen
hwb. d. staatswiss. 4
2, 628; unseres seins urkraft, sie unauflösbar dem tode Klopstock
Messias 7, 214; in des kommenden mittlers gebehrde war, in dem antlitz des überwinders, mit göttlicher ruhe überstrahlt, urkräfte begannen durch sie! war allmacht
Messias 16, 593; schaffende, geheimniszvolle u. Herder 13, 397
S.; Göthe II 4, 150
W.; u. der natur Schiller
Thalia 10, 17, des all J. G. Forster 9, 334, des meeres Göthe
gespräche 6, 290
B.; diese urkräfte des weltalls J. G. Forster 3, 139; u. der erde E. Th. A. Hoffmann 1, 251
Gr., aller dinge Fr. L. Jahn 1, 164
E.; urkeime und urkräfte des lebens E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 253.
bes. philosophisch ('u.
ein von einigen neuern eingeführtes wort' Krünitz 202, 185): die wahre ur- und grundkraft alles körperlichen ist das anziehende wesen, was ihm gestalt gibt Schelling I 8, 243; Fichte 4, 111; Novalis 3, 183
M.; aber stets werden (
unerklärte) urkräfte übrig bleiben Schopenhauer 1, 180
Gr.; Hegel 6, 273; Windelband
gesch. d. n. phil. 2
4, 249. grundkräfte oder urkräfte
th. 4, 1, 6, 834.
persönlich: alle u. der erde wird ihre faust ballen auf den sammetbänken unserer parlamente (
vgl. 1) G. Freytag 15, 3. 55)
von gott und göttlichen eigenschaften (kraft II 5): dasz dich der liebt, der diese himmel ins leben gehauchet, dem sich diese sonnen, von seiner urkraft gezogen, zitternd nähern Wieland I 2, 8
ak. ausg.; wer sagt uns, dasz wir selbst und die welt ... etwas mehr sind als gedanken gottes und modificationen seiner u.?
M. Mendelssohn 2, 352; die drey urkräfte in gott
allg. d. bibl. 62, 41; gott die u. aller kräfte Herder 16, 453
S.; ihre (
der Ägypter) götter waren ... urkräfte der welt 6, 342
S.; das absolute die u. des universums Schelling I 6, 227; Holtei
erz. schr. 24, 166. 66)
wie kraft II 9
von mechanisch physikalischen kräften: obwohl die adhäsions- und cohäsionskraft mit der schwerkraft grosze ähnlichkeit zeigen und nur eine u. ihren wirkungen zum grunde liegen mag, ... so dürfen wir sie doch nicht als gleichbedeutend nehmen Sprengel
chemie f. landwirthe 1, 27.
im bilde: von des gesetzes urkraft gezogen, schweb ich schnell durch der welten raum Körner 2, 259
H. 77) kraft II 11
entsprechend, von hervorbringender kraft, wirkung: die neigung zum vergnügen, diese u. eines nützlichen fleiszes Sturz 2, 113; mit der leisen bewegung der urkraft, wie in dem himmel sie gott anschuf, berührte des engels wehen, indem er sich wandte, den todten Klopstock
Messias 16, 448; die ersten grundgesetze der sittlichkeit, die jetzt von unsern moralisten und dichtern dergestalt von grund aus durchwässert sind, dasz man ihre göttliche u. kaum noch zu schmecken vermag ...,
soll die bardendichtung wiederherstellen Kretschmann 1, 11. —