unverständlich,
adj. adv.,
nicht verständlich (
s. d.).
ahd. unfarstantlicho
insensibiliter, ahd. gl. 2, 165, 30;
mhd. unverstentlich (
vgl. unverstandenlich);
mnl. onverstandelijc, -like;
nl. onverstandelijk. a)
activ (
vgl. verständlich 2)
vernunftlos: die unverstentlichen ding A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) R 7
a; thiere Albertinus
th. 12, 1, 1588, 2
a.
ohne geistliches verständnis: die also unverstentlich und fleischlich seind Keisersberg
postilla 2, 41
b.
der sinne nicht mächtig (
von zornigen)
pilgerfahrt d. tr. mönchs 1543
B. unverständig: sein unverstendlich volk Luther 18, 371
W.; min unverstendlich red
F. Faber
pilgerbüchlein 357; hoffart machet auch, dasz der mensch ... in der frölichkeit ubermütig, in der traurigkeit u. (
fassungslos?) ... ist Albertinus
Lucifers königreich 30
L. veraltet. b)
passiv, gs. zu verständlich 3.
α)
von gehörseindrücken: so man ynen (
d. meerkälbern) mit irem namen ruofft, antworten sye mit irem unverstendtlichen blörren Eppendorf
Plinius (1543) 108; klang und hall, töne, gewäsch, der sprachen unverständliches gemisch, bitte, zärtlichkeiten Zesen
rosenmând (1651) 6; J. G. Forster 1, 303; Mozart
bei O. Jahn 2, 525; Schiller 13, 181
G.; Tieck (1828
ff.) 8, 253; Storm (1899) 7, 164. die dialecte ... sind mir fast ganz u. G. Freytag 4, 314.
adv. (sie) beschrieb u. murmelnd einen ... kreis Eichendorf 2, 446.
β) verständlich 3
b entsprechend. Luthers undeutlich
wird im Basler glossar (1523)
durch u.
erklärt; Kluge
v. Luther bis Lessing 90.
syn. kauderwelsch, rotwelsch, messingisch Weigand 3, 905; seltzam und u. Grimmelshausen
Simpl. 55
Kögel; befremdlich und u. Göthe
gespr. 8, 315
B.; weniger u., aber doch geheimniszvoll ist ein wandbild 30, 203
W. unverständliche wort, sprache, rätzel, redensart, sitten, unsinn, terminologie, grundsätze, wirrwarr, laune, händel Tauler
serm. (1508) 136
a; Grimmelshausen
Simpl. 19
Kögel; Lohenstein
Arm. 2, 154
a;
vern. tadlerinnen (1725) 1, 16; Lessing 10, 193
M.; Knigge
roman m. lebens 2, 52;
allg. d. bibl. anh. 53/86, 2015; Herder 16, 23
S.; Klinger 3, 85; G. Keller 4, 46; Ranke
s. w. 3, 203; die wunderlichsten und unverständlichsten stellen Göthe 41, 1, 183
W.; eine ihm unverständliche religion Gottsched
d. neueste 8, 249. unverständliche maschinen (
deren bestimmung und beschaffenheit nicht zu verstehen) G. Freytag
verl. handschrift 2, 135; gemäuer L. Steub
wanderungen im b. gebirge 59. du hast heute wieder deinen albernen, unverständlichen tag,
an dem man dich nicht versteht Raabe
hungerpastor 1, 127. das unverständlichste ... das ehrwürdigste
allg. d. bibl. 88, 237; im unverständlichen liegt der wahre verstand H. Beck
chamäleon (1803) 12; Rückert 8, 494. nit geachtet, ob dem schlechten ... man das unverstentlich sin werd oder nit
N. v. Wyle
transl. 8, 22
K.; da sol die red ... nit ... unverstentlich sin Riederer
rhetoric (1493) C 4
c; die antwurt des senats was u. und verwickelt Carbach
Livius 380
b; u. vorkommen Moscherosch
ges. (1650) 2, 1; Herder 22, 325
S.; in einer beynahe u. werdenden sprache Göthe IV 36, 60
W.; u. bleiben Bismarck
polit. reden 3, 20
K. adv.: was der poet vor gesagt still und u., das sagt er hie luter und clarer
Terenz (1499) 159
b; u. schreiben, sich ausdrücken Chr. Weise
erznarren 208
ndr.; Just. Möser 2, 325; das ... spiel des u. krummgewundnen lebens Schiller 14, 97
G. γ)
von personen (
vgl. verständlich 3
c): denn ich steure mit meinen genossen über das dunkle meer zu unverständlichen völkern J. H. Vosz
Odyssee (1781) 1, 184;
später: zu anders redenden;
vgl. 3, 301; anstatt dieser ... figuren kann kein künstler andre brauchen, ohne dadurch dunkel und u. zu werden Gottsched
d. neueste 8, 669; sich u. machen Kant 3, 245
ak. ausg.: ich musz befürchten, den meisten leserinnen u. zu seyn Heinse 3, 419
Sch.; Fr. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 7;
von motiven des handelns: sie sind mir völlig u. Holtei
erz. schr. 9, 101.
dazu unverständlichkeit, f., mangel an verständlichkeit und ihr gs. mhd. unverstentlîcheit. unverständlich
a entsprechend: das is sone u. unter der hiesigen armen bevölkerungsklasse G. Hauptmann
weber 49;
nicht schriftsprachlich, doch vgl.: galimatias, unsinn, u., verwirrtes geschwätz Kinderling (1795) 132. unverständlich
b α entsprechend: u. beim vortrage
schr. d. Götheges. 6, 185; so sprach sie ... ein kauderwelsch, das mit dem des alten Litauers um den preis der u. streiten konnte Fontane I 6, 199. unverständlich
b β entsprechend: so würde Ph. ... überclassisch seyn, wie einige neuere durch eine gelehrte u. classisch werden Gottsched
d. neueste 2, 378; dunkelheit, zweydeutigkeit und u. (
der schreibart) Eschenburg
entwurf z. e. theorie (1783) 221; Kant 3, 265
ak. ausg.; u. der terminologie, der lehrer, eines gegenstandes Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 59; Göthe 41, 1, 184
W.; F. Schlegel 3, 61; da der gedruckte text bis zur u. fehlerhaft ist Savigny
gesch. d. röm. rechts 5, 19; Lotze
mikrokosmus 1, 9; Rückert 7, 60; unverständlichkeiten Caroline 1, 175
W. —