überzug,
m. mnd., overtoch Schiller-Lübben 3, 281;
nomen actionis und concret, in der neueren sprache überwiegt der gebrauch als concretum. 1)
nomen act.: a)
transitus Steinbach 2, 1116; ü. eines heeres über einen strom Kramer
hochniederd. wb. (1719) 221
a; welche (
brücken) er beide nach überzug seines volcks ... liesz zerbrechen und zerstören Adelphus
Barbarossa (1535)
B 5
b; ü. über die Weissel Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 18; ü. über die Donau v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 392; ü. der flusz Xylander
Polybius 151; ü. (
über die Alpen) Stumpf
Schweizerchron. (1606) 292
a.
heute auszer gebrauch. b)
übersiedlung: das kann ... meinen ... entschlusz unseres überzugs nach ... Leipzig nur schwächen Jac. Grimm im
briefw. mit W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 193; P. Cornelius
literar. w. 2, 605; von dem spätern überzuge nach München war derselbe (
Dingelstedt) noch mehr befriedigt Ötker
lebenserinn. 1, 260. c)
das vorbei-, vorüberziehen, von wbb. des 17.
jahrh. ab gebucht, z. b. Hulsius-Ravellus (1616) 339
a; Stör (1650) 504
a; Rädlein (1711) 910
a; Hilpert
deutschengl. wb. 650
b,
doch wenig gebraucht. temporal: ü. eines regens,
een korte regen Kramer
deutsch-holl. wb. (1787) 471
b. d)
feindlicher überfall, zu überziehen,
invadere (
s. o.)
vgl. auch oben überzuck
: invasio Stieler 2644;
kriegs überfall Hulsius-Ravellus
a. a. o.; (
dasz) in dem übertzuog, unsern freunden von Dinckelspuhel bescheen, etlich der unseren armenleute (
beraubt worden seien)
städtechron. (
Nürnberg 1456) 10, 216
anm. 1; dieweyl gegenwertigen sumers ... ernstlich überzugs von den Durcken zu gewarten sey
quelle (
a. 1526)
bei Diefenbach-Wülcker 882; Philippus besorget sich eines überzugs ... und verschlosz sich in Erfurt Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 168
1; dieser der Saracener überzug ist gantz schweerlich und erbärmlich ... gewesen Feyerabendt
ungar. chron. 86
a;
acta publica 8, 241
P.; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 488
a; (
er) ersuchte ... den könig, sein land mit gewaltsamen überzug und aller feindseligkeit zu verschonen v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648), 279, 1; Schottel
haubtspr. (1663) 622; ungerechtigkeiten, welche von jedem feindlichen ü. unzertrennlich sind G. Forster
s. schr. (1843) 3, 144; wie diss und jenes volck mit überzug und kriegen das ander undertruckt Rompler 1.
gebüsch 76.
in der neueren sprache auszer gebrauch gekommen. 2)
concret: dasjenige, womit ein anderes ding überzogen, umhüllt wird Voigtel
wb. 3, 451
a;
obductus Diefenbach
gl. 386
b;
coprimento, deck Hulsius (1618) 2, 108
a;
obductio, incrustatio, lorica, crusta ... corium Schönsleder
prompt. (1647) Q q q 2
b;
involucrum, ein futter oder überzug Garthius (1679) 392
b. a) '
das kleyd, welches man über die andern anzeucht, supravestis' Stör (1650) 504
a; Duez
nomencl. (1652) 39;
oberrock Comenius
janua 712; Jacobsson 4, 471
a;
Noel Chomel 8, 2196; ihre kinder gingen ... mit einem kurzen überzuge gekleidet Just. Möser
s. w. 3, 70.
veraltet. b) überzug eines buchs,
bucheinband, buchhülle: involucrum membranaceum, pergamentener überzug Golius
onomast. (1585) 162; A. Siber
gemma 143; Zehner
nomencl. (1645) 6; Corvinus
fons lat. (1646) 800; Calvisius (1666) 159. ü. oder umschlag um einen brief,
un couvert Rädlein (1711) 910
b; Kramer
dtsch.-holl. wb. (1787) 471
b.
