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unglauben

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unglaube(n) m.

Bd. 24, Sp. 958
unglaube(n), m. , gegenstück zu glaube(n). g. ungalaubeins; ags. ungeléafa; as. ungilôBo (Heliand 2662; sächs. beichte 319, 42 Steinmeyer, wozu Wilmanns Göttinger gel. anz. 1893, 539 neben gilôBo ein subst. mit kurzem o, 'lust, wille, absicht', ansetzt; doch s. zur gemeinsamen abstammung Fick-Torp 3, 376, Falk-Torp 657); afries. unlâve; ahd. un(ge)louba (vgl. ungiloubfullî, ungiloubìgî, -lichî), f., und ungiloubo, m.; mhd. ung(e)loube, m.; mnd. un(ge)love; mnl. ongelove; nl. ongeloof. (an. útrú; schwed. otro; n. vantro; engl. disbelief, unbelief,) Staub-Tobler 2, 587; Schmeller 1, 1407; lux. 316a. zu den formerscheinungen s. glaube (vereinzelter acc. unglaube F. H. Jacobi 5, 54); ohne plural. vgl. die jüngeren begriffe aber-, after-, bei-, irr-, misz-, nicht-, übel-, über-, wahnglaube; ungläubigkeit, glaubenslosigkeit. für incredulität Voigt, Campe. 11) im weiteren sinne, ohne religiösen begriffsinhalt. 1@aa) nichtglaube, das nichtglauben, mangel an zutrauen, misztrauen, zweifel: das ist uns zuomole ein ungloube, daz daz in uns si Tauler pred. 300, 30 V.; N. v. Wyle transl. 201, 4 K.; dasz es aber auch für zauberey helffen soll, dafür bin ich nicht bürge, sondern setze selbst einen unglauben drein rockenphil. (1718) 1, 351; Kant th. 7, 714 unter nichtglaube (philosophische definitionen wie die Walchs 2740 betonen, u. sei ein nichtglauben ohne grund; 'abneigung, einen satz um des zeugnisses eines andern willen für wahr zu halten' Adelung); wozu dieser unglaube an jede edlere form der menschlichen denkart? Herder 16, 26; es giebt gewisz in der physic eine art von unglauben, der ihr so schädlich [] ist als leichtgläubigkeit Lichtenberg br. (1901) 2, 148; u. in einer sache verm. schr. 2, 2; selten (durch synonyme verba beeinfluszt) auf den erfolg Göthe 35, 35 W.; über die menschen IV 13, 305, 3 W.; gegen W. v. Humboldt br. an Welcker 120; so bestand er .. auf einem hartnäckigen unglauben unserer erzählung Göthe 23, 268, 14 W.; wo denn? sagte W. mit einigem unglauben 24, 49 9 W.; die mutter hatte mit der ironie des unglaubens 'viel vergnügen' gewünscht M. Meyr erz. a. d. Ries 1, 327. unter einwirkung von bed. 2 und anlehnung an die etymologisch wirksame vorstellung der zuneigung und des vertrauens: aus dem zerstörten und zerstückten wünschte die mehrheit der classisch gebildeten sich wieder herzustellen, aus dem unglauben (an Homer und sein kunstwerk) zum glauben wieder zu gelangen Göthe 36, 190 W.; u. in der liebe 9, 120, 17 W, und oft in den briefen an Charl. v. Stein; doch hätte es noch besser werden müssen, hielten lässigkeit, unglaube und zerstreuung nicht menschen, die einander angehören sollten, selbst in der nähe auseinander IV 18, 5 W.; zu dem völligsten unglauben, dem unglauben an mir selbst 23, 267 W.; IV 3, 48 W.; J. Paul dämmerungen 116; ähnlich Göthe 36, 376, 21 W. 1@bb) nichtgeglaubtes, unglaubliches, unglaubwürdiges: Wolfram Parz. 12, 27; zs. f. d. phil. 28, 51; mnl. wb. 5, 597, 1; seinen unglauben sehen (Karlsbad, etwas nicht zugetrautes, handeln gegen ausgesprochene grundsätze bei jemandem erleben) Wander 4, 1437. nicht schriftsprachlich. 