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ungebührlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungebührlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 633
ungebührlich, adj. adv. spätmhd. ungebürlich. wie in der mundart bürlich neben gebürlich (Staub-Tobler 4, 1532), stehen in älterer zeit formen mit und ohne ge nebeneinander (ungebrlich Alberus 1540; unbirlich Schöpper e 1 a, Wickram 4, 38, 1061, unbürlich Nas antip. 3, 226b, Carbach Liv. 195r, Paracelsus 1, 506 A). mnd. unbuorlik 1346 Schiller-Lübben 5, 23b; mnl. onboorlijc, ongeboorlijc (vgl. ongeboordich; nl. ongebeurlijk unmöglich;n. utilbørlig, -hed; schwed. otillbörlig, -het). nd. unbörlig, unbörliken Dähnert 504b. zu den sonstigen formerscheinungen (ungepürlich städtechron. 2, 143, ungepurlich Reutter von Speir kriegsordn. 12, ungeburlich Oheim Reichen. chr. 53, 1, ungebierlich öst. weist. 6, 381, 31, ungebeurlich Frisius 1385b, 680b) s. gebührlich, gebühr; zu ongeberlich (ongeberliche kriegshändel Sleidan red. 39) s. gebühren 1 b u. vgl. ungebärlich. in den mnd. und mnl. belegen überwiegt die beziehung auf das rechtsleben; hier folgt die bedeutungsentwicklung der des grundwortes; am jüngsten ist bed. 1 d. für impertinent, insolent Campe (Spanutius 295). vgl. übergebührlich, widergebührlich; unziemlich, unzukommend, unzuständig, unzustehend. die verbindung mit dat. ist veraltet: nit minder ist dir ungebürlich sölich geschrift zebitten N. v. Wyle transl. 20, 2 K.; wölche die juden von jren weybern absünderten, weil sie jhn ungebürlich Nas antip. 2, 234a; was einem menschen wohl ansteht, dem andern ungebührlich ist Bodmer v. wunderb. 103. 11) gegentheil von gebührlich 1: 1@aa) unpassend, ungehörig, ungeeignet nach ort, zeit, gelegenheit; unrichtig. incommodus, importunus, intempestivus Alberus: übermütig und ungebürlich dienst sint unenpfenglich Steinhöwel Äsop 360; hab ich mir gedacht, nit verwissenlich sin und ungeburlich geschätzt, so ich sy von dem latin zuo tütsch ... überbringe Oheim 53, 1; zeit B. von Chiemsee 412; Paracelsus 2, 199 A; Hohberg 3, 379b; stet, ort Vitruv 1575, 209; v. Fleming sold. 135; mittel Stumpf chron. 48a; sorge J. Pomarius postilla 2, 242a; frewd Lehman flor. 1, 234; er .. verurtheilte die .. bewunderung der romantiker als den ungebührlichsten götzendienst jb. d. Götheges. 18, xx; lächeln musz ich unwillkürlich ... seiner eilfahrt ungebürlich Rückert 2, 528; nach dem immerwährenden miszlingen meines zusammentreffens mit der übrigen welt hatte eine ungebührliche selbstbeherrschung und eigenliebe angefangen, mich zu beschleichen Keller 1, 174. in den neueren beispielen sucht das sprachgefühl immer sich gebühren (vgl. 2) einzumischen. 1@bb) nach ursprünglicher rechtlicher auffassung unrechtmäszig, verboten: vorkorne und unbuorlike wort schimpfworte, beleidigungen Schiller - Lübben 5, 23b; ongheborlic vuer mnl. wb. 5, 315; handlung urk. zur gesch. Max. I. 50; tzinse Gerstenberg chron. 100; gewaltsamm Hutten 1, 413, 31; schwr Wickram 3, 90, 2; vermischung Mathesius leichenreden 4, 167, 5 neudr.; Fischart ehzuchtb. 3, 174 neudr.; beyschlaffen Faber 219b; liebe Olearius reiseb. 