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tugendlos

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tugendlos adj.

Bd. 22, Sp. 1671
tugendlos, adj. , mhd. tugendelôs, tugentlôs. 'ohne tugend', 'sittenlos, zuchtlos'; das gegenteil von tugendhaft, tugendlich, tugendreich. im ganzen selten, namentlich in neuerer zeit. 11) 'kraftlos, schwach'. trotz der vereinzelten bezeugung wohl verbreiteter gewesen: dû (Christus) ziuhest die uncreftigin unde die tugintlôsen St. Trudperter hohes lied 18, 4 M.; wahrscheinlich ist auch der folgende beleg so zu deuten: si (Maria) gêt ouch hiute durch die wuoste der tugentlôsen und wider machet die virhereten unde die verhundeten, unde trôstet die diemuotigen unde die weinenten ebda 40, 23 M. 22) im höfischen sinne 'zuchtlos, unedel, unritterlich': daz mir noch lieber wære der truhsæze ze man genomen, dan ich mit iu wær uz komen; wan swie tugendelos er si, wær er mir keine wile bi, er lieze sine untugent durch mich Gottfried v. Straszburg Tristan 11627 R.; ir tugentlôser bœsewiht, nu wie getorstet ir geleben daz ir dem kinde hânt gegeben als ungefüege biusche? Konrad v. Würzburg Heinr. v. Kempten 136 Schr.; die tugentlosen, eren swach, ze tugende laz, zu untugenden snel, uf daz chocksilber hel mag ich wol gelichen Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 66 R. mit übergang ins allgemein sittliche: daz er ir sit vermidet, des wirt er so vernidet, belogen und gehazzet und wirt so vur gevazzet von den tugende losen; die beginnent in verbOesen sam den valken die meusaren mhd. erzählungen nr. 169, 95 Rosenhagen. 33) im moralischen sinne 'ohne tugend', 'sittenlos', 'zuchtlos', 'ehrlos'; in höfischer zeit beginnend: die sich selben sô verswachent und ir bôsen bœser machent, ân erben müezen si vervarn. daz tugendelôser hêrren werde iht mêre, daz solt dû, hêrre got, bewarn Walther v. d. Vogelweide 23, 24 Kr.; der aber tugentlôs ist, der ist unwert in aller liute herzen David v. Augsburg in: dtsche mystiker 1, 309, 28 Pf.; dass er denn geht nacket und blosz, unverschämbt und gantz tugendtlosz Hans Sachs 15, 349 lit. ver.; sonder es understehn sich auch weber und spüler ... ja wol auch (pfui der schanden) fürwitzige, tugentlose weiber ... die heilige schrift auszulegen J. Agricola ketzerbrunn (1583) 26; zu solcher disputation wurden keine trunckliebende, zancksüchtige, tugendlose ... gelassen Joh. Matth. Meyfart tuba novissima (1626) 65; und sind alle kinder, welche übel erzogen werden, für tugendlose und elende waisen zu halten, wann gleich die eltern noch leben G. Ph. Harsdörffer t. secretarius 2 (1659) 125; die götter behüten mich vor dergleichen gefahr, und dasz ich ja nimmermehr wieder in tugendloser leute gewalt fallen möge A. H. Bucholtz Herkules und Valiska (1666) 1, 80; dann warum mancher sohn ganz tugendlos ... ist die ursach, weil sein mutter ein wasser ist gewest Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 112; indem sie (die irrtümer) dahin zielen, alle monarchieen für tugendlos zu erklären K. L. v. Haller staatswissensch. (1816) 1, 54; nichtswürdige männer ihr, ehrlos und tugendlos, nur schlacken der schöpfung E. Raupach dram. w. ernster gattg. (1835) 2, 251 44) als attribut zu menschlichen eigenschaften: sol liegen witze sîn, sô pflegent si tugendelôser witze Walther v. d. Vogelweide 28, 27 Kr.; also chom ein tugentloser sit, do wart die werlt verkeret mit, daz man verschamter wibe pflac mhd. erzählungen nr. 143, 87 R.; es kann einem menschenverächter gelingen, mit tugendloser klugheit einen haufen Iloten in schreckenvoller ordnung zu beherrschen, aber für ihn ist auch keine wollust der liebe, kein vertrauen, keine freude der menschlichkeit mehr H. P. Sturz schr. (1779) 2, 99. — umschreibend für einen tugendlosen menschen: wissend dasz ein tugendloses gemühte ärger, dann die betteley selber sey G. Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 103; so wirst du nie mit jährlichen geschenken sein tugendloses aug erfreun Thümmel reise (1791) 9, 206. —
3837 Zeichen · 73 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tugendlosadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Tugendlos , — er, — este , adj . u. adv . (R.) ohne Tugend, der Tugend ermangeld, weniger und milder als untugendhaft od…

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tugend+los

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tugendlosigkeit

DWB

tugend·losigkeit

tugendlosigkeit , f. : die völlige tugendlosigkeit und der herrschende leichtsinn des gestrigen tages nagten mich so tief, dasz ich einige m…

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APA
Cotta, M. (2026). „tugendlos". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/tugendlos/dwb?formid=T14325
MLA
Cotta, Marcel. „tugendlos". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/tugendlos/dwb?formid=T14325. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „tugendlos". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/tugendlos/dwb?formid=T14325.
BibTeX
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