töpfchen(tüpfchen),
n. ist als verkleinernde gefäszbezeichnung seit dem 18.
jh. die schriftsprachliche normalform des demin.; mundartlich wird die chen-
ableitung auch in anderen bedeutungen gebraucht. 11)
als verkleinernde gefäszbezeichnung wurden im mittelfr., rheinfr. und westthür. deppchen
und dippchen
zu den entsprechenden formen der īn-
ableitung und des fem. gebildet; vgl. 1topf III
sp. 823
f. im obers., besonders in Leipzig, gilt als demin. zu dem masc. der o-
form deppchen, täppchen Müller-Fraureuth 1, 229; Albrecht 223;
im ostpreusz. begegnet zu der aus dem schles. stammenden grundform die bildung toppke Frischbier 2, 406.
die obersächs. dialectform in unverschobener lautung ist neben der schriftsprachlichen normalbildung mit dem lein-
suffix gelegentlich schon von Luther
verwendet worden. aber erst am anfang des 18.
jhs., zur zeit des maszgebenden einflusses der Leipziger literatur, hat sich die chen-
verkleinerung in der schriftsprache durchgesetzt, und seither ist von ihr das töpflein
zum theil auch in der höheren umgangssprache zurückgedrängt worden; Adelung 4, 629
und Campe 4, 850
haben das töpfchen
bereits als die regelmäszige deminutivform verzeichnet. [] der gebrauch des demin. ist in den maa. und in der schriftsprache reich entwickelt und erscheint vielfach auch in sprichwörtlichen wendungen: es wyrdt yn der küchen nicht szo gleych zugehn, das nicht eyn topchen eyn beyn musse verlieren Luther 29, 542
Weim.; so topke, so sterdke
aus Ostpreusz. bei Wander 4, 1275; et es geen döpchen esu kleng, et fengt doch en deckelche Weitz
Aachen 36; der în hu
et det däppchen zerbrôchen, der ânder det dkelchen
siebenb.-sächs. wb. 2, 94; das deppchen hat henkel gekriegt
sagt man, wenn jemand die arme in die seiten stemmt Albrecht
Leipzig 223; de känjt štôn dô, w de däppcher un der rum (
am rahmen)
siebenb.-sächs. wb. 2, 94; da ist so viel zu bestreiten in der haushaltung, vom hemd bis auf die schuhe und schüsselchen und töpfchen B. v. Arnim
frühlingskranz 14, (
sie) brachte zwei töpfchen, eine schale, eine tasse .. herein Stifter 3, 269; jeder hatte ein töpfchen oder ein schächtelchen neben sich G. Keller 4, 99; aufrecht stand der dicke mops und in seinen vorderpfoten hielt er sehr geschickt ein töpfchen Heine 2, 403; e schi
ärt de koln bai sai däppchi '
er will alles an sich raffen'
siebenb.-sächs. wb. 2, 94; (
ein) alchymist, der ein töpfchen .. auf dem feuer hat Lichtenberg
Hogarthische kupferstiche 3, 320; (
sie) nahmen ein töpfchen .. vom feuer Eichendorf 3, 84; klîn däppchen lûfe (ke
ochen) schni
el iwer '
kleine leute werden leicht zornig'
siebenb.-sächs. wb. 2, 94; (
mein glück) machte mich so hochmütig, dasz mein töpfchen sehr geschwind sich auskochte Hermes
Sophiens reise 6, 541; da kenne ich welche, die kochen in de kleenen teppchen, un de groszen, die schmeiszen se derbei um Müller-Fraureuth 1, 229; sie heben rusz'ge stürzchen und rühren um im töpfchen Rückert 2, 219; dieses alles thut man in ein töpffgen, geust wein und brühe darzu Amaranthes
frauenz.-lex. 6; dasz ... ein gut theil vom wasser in das neue töpffgen krieche Schmidt
rockenphil. 1, 97; mit einem ein töpfchen auszuessen kriegen '
mit einem einen streit bekommen'
Wander 4, 1275; sein eigen töpfchen schrapen '
einen eigenen hausstand führen'
aus Ostpreuszen ebenda; si tu hic esses, aliter sentires, guckt ein solcher in sein eigen töpffgen, alsdenn wird er es gewahr, und glaubet, was er vorher nicht hat glauben wollen
der wohlgeplagte priester 90; einem das döppchen aufdecken '
etwas bisher unbekanntes, meist ehrenrühriges von einem sagen' Crecelius
oberhess. 1, 281; do deck euch dort der ganz stadt Meenz ehr dippche uff Kehrein
nassau. 112. ein töpfgen mit sardellensalat
Leipziger aventurieur 1, 154; dies töpfchen mit schmorfleisch Arnim 1, 5; ein töpfchen mit fett Grimm
märchen 1, 6; mit dem töpfchen voll rahm Körner 2, 186; ein töpfchen leichte citronengelée Göthe IV 29, 188
Weim.; mein töpfchen heiszes wasser zum rasiren J. Gotthelf 5, 3; ein töpfchen milch Holtei
erz. schr. 18, 150.