317, in den letzten drei fällen immer nach c übergreifend; practicken Fischart binenkorb 45a. ungebürlich testament inofficiosum Frischlin, Stieler, Zedler; mit was ungebürlichen und widerrechtlichen auszflüchten Ayrer proc. 433; zu ungebürlichen sachen sol niemands gehorsam sein Fr. Wilhelms sprichw. m m β 34; ein richter sol viel lieber sterben, denn ein unrechtes und ungebührliches urtheil fellen Rein. Fuchs (1650) 149 (anders unten 2); wann jemand bey dem richter einen ungebührlichen arrest erhält, ist solches eine ungezweiffelte injurie Hohberg 3, 26a; eigennutz Göchhausen not. 315; forderung (meist sonst im sinne der bed. 2 verstanden) Lessing 17, 231; ansprüche Arndt 1, 243; haft Raumer Hohenstaufen 4, 131; legatengewalt Ranke 3, 99; richter, auf die er ... einen ungebührlichen einflusz ausgeübt hatte 16, 24. auch unbillig: die u. verzögerung des conciliums 4, 56. vgl.d. selten von personen: seinen u. weiben Mathesius Sar. 9a (vgl. Nas oben); der u. oberherr Ch. Weise pol. redner 104. 1@cc) der standesgebühr nicht entsprechend: solches (verlust der freiheit bei zahlungsunfähigkeit), als der freyheit zuwider, unmenschlich und ungebürlich geacht worden notariatb. 8b; ich bin sonst ein gut ehrlich gesell, sehr alten herkommens, allein das lose leute je zu zeiten meines namens zu tausenterley ungebürlichen, unehrlichen händeln und geschichten gebrauchen Rein. Fuchs (1650) 267; ungebührlich ist es, dasz meine hausfrau vor den augen der königin und eines fremden mannes entblöszt sitze Freytag 8, 178. unkeuschheit wird kirchlich als verstosz gegen die standespflicht aufgefaszt (vgl.b): der ungebürlichen buellerey auswarten Ferdinand II speculum 80, 12 neudr.; in u. willen fallen Amadis 1, 108 K.; lüsten Guarinonius 78; man nennet keine sprache unkeusch oder unflätig, so etwa ungebürliche sachen mit dero worten aufgeschrieben Schottel 146; u. ort (schamtheile) Schmidt rockenphil. 1, 349; drauf hab' er ungebührliches von ihr verlangt Schiller 14, 276 (Tell 1, 1). heute irrig nur als euphemismus empfunden. 1@dd) dem gebührenden, richtigen verhältnis nicht entsprechend, unverhältnismäszig, übertrieben grosz, zweckwidrig u. dgl.: arzneien stillen den unzimlich lachenden geberdt und die zuviel unbürliche frewd (von krankheitserscheinungen, die an dem gesunden zustand gemessen werden) Paracelsus 1, 505 c; sonst erst gegen ende des 18. jhs. voll ausgebildet: auge und mund sollen sich nicht zu der u. weite einer fratze öffnen J. J. Engel 8, 174; u. länge (des briefes) Göthejahrb. 5, 164; den geistlichen ... einen u. einflusz auf das ganze leben zu verschaffen Schleiermacher I 12, 174; u. übergewicht Gervinus gesch. d. d. dicht. 1, 43; vielleicht treibt mich die u. wichtigkeit, welche man dem moment der zeit ... beilegt, in das entgegengesetzte extrem Jhering geist 1, 68; W. brachte nun in den dienst des bescheidenen kleinstaates eine u. fülle von talent Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 199. aber bed. 1 a und 2 drängen sich immer mit ein. 1@ee) nach art und natur nicht zukommend: dann sy verlassen das guot wesen und verkeren gebürlichen menschlichen stand in unchristenliche ordnung. dafür brauchen sy nach ungebürlicher vihischer art ain ungerecht ... wesen B. v. Chiemsee 206; die zäuberer, welche mit ungebürlichem gifft ... das vieh ... beschedigen Nigrinus zäub. 77; auch wirdt da verschnitzlet der leib und mit ungebürlichen dingen angehenckt Paracelsus 2, 177 A.; nachklingend: als man um der heiligkeit willen den geist in u. fesseln legte Gentz 2, 5. 22) gegentheil von gebührlich 2: er hat ... ander grob ungepürlich sach geton städtechr. 2, 143; von mir beger nützit frevels oder ungebürlichs N. v. Wyle transl. 35, 27 K.; in älterer sprache stark, wie nefandus des teuthon., deformis Schöppers lehren. schwächer: ungebürlich ist, das der knecht hersche uber die fürsten B. v. Chiemsee 189; ein urtheil in den zeitungen zu fellen, ist ungebürlich zeit.