trefflichkeit,
f.,
vorzüglichkeit, gute qualität, von trefflich. —
lexicographisch schon im 16.
jh. bezeugt, noch mit spuren der älteren bedeutung von trefflich (B) '
gewichtig'
: existimatio, pondus achtbarkeit, treflichkeit Alberus (1540) r r 2
a,
doch schon in der modernen bedeutung der reinen qualität: virtus, bonitas tugent, treffligkeyt, fürtreffligkeyt, tapfferkeit
etc. ebda y 3
b; treffelickheyd
praestantia, excellentia, eminentia Kilian (1605) 566; trefflichkeit
eccellenza, singolarita, famosita Hulsius (1618) 249
b. —
seit dem 17.
jh. in gehobener sprache auszerordentlich beliebt. meist als allgemeines attribut von personen: in summa, die natur hat disz an euch (
mädchen) gethan, dasz ewre treffligkeit kein mensch beschreiben kann Opitz
teutsche poemata 91
ndr.; doch männern deiner trefflichkeit versagt der himmel keine kronen A. v. Haller
gedichte 145; Schultz, dessen trefflichkeit sie mit wenig gleichniszworten schildern Göthe IV 36, 188
W.; von dem gedanken seiner trefflichkeit durchbohrt, verschwinde in das leere nichts Hebbel
w. 1, 114
Werner; Minerva schämet sich, dasz sie in tugendhafften treffligkeiten nicht mehr die vortrefflichste ist Chr. Weise
erznarren 57
ndr.; dort, in Florenz, verehrte man vorzeiten ein schönes weib, voll stolz und trefflichkeiten Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 293; bey welchem einzelnen menschen oder ganzen volk man den aufrichtigen und selbständigen schein findet, da darf man auf geist und geschmack und jede damit verwandte trefflichkeit schlieszen Schiller 10, 373
G.; menschliche trefflichkeit ward zum unübertrefflichen, zum gottähnlichen, gesteigert J. H. Voss
antisymb. 170; wer kann an trefflichkeit dem groszen Cyrus gleichen? Gottsched
deutsche schaubühne 5, 17; er (
der held) bracht es nun in wenig tagen zu solcher hohen trefflichkeit, dasz staunen, schrecken, angst und zagen ergriff die ganze christenheit Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. 4, 23.
in beliebter personifizierung: wofern ich nit in deiner person eine hochschätzbare trefflichkeit verehren müste Chr. Weise
grünend. jugend 195
ndr.; wie soll dir Deutschland dancken? das deiner trefligkeit so hoch verbunden bleibt Lohenstein
Arminius (1689) 1, f; hier liegt das ädle bild begraben, der recht vollkomme tugendpracht, der auszug aller treflichkeiten, so je gelebt bey unsern zeiten Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 329; glaubt, dass wer nach uns soll aus licht gebohren werden, euch, helden! rühmen wird! ja wenn der kreysz der erden in flammen nun vergeht, wird eure trefligkeit, bekrönt mit steter ehr, verlachen tod und zeit Gryphius
trauersp. 124
Palm; des geistes hohe gaben acht ich alle, doch erst, wenn so des äuszern trefflichkeiten, herolden gleich, vor ihnen her trommeten, dann ziehn sie ein als könige der welt Grillparzer
s. w. 6, 166
Sauer; anders: edel und glänzend treten dann segensreiche herrscher, ein Vespasian, Titus ... auf: isolierte trefflichkeiten, grosz für sich, aber auf hohlem grunde Fr. Th. Vischer
ästh. (1846) 2, 245.
als attribut von sachen u. ä. reichlicher bis in die moderne prosa bezeugt: du hochgeborne fraw, die du so reich gezieret mit gaben und geschenck desz himmels mannigfalt, der dich mit treffligkeit der edelen gestalt begabt, dasz seine macht werd in dir recht gespüret Opitz
teutsche poemata 77
ndr.; andere weibspersonen verwunderten sich nicht allein über die kostbar- und künstlichkeit dieses kleides, sondern auch über die trefflichkeit des verstandes dieser frauen v. Hohberg
georg. curiosa aucta 3 (1715) 1, 79
b; ... dir gleicht keine der weiber an gestalt, an grösze, und treflichkeiten des geistes! Voss
Odyssee 339
Bernays; die trefflichkeit deines gemüths wird dich sehr bald den richtigen takt im verkehr mit anderen menschen lehren Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 62; des Febus güldnes licht mit feur gemengten strahlen hat feld, wald, berg und tahl in diser sommerzeit vol bluhmen, laub und grasz so köstlich lassen mahlen dasz man sich wundern musz der zier und trefligkeit Rist
Parnasz (1652) b 7
d; des herrn Coringii ... urtheil von der tefflichkeit der teutschen sprache Morhof
unterricht v. d. dtsch. sprache (1682) 1, 447; aber unter allen trefflichkeiten dieses trefflichen stückes (
eines bildes) ist doch nichts, wie der greis Lavater
physiogn. fragm. 1, 112; von der trefflichkeit des gedichts brauch ich nichts zu sagen Göthe IV 39, 30
W.; studium und erkenntnis der mittelhochdeutschen dichtkunst haben ... lange nicht so um sich gegriffen, als man von der trefflichkeit ihrer denkmäler erwarten sollte
gramm.2 1, 8; und wenn oft die nämlichen dinge im schusterhause in Gschaid ohnedem in aller trefflichkeit vorhanden waren, so gab sie die grossmutter in der freude des gebens doch Stifter
s. w. 5, 1, 218
Sauer; und überzeugte bald meine basen und den schulmeister von der trefflichkeit meines vorschlages G. Keller
ges. w. 1, 361; darin (
in der glashütte) man allerlei form ... der guten und beständigen, auch klaren fensterscheiben macht, so in ferne länder von hinen aus wegen ihrer trefligkeit abgeholt werden Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 460; die freundlichkeit des ortes selbst, die trefflichkeit der verpflegung und die schönheit der gegend Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 304.
allgemeiner: so keck als arm, miszbraucht das göttliche, verkauft für treflichkeit, was es nicht ist Herder 27, 341
S.; verherrlichen und preisen kann man jedes ... indem man es rühmt oder seine trefflichkeit und vollkommenheit in seiner art heraushebt Schleiermacher
weihnachtsfeier 42
Mulert.