wie das grundwort so bezeichnet im obers. auch das demin. den ein halbes masz fassenden bierkrug: es wird etwa seit 1835
fast ausschlieszlich gebraucht für '
seidel, glas bier' Albrecht
Leipzig 223; s' teppchen geht ze biere, bis emal der boden kaput geht Müller-Fraureuth 1, 230; das töpfchen aus dem der weise primaner tranck Lichtenberg
briefe 3, 294.
auch sonst ist es trinkgefäsz: alle trinken gierig .. aus töpfchen G. Hauptmann
Rose Bernd 68; ein jeder kommt mit seinem töpfchen früh morgens an den sprudel und genieszt das heisze wasser Göthe IV, 7, 73
Weim. das nachtgeschirr wird bezeichnet: ein töpfchen, auf dem er sie (
die kinder) abhielt Bismarck
briefe a. s. braut u. gattin 324.
das blumengeschirr: stell sie vor dem fenster drinnen in ein töpfchen nett und rein Hoffmann v. Fallersleben 1, 176; wie ein myrtenreis im töpfchen, das an einer quelle trinkt Brentano 2, 218.
auf einem alten miszverständnis beruht der gebrauch des verkleinernden gefäsznamens in der wendung deppchen malen.
mit ihr umschreibt man geradeso wie mit männchen
[] malen
im obers. eine thätigkeit, auf die man als auf ein beispiel ganz besonderer kunstfertigkeit hinweisen will; vgl. Albrecht
Leipzig 223.
dasz sie nicht ursprünglich auf das bemalen von thon- oder porzellangefäszen bezogen worden sein kann, das weder im obers. noch sonst wo als eine besonderes geschick erfordernde beschäftigung gilt, ist mit recht schon von Müller-Fraureuth 1, 229
betont worden. allein auch die hier ausgesprochene vermutung, dasz in dieser wendung döckchen '
puppe'
ursprünglich gebräuchlich gewesen und später durch deppchen
ersetzt worden sei, trifft nicht das richtige. es handelt sich vielmehr um den ersatz der auf obers. boden miszverstandenen l-
ableitung, die im fränk. als masc. zu dem grundwort in der bedeutung '
punkt'
gebildet wurde und deren ältere o-
form in westmd. maa. teilweise heute noch neben der vorherrschenden jüngeren u-
lautung begegnet; vgl. 1topf I 2 b
und töpfel.
ein tüpfel-(tüppel-) mahler
aber ist '
in einigen gemeinen maa.' —
d. h. im fränk. — '
ein migniaturmaler',
der die figuren tüpfelt (tüppelt)
indem er sie '
punktiert, vermittelst kleiner punkte verfertigt' Adelung 4, 723; Campe 4, 911.
der hinweis auf die technik des kleinmalers als auf ein beispiel ausnehmender kunstfertigkeit ist unmittelbar verständlich. im ostmd. hat man jedoch die bezeichnung mit der l-
ableitung miszverstanden und in den demin. gefäsznamen umgedeutet. in jenen ostmd. maa., die das lein-
demin. verwenden, erscheint das miszverständnis allerdings verhüllt, denn hier ist auch die verkleinernde gefäszbezeichnung mit dem stammvokal u
gebräuchlich; vgl. töpflein.
daher kann auch noch der ursprüngliche sinn der wendung verstanden werden z. b. im erzgeb.: jemande goldene tippeln vormalen '
etwas ganz besonderes leisten' Müller-Fraureuth
aao.; oder im oberlaus.: der möchte tüppel malen können Klix
oberlaus. sprichw. 108.
in der obers. lautung aber kommt das miszverständnis deutlich zum ausdruck: die westmd. form töppel
ist schon in alter zeit als verkleinernde gefäszbezeichnung aufgefaszt und daher durch das in dieser verwendung gebräuchliche obers. chen-
dem. ersetzt worden. bereits im 16.
jh. heiszt es: dieweil sie (
die dienstleute) mir die kinder nicht für gut halten, so wil ich sie nicht lenger bei mir behalten, und wenn sie könten töpgen malen P. Glaser
gesindteufel (
Leipzig 1564)
E 7
a; und später: die köchin müszte mir aus dem dienste und wenn sie töpfchen malen könnte
die lustigen Leipzigerinnen (1765) 6; die kleine Cordula will lauter töpffgen malen, allein das äffgen kan mit wenig vorrath prahlen
curios. saxon. (1756) 327;
man sagt: du kannst mir deppchen malen '
du kannst mir noch so zureden' Albrecht; ich wer' eich teppchen malen! '
bildet euch nur nichts ein!' Müller-Fraureuth. 22)
das demin. wird auch zu dem grundwort in anderen bedeutungen gebildet. im westmd. und westfäl. ist das dillendäppchen, dilldöppken, diddeldöppken
der '
kleine kreisel'
luxemb. wb. 63;
vgl. 1topf II 1, d
und 4topf.
im ostfries. platt z. b. ist doppke
auch die '
kleine vertiefung, höhlung in der erde',
die '
kleine fingerspitze',
die '
kleine schale, kapsel';
s. Doornkaat-Koolmann 1, 315
und vgl. 1topf II 2
u. 3.
auch der kleine deckel wird mit nieders. döpken,
niederl. dopje
bezeichnet; vgl. töpfchenspiel, töpfchenstutzer
und 1topf II 6.