turnos(e),
m.,
zuerst in Tours geprägte münze, afrz. to(u)rnois, turneis, tournays (< gros Tournois — grossus Turonensis)
erscheint mhd. und frühnhd. in einer reihe von formvarianten, die sich besonders im lautstand der endung unterscheiden (
s. E. Schröder in:
Frankf. münzzeitg. 110 [1910] 23
f.): turno(i)s, torno(i)s, turnei(s), turnes, tornes(s), turniss, tornüss, thornuss, thornusch, thurnasch, tornesch, torns;
vereinzelt auch mit anlautender lenis: durnos,
verschobenem dental: zorne
und dem bei männlichen münznamen geläufigen er-
suffix, vgl. heller, kreuzer: turneisære, turnasser,
eine form, die —
umgedeutet —
noch im familiennamen Thurneysen
fortlebt, mhd. wb. 3, 52; Lexer 2, 1584, 1586; 3, 378; H. Suolahti
d. frz. einfl. auf d. dt. spr. i. 13.
jh., mém. d. l. soc. néo-phil. de Helsingfors 8 (1929) 261
u. 272; A. Rosenqvist
d. frz. einfl. auf d. mhd. spr. i. d. 1.
h. d. 14.
jhs. (1932) 238;
s. ferner die untenstehenden belege. turnose
ist früh auch ins nd. (tornose, turnose, ternose, tornisch Schiller-Lübben 4, 582;
mecklenb.-brandenb. ternose, tornose, dornose [16./17.
jh.] E. Schröder
a. a. o. 21),
ndl. (tornooys, tornoys, turnoys, tournoys, tornesch, tornsch Verwijs-Verdam 8, 596),
engl. (tornese, tournois Murray 10, 1, 162
u. 192)
und dän. (tornose Kalkar 4, 425)
gedrungen, jedoch in neuerer zeit mit der münzart auszer gebrauch gekommen. — '
zuerst in Tours
geprägte münze',
zur sachgesch. vgl. E. Schröder
der turnose a. a. o. 18 -24
und festschr. f. Chr. Eckert (1949) 89
ff.: slan die Franzoise vil turnoise groz von silber ... meister Rumelant
in: minnesinger 3, 64
v. d. Hagen; ses vnd vunffzig guder aldin thornose jo vor eyne igliche marg zu rechene (1386)
bei Bauer-Collitz
Waldeck 177; sez und vumftzig knegis turnose vor die mark
hess. urk.-b. 2, 598
Wyss-Reimer (
ebda 606
f.: tornose, thornose); eyn heller hastu liep ... eyn tornosz nach viel lieber wan er ist vil besser (
vor 1468) Joh. Wolff
beichtbüchl. 9
Battenberg; der bawer musz für dise schmach dem bidermann zu einer rach ein alten silbren thurnis geben H. Sachs 21, 212
lit. ver.; entpfengt er zu besoldung dreissig pfund turnois, siben ducaten vnd sechs Caroliner Fischart
binenkorb (1588) 188
a;
im 17.
jh. vereinzelt noch lexikalisch gebucht: turnes
zween schilling, achtzehn Franckfurter pfenning Hulsius-Ravellus
teutsch-frz.-it. (1616) 332
a;
dann nur noch in histor. darstellung: ein sehr rarer turnoss des in Avignon sitzenden pabsts Clemens VI., zwischen a. 1342 und 52 J. D. Köhler
histor. münzbelustigung 20 (1748) 313; die zierrath der turnosen
ebda. aus erneutem frz. einflusz erklärt sich: wenn aber auch ein gefäsz von dieser grösze (
aus eisen) mit seinen boden 250 pfund woge, so würde es doch allezeit nicht auff 29 pfund turnois (
livres tournois) kommen, weil die kaufleute wenn sie dergleichen für 2½ schilling das pfund geben, dennoch woll darauff gewinnen können
Papin, art u. weise speise zu kochen (1687) 63;
ferner der im oberhess. des 19.
jhs., s. Vilmar (1868) 419,
bezeugte kupferne turnes,
der seit E. Schröder
a. a. o. 21
f. auf denier (double) tournois —
im 17./18.
jh. von frz. truppen nach Hessen getragen —
zurückgeführt wird.