übelstand,
m. 11)
indecorum, inhonestas, indecentia Maaler (1561) 441
b;
das sich übel schickt Hulsius (1605) 143
a;
ein ding das nicht wohl stehet und sich nicht ziemet Stoer (1650) 494
b;
unziemung Stieler (1691) 2646;
in dieser bedeutung noch in den wbb. des 18.
jahrhunderts z. b. Hederich 2395, Ludwig
teutsch-engl. wb. (1765) 1779, Chomel 8, 2191. 1@aa) pfuy euch jr vnflätter, die jr vbelstand für zucht halten, den tod leben haiszt Joh. Nas
das antipap. eins und hundert 4, 342
b; Weibhold vnd ich schwiegen stille, ... zumahl weil es vnsers achtens ein rechter vbelstand ist, wo bey löblicher gesellschaft die jüngere den alten im reden wollen vorgehen Moscherosch
ges. (1650) 2, 281; wasz man vor disem für eine schand gehalten, ist nunmehr eine ehr: wasz ein übelstand gewäsen, steht ietz- und am bästen Rompler v. Löwenhalt
reimged. Oo iiij; das römische frauenzimmer nahm sich, bisz zum übelstande seines rechts an Haller
Fabius u. Cato 136; vermutlich hatte sie allen ihren ... stolz zusammengerafft, um eine leidenschaft zu unterdrücken, deren übelstand sie sich selbst unmöglich verbergen konnte Wieland
Agathon 1, 304; der geringste übelstand auf der kanzel, ist ein flecken auf deinem weißen kragen Hippel
lebensläufe 1, 341; was wissen wir nicht alles zur entschuldigung von fehlern und übelständen vorzubringen Ebner-Eschenbach 1, 84; gleich wie es wer ein übelstand wann einer wolt im teutschen land auf türckisch gehn herein gekleidt, welchs in der Türckey sich wol treit Fischart
ritter v. Stauffenberg 277
Hauffen; nie bringst du mich zu solchem übelstand, dasz auf ein weib ich meinen degen richte Gries
Bojardos verl. Roland 3, 93. 1@bb)
miszachtung, geringschätzung: der viel römische sitten an sich genommen hatte, die zu keinem übelstand gereichten A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 158; das thu du nicht mein lieber Christ, denn solches ein recht diebstal ist und gibt bey leuten in dem landt verachtung und groszen übelstandt Ringwalt
lauter wahrheit 40. 22)
deformitas Kirsch (1723) 297
b;
häszlichkeit, körperlicher fehler; das macht einen übelstand
hoc non nullam adfert deformitatem Steinbach 2, 671; die reyhen und glieder müssen aus einer von statur egalen mannschaft bestehen, denn die ungleichheit derer neben einander stehenden personen verursacht einen nicht geringen übelstand Fleming
d. vollk. t. soldat 217; haar-zange ist ein subtiles instrument ..., womit das frauenzimmer die haare ausziehet, so an den augenbraunen hervor stehen und einen übelstand verursachen Chomel
ökon. lex. 5, 16; ich kenne eine dame, und zwar eine der vornehmsten, welche eben der meinung ist, das käuen mache einen unangenehmen übelstand, der ihrer anmuth und ihrer schönheit viel benehme Bode
Mich. Montaignes ged. u. mein. 5, 240; aller übelstand des körpers wurde behutsam vermieden Winckelmann 11, 5 (
über nachahmung); in seinen beziehungen zu frauen hatte er ohne unterlasz diesen übelstand (
körperliches gebrechen) zu empfinden Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 30. 33)
krankheit, schmerz: da der übelstand (
das podagra, das die gerechtigkeit hatte) fast täglich zugenommen Stoppe
Parnasz 318; konnten also wohl die empfindungen des thierischen wohl- oder übelstands geistige empfindungen seyn Schiller 1, 146; seine gemahlin, mit der er sich in sehr frühen jahren vermählt, erweckte ihm durch körperliche übelstände und unangenehme gewohnheiten eher widerwillen Ranke 4, 186; der oberst ... litt an den übelständen einer alten wunde Storm 6, 139;
