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überschreiten

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überschreiten v.

Bd. 23, Sp. 518
überschreiten, v. , mhd. überschrîten mhd. wb. 2, 2, 218b. AA. untrennb. verb. A@11) über etwas hinschreiten. A@1@aa) die künigin (und ihre gesellschaft) ... (das) grün gras mit senften tritten ... überschriten Arigo dec. 466, 8 K.; immer wankt und zittert der moorboden, wenn man ihn überschreitet oder überfährt Allmers marschenbuch 1, 81; Laistner nebelsagen (1879) 274; thauig moos und wasserflächen überschreitend, schwebt sie hin Göthe I 3, 126 Weim. A@1@bb) jemand, der da ligt, überschreiten, id est über ihn herschreiten Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 665a; ding, so die weiber zu den früen ... geburten verursachen ..., nemlich so ein weib ein nater oder schlang überschreitet Ruoff hebammenbuch (1580) 134; so lange ihr eure kinder überschreiten könnt, so lange werden sie auch wachsen, wenn ihr sie aber nicht überschreiten könnet, so sind sie gewisz schon so grosz, dasz sie ausgewachsen haben Schmidt rockenphilosophie (1706) 1, 73. A@1@cc) ein pferd u. s. w. ü., besteigen (seit dem 12. jahrh. belegt), s. mhd. wb. a. a. o.; ein eszlein, die wirt sein bereit, die noch kein man nie überschreit Egerer fronleichnamspiel 119; do sprach graf Rudolf: das wöll gott niemmer, dasz ich ... mit wüssen das pferdt überschrite, dasz min ... schöpffer getragen hat Tschudi chron. Helvet. 1, 166 (Schiller graf v. Habsburg: beschritte); Hans Sachs 13, 488 K.-G.; Aymon (1535) C 2b. ferner ein bett ü., z. b. ob sie wider geheurat und ain ander man Ulyssis beth überschritten hat Schaidenreiszer Odyssea (1537) 67a; den thron ü., besteigen Opitz Arg. 2, 26. A@1@dd) mhd. u. nhd. in breiter verwendung: einen berg, flusz, eine brücke ü., z. b. die Pyrenäen und Alpen Creuzer symbolik (1810 f.) 2, 257; dann und wann wurde ein niedriger bergkamm überschritten Sven-Hedin abenteuer in Tibet16 213; wo es ein geringes wässerlein zu überschreiten gab, da streckte sich sein arm ihr stützend entgegen Immermann 3, 29; die brücke des stromes ü. Grimm mythologie4 2, 696. aber auch die Donau Mommsen m. gesch. 5, 12; den Rhein G. Keller 3, 246; die Oder Ranke 25, 10; wir überschritten ihn (den strom) ... auf einer fähre Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 134. sprichwörtlich: der Rubikon ist überschritten Hebbel br. 7, 46. A@1@ee) die schwelle ü.: man überschritt mit einer gewissen feierlichkeit die schwelle Fontane I 6, 428. A@22) über etwas hinausschreiten. A@2@aa) örtlich: die grentzen Asie ü. Xylander Polybius (1574) 1; Xemindo (hat) mit einer gewaltigen armee die grentzen bereits auf zwantzig meilen überschritten Ziegler asiat. Banise (1689) 60; den folgenden tag wurde die sächsiche grenze von verschiedenen abtheilungen ... überschritten Ranke 30, 233. A@2@bb) bildlich, besonders in der neueren sprache ganz allgemein: ziel u. masz ü., finem et modum transire Faber thes. (1587) 281a; Steinbach 2, 514; Voigtel wb. 3, 445b; sein amt ü., excedere officii limites Dentzler clavis ling. lat. (1716) 2, 297b. sodann synonym mit übertreten, vgl. Schöpper syn. C 4b s. v. praevaricari; das gesetz ü., violare Steinbach a. a. o.; und hetten ihn dahin gebracht, dasz er gantz überschrit das ziel, und war kein laster ihm zu viel W. Spangenberg anbindbr. (1623) R 1b; die schranken der höflichkeit ü. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 38; des anstandes Pocci lust. komödienbüchlein (1859) 240; die regeln der kunst Morhof unterricht (1682) 1, 172; die grenzen der ehrbarkeit Herder 16, 17; keuscher scham Schiller 151, 48; gottes wort Mathesius Sarepta (1571) 134a; sein gelübde Kirchhof wendunmuth 2, 133; alle gebürlichkeyt Fischart ehzuchtbüchlein 291 H.; recht und redlichkeit Zincgref apophthegmata (1628) 41; die gehörige mäszigung Solger nachgel. schr. u. s. w. 1, 159; verordnungen Göthe I 17, 130 Weim.; befugnisse Bismarck polit. reden 1, 303; vollmachten Moltke ges. schr. u. s. w. 2, 108; meinen urlaub Göthe I 11, 213 Weim. A@2@cc) in der ä. spr. auch ohne ergänzung für excedere, eine übertretung begehen: welche stücke er (Esau) one sünde nicht hat üben können; er hat müssen überschreitten, sonderlich im jagen C. Spangenberg jagteufel K 1a; von den turteltauben schreibt Aelianus ... dasz sie hart über ehelicher keuschheit halten und da eins überschreitet ..., so sind die anderen seiner gattung über es her theatr. diabol. 