unbeugsam,
adj. adv. ,
gegentheil von beugsam,
was sich nicht (
nach unten)
beugen läszt, besonders nicht durch äuszere einwirkung, gewalt, schicksal u. dgl.; inflexibilis. mnl. onbuigzaam, -heid.
älteres unbogsam (einen .. unbogsamen grusamen tyrannen Zwingli
d. schr. 1, 284;
vgl. ahd. mhd. bogen
gekrümmt sein; mnd. bogen
beugen, biegen; mnl. bogen, onboochsam)
setzt sich nicht fort. vgl. unbogsam, unbuhsam Stratmann - Bradley 643. 644.
seit dem beginn des 17.
jhs. belegt, wird unbeugsam,
mit unbiegsam (
s. d.)
oft zusammenflieszend, ungleichmäszig verzeichnet; noch Castelli
bietet (1718)
nur unbeugig, Stieler 138 unbiegsam; Adelung
läszt es aus, Göthe
gebraucht es nicht, beide ziehen unbiegsam
vor. heutiges sprachgefühl macht einen unterschied, es sieht z. b. in unbeugsamkeit des geistes
einen hohen vorzug, in unbiegsamkeit
einen nachtheil. die sinnlichere bedeutung haftet in dem vom st. verb. abgeleiteten unbiegsam,
die übertragene und factitive mehr in unbeugsam,
so dasz wir in folgender stelle unbeugsam
erwartet hätten: seltsam genug halten wir oft die eine unabänderlichkeit für unbiegsam und bleiben vergnügt J. Paul 44, 86.
ältere bildungen wie Notkers unbouglîch,
mhd. unböugelich, unbogelichen
indeclinabilis Niger Abbas 2550, unbüglich Paracelsus 1, 564
c, unbögig Staub-Tobler 4, 1069, unbügig Frisius 693
a, unbeugig Stieler 138, Rädlein 971
a,
mnd. unbôchlic, onboghigh Kilian,
mnl. onbogelijc
kommen für die nhd. schriftsprache wenig in betracht. häufiger wird unbeugsam
erst mit dem aufschwung der lit. im 18.
jh., wahrscheinlich durch begriffsentlehnung. 11)
in sinnlicher bed. selten oder dichterisch und terminologisch: ob der elephant unbeugsame füsz und die drachen flügel haben Gabr. Rollenhagen
ind. r. (1603) 200; rüstern Fouqué
alts. b. 1, 32; nacken Freytag 1, 353; wipfel Rosegger
wildl. 118;
indeclinabel zeitschr. f. d. wortf. 15, 50. 22)
gewöhnlich übertragen: der . gottheit .. hertz mag unbeugsam ... seyn Pietsch
geb. schr. (1740) 312; unbeugsame Catonen Dusch
verm. w. 391; der leichnam Jesu tödtet an ihnen alles, was noch unbeugsam ist Zinzendorf
kinderreden 75; rechtschaffenheit K. Fr. Cramer
Nes. 4, 251; den unbeugsamen .. spielen Arndt
schr. 1, 189; hinter den unbeugsamen mauern (
des klosters) Laube 9, 78; regeln Jhering
geist 2, 1, 42; eine seele .., welche unbeugsam das gute thut Stifter 3, 395; einem unbeugsamen miszgeschick .. setzte er einen noch unbeugsameren willen entgegen Moltke
ges. schr. 2, 7; ich traf auf den unbeugsamsten widerstand Ebner-Eschenbach 4, 110. unbeugsam bey Heinse 5, 309; gegen Schubart
ästh. 106; in Ranke 37, 135. —