dann erweitert '
unbequemlichkeit': es sind auch einige (
worte) von unangenehmem klange oder lauten lächerlich, oder geben sonst einen übelstand und widrige deutung Leibniz
deutsche schr. 1, 477; nur einige wenige alte machen einige ausnahmen, ... den übelstand des dreyfachen t zu vermeiden Adelung
umst. lehrg. d. dtsch. spr. 2, 738; auch ist grosz-oktav darum besser, weil die zeilen sich darauf nicht brechen, welches bey dem kleinen format ein mir unerträglicher übelstand ist Lessing 18, 301. 44)
fehler: der gleichen übelstand (
grammatischer fehler) ist ... nicht zu befördern Butschky
hochd. kanz. 67; so halte ich meines teils es für den gröszten übelstand, dasz Ottmar statt einer in allen teilen zum ganzen sich ründenden erzählung, nur vielmehr eine reihe bilder geliefert hat E. Th. A. Hoffmann 9, 91. 55)
unglück, res adversa Dentzler
clavis linguae lat. (1716) 293
b; theils, dasz er sich der guten gelegenheit, die ihm an die hand gegeben wird, gebrauchet in wol- und übelstand, in glück und unglück Widmann
Fausts leben 247
Keller; theilnehmung an dem wohl- und übelstand unserer nebenmenschen Lavater
verm. schr. 2, 366; dieses bild sol einen verdorrten ulmenbaum umgreiffen, der mit einem weinreben umwunden ist, zu bezeichnen, dasz die freundschaft auch in dem übelstand unverwelkt sol beharren Harsdörffer
frauenzimmergesprechsp. 7, 45; daher dan nicht unbillig ausz gerechter verordnung des erzürnten gottes entstehet so manches unglükk, enderung, unheil und übelstand Schottel
friedens sieg 11
neudr.; befällt uns übelstand, so beut du uns die hand A. Buchner
bei Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 491; der gaben leichte schalen wiegt auf mein schwerer wundsch: dasz, weil der sonnen strahlen erwärmen diese welt, euch treff' kein übelstand! P. Fleming
deutsche gedichte 1, 122; von gott kommt wohl- und übelstand, ohn ihn mag nichts geschehen Schmolcke
trost-schr. 1, 610;
besonders von der armuth, gegensatz 'wohlstand': Germania gibt seer vil arms volcks und bettler, so ein verthon volck, das es meer ausz seinem müssigang und stätem zeren und wolleben an bettelstab kummen ist, dann ausz übelstand des lands Seb. Franck
weltbuch 47
a; unzarte anspielungen auf einen »brodesser mehr« konnten um so weniger ausbleiben als Erhart's wohlstand sich in übelstand verlor Holtei
erzähl. schr. 18, 163. 66)
miszstand socialer oder politischer art: wir nun über diesem gesambter löbl. eydgenoszschafft dermahligen übelstand und die ... trennung ein sonderliches mitleiden tragen Harsdörffer
teutscher secret. 2, 438. 77) '
nachtheil, mangel',
ganz allgemein in der geschichts- und gelehrtenprosa, sowie in der zeitungssprache des 19.
jahrhdts.: auch in bezug auf die handhabung des bürgerlichen rechts scheinen manche übelstände obgewaltet zu haben Raumer
gesch. d. Hohenst. 5, 205; dieser wassermangel ist ein groszer übelstand, besonders im hohen sommer Auerbach
dorfgesch. 2, 4; mittel, die übelstände, die aus dieser absonderung des herrschers hervorgehen muszten, wenigstens einigermaszen abzustellen Ratzel
völkerkunde 2, 201; wie aber dann, wenn diese stimmen sich bei irgend einer frage nach ihrer gleichzahl trennten? ein übelstand, den man damals bei allen deliberationen geflissentlich zu vermeiden suchte Ranke 3, 281; ein zweiter übelstand, welchen ich auch nur durch den zunftzwang beseitigen zu können glaube, ist die maszlose concurrenz Bismarck
pol. reden 1, 140.