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unträglich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unträglich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1948
unträglich, adj. adv., gth. v. träglich (s. d.). mhd. untregelich; mnd. undrachlik, -drechlik, -dragelik, -dregelik; mnl. ondrachlijc; nl. ondraagelijk; schwed. odräglig. bei uns seit dem 16. jahrh. meist durch unerträglich (s. d.) ersetzt. umlautlose und mehrsilbige formen (untraglich Alt b. d. croniken 60a; Zwingli freiheit d. speisen 30 ndr.; untragenlich N. v. Wyle transl. 323, 7 K.; Erh. Grosz Grisardis zs. f d. altert. 29, 415; untregenlich, -trägenlich 29, 420; Eberlin v. Günzburg 2, 130 ndr.; untregelich Steinhöwel berühmte frauen 64 Dr.) erscheinen im frühnhd. Adelung führt u. nur noch als bibelwort an. a) untragbar a entsprechend: dieweil dan die hufen des arths mehrtheils fast geringe seind, auch fast untreglich, daruff ganz wenig getreide gewunnen, bitten ... (1540) ständeacten Joachims II. 1, 89 Friedensburg. b) wie untragbar b. α) eigentlich: welche (kleider) ich dir wil helfen tragen, so si dir untreglich sein werden b. geistlicher gnaden (1503) 69b; weil die arm ungesperrt für den bauch sich müssen regen und der bauch den füszen nicht zu schwer und u. werden Fischart Garg. 172 ndr. β) uneigentlich: das ist eyn untreglich creutze dem menschen Luther 10, 3, 369 W.; sie (d. pharisäer) binden aber schwere und untregliche bürden und legen sie den menschen auf den hals Matth. 23, 4; Lucas 11, 46; o armuot, du untrAeglichs joch Wickram 5, 235 B.; H. Sachs 18, 163, 15 G.; last Dannhawer catechismusmilch 1, 61; J. Prätorius glückstopf (1669) 326; substantiviert: nichts schweres adder untreglich Luther 1, 245 W. c) untragbar c entsprechend. α) von nichtpersönlichem: der unglaube ... machet alles bitter und untreglich Luther 24, 252 W.; H. Sachs 14, 254, 30 G.; wirt yhnen der standt untreglich sein Agricola sprichw. (1534) B 7a; wann ... demselben (lande) schwer und fast u. fellet, die groszen unkosten ... zue tragen acta publ. 1, 192 Palm; unträglich ist dein zorn, den du den sündern dräuest P. Fleming d. ged. 1, 14 L.; es ist ein straff, die meinem hertzen will unträglich sein Voigtländer oden u. lieder (1642) 32, 3; Butschky kanzlei 676; die mischung von schöngeisterey ist u. geworden M. Claudius 7, iii. attributiv: schmerz, leiden, pein, mangel, unrecht, gesetz, beschwerung, unwesen, kosten, unkosten, nachteil, krieg, untertruckung, aberglauben, arbeit, unheil, spott, zoll, dienst, einquartierung, hunger u. s. w. Steinhöwel berühmte frauen 86, 28 Dr.; Tauler sermones (1508) 191a; Luther 7, 455 W.; 7, 595 W.; 18, 315 W.; 56, 308 Erl.; 18, 251 W.; B. v. Chiemsee 149; städtechron. 32, 313; sächs. hofordnungen 2, 48 Kern; v. d. Planitz berichte 83; Frisius 612b; Z. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 453; Calvin institutio (1572) 2, 21; Fischart ehzuchtb. 300, 13 H.; Schweinichen denkwürd. 36 Ö.; eselkönig 177; Binhardus thüring. chron. (1613) 104; postreuter (1620) 78; Chemnitz schwed. krieg 2, 296; Liscow (1739) 32. substantiviert: nicht unträglichers Steinhöwel spiegel m. lebens (1479) 35a; das unträglichst Graminäus relation (1580) D 2b. β) von personen; Fischer schwäb. wb. 6, 262: hochfertig frowen synd untregelich Steinhöwel berühmte frauen 64 Dr.; er wardt den landtschaften untraglich und der ritterschaft unbehaglich Alt b. der cronicken (1493) 129a; so findt man auch manchen wüsten, wilden, untreglichen man Luther 10, 2, 291 W.; einen untreglichen herrn M. Quad memorabilia mundi (1631) 296; A. Gryphius trauersp. 251 P.; P. ... ist sehr gelehrt ... gewest, darneben streng und dem land u. Lehmann florileg. (1662) 2, 595. γ) von persönlichen eigenschaften: so ist er auch einer untreglichen hoffart gewesen Hedio chron. german. (1530) L 4a; mit iren rauhen und untreglichen geberden Boltz Terenz (1539) 115a; S. Franck sprichw. (1546) 1, 10b; ein stoltzes, unträgliches gemüt b. d. liebe (1587) 287d. δ) begriffsteigernd (vgl. ε): untreglich vorcht und klopfe viel auf sy erste d. bibel 7, 78, 34; man clagt täglichen ab der groszen, untrAeglichen mänig ungelerter pfaffen Eberlin v. Günzburg 1, 72 ndr.; solche untrAegliche unwarhaiten Nas eins u. hundert 1, 223a; untreglicher stanck G. Rollenhagen indian. reisen (1603) 134. ε) adv.; untreglich, unleidlich, intoleranter Decimator thes.: u. beschweren B. Faber Saxonia (1563) 147b; das solt du erfaren ..., das dirs ubler und untreglicher als andern ergehen wird Musculus hosenteufel 16 ndr.; untraglich schenden und schmähen Uff herrn J. Brentzen testament (1571) 36a; u. schwer Weckherlin 2, 142 F. ζ) abgeschwächt unangenehm, zuwider, übel u. dgl.: den gleubigen ists tröstlich, aber den gottlosen untreglich Luther 19, 427 W.; diser artickel ist der lere untreglich 34, 1, 329 W.; wie untreglich ists mir jetzundt! B. Waldis Esopus 2, 154 Kurz; der verlust war uns so u. nicht Jucundi Jucundissimi lebensbeschreibung (1680) 155. —
4826 Zeichen · 158 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unträglich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    * Unträglich , -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch in der Deutschen Bibel für un…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit untraeglich

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Ableitung von untraeglich 2 Analysen

un- + traeglich

untraeglich leitet sich vom Lemma traeglich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+trag+-lich

untraeglich‑ als Erstglied (1 von 1)

unträglichkeit

DWB

untraeglich·keit

unträglichkeit , f. : Chr. Weise überfl. gedanken 1, 1, 5 . etwa ' unschuld ', übertragen aus unträglich a. —

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Cotta, M. (2026). „untraeglich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/untraeglich/dwb?formid=U11988
MLA
Cotta, Marcel. „untraeglich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/untraeglich/dwb?formid=U11988. Abgerufen 20. May 2026.
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Cotta, Marcel. „untraeglich". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/untraeglich/dwb?formid=U11988.
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