tuffel,
tüffel,
m., pantoffel. herkunft und form. das wort ist nd. kürzung von pantoffel (
s. teil 7,
sp. 1425/6),
neben toffel (
teil 11, 1, 1,
sp. 630),
das im nd. seltener begegnet, dafür im hd. verbreitet ist; vgl. Schmeller-Fr. 1, 590; Fischer
schwäb. 1, 622; Martin-Lienhart
ds. 2, 657
b.
der versuch Vasmers
in rocznik slav. 3 (1910) 254/55,
die kürzung als fortlassung des ersten kompositionsgliedes eines volksetymologisch aus pantoffel
umgedeuteten bandtoffel (
vgl. die entsprechende bildung bundschuh)
aufzufassen, ist unnötig ebenso wie die annahme Knutssons
zs. f. slav. philologie 4 (1927) 883/90,
der das abgestoszene erste glied als nd. pand '
stück, fetzen'
deutet; bei wörtern fremder herkunft begegnet auch sonst starke verkürzung (
vgl. entsprechend 3tüffel).
in den na. maa. ist tuffel
belegt bei Hupel
Lief- u. Esthl. (1795) 242; Doornkaat-Koolman 3, 442;
brem.-ndsächs. 5 (1771) 120; Deiter
Hastenbeck 22, 151; Flemes
Kahlenberg 20, 371; Frederking
Hahlen 146; Schambach
Götting. 236; Damköhler
Nordharz 197; Sprenger
Quedlinb. in: nd. jb. 30, 28; Liesenberg
Stieger ma. 141;
als tüffel Dähnert
plattdt. wb. (1781) 497; Mi
Mecklenburg 95; Schütze
Holst. 4 (1806) 286; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 196 -98;
Prignitzer volksbücher 51 (1923) 19; Danneil
altmärk. 228
b; Jellinghaus
Ravensberg 153;
entrundet Teuchert
neumärk. in zs. f. dt. maa. (1910) 240.
das mnd. wort wurde in die skandinav. sprachen, schwed. toffel:
dän. tøffel,
älter toffel Falk-Torp 1314; Hellquist
3 1199,
und ins slaw. entlehnt: obersorb. tufle, tofle;
ndsorb. tofjel;
mundartl. poln. dyfla;
russ. tuflja '
leichter, vornehmer damenhalbschuh' Bielfeldt
dt. lehnwörter im obersorb. (1933) 277/78;
polab. tefflí. duffli,
pl., '
pantoffeln' Rost
sprachreste d. Draväno-Polaben im Hannöverschen 37; 142.
bedeutung und gebrauch. der pantoffel war ursprünglich ein besonders leichter, bequemer schuh aus stoff oder leder, der von den Byzantinern aus kork hergestellt wurde; daher humanistengriech. παντόφελλος '
ganzkork',
das altgr. und anscheinend auch mgr. nicht belegt ist; zudem müszte es als entlehnung aus mundartl. griech. überlieferung it. *pandofilo
lauten, s. Meyer-Lübke 6208.
er wurde zunächst nur von vornehmen getragen, s. Seiler kultur 2, 246;
das russ. hat diese ursprüngliche verwendung bewahrt. in Deutschland büszt er immer stärker den charakter des vornehmen schuhwerks ein und wird später für gewöhnlich aus holz hergestellt. diese entwicklung spiegelt sich in der literarischen bezeugung deutlich ab: so schalen ock die dienstmegede ... die sidenen linten vnd tripen tuffeln afleggen vnd ... an der tripenen tuffeln stede auer gude durhaftige ledderscho edder tuffeln dragen (1570)
stralsundische chron. 3 (1870) 450
Zober; idt scholen ock keine dienstmegede golt an den tuffeln, samitt an den kragen, keddele an den rocken ... dragen (
vor 1572)
bürgersprachen d. stadt Wismar 337
Techen; dat unglücklyckste deel (
von samt) verdömet is dartho, dat idt den megden wert tho tüffeln edder scho, darmit se in den dreck bet an de enckeln lopen, wen se vam pludermarckt und schrangen etwas kopen Lauremberg
nd. scherzged. (1652) 2,
v. 730; alle de kaisers un de königen de legen vor ehr (
papst) up de kne un küßden ehr den tüffel Ph. O. Runge
hinterlass. schr. 1 (1840) 434; de een op steweln un mit hot un stock, ... de anner kehm in tüffeln mit en pip Klaus Groth
Quickborn (1853) 163; de schauster hadd en en'n planlaken äwer de warkstäd deckt, hadd sick tüffeln antreckt un satt nu mit 'ne lang' pip an den aben un tügt sick en kraus bier Fr. Reuter
w. 7, 455
Seelmann. nur ausnahmsweise begegnet das wort in schriftsprachlicher umgebung: ich bin auff eine zeit daheim zur hochzeit geladen worden, hatte auch das glück, dasz ich bey eine jungfrau, een gladde deeren, sagen die unsrige, zu sitzen kommen ... dasz sie alsobald aus dem kosthause nach hause zurannte, als ob der feind hinter ihr wäre. nimmt mich wunder, dasz ihr die tuffeln nicht von den füszen gefallen, wiewohl ich glaub, dasz die beschmierte tuffeln voller koth und die rothe strümpffe sehr beschmieret worden
gepflückte finken (
o. o. u. j.) 111; dem buchbinder nimmt er die 'tüffeln' weg ... während solcher scherze musz der ehrsame handwerksmeister in den stiefeln des scharfrichters sitzen, die dieser mitleidig ihm geliehen hat Storm
s. w. 8, 62
Köster. für gewöhnlich ist sein auftreten an nd. sprachgebrauch geknüpft: so ok ein meister were, de samtkop vorkopen wolde als by gulden tale, de schall de tuffelen nicht van sick leveren (1525)
ältere zunfturkd. von Lüneburg (1883) 171
Bodemann; windel-bänder,kinder-doock,tuffeln,uhlckens, piecken, mützen (1726)
meckl. hochzeitsged., nr. 20, 4
Kohfeldt; da murrt un gnurrt dat murmeldeert; se rümpt de näs' un dreit den steert; ja vaken kriegt ji knüffel mit ehrem spizen tüffel J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 162; dat wohrt ok nich lang', dunn latschten de beiden ollen up ledderne tüffel mit ehr in de stuw' herinne Fr. Reuter
w. 2, 44; 7, 111
S.; un denn keem en paar witte barföt in holten tüffeln dat steile öwer hindahl Klaus Groth
ges. w. (1893) 4, 12; alles weer wul stöwi, awer witt und drög, sogar de leddern tüffeln
ebda 3, 14; un makte mine gangort nah, so gaut as dat in hölten tüffel (
sic!) geiht Heinrich Seidel
ges. w. (o. j.) 4, 173.
vgl.tüffeln, tuffelmacher,
tuffenmacher.