unzart,
adj. adv.,
gs. zu zart (
s. d.).
erst bei Campe
verzeichnet. mit umlaut unzärter G. H. Schubert
reise durch d. südl. Frankreich 2, 76. zart I 2
entsprechend: ich bin ain lebend todenleich. das macht ain unzarts frauenbild Fischart
flöhhatz 123
H. nach zart I 3: auszerdem sieht man die unzärtere alse (
clupea alosa) und nicht selten den fliegenden häring G. H. Schubert
reise durch d. südl. Frankreich 2, 76; es drang der dorn zäh unzart in die zart unzähe zehe Tieck (1828
ff.) 18, 208.
bes. gs. zu zart II 1;
vgl. undelicat.
von personen: einen kleinen ansäuerlichen beischmack unzarter persönlichkeit E. Th. A. Hoffmann 4, 26
Gr.; in S.
traf ich ... den gegen unsern einzigen Herder unzarten ... Wolf Gerning 1819
an Knebel bei Düntzer 2, 182; ihr seyd unzart, wenn ihrs fordert Kotzebue 39, 38; du kennst meine art, solche gelegenheiten nicht unbenutzt zu lassen, wenn ich gleich vor ihr auch fürchten würde, u. zu sein fürst Pückler
briefw. 2, 398; je stärker dieses bedürfnis (
des wohlthuns) ist, um so weniger denkt er sich in den andern hinein ..., er wird u. und beleidigt unter umständen Nietzsche 4, 263.
von nichtpersönlichem: unzarte behandlung H. v. Egloffstein
in Geigers Göthejb. 6, 6; dieses unzarte und schwerfällige interesse Immermann 18, 159
B.; unzarte anspielungen Holtei
erz. schr. 18, 163, vertraulichkeiten 22, 78, späsze Gervinus
gesch. d. d. dicht. 2, 44.
prädicativ: aber er hielt es für u., das eine bitte zu nennen Jean Paul 20/23, 385
H.; E. Th. A. Hoffmann 9, 180
Gr.; aber das ist u. A. v. Arnim 15, 73
Gr.; unzart für andre ist die zarte liebe Platen
Berenice 1, 2
lit. dkm. 124, 115; ihre frage ist höchst u. W. H. Riehl
Eisele u. Beisele 226; Stifter 4, 1, 218; Ruge 7, 83; es ist u. von ihnen ..., über solche dinge zu scherzen Schnitzler
d. grüne kakadu 115.
substantiviert: das unzarte H. Smidt
a. d. tageb. eines nord. seemannes (1830) 27; O. Jahn
Mozart 4, 500; das unzarte dieser worte lag in dem ton Gutzkow (1872
ff.) 7, 163.
adv.: formulare ..., die diesen heiligen gegenstand kaum anders als trokken und u. behandeln können Schleiermacher I 5, 129; K. J. Weber
Deutschland 3, 378; dasz kein roher dich ergreife, unzart dir vom fittich streife deinen überzarten duft! Rückert 1, 511;
adv.: einer groszen, zarter oder unzarter sich äuszernden begehrlichkeit Uhland
schr. z. gesch. d. dicht. u. sage 5, 36; er ... fühlte nie u. Gutzkow
ritter vom geiste 4, 403; welches recht haben sie, u. die stillen keime meines gefühls zu vernichten? G. Freytag 2, 167.
vgl.unzarter weise Raupach
dram. w. kom. gattung 2, 13; auf so unzarte weise Hauff (1890) 3, 73.
dazu unzartheit, f., gs. der zartheit d: man könnte ihn einen ausbund von u. schelten Fr. A. Schulze
die ganze familie, wie sie sein soll (1801) 101; u. des abfassers (
der antwort) Fr. v. Heyden
br. eines flüchtlings (1838) 2, 89;
theater 1, 255; du erwiederst mir dinge, die mein herz durch ihre ungerechtigkeit und u. zerreiszen muszten fürst Pückler
briefw. 7, 80; Spielhagen 3, 71;
äuszerungen von u.: sollte sie lachen oder vor unmut über diese u. weinen? Hauff (1890) 3, 100; O. Jahn
Mozart 4, 501; J. Joachim
br. 2, 128;
plur. unzartheiten Sanders
syn. (1882) 323. —