heute auszer gebrauch. c)
schutzdecke, z. b. ü. über möbeln
u. ä.: hier sind die überzüge unserer möbeln nicht von schwerem seidenstoff G. Freytag
w. 4, 29; die möbel mit ihren überzügen standen unwirthlich in dem groszen leeren raum Storm
w. (1899) 1, 224; (
er) verchrete dem präsidenten ... einen gestickten ü. über einen sattel A. Olearius
morgenl. reise 87.
besonders überzug von bettzeug für älteres zieche (
theca): ü. von weiszen geräthe über das bette ... und bestehet selbiger in einem betttuch, zwey hauptküssen und der deckbettezüge Amaranthes (1715) 2061;
Noel Chomel a. a. o., auch nd. s. Danneil 9
b; Stürenburg (1857) 164
a.
seit dem 16.
jahrh. zu belegen, verkehrs- und schriftsprachl. allgemein: Schweinichen
denkw. 526; der leinene überzug, womit ein bette überzogen wird Gueintz
d. dtsche rechtsschr. (1666) 169; die kissen (
sind) mit blauen überzügen versehen Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 254; inlet und überzug nähen G. Freytag
ges. w. 8, 330; ein hochzeitsbette mit schneeweiszen überzügen
M. Reich
ausgew. w. 263
bibl. d. schr. aus Böhmen. bildlich: die erde war mein pfül, mein überzug der himmel P. Fleming
dtsche ged. 1, 195
L. d)
decke, tünche, firnisz, glasur, belag: lorica, ein überzug ... oder verpflasterung einer maur Frisius
dict. (1556) 782
a;
corium ex calce et arena, quod pavimentis inducitur Bas. Faber
thes. (1587) 400
b; Rivius
Vitruv (1575) 477;
auch in der sprache der gegenwart in breiter verwendung: Lueger
lex. d. ges. technik 7, 752; ... weil die gefäsze ... den glasartigen, glänzenden überzug, den man glasur nennt, nicht haben Sulzer
theorie d. schönen k. 4, 302; Böttiger
kl. schr. (1838) 2, 96
anm.; incrustation Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 788; Mothes
baulex. (1882) 4, 389; Stenzel
seemannsspr. 434
a; ein überzug von kalk, mörtel, lehm Hilpert 650
b; ü. aus cement Muspratt
chemie (1896) 5, 521. e)
in der mineralogie ist der ü.
eine dünne lage eines fremdartigen gesteins über irgend ein mineral Krünitz 193, 151; der schwarze, bleifarbene überzug der granitblöcke Humboldt
kosmos (1845) 1, 134. f) '
indumentum, der überzug,
darunter versteht man alle theile, welche die ... oberfläche einer pflanze überkleiden (
haare, drüsen, duft oder reif)' Bischoff
wb. d. beschr. bot. (1839) 102; der stengel (
der veronica media) ist weichhaarig, besonders nach oben hin, wo der überzug oft sehr dicht, fast filzig wird Röhling
Deutschlands flora (1823) 1, 305; Behlen
forst- u. jagdkunde 6, 107;
crustata animalia, thier, die einen rauchen überzug haben als kräbs, käfer Maaler (1561) 447
d; überzug oder innere membrana oder haut (
des magens) Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 868; Comenius
a. a. o. 241. g)
in übertragenem sinne wird vereinzelt der leib als ü. (
hülle)
der seele bezeichnet: das ander, was das volk für schöne hält und heißt, der seelen überzug, der leib pflegt oft zu triegen P. Fleming
dtsche ged. 506
L.; was pralst du (
tod) viel mit deiner siegespracht? du hast ja nur die mürben leibesschalen, den überzug des groszen geists erlangt! Triller
poet. betracht. (1750) 3, 84; mein fleischlicher überzug Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 450. h)
als term. techn.:
ein über der balkenlage hinziehender träger Lueger
a. a. o.; im gegensatz zu unterzug
ein balken, der über schwächere träger geführt ist Karmarsch-Heeren
techn. wb. 3 9, 749; Mothes 4, 389. i)
als verdeutschung für hyperbel
bei Bürja
gröszenlehre (1799) 86. —
compp.: überzugärmel, m., schutzärmel, schreiberärmel, dass., was überziehärmel (
s. o.),
vgl. Böttiger
kl. schr. (1838) 2, 261
S. —