unträglich,
adj. adv.,
gth. v. träglich (
s. d.).
mhd. untregelich;
mnd. undrachlik, -drechlik, -dragelik, -dregelik;
mnl. ondrachlijc;
nl. ondraagelijk;
schwed. odräglig.
bei uns seit dem 16.
jahrh. meist durch unerträglich (
s. d.)
ersetzt. umlautlose und mehrsilbige formen (untraglich Alt
b. d. croniken 60
a; Zwingli
freiheit d. speisen 30
ndr.; untragenlich
N. v. Wyle
transl. 323, 7
K.; Erh. Grosz
Grisardis zs. f d. altert. 29, 415; untregenlich, -trägenlich 29, 420; Eberlin v. Günzburg 2, 130
ndr.; untregelich Steinhöwel
berühmte frauen 64
Dr.)
erscheinen im frühnhd. Adelung
führt u.
nur noch als bibelwort an. a) untragbar
a entsprechend: dieweil dan die hufen des arths mehrtheils fast geringe seind, auch fast untreglich, daruff ganz wenig getreide gewunnen, bitten ... (1540)
ständeacten Joachims II. 1, 89
Friedensburg. b)
wie untragbar
b. α)
eigentlich: welche (
kleider) ich dir wil helfen tragen, so si dir untreglich sein werden
b. geistlicher gnaden (1503) 69
b; weil die arm ungesperrt für den bauch sich müssen regen und der bauch den füszen nicht zu schwer und u. werden Fischart
Garg. 172
ndr. β)
uneigentlich: das ist eyn untreglich creutze dem menschen Luther 10, 3, 369
W.; sie (
d. pharisäer) binden aber schwere und untregliche bürden und legen sie den menschen auf den hals
Matth. 23, 4;
Lucas 11, 46; o armuot, du untrAeglichs joch Wickram 5, 235
B.; H. Sachs 18, 163, 15
G.; last Dannhawer
catechismusmilch 1, 61; J. Prätorius
glückstopf (1669) 326;
substantiviert: nichts schweres adder untreglich Luther 1, 245
W. c) untragbar
c entsprechend. α)
von nichtpersönlichem: der unglaube ... machet alles bitter und untreglich Luther 24, 252
W.; H. Sachs 14, 254, 30
G.; wirt yhnen der standt untreglich sein Agricola
sprichw. (1534) B 7
a; wann ... demselben (
lande) schwer und fast u. fellet, die groszen unkosten ... zue tragen
acta publ. 1, 192
Palm; unträglich ist dein zorn, den du den sündern dräuest P. Fleming
d. ged. 1, 14
L.; es ist ein straff, die meinem hertzen will unträglich sein Voigtländer
oden u. lieder (1642) 32, 3; Butschky
kanzlei 676; die mischung von schöngeisterey ist u. geworden
M. Claudius 7, iii.
attributiv: schmerz, leiden, pein, mangel, unrecht, gesetz, beschwerung, unwesen, kosten, unkosten, nachteil, krieg, untertruckung, aberglauben, arbeit, unheil, spott, zoll, dienst, einquartierung, hunger
u. s. w. Steinhöwel
berühmte frauen 86, 28
Dr.; Tauler
sermones (1508) 191
a; Luther 7, 455
W.; 7, 595
W.; 18, 315
W.; 56, 308
Erl.; 18, 251
W.; B. v. Chiemsee 149;
städtechron. 32, 313;
sächs. hofordnungen 2, 48
Kern; v.
d. Planitz
berichte 83; Frisius 612
b;
Z. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 453;
Calvin institutio (1572) 2, 21; Fischart
ehzuchtb. 300, 13
H.; Schweinichen
denkwürd. 36
Ö.; eselkönig 177; Binhardus
thüring. chron. (1613) 104;
postreuter (1620) 78; Chemnitz
schwed. krieg 2, 296; Liscow (1739) 32.
substantiviert: nicht unträglichers Steinhöwel
spiegel m. lebens (1479) 35
a; das unträglichst Graminäus
relation (1580) D 2
b.
β)
von personen; Fischer
schwäb. wb. 6, 262: hochfertig frowen synd untregelich Steinhöwel
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Dr.; er wardt den landtschaften untraglich und der ritterschaft unbehaglich Alt
b. der cronicken (1493) 129
a; so findt man auch manchen wüsten, wilden, untreglichen man Luther 10, 2, 291
W.; einen untreglichen herrn
M. Quad
memorabilia mundi (1631) 296; A. Gryphius
trauersp. 251
P.; P. ... ist sehr gelehrt ... gewest, darneben streng und dem land u. Lehmann
florileg. (1662) 2, 595.
γ)
von persönlichen eigenschaften: so ist er auch einer untreglichen hoffart gewesen Hedio
chron. german. (1530) L 4
a; mit iren rauhen und untreglichen geberden Boltz
Terenz (1539) 115
a; S. Franck
sprichw. (1546) 1, 10
b; ein stoltzes, unträgliches gemüt
b. d. liebe (1587) 287
d.
δ)
begriffsteigernd (
vgl. ε): untreglich vorcht und klopfe viel auf sy
erste d. bibel 7, 78, 34; man clagt täglichen ab der groszen, untrAeglichen mänig ungelerter pfaffen Eberlin v. Günzburg 1, 72
ndr.; solche untrAegliche unwarhaiten Nas
eins u. hundert 1, 223
a; untreglicher stanck G. Rollenhagen
indian. reisen (1603) 134.
ε)
adv.; untreglich, unleidlich,
intoleranter Decimator
thes.: u. beschweren B. Faber
Saxonia (1563) 147
b; das solt du erfaren ..., das dirs ubler und untreglicher als andern ergehen wird Musculus
hosenteufel 16
ndr.; untraglich schenden und schmähen Uff
herrn J. Brentzen testament (1571) 36
a; u. schwer Weckherlin 2, 142
F. ζ)
abgeschwächt unangenehm, zuwider, übel u. dgl.: den gleubigen ists tröstlich, aber den gottlosen untreglich Luther 19, 427
W.; diser artickel ist der lere untreglich 34, 1, 329
W.; wie untreglich ists mir jetzundt! B. Waldis
Esopus 2, 154
Kurz; der verlust war uns so u. nicht
Jucundi Jucundissimi lebensbeschreibung (1680) 155. —