1@cc) fehlen der vertrauenswürdigkeit, unglaubwürdigkeit, miszcredit: wie der senat zuo Rom ... die bottschafft von Carthago umb ires unglaubens willen und betrügnusz ohn antwurt faren liessen Carbach Liv. 186b; wann ainer den andern oder seine haab und güter verhefft oder verpoten het und derselbig hernach gerichtlich fürprächte, das der ... ine ... unpillich in ruef, schmach und unglauben gepracht hette, so .. Nürnberger reform. (1564) 16a; Rostocker gerichtsordnung (1586) 114; Frankf. ref. 1, 12, § 16; den amasatten ... unglauben machen Wilwolt v. Schaumburg 144; städtechron. 6, 138, 4; Haltaus 1939; mnd. wb. 5, 48a. veraltet. 1@dd) treulosigkeit, untreue, treubruch, verrath, betrug: sie würden den unglauben rächen Carbach Liv. 68; das inen kein unglaub oder unehr möcht nachgeredt oder auferlegt werden 83b; 84a; Boner Plut. 98; lebensbeschr. Götzens v. Berlichingen (1731) 148; bey vertraweten freunden unglauben befinden, ist ein schmertzlich schweer ding Fr. Wilhelm sprichw. reg. b y α 95; städtechron. 14, 755; mnd. wb. 5, 47b; mnl. wb. 5, 598, 3. veraltet. vgl. Sirach 27, 18 und ungläubig. 1@ee) mnl. auch zwist, aufruhr wb. 5, 599; vgl. mnd. wb. 5, 47b. 22) im engern sinne, dem glauben als religiösem begriff entgegengestellt; fehlen des von religiöser gemeinschaft oder autorität geforderten glaubens, mangel des rechten glaubens, sein gegentheil (s. die definitionen Adelungs). 2@aa) wie in der ä. spr. für das biblische ἀπιστία, ἀπείθεια, infidia, diffidentia, incredulitas; ungehorsam, abfall, versündigung, gottlosigkeit, irreligiosität, atheismus: α) hilff meim ungelauben erste d. bib. 1, 155, 54; u. des Thomas passionssp. aus Tirol 233 Wackernell; Schmolcke 2, 208; Miller predigten fürs landvolk 2, 325; Büchmann 67; unglawbe und ungewisser glawbe ist gleich viel Luther 26, 154 W.; der leydige u. 10, 2, 303 W.; der verretterisch u. 32, 69, 28 W.; im unglawben ligen 9, 608, 7 W.; das er (der teufel) uns nicht ynn einen unglauben bringe 32, 114, 29 W.; ... unsers elends ... von Adam seines unglaubens halb in unsz erborn Judas Nazarei 3, 19 ndr.; Sachs 18, 342, 24 G.; einer todtsünden des unglaubens Spee tugendb. 7a; mangel an gottesfürchtiger gesinnung Möser 1, 445; impietas Alberus 22b; meinen gänzlichen unglauben an bibel und christenthum Bismarck briefe an s. braut 49. unglaub füret in alles unglücke Luther 28, 541, 8 W.; Kirchhoff [] wend. 2, 216; unglück macht unglaub Lehman flor. 3, 443. ich glaube, herr D. P. hätte diesen unglauben gerne zur atheisterey gemacht Thomasius ernsthaffte gedanken 3, 94; diese drey groszen lehrer des unglaubens (Voltaire, Bolingbroke, Hume) J. A. Cramer aufseher 1, 146; proselyten des unglaubens Laukhard leben 1, 269; pfaffen des unglaubens Heine 1, 485; gänzlicher unglaube, unbekümmertheit um alles, was religion hiesz jahrb. d. Grillparzerges. 3, 119. auf nichtchristliches angewandt: u. an einen h. baum der Druiden Lohenstein Arm. 1, 135a; an das walten des göttlichen im epos Herder 24, 238; an den nebel der homerischen götter 3, 108; vgl. Göthe 36, 190 unter 1 a; an alle wunder der malerei Justi Winckelmann 1, 283 u. dgl. β) verbindungen; synonyme: u. und miszglauben Luther th. 6, 2290; Fronsperger kriegsb. 1, l 2b; unglauben und die verhärtung ires hertzens Tschudi chron. 