unerkenntlich,
adj. adv. ,
nicht erkenntlich.
zu den verschiedenen formen s. th. 5, 550.
mhd. unerkantlich;
so noch Luther, Maaler, Schönsleder,
bis ins 18.
jh. Heynatz 2, 517; unerchanntlich Staub-Tobler 3, 372; unerkentlich
Wilh. v. Wenden 5594; unerkenntlich
neben unerkanntlich Paracelsus; unerkänntlich
häufiger als unerkenntlich
vom 17.
bis ins 18.
jh.; noch Herder
und Göthe
schreiben so. aus dem nhd. nl. onerkentelijk,
dän. uerkjendtlig.
schwed. oerkännsam.
vgl.unerkannt. 11)
activisch. 1@aa)
nicht kennend: o welt! du dich selbst unerkenntliche welt! Christstein
weltmann 185.
vereinzelt geblieben. 1@bb)
unverständig, unsinnig, roh, bösartig: das machet, das man zuo tieff in die unerkandtlichen eer der hailigen geratten ist Luther 10, 3, 320, 3
Weim.; dasz also die stadt Magdeburg ... so gar unerkändlich gewesen und weder die gefahr .. noch den vortheil .. zu hertzen nehmen wollen Chemnitz
schwed. krieg. 1, 106; umb eines stoltzen unerkändtlichen narren willen Moscherosch
ges. 407;
der geldverleiher musz sich vorsehen ob er (
der leiher) von einem guten, offenen ... oder ... heimtückischen, unerkenntlichen, arglistigen gemüthe? Hohberg 1, 29. unerchanntlich
wie unerkannt 1 c; Staub-Tobler 3, 372. 1@cc)
in der heutigen hauptbedeutung undankbar, genossene wohlthaten nicht erkennend; undankbar
ist stärker als unerkenntlich. Adelung; Weigand
syn. 1, 256; Eberhard - Lyon 343. unerkenntlich
stellt heute im allgemeinen das fehlen der dankesbethätigung, undankbar
auch den mangel dankbarer gesinnung fest: wer einen wohlthäter unterläszt zu lieben, jedoch nicht hasset, der wird unerkenntlich genennet Wolff
von der menschen thun und lassen 557. unerkanntlich
ingrato Maaler 460
b: damit und ich ... nit ain dürs ... gelide
[] undanckparlich und unerkantlich von und vor üwer gnaden ersehen werde, hab ich mir Oheim
Reichenauer chron. 1, 20
Barack; bis nit undanckbar oder unerkantlich des guten, so dir geschehen ist Maturinus Corderius
disticha de moribus B 1
c; die seynd die jenigen, die ... unerkäntlich und undanckbar seynd gegen mir Albertin
zeitkürtzer 184
b; das theils so unerkänntliche Teutschland
Simpl. 1, 46
Keller; einem unerkentlichen geliebten A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 23; ach unerkänntliches gemüthe! Günther 93; du unerkenntlicher Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 178; nichts weniger als unerkenntlich v. König
ged. 313; ich bin versichert, sie werden nicht unerkenntlich seyn Rabener 2, 76; wenn sie mich für den ... unerkenntlichsten menschen hielten Lessing 18, 41; giebst du Jehova das zum dank, du unerkäntlich-thöricht volk! Herder 11, 460; ich fühle deine lieb' und treu', und werde nie unerkenntlich sein Göthe 8, 134, 8
Weim.; 39, 139 unerkaenntlich; ich bin bisher gleichsam unerkenntlich gegen euch gewesen Laube 14, 321. 22)
passivisch. 2@aa)
unbekannt, inexplorate unerkantlich Schönsleder
D d 8
a;
geheim, wunderbar: die liebe trift und wundet ouch mit unerkantlichem füre die hertzen der jungfrouwen Niclas v. Wyle
transl. 32, 34;
der geist der wahrheit ist einer unerkantlichen natur, einer unerkantlichen krafft Paracelsus 2, 668; da viel wunderbarlich unerkanntlich kranckheiten ausz entspringen 1, 1038
A; die störche, aus was für einem orth sie zu uns kommen oder sich wiederum hin begeben, ist unerkäntlich Prätorius
winterflucht 21.
unscheinbar: seine brut bestehe in vier sprenckelichen eyern, welche er ... sehr unerkenntlich in weniges geniste zu legen und zu verbergen weisz Göchhausen
notabilia venatoris 89. 2@bb)
unerkennbar, unkenntlich, unverstehbar: ich byn yn unerkanntlich
Tristrant prosa 165, 16; dan sovil höher und mer die menschlich wyszheit harzuo gebraucht, sovil unerkantlicher die selbig gnad wurdet H. v. Cronberg 18
neudr.; von krankheiten sind etliche erkenntlich, etliche unerkenntlich Paracelsus 1, 484
B; weil aber dieses des menschen vernunfft auch ungründlich und unerkäntlich ist J. Böhme 5, 122; kein unerkentliche (
unerkennbare und so täuschende) farb Albertin
hirnschleiffer 249; unerkentlich machen
pol. maulaffe 340; ein unerkenntlicher unterscheid Lohenstein
Arm. 2, 21
b; eine unerkänntliche schrifft Kramer (1700) 1, 772
c; unerkentlich,
indeprehensibilis Aler (1727) 2, 2077
b. Heynatz
antibarb. 2, 517
verlangt dafür unkenntlich (
s. d.).
doch noch R. Wagner
an A. Neumann 29.
Sept. 1882: wer in meinem sinne sie (
die Bayreuther schöpfung) fortführen sollte, ist und bleibt mir unbekannt und unerkenntlich.
vgl. unerkenntlichkeit 3.