überenzig,
adj. u. adv. superfluus. formen: überenzig, -einzig, -inzig, -unzig, -enz.
ein wort unsicherer herkunft. Schmeller 1, 118
schwankt in der erklärung zwischen ableitung aus überrinnen
und suffixableitung überenzen,
dem verbalsuffix, das in bockenzen, faulenzen, wildenzen
usw. vorliegt (
s. o. th. 3,
sp. 677,
ferner die sammlungen von Kluge
und Rother
in zs. f. d. wortf. 6, 40
ff.; 14, 219
ff.)
und eine in ihrer bedeutung geschlossene gruppe von verben bildet. er führt es aber auch als intensivbildung zu übrig (1, 20)
und als compos. zu einzig
an (1, 89).
als compos. von über
und einzig
wird das wort von Lexer
handwb. 2, 1613
und bei Staub-Tobler 1, 359
erklärt. diese deutung führte schon die grammatiker des 17.
jahrh. zu ihrer wortbildung übereinzig,
pluralis (
s. o.).
doch spricht bedeutung und der vocalismus der dritten silbe dagegen. die herleitung von enzi, enz '
riese'
verbietet sich aus gründen der bedeutung, gegen die anknüpfung an ende
endlich spricht das fehlen einer formelhaften zusammenrückung überende (
adverbiell *überendes)
in einstimmender bedeutung. als intensivbildung zu übrig
faszt Crecelius 2, 834
das wort. es ist schwer von faulenzen, bockenzen
etc. zu trennen. innerhalb dieser sippe auf -enzen, -enzig
nimmt überenzig
allerdings eine isolierte stellung ein, weniger wegen fehlens eines verbums überenzen (
adjectiva auf -inzig
ohne verbalbildungen bei Rother
a. a. o., z. b. altinzig, fettinzig, grunenzig),
als durch seine bedeutung. ü.
ist vom 14.
jahrh. an belegt (
s. Lexer
a. a. o.),
in den meisten wbb. obd. u. md. maa. gebucht: Schmeller
a. a. o.; Staub-Tobler
a. a. o.; Martin - Lienhart 1, 46; Schmidt
els. wb. 365
b; 369
a; Fischer
schwäb. wb. 2, 746: Follmann
lothr. ma. (1909) 262
b;
lux. ma. (1906) 194
b; Vilmar
kurhess. idiot. 420; Crecelius
a. a. o. Schmidt
westerwäld. idiot. 276; Askenasy
Frankfurt. ma. 99; 213; 231; Autenrieth
pfälz. idiot. 143.
für den osten kenne ich nur den beleg Rothers
a. a. o. aus Schlesien. auf ns. gebiete ist ü.
nicht bodenständig, Heynatz
antibarb. 2, 488
nennt ü. '
häszliches oberdeutsch',
im nd. (Wöste 192
a),
mnl. (overensich),
nnl. (overentzig, overensig de Vreese
woordenb. 11, 1686)
ist es lehnwort aus d. hochd.; wie die meisten bildungen auf -enzen, -enzig
blieb auch ü.
mundartlich. bedeutung u. gebrauch: überig, überentzig, hinderstellig furhanden Schöpper
syn. h 6
a;
reliquus Dasypodius
dict. N i i i j;
superfluo Hulsius (1618) 253
a;
übrig Kramer (1702) 2, 1175
b. aa)
attributiv: also ward die überentzig zeit mit zimlichen freuden vertriben Wickram 2, 134, 25; nachdem der überentzig blunder (des zu vil in schif was) uszgeworfen ist Keisersberg
schiff d. penitenz 111; ein armer landsknecht ... hette nit überäntzige kleider an Frey 57, 4; bekommt auch wol denen, so mit übereintzigem geblüt beladen sind Tabernämontanus
kräuterb. 634; mit überäntzigen fasten den leib und gesundheit schwächen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 2, 141. bb)
substantiviert: das überentzige,
reliquum, superfluum. resto, residuo Kramer (1702) 2, 1176
a; das die diener gotes ... nit allein für sich selbs fürsehen weren sunder auch etwas überentzigs hetten H. Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) 36
a; von dem ubereintzigen, welches ein hauszvater sammlet und auffhebet Sebiz
feldbau 135;
vgl. auch Wöste
a. a. o.; wolt ich ein überentzigs thun Wickram
rollwagenb. kap. 272; ich will ein übereintziges thun Kirchhof
wendunm. 154. cc)
prädicativ: überentzig sein, überig sein,
restare, superesse Emmelius N n 7
b;
avanzare, esser troppo Hulsius (1605) 143
a;
überbleiben Megiserus
thes. 2, 422
a; und waʒ dan überentzig were daʒ sal aber ime und sînem stiffte alleyne zusteen und zu staden komen
Mainzer urk. a. 1426
bei Crecelius 2, 834; was man über statsgebühr überentzig hat Dannhawer
evang. memorial (1661) 620;
vgl. auch Follmann
a. a. o.; ü. bleiben Eppendorf
Plinius (1543) 8, 44; ü. behalten Sebiz
feldbau 138; ü. lassen Schmidt
westerwäld. idiot. a. a. o. dd)
adverbiell zur bloszen steigerung des begriffes: über die maszen. eccesivamente Kramer (1702)
a. a. o.; iwwerenzi lüeje Arnold
pfingstmontag 5, 3; i. dumm,
sehr dumm ebenda 1, 4.
in der bedeutung '
übrigens'
bei Wöste
a. a. o.; Kramer
a. a. o.