2, 58; in unglauben, ungedult und verzweiffelung geraten Dedekind christl. ritter A 2b; angst, zweiffel und unglaub J. Böhme 4, 142; u. und abfall Dannhawer cat. 1, 36; Varnhagen v. Ense 6, 306; sünde und u. Prätorius Blocksberges verr. 109; irreligion ... u. Kinderling rein. 288; u. oder theismus Novalis Athenäum 1, 91; irrlehre und u. Freytag 11, 256; Fichte 2, 257 u. a.; gegensätzliche: glauben odder unglauben Luther 34, 1, 426, 20 W.; Auerbach 3, 153; exempel des glaubens und unglaubens Hedio chron. Germ. 3a; Petri F 2b; A 8a; das eigentliche .. thema der welt- und menschengeschichte .. bleibt der conflict des unglaubens und glaubens Göthe 7, 157 W.; Ranke 43/44, 25; Lange gesch. d. materialismus 534; Döllinger vortr. 1, 85; Bismarck gedanken 2, 182 volksausg.; stütze der religion gegen unglauben Nicolai reise 5, 154; orthodoxie und u. Heine 3, 447; u. und schwärmerei Stilling 6, 6; unglaub' und überglauben Rückert 8, 9; der religiöse u. ... der religiöse fanatismus Pückler briefw. 2, 385. γ) im bild, vergleich, in der personification: des ungelaubens ketten Folz meisterl. 72, 212; mnl. wb. 5, 598. die anfechtung des unglawbens Luther 34, 2, 376, 25 W.; glaube oder u. als die wurtzel, safft und heubtkrafft aller sünde, schlangenkopff vorr. zum Römerbrief 7, 435 B.; Schubart ged. 2, 60; Petri F 2b; einen schildt des unglaubens Albertinus Lucifers königr. 15, 16 ndr.; ausrottung des unglaubens Lohenstein lobschr. I 2b; unglauben flüchtig machen disc. d. mahlern 4, 88; u. behauptet einen kümmerlichen sieg Göthe 7, 157 W.; herrscht Voss ged. 6, 246 u. dgl.; ist die auszehrung der seele J. J. Engel 2, 96; strom des unglaubens Fr. Schlegel 11, 342; wüstenei des unglaubens Holtei erz. schr. 5, 19 u. s. w. u. der junker des teufels Berthold v. Regensburg 1, 530, 4; der peiniger u. allg. d. bibl. 108, 318; bundesgenosse Holtei erz. schr. 13, 181 u. s. w.; o du leydiger unglaub, wie stockhart, wie steyndurre bistu Luther 7, 595 W.; kinder des unglaubens, filii diffidentiae Ephes. 2, 2; 5, 6; theatr. diab. 29b; Nigrinus v. zäub. 41; Rätel Schles. chr. 353; Prätorius phil. colus 111; anthrop. plut. 1, 39; glückstopf 40; viehb. 41; vater des unglaubens Hippel kreuz- u. querz. 1, 140. δ) concret: ein unglaube, eine vorsetzliche widerspenstigkeit gegen gott sey die ursache dieses verlustes Liscow 658; äuszerungen des unglaubens Herder 19, 75; da spricht denn der u. (die ungläubigen) Stilling 3, 222; die geschäftigkeit des modernen unglaubens Immermann 2, 161; was der welt unglaube belacht hat Voss ged. 2, 174. 2@bb) in ä. spr. bezeichnet u. ebensogut aberglaube und zauberei (Lexer 2, 1884; mnd. wb. 5, 47b; mnl. wb. 5, 598; aberglaube scheint erst im 15. jh. bezeugt). u. superstitio Diefenbach ml. hd. b. wb. 265; superstitio, i. vana et superflua religio et observatio vel cultura idolorum ein aberglaub, unglaub gemma g. (1508) B 2c (also nicht deutlich von bed. c geschieden): puch aller verpotten kunst ungelaubens und der zauberey von Joh. Hartlieb 2, 3 ff. Ulm; auch im plur. 2, 11 u. o.; diesem bösen ungelauben 19, 29; kätzrey und ungelaub 23, 29; der ungelaub wurtzelt in 62, 8; du solt nit frembde gött anbetten weder mit unglauben noch mit segen [] manuale curatorum (1516) 69a; wiewol solches unwissenden leuthen unglaubig ist, dasz einem menschen uber die natur etwas soll zustehen, das ist, durch die geist oder unglauben Parac. chir. 94 B; ding, mit dem zauberei getrieben wird: der unverzagt man ... zoch us seiner wennd den ketzrischen ungelauben, das gennszpain Hartlieb 75, 5. heute veraltet (in wissenschaftlicher darstellung: der unglaube des losens, tierunglauben