-lust 46. deutlich gegen 1 b abgegrenzt: diesem sowohl ungebührlichen als ungerechten urtheile Gottsched d. neueste 3, 92; zu freie und u. urteile Arndt 1, 88; auch ungebührliche ausdrücke vor gericht (Immermann 6, 139) ziehen wir heute trotz ungebühr 2 zu sich gebühren. so allgemein: u. handlung Göthe IV 11, 31 Weim.; gedanken A. W. Schlegel Shakesp. 3, 166; betragen Hegel 16, 158; zumuthung O. Jahn Mozart 3, 371; deprensionen Pocci kom. 4, 256; dinge Böhme gesch. d. tanzes 85; reden Ebner-Eschenbach 2, 120. scenen, wo S. u. gegen sie wird Grabbe 4, 186. diese ungebührlichen kerls Varnhagen tageb. 4, 208. 33) das adv. (unbürlich Carbach Liv. 195r; ungebürlichen Maaler, Hulsius; ungebeurlich Frisius) in den bed. des adj. 1 a: Paulus spricht, das allain got .. eer .. zuogehör, und das nit ungebürlich Keisersberg schiff d. pen. 61b; Göthe 6, 165 Weim. th. 4, 1, 1, 1897. 1 b: so sollen die durschleg khains wegs ungebührlich und geverlicher weysz wider berckwerchsbrauch ... verslagen ... werden (1531) Lori bergr. 211; u. appelliern Schöpper; staigerung u. einführen Hohberg 1, 15; sich des adels u. anmaszen Fr. L. Jahn 2, 788; den abgang des schiffes oder die weiterfahrt nicht u. aufhalten handelsges. § 516. 1 c: welche aber nach der oberherschung stellen, denen steht es vil ungebürlicher und unehrlicher an Fischart ehzuchtb. 166, 37 neudr. 1 d: den ungebührlich harten gott Herder 20, 222; ungeb. lange Knigge umg. 2, 255; dürftig Ranke 1, 298 u. s. w.; überhaupt hat sich M. durch die herrschaft über das orchester .. nie verleiten lassen dasselbe u. hervorzuheben O. Jahn Mozart 4, 264; den begriff .. so u. erweitern Lange mat. xii; die nordostflanke ... dehnte sich u. in die breite Barth kalkalpen 136; u. bevorzugt Treitschke d. gesch. 4, 189. 1 e: der wechselbalg hielt sich so u., dasz die gute frau nahe zu grunde gerichtet wäre Grimm sag. 1, 74 nach Prätorius anthrop. 1, 424. 2: so zweifel ich nit ... man werd erfinden, das ich anders nit dann erbarlich ... nit ungebürlich geschriben Hutten 1, 419, 21; das hällische philosophische journal soll sich auch ungebürlich betragen haben Göthe IV 10, 317 Weim. vgl. ungebürlicher ... weysz Frisius 647a, auf eine .. u. art Schmidt gesch. d. D. 5, 22, und ungebühr 4. —
9251 Zeichen · 264 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungebührlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungebührlich , -er, -ste, adj. & adv. wie das vorige, und als der Gegensatz von gebührlich, dem Rechte, der Billigkeit, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungebührlich

    Goethe-Wörterbuch

    ungebührlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungebührlichAdj.

    Pfälzisches Wb.

    un-gebührlich Adj. : 'ungeziemend'. a. 1629: rumor, schlegereii, ehbruch, vngeburlich fressereii, vollsaufen [PfWeist. 7…

  4. Spezial
    ungebührlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|ge|bühr|lich adj. 1 (unanständig) che ne stá nia bëgn sura, che n’alda nia, che ne toca nia, indezënt (-nc, -a) 2 (un…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungebuehrlich

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Ableitung von ungebuehrlich 3 Analysen

un- + gebuehrlich

ungebuehrlich leitet sich vom Lemma gebuehrlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+gebuehr+-lich ungebuehr+-lich

ungebuehrlich‑ als Erstglied (1 von 1)

ungebührlichkeit

DWB

ungebuehrlich·keit

ungebührlichkeit , f. , gegentheil von gebührlichkeit, in den bed. des adj. ungebührlich, abstract und concret. mnl. ongeboorlijcheit. ungeb…