überbleiben,
v. ,
restare, superesse. mhd. überbelîben;
mnd. overbliven;
mnl. overbliven;
nnl. overblijven;
dän.-norweg. overblive;
schwed. öfverblifva.
trennbare comp.; über
geht mit dem präfigierten verbum mhd. belîben
eine engere verbindung ein als z. b. mit behalten, bekleiden, bekommen
u. a., weil belîben
wegen der schon mhd. häufigen synkope des e (blîben
für belîben)
früh als simplex empfunden wurde. formen mit erhaltenem e
finden sich neben synkopierten bis ins 17.
jahrh.; das part. prät. lautet überblieben
bis ins 19.
jahrh., daneben schon vom 16.
jahrh. an übergeblieben;
noch bei Herder, Göthe, Schiller
überwiegt die erste form; erst im 19.
jahrh. trägt übergeblieben
den sieg davon, überblieben
bleibt daneben in verengter bedeutung und substantivischer function (
s. u.)
im gebrauche, doch auch hier mit übergeblieben
in concurrenz (
vgl. Heynatz
antibarb. 2, 487).
im gebrauchsumfange weicht überbleiben
in jüngster zeit merklich vor übrig bleiben
zurück. 11)
superfluere, voc. theut. (1482)
h h 6
b;
restare Diefenbach 495
a;
überig sein, restare, superfieri, superesse Maaler (1561) 442
a;
zurückbleiben, remanere Dentzler
clav. ling. lat. 294
a; also dasz der wein nit überlauff und wol einsiede und lützel davon überpleib Mynsinger
von den falken u. s. w. 39; eyn wenige kalt fleysch ... das ir des morgens was über belieben Arigo
decam. 411
Keller; es wäre gar unzimlich, dasz du eszen soltest, was mir ob mynem tisch über belibe Stainhöwel
Äsop. 210; den krancz hat Jacob Sailer gewunen, schuelgelcz plieb über 1 ort und 1 fl. Hans Sachs
gemerkbüchlein 62
neudr.; do assent sy, das sy alle gnug hettent, und hubent uff die stuck die über warent bliben
der ewigen wiszheit betbüchlin 166
a; etwas im dividiren überbleybt Stifel
die coss Rudolffs gebessert (1553) 56; dann das füwer überfiel sie schnell, es blibend nit mer dann 27 huser über Tschudi
chron. Helv. 2, 95; (
bei der speisung der 5000): darnach huben auff an der stat die jünger, was war überblieben Hans Sachs 1, 283, 2
Keller; ja, wenn ichs als beschreiben kund, was sie geredt hand und getriben, kein papier solt mir überbliben Fischart
Stauffenberg 312
Hauffen; wer nid chunt zur rechte zit der mues ha was überblibt Hunziker 269; von dreissigen die hälft', und eine drüber, sind sechzehn perlen; vierzehn bleiben über Brentano 6, 380;
part. überblieben
und übergeblieben: (
die weinknechte sollen) die übergeblibnen trester (
zertreten) Herr
feldbau (1551) 115
a; ausz einer überblibnen oder gesterigen suppen Boltz
Terenz deutsch 54
b; überbliebene brokken Schottel
haubtsprache 841; die übergebliebenen schriften Klinger
werke 11, 251; ein armer hungriger bettler, der nach übergebliebenen brosamen schnappte maler Müller 3, 253; das überbliben oder zesamengeläsen von nachtmal oder imbisz,
coenae vel prandii reliquiae Maaler (1561) 442
a; schlacken ..., ist das überbliebene von dem geschmoltzenen ertzte Gueintz
rechtschr. 125; übergebliebenes,
aufgewärmte speise Spiesz 262. 22)
allgemein: am end ist noch überblieben zuhandlen eine frage Luther 32, 535, 29
Weim.; also wirt überblyben, dasz wir nach dem gmüt oder nach der seel sind gebildet uf den schlag gottes Zwingli
deutsche schr. 1, 57; auff das kein zweiffel in anzeigung der ursachen überbliben Xylander
Polybius 8; glauben sie, dasz mir kein augenblick meiner existenz überbliebe, wenn ich auf all solche briefe, ... antworten sollte Göthe IV 3, 64, 7
Weim.; ich suche einen guten abgusz um dir das mögliche mitzubringen, aber es ist der zauber des marmors nicht übergeblieben IV 8, 100
Weim. 33)
verengt: am leben bleiben, superstitem esse Stieler 193; allein Noah bleib über und was mit im in dem kasten war
1 Mos. 7, 23; das das weib überbleib beiden sönen und irem man
Ruth 1, 5; würget sy all ... das nit einer überblieb Franck
chron. zeytbuch 53
a; gar wenig juden pliben über und kamen darvon Aventin 1, 861; weinet Flora, dasz der tod jhr den schweher aufgerieben? nein, die threnen flieszen nur, dasz die schwieger überblieben Grob
dicht. versuchg. 14.
besonders im part.: (
die frauen) wurden mit wenig der überbelibnen mannen zu den strytbaren waffen beweget Stainhöwel
de claris mulieribus 51; der adel und überblibne fürsten flohen ausz dem land in Ungeren Franck
chron. Germ. 148
2; haben sich die Ungarn ... in Ungarn gesetzt zu den überblibnen Hunis Stumpf
Schwytzerchron. 5
b.
substantivisch: überbeleybender, überbelibner,
superstes voc. theut. (1482)
h h 6
b; mit dieser hand (
hast du) deinen einzigen übergebliebenen ermordet? Gerstenberg
Ugolino 268, 3; möge es uns überbliebenen (
lord Byron ist gestorben) wohl gehen Göthe IV 41, 86
Weim.; uns beide hab' ich nun, die überbliebnen von Tantals haus, in deine hand gelegt Göthe
Iphigenie v. 1934;
in gleicher bedeutung findet sich überbleiber, m., superstes Diefenbach 567
b. 44)
ewig leben Ruckert
unterfränk. ma. 186; Hügel
Wien. dial. 169
a. 55)
verschont bleiben: darnach wil ich (
der pfarrer) das viech ausztreiben, seidt ich nit über mag beleiben
pfarrer v. Kalenberg 96
neudr. meist mit dat.: mir bleibt etwas über ==
ich verschone, übergehe etwas: (
das zutrinken) blibt allem vyeh über, das sich in keinen weg ... also zum übersuffen zwingen loszzt Keisersberg
post. 4, 14
b; sampt alle dem, das dem hagel überblieben ist
2 Mos. 10, 12; was schelten ich hie hab gethan, das thet ich von den bösen wyben, die frummen mir hie überblyben, usz denen ich kein spott will tryben Murner
mühle 745. 66)
landschaftlich auch '
ledig bleiben': mach nur, dasz ich diesen fasching nicht überbleib und heirath mich! Hafner
lustspiele 2, 171.