D. Ulm einl. zu Hartlieb lx) und von aberglaube (Walch 1 ff.) getrennt, das Weigand syn. 3, 874 als 'durch übertriebene dunkle einbildungen verkehrte religiöse ansicht, verkehrte anschauung des ursächlichen zusammenhanges der dinge und begebnisse ...' erklärt. zum unterschiede: einen von allem aberglauben entfernten bestreiter des unglaubens J. A. Cramer aufseher 1, 9; unglaube und aberglaube Zinzendorf ged. (1766) 269; Hamann 1, 55; Herder 5, 578; 6, 275; aus aberglauben wird unglaube J. M. Miller briefw. 1, 85; Niebuhr r. gesch. 1, 94; als weitergreifender, nicht aufs religiöse beschränkter begriff: man hat oft gesagt und mit recht, der unglaube sei ein umgekehrter aberglaube ... der aberglaube ist ein erbtheil energischer, groszthätiger, fortschreitender naturen; der unglaube das eigenthum schwacher, kleingesinnter, zurückschreitender, auf sich selbst beschränkter menschen Göthe II 3, 164, 5 W. (farbenlehre); IV 10, 232, 4 W.; Bettine dies buch 2, 413. 2@cc) irrglaube und ketzerei; haeresis mnl. wb. 5, 598; mhd. wb. 1, 1019b; Lübben-Walther 435b; paganismus das heydenthumb, der heyden religion und unglaub Alberus (1540) 31a: der pfaff sprach: so hör icb wol, das du pist ungelaubens vol und pist gar ain böser crist H. Kaufringer 3, 281; den ungelauben laun 2, 8; die haidischen sitten, irrsal und ungloben Oheim Reichen. chr. 6, 2 Barack; du und ander juden ... im unglouben wandlend Riederer t 4b; disen ketzerischen unglauben und yrrung Gebweiler beschirmung (1523) B 2b; dasz in kutten und glübde verhoffen ein unglouben wär Zwingli d. schr. 1, 332; ich thuo es nit von unglauben sagt der bauer, der dem teufel eine kerze anzündet Pauli sch. u. ernst 72; den heidnischen persischen unglauben Buchholtz Herkuliskus 67; ich ... bleibe bei meinem jüdischen unglauben M. Mendelssohn 3, 35; Ritter erdk. 1, 608; Laube 5, 175; G. Keller 5, 148. concret und collectiv: ihnen gilt alles, was ihren propheten nicht bekennt, als derselbe unglaube Ranke 3, 137. allgemeiner erhalten in der bezeichnung die ungläubigen (s. d.). — zusammensetzungen: unglaubenriechend J. v. Müller 10, 207; unglaubensarmee Heine 6, 45, -genosse 3, 524, -kinder Zedler 49, 1531, -nacht Francisci weh der ewigkeit 1089, -saame J. Böhme 6, 135, -stifter allg. d. bibl. 115, 286, -sünde G. Arnold geist. gestalt 1, 349, -traum l rätorius anthrop. plut. 1, 179, -wesen J. Böhme 6, 151; unglaubsteufel klagelieder u. briefe (1817) 77 u. dgl.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    unglaube(n)m.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    unglaube(n) , m. , gegenstück zu glaube(n). g. ungalaubeins; ags. ungeléafa; as. ungilôBo ( Heliand 2662; sächs. beichte…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unglauben

    Goethe-Wörterbuch

    Unglauben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    Unglauben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|glau|ben m. (-s) 1 incredulité f. 2 descredënza f. 3 malcrëta f. 4 (Irreligiosität) ireligiosité f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unglauben

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Ableitung von unglauben

un- + glauben

unglauben leitet sich vom Lemma glauben ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unglauben 2 Komponenten

ung+lauben

unglauben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unglauben‑ als Erstglied (1 von 1)