umlaut,
m.,
terminus technicus der deutschen grammatik, puristische bildung von Klopstock (
vgl. M. H. Jellinek
gesch. der nhd. gramm. 1, 273)
und zwar anfangs für jede wandlung des vocals einer wortwurzel, d. h. auch für '
ablaut, brechung': die kunstwörter, welche ich brauche, (
sind) deutsch ... wem solte es undeutlich seyn, wenn ich zum exempel sagte: aus strom wird ströme und sang aus singen durch den umlaut? wenn aus a ä, aus o ö und aus u ü wird, als kraft kräfte, floss flösse, fluss flüsse, so ist der umlaut bestimmt: und wird aus irgend einem selbstlaute irgend ein andrer als komen kam, laufen lief, fliehen floh, so ist der umlaut unbestimt?
gelehrtenrepublik (1774) 229; umlaut nennt man gewöhnlich die wandlung eines stimmlautes in seinen verwandten, gemeinlich die wandelung eines der tieferen a, o, u und au in die höheren ä oder e, ö, ü, aü und des e in i Radloff
trefflichkeiten der südteutschen mundarten (1811) 26;
von J. Grimm
eingeschränkt auf den lautwandel, den ein i oder j im vocal der vorangehenden betonten silbe hervorruft: zu den reinen (
vocalen) gehört a, o, u, denen die trüben e, ö, ü entsprechen ... die von einem folgenden vocale bewirkte trübung (verdünnung) des vocals der wurzel heiszt nun umlaut ... den umlaut zu zeugen wohnt gerade jenem in der mitte stehenden i oder dessen doppelung î bei ...
deutsche gramm. 1
2, 9;
s. bes. auch 1
2, 115
und XIX;
in dieser verwendung auch schon vordem, freilich nicht darauf allein angewendet: die alten haben auch gesagt: sturmisch, baumisch ... warum alles mit dem umlaut? (1779) Lessing 13, 623
L.; da denn das stammwort gemeiniglich den umlaut bekommt, wenn er stattfindet: hären von haar ... Adelung
lehrgebäude der deutschen sprache 2, 58; den begriff der psychologischen anticipation für die erklärung des umlautes Scherer
kleine schr. 1, 134;
vgl. zusammensetzungen, bzw. zusammenrückungen wie: umlautsbezeichnung Scherer
kl. schr. 1, 386; -fähig J. Grimm
deutsche gramm. 1
2, 9; umlautgesetz Bernhardt
waldeigentum 1, 52; -hindernd Kögel
literaturgesch. 1, 2, 483; -los C. Kraus
in abhandl. zur german. philol. 114
und -losigkeit Scherer
kl. schr. 1, 621;
auszerhalb des terminologischen bereichs als '
umbenennung': da dieselben umlaute in christliche benennungen (
wie Oan-Khan in Joan Rex) ... nichts ungewöhnliches ... waren Ritter
erdkunde 2, 291.
dazu umlauten, vb., trans., durch umlaut ändern: ahd. zuattô pattô, umgelautet zuettô pettô J. Grimm
kl. schr. 3, 144; u wird durch i in ü umgelautet Paul
wb.3 569
a;
intr., sich durch umlaut ändern: dasz letztere (
doppelvocale) nur in doppelte umlauten können als â in æ, ô in œ ... J. Grimm
deutsche gramm. 1
2, 10;
auszer der fachsprachlichen verwendung auch allgemeiner als '
lautlich verändern': Deut, Diet, Düid, Thiete ... bei der vielsprossigkeit des groszen stammbaums muszte ... der urlaut durch alle umbildungen gehen ... so sind auch die namen Dietrich, Dietbert ... auf alle mögliche weise umgelautet worden Jahn
w. 2, 504
E.