1, 217a. A@2@dd) temporal gewendet: der ... stiffter des lebens hat allen menschen ein ziel der jahre vorgesteckt, welches er nicht kan überschreiten Harsdörfer secretarius 1, 104; gott ... ihr herrn vater ... das achtzigste jahr ... hat überschreiten lassen Schupp schr. (1663) 465; Fontane ges. rom. (1890) 7, 109; ich habe bereits die zeit überschritten, die ich zu reden habe Herder 16, 43; den termin ü. Schiller 4, 232. A@2@ee) der bildliche gebrauch führt auch zur verwendung bei unpersönl. und abstractem subject: A@2@e@aα) der weg überschreitet den bach Barth Kalkalpen 263; der islam hat längst den Niger als südgrenze überschritten Ritter erdkunde 1, 331; der ölbaum überschreitet die politische grenze Italiens nicht Moltke ges. schr. u. s. w. 1, 163; das geheimnis, das meine lippe nicht überschreiten durfte Göthe I 12, 25 Weim. A@2@e@bβ) deine vermessenheit überschreitet alle gränzen samml. von schauspielen (1764—9) 1, 41; Schiller 4, 128; ausgaben, welche die einnahmen überschreiten Bismarck polit. reden 4, 240; S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 358; sein wuchs überschritt das gewöhnliche masz Grimm Michelangelo 1, 107; überschreitet der kupferzusatz mehr als drei vierteile der mischung, so ... Luschin v. Ebengreuth münzkunde 33. absolut für excedere (s. o. 2 c.): dardurch man belder in geferliche kranckheit einfelt, als iergend durch ein traurigkeit, wann nemlich die freud überschreytet Paracelsus chirurg. schr. (1618) 743a. A@33) aus 2 entwickelt für auslassen, überspringen (ältere sprache): ding, ... die der kürtz halben hie überschritten (sind) Eppendorff kriegsübung (1551) vorrede; Stumpf chron. (1606) 3b; was nun das Pannonium anlangt, soll an seinem ort auch nicht überschritten werden Thurneisser erdgewächse (1578) 78; was am nothwendigsten ist zu erklären, pflegen sie zu überschreiten Happel akad. roman (1690) 460; der todt, so keinen wirdt überschreiten Grasser schatzkammer 443. A@44) schneller schreiten als ein anderer, ihn schreitend überholen, sodann in weiterer verwendung für übertreffen: macht der eine mit dem stärksten wandertrab sich auf, so hat der andre siebenmeilenstiefel an, überschreitet ihn Göthe II 37, 129 Weim.; einen in einer kunst oder wissenschaft weit überschreiten, superare Kramer a. a. o.; dich hat kein mensch an groszmuth überschritten Göthe I 16. 26 Weim. A@55) sonderverwendungen verkehrssprachlicher art entwickeln sich aus 1: A@5@aa) jem. überschreiten, sich über ihn hermachen, ihn durchprügeln: (er) erwischt ein brügel jung von eichen, der vom halsz thet zun fingern reichen, den knecht gar weidlich überschritt B. Waldis Esopus 2, 182 Kurz. A@5@bb) behexen, bezaubern: hat dich überschritten ein mann, so segne dich gott und der heilige Ciprian; hat dich überschritten ein weib, so segne dich gott und Mariae leib Peter Schlesien 2, 230. BB. in trennb. verbindung für hinüberschreiten, transgredi, s. Stieler 1931; Steinbach 2, 514. in eigentlichem und bildlichem gebrauche, meist mit zielangabe dieweil die ... jahreszeiten nicht allzeit in gleichen grentzen bleiben, sondern bisweilen nun auf dise, dann auf jene seit überschreiten Sebiz feldbau (1579) 44; als ob er aus dem stande der unschuld zum bösen übergeschritten wäre Kant 6, 203; wir sind mit diesem worte schon von den beinamen zu den appellativen übergeschritten J. Grimm kl. schr. 3, 371. —
7710 Zeichen · 203 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überschreiten

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Überschreiten , verb. irreg. S. Adelung Schreiten . 1) Überschreiten, als ein Neutrum mit dem Hülfsworte seyn, ich schre…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überschreiten

    Goethe-Wörterbuch

    überschreiten [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    überschreitenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    über-schreiten st. : 1. 'über etwas gehen', nach dem Schd., -schreide, -schreire [vereinzelt]. — 2. 'über den Rahmen des…

  4. Sprichwörter
    Ueberschreiten

    Wander (Sprichwörter)

    Ueberschreiten Das Ueberschreiten des Po bringt Unglück. Vor altersher war bei den Bündnern das Sprichwort, dass ihnen U…

  5. Spezial
    überschreiten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    über|schrei|ten vb.tr. 1 superé (-rëia) 2 (überqueren, übergehen) passé ia 3 (in Bezug auf Berge u. Ä.) jí (passé) sura …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberschreiten

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Zerlegung von ueberschreiten 3 Komponenten

ueber+(schrei+ten)

ueberschreiten setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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