umblasen,
vb. 11)
trennbar. 1@aa)
durch blasen umwerfen, flatu dejicere umbblasen Dentzler (1716) 2, 319
a;
seit dem 16.
jahrh. bereits in bildlicher verwendung belegt: daz die vier wind, nemlich die vier fleischlich ungestüemb, nit umbplasen uns irdische menschen Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 314
Reithm.; die leiter sei nur leise angelehnt gewesen und durch einen luftzug umgeblasen worden H. Laube 11, 132; auf, Thomas! der wind wird dich nicht umblasen Holtei 24, 247; der sturm (
des lebens) blies mich um, wie ich drauszen stand G. Hirschfeld
die mütter (1896) 83;
auch mundartlich, s. Fischer schwäb. 6, 84; Leihener
Cronenberg 88
a; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 461
b; Möller
Sylt 190
b;
für Wien und Unterfranken s. u. was umgeblasen wird, gilt als schwächlich, hinfällig, unbeständig: wie bistu schreckliche grosze macht auff so losem grund gestanden, das du von einem odem umbgeblasen wirst? Luther
bibel 7, 390
Bindseil; das er (
gott) uns mocht mit einem othem umbblasen
ders. 34, 2, 380
W.; D. Luther ... hoffet, er werd mich umbblaszen Carlstadt
erklärung des 10.
cap. Kor. 1 (1525) F 4
b; er ist so müde, dasz ein schneider ihn umblasen kann Kotzebue
s. dram. w. 25, 221; eine mücke könnte ihn umblasen Schellhorn
sprichw. (1797) 65; das kind ist ja nur son hälmchen zum umblasen G. Hauptmann
die weber (1892) 17;
dialektisch von einem entkräfteten menschen: ar it zon ümblasen Ruckert
unterfränk. 186; de is zun umblasen Jakob
Wiener. 200
b.
namentlich vom kartenhaus: wenn man dargegen helt die aller stadtlichsten gebew ..., so sinds hiergegen kaum wie ... karten häuszlein, das man mit dem athem umbblasen kan Schaller
theol. heroldt (1604) 340; einen beutel mit geld in der hand und sie (
die klöster) lassen sich wie kartenhäuser umblasen Gutzkow
zauberer v. Rom 5, 206; als ihm das schicksal ... sein kartenhaus umblies W. Schäfer
die miszgeschickten (1909) 23.
im anschlusz an das umblasen der mauern von Jericho (
Jos. 6, 20)
hat sich ein eigener anwendungsbereich ausgebildet: got ... geb uns der basaunen eine, do mit die mauren Hiericho wurden umbworffenn, das wir disze stroeren und papyren mauren auch umbblassen Luther 6, 407
W.; also ligt die eiserne maure mit einem wortlin umbgeblasen 23, 170
W.; Gottfried: jetzt reiszt mir die geduld, was ist ein trompeter, wenn ihm der athem ausgeht?
trompeter: die trompeter haben mauern umgeblasen Meisl
theatral. quodlibet 1, 102; bringt er doch keine armee mit, sondern blos einen trompeter, der bläst uns nicht um Bauernfeld 6, 162; den (
turm) hat der kühirt in der stat mit seinem horn umgeblasen Uhland
hoch- und niederdtsche volkslieder 632;
hierhin wohl auch: das umgeblasene lehrgebäu mit der versicherung, es stehe wie fels, wieder hinzustellen J. H. Voss
antisymb. 2, 229. 1@bb)
ringsum blasen und dabei verkünden: dazuomal liesz ... Don Hugo in Rom durch ein trummeten auszruffen und umbplasen, das sich niemandt förcht oder in schrecken setzt S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 234
b; wiewol im lager bei leibstrafe umbgeblasen war, sich alles plunderns ... zu enthalten Kirchhof
milit. discipl. (1602) 219; da liesz der könig Menelaus umbblasen zuo dem mittagmahl
V. Schumann
nachtbüchlein 317
lit. ver.; den fried umbblasen und auszschreyen H. Sachs 8, 217
K.; öfter neben umschlagen (
austrommeln): ob schon under den hoffleuten umbgeblasen und sonst umbgeschlagen wirdt, uber rauchfutter niemandt zu beschweren Kirchhof
milit. discipl. (1602) 131;
ebda 142;
zuletzt bezeugt: wann ein läger umgeschlagen, umgeblasen (
d. i. das signal zum aufschlagen eines lagers durch trommel und trompete gegeben) ... wird v. Fleming
soldat (1726) 181. 22)
untrennbar, um jemand, etwas herum blasen: wie durch umblasen wird durch umgehen und umackern land erworben J. Grimm
rechtsalterth. 41, 119;
vorwiegend gehobener sprache eigen: eine von zugwind stets umblasene felsterrasse Scheffel 3, 186; wo mich der nord mit schnee umbläst E.
M. Arndt 5, 228
R.-M.; balsamduft mich umblies St. George
die bücher der hirten 88.