unempfindlich,
adj. adv. ,
insensilis, insensibilis, gegentheil von empfindlich.
ahd. uninphindantlîho; unenphintlich Suso; unempfindtlich Maaler 460
a;
lux. 314
a;
für indolent Campe
verd. 373
a. II.
passivisch: daz ist mir unenphintlich
unerfindlich Suso 249, 4
B.; er waiszt es aber nit und ist jm unentpfintlich Keisersberg
pred. 24
b;
unwahrnehmbar: der glaub ist ain angeben der unempfintlichen dingen
Hebr. 11, 1 (
argumentum non apparentium) Luther 10, 3, 149, 12
Weim.; unentpfindlicher weysz
insensibiliter 23, 296
Weim.; bequemlich ist christenlichem glaub, der sonst an unempfindlichen sachen hengt, etwas empfindlichs anzezaigen, das ain gleichnuss hab unempfindlicher gab B. v. Chiemsee 420; der atem was unempfintlich Braunschweig
chir. (1539) 54
a; Christus das unempfindliche ... die bepste das empfindliche haupt der kirchen Spangenberg
sieben B b ii
b; der unempfindliche flug des triumphwagens Meyfart
Jer. 1, 79; gott ... dem dinge unempfindlich J. Böhme 4, 26; die schnöde liebe ist ... eine libliche gifft ... eine unempfindliche strafe Butschky
Pathm. 267.
heute spricht man im entgegengesetzten sinne von einer nicht unempfindlichen (
recht empfindlichen) strafe, einbusze
u. dgl.; durch ihn ward bürd' und last ein unempfindlich schmertz Lohenstein
hyac. 2, 22; die seen haben diese unempfindliche bewegung sehr merklich machen müssen Kant 9, 38; Kinderling 284.
trotz Campe
veraltet; heute dafür unmerklich. IIII.
zwischen pass. und act. auffassung steht unempfindlich
heimlich, unvermerkt, ohne dasz man es spürt: der felt unentpfintlich in die groszen schweren sünd Keisersberg
baum d. sel. 16
c; unentpfindlichen
adv. bilger 180
a; kompt ynn der schlaff unempfindlich Luther 10, 1, 1, 266
Weim.; durch heimliche und unentpfintliche hinlässigkeit Eberlin v. Günzburg 1, 72
neudr.; wie unempfindlich unser haar sich graw zu färben nicht verziehet Weckherlin 1, 498, 3;
auch steigernd: unempfindlich schnell 2, 390, 1; davon ich aber unempfindlich den nutzen geschöpft Leibniz
d. schr. 1, 277.
veraltet. IIIIII.
activisch nicht fühlend, gegentheil von empfindlich
th. 3, 429, 2. III@11)
mit bestimmungen; durch gen.: die saltzseul ist unentpfintlich, also auch die menschen seint unentpfintlich aller gnaden und andacht Keisersberg
baum 20
a; sein selbs u.
has D d 2
d; der sunnen oder kelte Franck
weltb. 194; das herbe, der schönheit unempfindliche des altitalischen sinns Niebuhr
röm. gesch. 1, 115.
nicht mehr üblich. dat.: lagst unempfindlich meinem kosen
Göthejahrb. 11, 5; Herder 22, 209.
mit zu: zum übel unentpfindtlich
sprichw. (1548) 67
b; Lohenstein
Arm. 1, 447
a; Wieland
Herm. 1, 272.
auf alles
zeitungslust 132.
gewöhnlich gegen und für: diese zwey hertzen waren unempfindlich gegen dess glücks stösse Prätorius
glückst. 2; gegen die trefflichkeiten .. nicht unempfindlich bleiben Göthe 21, 309, 10
W. für die tugenden Ch.
F. Weisse
lustsp. 3, 13.
auch in: ein hierinnen unempfindlicher fürst Lohenstein
Arm. 2, 1380
b; in diesem puncte.
bei der klage
disc. d. mahlern 1, 6.
selten über: Lohenstein
Arm. 1, 74
a. III@22)
ohne solche bestimmungen. zunächst unfähig zu empfinden, bewusztlos, ἀπαθής,
ἀναίσθητος: also ist der todsünder ... unentpfintlich als ein tod glid Keisersberg
bros. 2, 45
c; ainer unempfindtlichen complexion
spinn. F 5
b; da sind sie gleich im schlaff verschieden, ein unentpfindling tod erlieden Sachs 2, 99, 19
K.; unempfindliche creaturen als berg und thal, bäum, holtz, stein Kirchhof
wend. 4, 225; so macht di trunckenheit ... di entpfindlichen unentpfindlich Schwarzenberg
Cic. 91; punct Fischart
Bodin 6
b; du bist eisern und gantz unempfindlich
Simpl. 122
Kögel; du unempfindliches schwert Buchholtz
Herk. 1; in eine recht unempfindliche sicherheit Volck
entd. geh. 1, 51; zum unempfindlichsten, zum ersten tag
an dem man noch gar nichts eigentlich empfindet Lessing 1, 258; fleisch Zimmermann
eins. 4, 116; wage A. v. Haller
tag. 1, 269; klotz Schummel
empf. reisen 1, 11; stygma Brentano 6, 424; spiel Platen 1, 510; federn, haare Naumann
vögel 1, 32; kehlkopf Sömmering
bau 4, 509.
daher von menschen: stultus, morio, bardus, stupidus Apherdianus 211;
insensatus Stieler 484: das du dich so vorstockt, hartmutig, unempfindlich erfindest Luther 6, 236
Weim.; doll, dumm, unentpfindtlich Ryff
conf. D iii
a;
ἀπαθής: der in seiner natur unempfindliche gott Dannhawer
cat. 5, 700; der unempfindlichen stoiker Justi
Winckelmann 1, 130; unempfindlich zertrümmerst du (
natur) dein heiligthum? Göthe 2, 173, 80
Weim. insbesondere unfähig, sich durch empfindungen bestimmen zu lassen; gelegentlich unempfindsam
sich nähernd: wer hier nicht freud und lust nimbt ein, musz ja gar unempfindlich seyn
Königsb. dichterkr. 210
neudr.; wen man sich von jugendt auff gewehnen solte, unendtpfindtlich zu werden, würde es ein bösz naturel zu wege bringen E. Ch. v. Orleans
br. 7, 59; Leonore liesz ihr hertze nicht länger unempfindlich seyn Günther 294; dasz euer herz nicht unempfindlich (
unerkenntlich, undankbar) ist Gottsched
n. ged. 129; wie viel wahres vergnügen entbehren die kalten unempfindlichen seelen Gottschedin
br. 3, 55; lästerungen unempfindlicher und unedler seelen Moore
abrisz 268
u. o.; zeitschr. f. d. wortf. 6, 308; unempfindliche helden Lessing 17, 72; liebe gegen eine unempfindliche
theater d. D. 13, 154; der herzog ... sah ihre schönheit nicht unempfindlich an A. v. Haller
Usong 358; den eine weinende schönheit unempfindlich läszt J. G. Jacobi 1, 185; Steub
drei sommer 2, 423; ein system der unempfindlichsten dickfelligkeit Gutzkow 5, 105. III@33)
das gegentheil von empfindlich
reizbar ist nichtempfindlich,
nicht unempfindlich. unempfindlich
ist heute stärker als hart,
schwächer als gefühllos Weigand
syn. 2, 25. —