unfroh,
adj. adv.,
in älterer sprache gegentheil zu froh,
in der neueren nichtfroh, freudlos, mittelbegriff zwischen froh
und traurig (trostlos);
ahd. unfrao, unfrou, unvrô (unfrawî,
f., tristitia);
and. unfrâh;
anord. úfrár;
mhd. unvrô;
mnd. unvro;
mnl. onvro;
vgl. das in alter spr. weit verbreitete unblîde.
seit dem 16.
jh. zunächst veraltend; wie es scheint, auch in den mundarten Schmeller 1, 805 (infro).
im 18.
jh. so gut wie abgestorben; Frisch 1, 298
c; Eberhard
bei Campe 5, 150
a; Lessing 11, 92. Mendelssohn
und Lessing
versuchen einen theil der alten bedeutung wieder zu beleben, indem sie unfroh
zur bezeichnung der '
unangenehmen empfindung'
vorschlagen, '
die durch aufhörung einer lust erregt wird'. Lessing
beruft sich dabei auf die alte sprache. besonders das mnl. kennt viel weitergehende bedeutung: enen onvro maken
einen ins verderben stürzen; enen ere dinc o. maken
einem etwas wegnehmen; o. werden
etwas einbüszen; o.
auch erzürnt, verbittert u. s. w. fürs ahd. Graff 3, 796;
mhd. Lexer 2, 1978.
im 19.
jh. erscheint das wort am häufigsten bei verfassern, die mit der älteren sprache bekannt waren, aber in der neueren abgeschwächten bedeutung; oder es wird aus dem positiven wort (froh und frei, frohe gabe, mahlzeit, zukunft
u. s. w.)
entwickelt. in prädicatsstellung: sy waren traurig und unfro Hätzlerin 23, 58; das mancher wirt so gar unfro Gengenbach 379
Gödeke; da stund er traurig gar unfroh Erlach
volksl. 2, 260; doch war er unfroh Grimm
sagen 1, 19.
in diesen beispielen klingt die alte stärkere bed. aus. nicht so in den folgenden stellen: mir wird unfrei, mir wird unfroh Göthe 5, 186
Weim. attributiv: irrt sie im buschigen thale, mit frohen gespielinnen unfroh? Voss
ged. 3, 89; etwas ungemüthliches, unfrohes Grimm
an Benecke br. 135;
stichwort zur charakteristik Hagens, der die frohen haszt bei R. Wagner: nun sag', Hagen, unfroher helde, sitze ich stark am Rhein? R. Wagner 2, 173. 6, 197 (
götterdämmerung 2); unfrohen lohn Fouqué
held des nordens 3, 104; nähe 2, 72; mahlzeit K. O. Müller
Dorier 2, 277; dieses unfrohe wesen Uhland
schr. 5, 16; zukunft Ebner-Eschenbach 1, 122. unfroh in die zukunft blicken;
also nicht gerade traurig oder trostlos. vereinzelt: in dem bänglichen gefühl ... ward ihr auch plötzlich körperlich unfroh (
vgl. unfrisch und anord. úfrár
swag)
Velhagen u. Klasing monatshefte 1901, 1, 15. —